Asiatische SUVs im Vergleich: Nissan X-Trail vs. Mazda CX-5 und Hyundai Santa Fe Kompakte Alleskönner

29.09.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE 
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Kompakt-SUV sind die Meister des Familienalltags: groß, praktisch und sicher. In diesem Segment soll der neue Nissan X-Trail mit überarbeitetem Konzept wieder angreifen. Vergleichstest gegen Hyundai Santa Fe und Mazda CX-5

Um den neuen X-Trail vom Qashqai zu unterscheiden, braucht es schon einen Experten. Der aktuelle X-Trail ist nicht mehr kantig-kastig, sondern schnittig geformt – so wie es sich für ein Kompakt-SUV anno 2014 gehört. Schluss mit Pragmatik, jetzt mischt der Japaner bei den Lifestylern mit – und die sind sehr gefragt, wie zum Beispiel der Mazda CX-5 mit in Deutschland 13.087 verkauften Exemplaren von Januar bis August dieses Jahres.

Ob der X-Trail im neuen Gewand an die Verkaufszahlen von früher anknüpfen kann, wissen wir nicht – wie es um die Eigenschaften des Nissan steht, nach diesem Vergleichst aber sehr wohl. Mit von der Partie ist die asiatische Konkurrenz von Hyundai und Mazda. Santa Fe und CX-5 haben 150 PS starke Turbodiesel mit 2,0 und 2,2 Liter Hubraum unter der Haube, im X-Trail arbeitet der 1,6-Liter-Selbstzünder aus der Renault-Nissan-Allianz  mit 130 PS – es ist das für ihn momentan einzige erhältliche Aggregat.

 

KAROSSERIE 

Großer, variabler und moderner X-Trail mit optional sieben Sitzen

In Zukunft wird es keinen Qashqai+2 mit sieben Sitzen mehr geben, diese Aufgabe erfüllt ab sofort der 4,64 Meter lange X-Trail, wenn man zusätzlich 800 Euro investiert. Das macht den Nissan zum variabelsten SUV in diesem Vergleich, auch wegen der vielfach einstellbaren und serienmäßig dreiteilig klappbaren Fondlehne sowie der asymmetrisch geteilten, längs verschiebbaren Rückbank. All diese Gimmicks bietet auch der Hyundai, sieben Sitze gibt es aber nur für den Grand Santa Fe.

Zwar bleibt für die Mazda-Passagiere im Fond am meisten Raum über dem Scheitel, und im Nissan hat man ähnlich viel Beinfreiheit wie in der Luxusklasse. Doch unterm Strich offeriert der Koreaner vorn und hinten am meisten Platz, vor allem die Ellenbogenfreiheit ist enorm. Am meisten Gepäck schluckt der neue X-Trail, in seinem doppelten Ladeboden aus Kunststoff fliegen allerdings verstaute Gegenstände während der Fahrt leicht hin und her.

Hyundai verbaut an dieser Stelle rutschfestes Material und stattet den Santa Fe obendrein mit einem Spannnetz aus, unter dem man kleines Gepäck oder Einkäufe einfach fixieren kann. Bei Bedarf verträgt der Koreaner bis zu 731 Kilogramm Last und kann maximal 2,5 Tonnen ziehen. Höchstens 2000 Kilo schwer dürfen die Anhänger für CX-5 und X-Trail sein, auch die maximale Zuladung fällt mit 546 respektive 489 Kilogramm deutlich geringer aus.

Zwar fahren Hyundai und Mazda mit allerlei Sicherheitsfeatures (meist gegen Aufpreis) vor, beim Blick auf die Preislisten ist aber schnell klar, wer hier das modernste Automobil ist. Der Nissan hat Assistenten für die Notbremsung, das Halten der Spur, die Erkennung von Verkehrsschildern, eine Anzeige der exakten Luftdrücke in den Reifen und Parkpiepser vorn sowie hinten ab Werk schon an Bord. Assistenten fürs automatische Einparken und Spurwechseln sowie Rundumsicht-Kameras gibt es gegen Aufpreis.

