Nissan Pulsar 1.5 dCi gegen Skoda Octavia 1.6 TDI im Vergleichstest Geschichtsstunde

18.11.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Der Nissan Pulsar tritt in die Fußstapfen des Almera (1995 bis 2006). Stößt er den erfolgreichsten Importwagen in der Kompaktklasse, den Skoda Octavia, vom Thron?

Nun also doch. Nach achtjähriger Abstinenz nimmt Nissan mit dem Pulsar einen neuen Anlauf in der Kompaktklasse. Den lediglich von 2008 bis 2011 vertriebenen Tiida klammern wir lieber mal aus. Der für den asiatischen und amerikanischen Markt konzipierte Kompakte war nur eine halbherzige Lösung und auf dem anspruchsvollen deutschen Automarkt chancenlos. Der für Europa entwickelte und in Barcelona gefertigte Pulsar soll nun alles besser machen.

Den Namen gibt es bei Nissan übrigens schon lange, die Vorgängermodelle Sunny und Almera hießen in Japan nämlich genau so. Sie sehen, der Kreis schließt sich. Gleich im ersten Vergleichstest muss sich der Neuling gegen den erfolgreichsten Importwagen der Kompaktklasse, den Skoda Octavia, behaupten.

 

KAROSSERIE

In der Pressemappe spricht Nissan von einem riesigen Innenraum. Nun, märchenhafte Riesen finden dort zwar nicht Platz, dennoch kann das Raumangebot  vollauf überzeugen. Entspricht die Bewegungsfreiheit in der ersten Reihe noch dem Klassenstandard und liegt aufgrund der geringeren Innenraumbreite knapp hinter der des Octavia, so kann der Pulsar im Fond mit dem Tschechen gleichziehen. Verantwortlich dafür ist vor allem die sehr gute Beinfreiheit, für die der größte Radstand der Klasse (2700 mm) verantwortlich ist. Auch überm Scheitel ist selbst für 1,80 Meter große Personen noch eine Handbreit Luft.

In  puncto  Gepäckabteil hat der Pulsar gegen den Octavia allerdings keine Chance. Beim Kofferraumvolumen spielt der Tscheche seine 27 Zentimeter größere Fahrzeuglänge gnadenlos aus: Mit sagenhaften 590 bis 1580 Litern beweist die Octavia-Limousine schon echte Kombi-Qualitäten, während das Pulsar-Gepäckabteil mit 385 bis 1395 Litern dem Klassenstandard entspricht. Auch bei der Variabilität lässt es der Nissan beim Klassenüblichen bewenden. Asymmetrisch klappbare Rücksitzlehnen, das war’s.

Dass er dennoch mehr Punkte sammelt als der Skoda, der zumindest optional eine Durchreiche sowie eine klappbare Beifahrersitzlehne zu bieten hat, liegt an seiner praktischeren Steilheck-Karosserie. Auch was die  Sicherheitstechnik betrifft, rühmen sich die Nissan-Verantwortlichen, mit dem Pulsar ganz weit vorn zu sein. Und tatsächlich hat er viel zu bieten. Allerdings muss man schon die 2700 Euro teurere Acenta-Ausstattung wählen, um in den Genuss der zahlreichen Assistenzsysteme zu kommen.

Ein Notbremsassistent ist dann Serie, Helfer zum Halten und Wechseln der Spur gibt es im Paket für 1600 Euro. Für den Tschechen ist zwar kein Toter-Winkel-Warner verfügbar, dafür sammelt er vor allem wegen des erhältlichen Kurven- und Abbiegelichts sowie der Bixenon-Scheinwerfer mehr Punkte als der Pulsar, dessen LED-Leuchten lediglich für das Abblendlicht zuständig sind.

 

FAHRKOMFORT

Auf das Thema Fahrkomfort haben die Nissan-Verantwortlichen einen besonderen Fokus gelegt, das wird bereits nach wenigen Metern klar. Der Motor ist gut gedämmt, Windgeräusche dringen auch bei höheren Geschwindigkeiten nur dezent zu den Insassen durch, und dem akustisch sehr gut entkoppelten Fahrwerk ist selbst auf übelsten Pisten kein Poltern zu entlocken. Doch der Octavia zählt ebenfalls zu den leisesten Autos seiner Klasse, auch wenn der Motor unter Last etwas stärker seine Stimme erhebt.

Die Pulsar-Federung überzeugt: Eher soft abgestimmt, schluckt sie die meisten Unebenheiten sehr sorgfältig – und das selbst bei langsamerem Tempo. Nur mit dem Fahrer an Bord kann der Japaner somit den Octavia toppen, dessen straffere Abstimmung im Solobetrieb nicht so geschmeidig arbeitet. Zudem reicht seine Verbundlenkerachse Querfugen sehr trocken zu den Insassen durch.

