Nismo Festival 2016 am Fuji Speedway Godzilla tanzt auf dem Vulkan

13.12.2016

Während es hierzulande mittlerweile beschaulich zugeht, Adventskränze leuchten und die heißen Autos in warmen Garagen auf den Frühling warten, steigt auf dem Mount Fuji Speedway in Japan das Nismo Festival 2016. Und wir sind live vor Ort!

Den japanischen Autoverrückten sind zwei Dinge heilig: Der Mount Fuji und der Nissan GT-R. Und wie in jedem Jahr liest die Motorsportabteilung von Nissan in der Adventszeit am heiligen Berg eine der größten PS-Messen Japans. Nissan zelebriert das Nismo Festival am Fuji Speedway – ein Weihnachtsmarkt der besonderen Art. Besser kann die Weihnachtszeit nicht beginnen. Für uns Grund genug zwölf Stunden mit den Flieger ans andere Ende der Welt zu pilgern und mitzufeiern. Sie können in den nächsten Tagen über diesen Blog neben uns sitzen – im Nissan GT-R. Die 30-Millionen-Metropole Tokio mit ihren wild ineinander verschlungenen Straßenzügen, die sich in mehreren Etagen durch die Häuserschluchten winden oder die nächtliche Tuningtreffen auf  den Parkplätzen der Stadtautobahnen auf denen sich die Supersportwagen-Geschwader zu Streifzügen formieren, wollen genauso entdeckt werden, wie die verlassenen Passstraßen am mit über 3776 Meter höchsten Berg Japans. Der Nissan GT-R steht bereit: 570 PS, Allradantrieb. Die Reise kann beginnen. Advent, Advent ...

 

2. Tag: Tokio Tatsumi-Parking  

Wir sind spät in Tokio gelandet. Der Weg zum Hotel zieht sich. Aber wir werden entschädigt und tauschen bei der Ankunft die stickige Aluminium-Kapsel der Boeing gegen das edle Cockpit eines GT-R. Der Film "Lost in Translation" bekommt in Tokio schnell wieder Bedeutung. Japaner und die englische Sprache vertragen sich einfach nicht besonders. Zumindest trifft das auf den Parkhauswärter zu. Viele freundliche Gesten, einen Parkschein und dem GT-R-Schlüssel in meiner Hand lassen ihn endlich handeln und der Nissan wird aus den Tiefen des Parkhauses empor geliftet. In Japan werden die Autos automatisch dicht an dicht in nicht einsehbaren Etagen verstaut. Tokio ist eng bebaut, Grundfläche extrem teuer – in dieser Mega-City wird kein Zentimeter verschenkt. Das Tor in der Tiefgarage öffnet sich und der GT-R schwebt auf Schienen aus seinem Verlies. Kurz den roten Start-Knopf gedrückt und der V6-Biturbo meldet sich zum Dienst. Es ist 19:00 Uhr. Unsere Fahrt führt uns über die Rainbow-Bridge raus auf die Peripherie. Unser erstes Ziel heißt Tatsumi Parking No. 1. Ein Treffpunkt nächtlicher PS-Orgien. Heute ist hier nicht viel los. Kaito steht mit seinem GT-R R35 fast alleine hier. Auch Yoshi nutzt die Ruhe und versucht seinen 350Z vor der Skyline fotografisch in Szene zu setzen. Schnell schummeln wir uns mit auf das Bild. Yoshi sagt, dass heute in Yokohama mehr los ist. Wir machen uns auf den Weg. Gute 30 Kilometer später winden wir uns das riesige Autobahnlabyrinth in Yokohama hinunter. Tief im dessen Kessel liegt Daikoku-Parking. Der Treffpunkt der Auto-Verrückten. Grell illuminierte Minivans, stehen neben ganzen Schwärmen von Nissan GT-R-Generationen. Hier trifft man sich und verabredet sich für einen schnelle Runde auf der Autobahn. Noch einen kurzen Snack aus einen der unzähligen Automaten und wir fahren über die Bayshore-Route zurück ins Hotel. Morgen geht es schon um 07:00 Uhr zu Cars & Coffee auf dem Parkplatz eines edlen Cafés. In Tokio trifft man sich halt überall ...