Qualitativ macht der X-Trail nicht den besten Eindruck. Knistergeräusche aus dem Armaturenträger, die auf holprigen  Strecken klapprigen Fond-Lehnen und der mehrmalige Ausfall des Radios und zeitweise auch des Navigationssystems sind die Schwächen des jüngsten Japaners in diesem Test. Der Mazda dagegen zeigt sich recht solide, auch wenn die Materialauswahl im Innenraum auf den ersten Blick nicht besonders hochwertig anmutet.

In Sachen Bedienung und Funktion holt der Mazda die entscheidenden Punkte mit seinem praktischen Dreh-Drück-Steller und einfacher Menüführung. Als einziger offeriert der Santa Fe einen Motorhauben-Aufsteller mit Gasdruck-Dämpfer. Gewöhnungsbedürftig ist die Tankdeckelentriegelung aus dem Cockpit in allen drei Asiaten.

HYUNDAI Santa Fe 2.0 CRDi 2WD
MAZDA CX-5 SKYACTIV-D 150 FWD
NISSAN X-Trail 1.6 dCi 2WD
150 PS 150 PS 130 PS
0-100 km/h in 10,3 s 0-100 km/h in 8,9 s 0-100 km/h in 10,3 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 187 km/h Spitze 202 km/h Spitze 188 km/h
7,6 l D/100 km 6,5 l D/100 km 6,3 l D/100 km
Grundpreis: 32.920 Euro Grundpreis: 26.090 Euro
Grundpreis: 26.790 Euro

 

FAHRKOMFORT

Ergonomischer Santa Fe, leiser und komfortabel federnder X-Trail

Laut ihrer Maße bieten die Hyundai-Sitze vorn den meisten Platz in Breite und Tiefe. Auch die Lehne reicht höher als die der Konkurrenten – allerdings fehlt es an Konturierung. Noch weniger Seitenhalt bieten nur die Nissan-Sitze. Das Gestühl im Mazda ist zwar nicht das größte, dafür freuen sich die Passagiere hier über den größten Langstreckenkomfort. Zudem kann man die Lehne stufenlos per Drehrad einstellen. Im Fond ist es umgekehrt. Hier lässt sich die Lehnenneigung nur in Hyundai und Nissan einstellen, außerdem ist der Fußboden im X-Trail so tief, dass man mit kaum angewinkelten Beinen sitzen kann.

Zwei Becherhalter bieten alle drei SUV für die Fondpassagiere, plus kleinen Fächern in den Seitentüren. Die praktischsten Ablagen im Cockpit haben der Hyundai und der Nissan, wobei in die Seitentüren des X-Trail nur 0,5-Liter-Flaschen passen. Angenehm ist die niedrige Ladekante auf Höhe des Ladebodens beim Nissan. Dem Mazda würden etwas größer dimensionierte Digitalanzeigen sowie ein paar Zoll mehr Navi-Display gut tun.

Auch im Segment der kompakten SUV spielt Geräuschdämmung eine große Rolle, denn oft werden die Lastenesel für lange Urlaubstouren genutzt. Besonders leise ist der neue X-Trail – subjektiv empfunden und objektiv gemessen. Vom ab Landstraßentempo stärker werdenden Fahrtwind hört man im Nissan am wenigsten. Klimaanlagen sind in allen drei Testkandidaten serienmäßig verbaut, die automatische Temperaturanpassung in zwei Zonen gibt es gegen Aufpreis. Eine Standheizung für den Winter bietet nur der Mazda optional an, der Hyundai beheizt die Fondplätze gegen Aufpreis, und im Nissan werden die vorderen Becherhalter bei Bedarf durch zusätzliche Luftausströmer erstaunlich effizient gekühlt.

