Nissan GT-R gegen Audi R8 und Porsche 911 Sportwagen - Angriff aus Fernost

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Weder aus Italien noch aus den USA, sondern aus Fernost kommt der neueste Konkurrent für die deutsche Sportwagen-Elite. Der Nissan GT-R zeigt, was die Japaner können

Nur selten hat ein neuer Sportwagen für so viel Aufregung und Interesse speziell bei der Konkurrenz gesorgt wie der Nissan GT-R. Rundenrekorde am Nürburgring, ein nahezu narrensicheres Fahrverhalten und ein Preis, bei dem die Mitbewerber nur neidisch den Kopf schütteln: 486 PS und Allradantrieb für 81 100 Euro.

Klar: Ein Porsche, die Ikone des deutschen Sportwagenbaus, muss sich dem Vergleich stellen. Der Turbo mit 480 PS würde gut passen, ist mit 154 444 Euro aber fast doppelt so teuer wie der Nissan. Also tritt der 911 4S an. Auch er kostet mit vergleichbarem Doppelkupplungsgetriebe über 100 000 Euro, leistet aber nur 385 PS. Als zweiter Widersacher bietet sich zweifelsohne der Audi R8 an. Bei ihm stehen 420 PS zur Verfügung, mit automatisiertem Getriebe sind 116 500 Euro fällig.

 

Karosserie

Mit seiner hoch aufragenden Karosserie wirkt der Nissan gegenüber den beiden Flachmännern eher schwerfällig. Der Blick auf die Waage bestätigt das: Mit 1720 Kilogramm hat er deutlich mehr Speck auf den Hüften als seine Gegner (Audi: 1570 kg; Porsche 1500 kg). Aufgrund des massiven Mitteltunnels fühlt man sich im GT-R vorn ein wenig eingeengt. Großgewachsene haben zudem ein Problem mit der Kopffreiheit, weil die Sitzposition relativ hoch ist. Das beste Raumgefühl bietet der Audi. Selbst Großgewachsene finden hier ausreichende Einstellmöglichkeiten der Sitze. Aber der Audi ist ein reiner Zweisitzer. Im Nissan-Fond kommen Erwachsene zumindest auf Mittelstrecken klar, während der Porsche hinten nur Notsitze offeriert. Dafür ist die Kopffreiheit im 911 vorn nicht zu überbieten.

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Außer zwei Personen kann man im R8 nur wenig mehr transportieren, denn der Kofferraum reicht gerade mal für eine Reisetasche. Hinter den Sitzen ist jedoch noch Raum, sogar für Golfbags. Wesentlich mehr Platz bietet das Gepäckabteil des Porsche zwar auch nicht, dafür lassen sich die beiden hinteren Notsitze zur Ablage umfunktionieren. Der Nissan hingegen ist mit seinem Kofferraum (315 Liter) sogar reisetauglich.

In Sachen Bedienung markiert der R8 die Spitze. 911 und GT-R reihen sich dicht dahinter ein, sind in den Details aber nicht so perfekt. In puncto Qualität und Verarbeitung liegen Audi und Porsche auf einem sehr hohen Niveau, während beim Japaner die Materialien teilweise einen billigen Eindruck hinterlassen.

KarosserieMax. PunkteNissan GT-RPorsche 911 Carrera 4SAudi R8 4.2 FSI quattro
Raumangebot vorn100596065
Raumangebot hinten10021150
Übersichtlichkeit70274025
Bedienung/ Funktion100858588
Kofferraumvolumen1001900
Variabilität100050
Zuladung/ Anhängelast80241610
Sicherheit150798271
Qualität/ Verarbeitung200183194194
Kapitelbewertung1000497497453

 

Fahrkomfort

Für einen Sportwagen überzeugt der flache R8 dank seiner adaptiven Dämpfer (magnetic ride, 1740 Euro) mit einem erstaunlichen Federungskomfort auf Bodenwellen. Nur schnell aufeinanderfolgende Unebenheiten bringen den Audi aus der Ruhe. Weniger Federungsreserven trotz der serienmäßigen PASM-Dämpfer besitzt der straff abgestimmte Porsche. Er gerät speziell an der Vorderachse schon mal ins Stuckern. Ab Werk mit adaptiven Dämpfern ausgestattet, aber unharmonischer abgestimmt, tritt der Nissan an: Auf schlechten Wegstrecken zeigt die Vorderachse im Comfort-Modus unangenehme Aufschaukeltendenzen.