Zusätzliches Gewicht an Bord führt allerdings dazu, dass sich das Ansprechverhalten bessert. Und selbst unter voller Zuladung wirkt die Federung keinesfalls überfordert  und  verarbeitet Unebenheiten sauber, während der Nissan dann ins Stolpern gerät und die Hinterachse zum Durchschlagen neigt. Einen Fauxpas leistet sich der Tscheche allerdings bei der Klimatisierung: Für das Basismodell Active kostet die Klimaanlage heftige 1120 Euro Aufpreis.

 

MOTOR/GETRIEBE

Unter der Nissan-Motorhaube steckt ein 1,5 Liter großer Diesel vom Allianz-Partner Renault, der es auf 110 PS und 260 Nm bringt. Der laufruhige Selbstzünder entwickelt seine Leistung homogen und beschleunigt den Pulsar in 10,8 s auf Tempo 100, auf freier Piste sind nach einigem Anlauf 190 km/h möglich. Obwohl der 1.6 TDI im Octavia mit 105 PS und 250 Nm leicht im Nachteil ist, wirkt er etwas kräftiger und liefert auch die – allerdings geringfügig – besseren Fahrleistungen ab.

Mitverantwortlich dafür ist das kürzer übersetzte Fünfgang-Getriebe, das dem Skoda speziell bei der Elastizitätsmessung einen deutlichen Vorteil verschafft. Erstaunlicherweise erzielt der Octavia trotz des im Vergleich zum Nissan fehlenden sechsten Gangs und des daher höheren Drehzahlniveaus mit ermittelten 5,3 l/100 km sogar den niedrigeren Testverbrauch (Pulsar: 5,4 Liter).

 

FAHRDYNAMIK

Obwohl der Pulsar Pulsar eher auf Komfort ausgelegt ist, schneidet er bei der Fahrdynamik gut ab. Auch wenn der Japaner nicht ganz so zackig einlenkt wie der agile Octavia, etwas früher zum Untersteuern neigt und nicht ganz so flink durch die Slalomgasse wedelt, erreicht er dennoch ein respektables Niveau. Wie der Skoda verzögert der Nissan mit kalten wie mit warmen Bremsen ausgezeichnet, und die Fahrsicherheit gibt mit Ausnahme des recht spät, dann aber heftig regelnden ESP kaum Anlass zur Kritik.

Apropos Regelsysteme: Auch das ABS arbeitet im Nissan deutlich vernehmbar und mit nicht ganz so feinen Regelintervallen wie die Skoda-Bremsanlage. Einzig die Servolenkung geizt etwas mit Rückmeldung. Wie es besser geht, demonstriert der Octavia, dessen Lenkung nicht nur präziser arbeitet, sondern auch ein authentischeres Gefühl bietet.

 

UMWELT/KOSTEN

Bis Ende des Jahres gibt es den Nissan Pulsar in der Launch Edition, die im Fall des Diesels mit einem Grundpreis von 17.940 Euro fast 2000 Euro günstiger angeboten wird. Damit unterbietet der Asiate den 20.650 Euro teuren Octavia um rund 2700 Euro knapp. Allerdings sind die Basisausstattungen beider Modelle eher Lockangebote, da viele Zusatzausstattungen erst für die nächsthöhere Variante erhältlich sind.

Der Octavia ist zudem deutlich karger ausgestattet. Bei den laufenden Unterhaltskosten liegen beide Importautos nahezu gleichauf. Nissan-Fahrer müssen eine niedrigere Kfz-Steuer zahlen, im Gegenzug kommt der Skoda bei den Aufwendungen  für Versicherung, Wartung und Kraftstoff etwas günstiger.

 

FAZIT

Der Nissan Pulsar feiert einen gelungenen Einstand, gegen den Dauersieger Skoda Octavia zieht er sich sehr anständig aus der Affäre. Der Japaner überzeugt mit günstigem Preis, gutem Platzangebot, umfassender Sicherheitsausstattung und hohem Komfortniveau. Dennoch handelt er sich gegen den Octavia knapp 100 Punkte Rückstand ein. Der Skoda leistet sich keine Schwächen und gewinnt vier von fünf Wertungskapiteln. Der ausgewogene Tscheche kann fast alles einen Tick besser und bietet obendrein einen riesigen Kofferraum, der sogar die meisten Kombis alt aussehen lässt.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Alexander Lidl

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