Mit wenig Ballast an Bord gefällt die Fahrwerksabstimmung des X-Trail am besten. Er federt sauber an und verarbeitet abfallende Absätze auch beim Ausfedern gekonnt – ohne Hoppeln, Springen oder Poltern. Mit knapp einer halben Tonne mehr Gewicht an Bord sprechen Federn und Dämpfer immer noch gut an, wirken aber speziell beim Überfahren von Querkanten deutlich weniger souverän. Dass Mazda und Nissan am wenigsten zuladen dürfen, hat seinen Grund: Die Reserven der Hinterachsfederungen sind auf Buckelpisten bei zunehmendem Tempo bald aufgebraucht.

Ganz anders der Hyundai: Dessen Karosserie sinkt zwar schon im Stand verdächtig tief, sodass kaum noch Platz mehr zwischen Radhaus und Reifen bleibt. Doch mit 2510 Kilogramm Gesamtgewicht federt der Koreaner auf kleinen Unebenheiten deutlich geschmeidiger als ohne die 22 Sandsäcke, mit denen wir den Santa Fe neben der vierköpfigen Besatzung beladen haben.

Nur mit einer Person an Bord wirkt die Santa Fe-Karosserie spürbar zittriger und lässt sich schneller durch Unebenheiten aus der Ruhe bringen. Außerdem sind die Räder weniger gut von der Karosserie entkoppelt als etwa im Nissan. So dringen Stöße auch akustisch stärker in den Innenraum. Trotz straffer Fahrwerksabstimmung lässt sich der Mazda kaum aus der Ruhe bringen, er gerät aber auf stark malträtierten  Fahrbahnoberflächen  teilweise ähnlich stark in Bewegung wie der Santa Fe.

 

MOTOR/GETRIEBE

Kleiner und sparsamer Nissan-dCi, durchzugsstarker Mazda-Diesel

Trotz weniger Leistung und Drehmoment ist der nur 1,6 Liter große Selbstzünder im Nissan ausgesprochen durchzugsstark. Zudem fällt er durch kultivierten Lauf und Effizienz positiv auf. 6,3 Liter Diesel genügen dem Vierventiler durchschnittlich auf 100 Kilometern – der stärkere 2,2-Liter-Motor im Mazda braucht nur einen Hauch mehr Kraftstoff, ist ähnlich durchzugsstark, macht den CX-5 aber zum besseren Sprinter und bis zu 202 km/h schnell. Auch das Getriebe des Mazda bereitet Freude mit knackiger Schaltung und kurzen, klar geführten Gassen.

Die Übersetzung ist ähnlich ausgelegt wie die des Hyundai: Knapp 2300 Umdrehungen stehen im sechsten Gang bei Tempo 130 an. Der Nissan ist kürzer übersetzt. Seine Kurbelwelle dreht sich bei gleicher Geschwindigkeit etwa 200 Mal mehr pro Minute. Der 2,2 Liter große Turbodiesel des Santa Fe hat Power, doch bei den Sprint-, Durchzugs- und besonders bei den Verbrauchsmessungen leidet der Hyundai unter seiner großen Masse: 7,6 Liter Diesel braucht er auf 100 Kilometern.

Schade ist, dass im Koreaner bei Tacho 190 und etwa 3500 Umdrehungen der Vorwärtsdrang ein abruptes automatisch begrenztes Ende hat, denn an mangelnder Leistung liegt es nicht. Nervig: Bleibt man konstant auf dem rechten Pedal, hat die Elektronik Probleme, das Tempo konstant bei 187 km/h (Werksangabe) zu halten. Stattdessen nimmt sie abwechselnd Gas weg, um dann wieder zu beschleunigen – zwei km/h runter, zwei km/h rauf. Dasselbe Phänomen zeigt sich bei der Fahrt mit dem serienmäßigen Tempomaten.