Die komfortabelsten Sitze finden die Insassen im Audi vor. Die gut geformten, optionalen Schalensitze umfassen Fahrer und Passagier, geben bei schnellen Kurvenfahrten sicheren Halt und werden trotz straffer Polsterung selbst nach stundenlanger Autofahrt nicht zur Qual. Die Nissan-Sitze sind zu hoch montiert, und die Seitenführung könnte besser sein. Halt im Übermaß bieten die Porsche-Sitze, nur muss man in die schmal geschnittenen Schalensitze (3272 Euro) auch hineinpassen.

FahrkomfortMax. PunkteNissan GT-RPorsche 911 Carrera 4SAudi R8 4.2 FSI quattro
Sitzkomfort vorn150135132140
Sitzkomfort hinten10014100
Ergonomie150126128130
Innengeräusche50101315
Geräuscheindruck100758289
Klimatisierung50383232
Federung leer200108110124
Federung beladen200108110124
Kapitelbewertung1000614617654

 

Motor und Getriebe

Zwei IHI-Turbolader pressen das Gemisch in die sechs Brennräume des 486 PS starken Nissan-V6. Das in Handarbeit gefertigte Triebwerk verträgt dank einer Kombination aus Nass- und Trockensumpfschmierung auch hohe fahrdynamische Querkräfte ohne Öldruckverlust. Das spontane Ansprechverhalten und die seidige Laufkultur des Motors gehören zur Spitzenklasse. Trotz fehlender Startautomatik im Modelljahrgang 2010 und rund 200 kg Mehrgewicht beschleunigt der GT-R die zweifellos schnellen deutschen Konkurrenten mühelos aus. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h haben Audi (301 km/h) und Porsche (295 km/h) das Nachsehen.

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Der kernig klingende Porsche-Boxer mit Direkteinspritzung setzt weniger auf schiere Leistung, er holt entscheidende Punkte bei der Verbrauchsmessung. Mit 12,7 Liter Super Plus pro 100 km unterbietet der 911 den Nissan (15,1 l/100 km) und den Audi (15,0 l/100 km). Dessen langhubiger V8-Sauger mit Direkteinspritzung und Trockensumpfschmierung beeindruckt mit infernalischer Geräuschkulisse und Drehzahlen jenseits der Marke von 8200 Touren.

Alle drei Fahrzeuge sind entweder mit automatisiertem Schaltgetriebe (Audi: 7400 Euro) oder Doppelkupplungsgetriebe (Nissan: Serie/Porsche: 3510 Euro) ausgestattet. Dieses ist bei dem Front-Mittelmotor-Nissan in Transaxle-Bauweise mit der Hinterachse verblockt. Den Antrieb der Vorderachse übernimmt eine zweite, parallel laufende Kardanwelle. Audi (Mittelmotor) und Porsche (Heckmotor) kennen solche konstruktiven Problemstellungen nicht, ihre Getriebe erreichen aber nicht die perfekte, ruckfreie Schaltarbeit der Borg-Warner-Box im GT-R. Das Siebenganggetriebe im Porsche erfreut mit einer belastbaren Launch-Control in Sport-Plus-Stellung, die Audi-Schaltung nervt dagegen im Automatikmodus mit unharmonischen Schaltvorgängen.