3. Tag I: Frühstück bei Cars & Coffee

Es ist 06:30 Uhr. Zeit für die Abfahrt. Um sieben Uhr beginnt bereits Cars & Coffee im schicken Daikanyama Bezirk auf dem Tsutaya-Book-Store-Parkplatz. Kumiko betreibt den Buchladen. Sie hat das Event für klassische Fahrzeuge ins Leben gerufen. Jeden zweiten Sonntag im Monat treffen sich bei ihr jetzt Gleichgesinnte. Dauergäste können ein Langzeit-Ticket buchen, Spontangäste wie wir zahlen lediglich die Parkplatzgebühren. Aber wir sind schon zu spät. Der Platz ist voll. Sachliche VW Käfer stehen neben extrovertierten Lamborghinis oder Tür an Tür mit einem seltenen Datsun Fairlady. Wir haben Glück. Ein Fiat 124 verlässt den Platz. Wir können rein. Warmer Kaffee, tolle Autos und nette Leute – das ist das perfekte Sonntags-Frühstück in Tokio. Neben uns parkt ein 240Z heiser röchelnd ein – der richtige Ton macht eben die Musik. Die Fahrzeuge wechseln laufend. Die Mischung aus aktuellem Supersportwagen und alten Brot- und Butterautos liest sich wie ein Lexikon der Automobilgeschichte. Und man weiß nicht, welcher Wagen als nächstes auf den Parkplatz rollt und das nächste Kapitel aufschlägt. Das wilde Tuning der letzten Nacht findet man hier nicht. Die entspannte Atmosphäre am frühen Morgen ist die richtige Einstimmung auf unserem Weg zum Nismo-Festival. Wir rollen mit unserem GT-R vom Parkplatz und sind auf dem Weg.

Video: In der Boxengasse beim Nismo Festival 2016

 

3. Tag II: Das Nismo-Festival 2016

Schon heute Morgen vom Hotel aus konnte man den Fuji sehen. Der Vulkan erhebt sich majestätisch mit seiner weißen Krone aus Schnee über das Land. Zwar scheint er zum Greifen nah, aber wir haben doch fast zwei Stunden für die 110 Kilometer bis Fuji gebraucht. An seinem Fuß liegt der legendäre Speedway. Hier haben Hunt und Lauda Geschichte geschrieben, als sie 1976 das letzte Rennen der Meisterschaft ausgetragen haben. Lauda hat als WM-Führender im Regen aufgegeben und Hunt hat alles riskiert. Am Ende war der Brite Weltmeister. Heute brodelt hier wieder der Asphalt. Nissan lässt seine Boliden aus verschiedenen Epochen auf die Piste. Ungefilterter Motorsound: Vier-, Sechs-, Acht- und Zwölfzylinder stehen in der Startaufstellung. Vor allem der Nissan Motorsports Heritage Run mit dem infernalisch kreischenden, 600-PS-Zwölfzylinder des Nissan R382 von 1969 oder dem R92CP mit seinem 800 PS-Twin-Turbo stellen einem die Nackenhaare auf. Der richtige Schwung, um am nächsten Tag die Passstraßen des Fuji zu erkunden. Dann lassen wir den GT-R endlich von der Leine. Schluss mit verstopften Straßen, her mit den Kurven!

Video: Start-Ziel-Gerade unterhalb des Mount Fuji

 
 

4. Tag: Tanz auf dem Vulkan

 
Die Party auf dem Fuji Speedway ist vorbei. Direkt vor unserem Hotel in Fujikawaguchiko beginnt die Mautstraße hinauf zum Mount Fuji. Gestern haben wir den Nissan GT-R noch über den Mikuni-Pass getrieben. Heute liegt unser Ziel auf 2380 Meter. Höher kann man mit einem Auto nicht auf den heiligen Berg. Der Weg dorthin beginnt mit Musik: Die Japaner haben eine Melodie in den Asphalt gefräst. Fährt man mit dem richtigen Tempo dem Fuji entgegen, erzeugen die Abrollgeräusche der Reifen eine niedliche Melodie (Miagete goran yoru no hoshi / Guck hinauf zu den Sternen von Kyo Skamotor). Das kleine Konzert ist vorbei, und wir haben freie Fahrt. Problemlos bringt der GT-R seine 570 PS auf den Asphalt und folgt stoisch der Spur. Oberhalb von 2000 Metern schlängelt sich die Straße in leichten Schwüngen am Hang entlang. Wir haben freie Sicht auf die japanischen Süd-Alpen und aufs Meer auf der anderen Seite. Dort unten liegt auch der Hakone-Pass. Nach rund 60 Kilometern mit dem Mount Fuji im Rückspiegel stehen wir an der Mautstation. Vor uns liegen rund 20 Kilometer Kurven. Der Nissan GT-R und ich sind in unserem Element. Zwei Jungs mit einem Lotus parken neben mir und machen ein Bild. Nissan GT-R und Lotus Super Seven: Unterschiedlicher kann man Fahrdynamik nicht darstellen. Den Lotus kann man sogar in Hakone mieten. Eine Idee für die nächste Reise. Für dieses Jahr ist die Kurvenhatz vorbei. Wir fahren nur noch zurück nach Tokio und kriechen im Stau über die verstopften Hochstraßen der Stadt.

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