 

FAHRDYNAMIK

Fahraktiver Mazda, Hyundai und Nissan sind träger

Kurze Karosserie, straffe Fahrwerksabstimmung, niedrigster Schwerpunkt: Der CX-5 hat alle wichtigen Zutaten für ein agiles Handling. Dass zudem seine Lenkung angenehm direkt ist sowie die beste Rückmeldung in diesem Vergleich gibt und die Bremskraft über das Pedal gut dosierbar ist, bringt ihm weitere wichtige Punkte ein. Bei der Bremsmessung liegt er mit dem X-Trail auf einem Niveau – das war es aber auch mit den Gemeinsamkeiten.

Der Nissan mag es eher gemächlich, er ist kein Dynamiker. Auch der träge Hyundai schiebt sich nur widerwillig und früh untersteuernd durch die Slalomgasse. Das gleiche Bild zeigt sich auf der Handlingstrecke. Außerdem gerät er in Wechselkurven am stärksten in Bewegung und hat etwas mehr Mühe, seine Kraft über die Vorderräder immer vollständig auf die Straße zu bringen. Die mit kalten und warmen Scheiben rund einen Meter längeren Bremswege kosten ihn abermals einige Punkte.

 

UMWELT/KOSTEN

CX-5 und X-Trail sind günstig, lange Hyundai-Garantie

Dass frontgetriebene Kompakt-SUV ideale Familienautos sind, ist unbestritten. Doch wo bekommt man am meisten Auto fürs Geld? CX-5 und X-Trail liegen lediglich 700 Euro auseinander, zugunsten des Mazda. Der Abstand zum mindestens 32.920 Euro teuren Santa Fe ist mit über 6000 Euro deutlich größer, denn die Serienausstattung des Koreaners ist nicht reichhaltiger als die seiner asiatischen Rivalen. Die Multimedia-Zutaten ab Werk sind in allen drei Fahrzeugen gleichermaßen reichhaltig – inklusive USB- und AUX-Anschluss sowie Bluetooth-Freisprecheinrichtung (X-Trail).

Die Standard-Sicherheitsausstattung des Nissan fällt aber deutlich üppiger aus. Jedoch sollte man genau darauf achten, auf welche Extras man verzichten kann, denn oft sind Optionen nur in Verbindung mit Paketen oder höheren Ausstattungen erhältlich, die viel Geld kosten und womöglich Features enthalten, die man gar nicht haben will. Das Studium der Preislisten ist dementsprechend aufwändig.

Der Wiederverkaufswert spricht für die Japaner, das gilt auch für die Kraftstoffkosten. In Sachen Garantien aber hat der Hyundai mit fünf Jahren auf Technik und Lack die Nase vorn. Mazda und Nissan gewähren hier jeweils drei Jahre, die unbegrenzte Mobilitätsgarantie gibt es nur für den CX-5. Die Werkstattkosten von Santa Fe und X-Trail mussten wir für diesen Vergleich schätzen lassen, da zum Redaktionsschluss noch keine ausreichenden Daten vom ADAC vorlagen.

 

FAZIT

Heimlich, still und leise holt sich der fahrdynamische Mazda CX-5 mit günstigen Kosten, hohem Komfort und sehr gutem Antrieb den Sieg im Vergleichstest. Trotz kompakter Maße bietet er allerhand Platz und hält den Abstand zu den größeren Konkurrenten im Karosseriekapitel klein.

Der neue Nissan X-Trail verliert vor allem durch seine trägere Grundabstimmung. Sein Antrieb ist aber effizient sowie kräftig, und im Alltag zeigt er noch immer den X-Trail-typischen Pragmatismus – was ihn zum variablen  Lastenesel, Langstrecken- und Familienauto macht.

Der Hyundai Santa Fe verliert hier den Anschluss, weil er deutlich  teurer und schwerer ist, weniger Komfort bietet und in Sachen Fahrdynamik sowie Sicherheit etwas hinterherhinkt. Auf seiner Haben-Seite stehen das große Raumangebot, die hohe Zuladung sowie Anhängelast und großzügige Garantiezeiten.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Paul Englert

Tags:
Zmarta Autokredit
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