Motor und GetriebeMax. PunkteNissan GT-RPorsche 911 Carrera 4SAudi R8 4.2 FSI quattro
Beschleunigung150148145145
Elastizität100000
Höchstgeschwindigkeit150135124128
Getriebeabstufung100989188
Kraftentfaltung50504643
Laufkultur100989496
Verbrauch3259414096
Reichweite25788
Kapitelbewertung1000630648604

 

Fahrdynamik

Ein hohes Leergewicht von 1720 kg klingt nicht nach Sportlichkeit, aber eine optimierte Gewichtsverteilung dank Transaxle-Getriebe macht einiges wieder gut. Der Nissan, der auf Notlaufreifen läuft, überzeugt die Zweifl er hinter dem Lenkrad und ist gnadenlos gegenüber der Konkurrenz. Im sportlichen R-Modus (Getriebe, Dämpfer, ESP) wieselt der GT-R mit knapp 68 km/h durch den Slalom – Audi: 66,9 km/h, Porsche: 66,7 km/h – und erreicht absolute Bestzeiten auf dem Handlingkurs unspektakulär und sicher. Einlenkverhalten, Spurtreue und Stabilität gefallen in engen Biegungen und auch in schnellen, langgezogenen Kurven.

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Das variable Allradsystem – bis zu 50 Prozent der Kraft gehen an die Vorderachse – lässt den GT-R leicht übersteuernd aus den Kurven beschleunigen, störende Lastwechselreaktionen sind kaum spürbar. Die Allradsysteme von Audi und Porsche agieren gleichermaßen schnell in der Kraftverteilung, speziell der Audi reagiert bei abgeschaltetem ESP aber auf Lastwechsel mit eindrehendem Heck. Dieses Verhalten ist dem enorm leichtfüßigen Elfer ebenfalls nicht fremd, sein ESP (PSM) hält sich für Notfälle aber immer im Hintergrund bereit. Der Preis für die beste Bremse geht an die optionale Keramikanlage des Porsche, Kostenpunkt: 8032 Euro.

Mit kalter Bremse steht der 911 nach 33,5 Metern aus Tempo 100, der Audi nach 34,4 und der Nissan nach 35,2 Metern. Der Warmbremswert von 32,6 Metern wird allerdings vom Nissan noch um 0,3 Meter unterboten. Auch hier zeigt sich die Güte der speziellen 20-Zöller von Dunlop für den GT-R. Der R8 – wie der Porsche mit Karbon-Keramikscheiben für 8820 Euro ausgerüstet –
steht nach 33,7 Metern.

FahrdynamikMax. PunkteNissan GT-RPorsche 911 Carrera 4SAudi R8 4.2 FSI quattro
Handling150130119120
Slalom100908485
Lenkung100889590
Geradeauslauf50424043
Bremsdosierung30232523
Bremsweg kalt15098115106
Bremsweg warm150127124113
Traktion100837578
Fahrsicherheit150143133125
Wendekreis20487
Kapitelbewertung1000828818790

 

Umwelt und Kosten

Einzig der Nissan bleibt unter der 100 000-Euro-Schwelle, und zwar deutlich. Bis auf Kraftstoff, Versicherung und Steuer – berechnet nach der neuen CO2-Formel – kann er alle Disziplinen auf dem ersten Platz beenden. Die teureren Audi und Porsche müssen sich sogar bei der AZ-Normausstattung hinten anstellen. In diesem Kapitel kommt der Sieg des Nissan nicht überraschend. Er ist aber obendrein entscheidend für den Gesamtsieg des Japaners.

Kosten/UmweltMax. PunkteNissan GT-RPorsche 911 Carrera 4SAudi R8 4.2 FSI quattro
Bewerteter Preis675613930
Wertverlust50552
Ausstattung25251615
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50331828
Werkstattkosten20000
Steuer10675
Versicherung40142222
Kraftstoff55152215
Emissionswerte25858476
Kapitelbewertung1000244213193

 

Fazit

Der Nissan GT-R gewinnt diesen Vergleichstest. Er bietet eine verblüffende Fahrdynamik auf höchstem Niveau und ein hervorragendes Doppelkupplungsgetriebe. Dazu kommen viel Platz und ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit ihm kann jeder schnell und sicher fahren. Porsche und Audi als arrivierte Sportler müssen sich hinten anstellen. Der knackige Elfer verwöhnt mit exzellenten Bremsen und trumpft mit dem geringsten Verbrauch auf, verliert aber Punkte bei den Kosten. Der Audi ist der teuerste des Trios, überzeugt aber mit dem besten Fahrkomfort und guter Verarbeitung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteNissan GT-RPorsche 911 Carrera 4SAudi R8 4.2 FSI quattro
Summe5000281327932694
Platzierung123

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