New Stratos mit Ferrari-Technik: Fahrbericht New Stratos

25.01.2011

Auf Basis des Ferrari 430 Scuderia entstand eine zeitgemäße Version des legendären Rallyewagens Lancia Stratos HF

Eckdaten
PS-kW540 PS (397 kW)
AntriebHinterrad, 6-Gang, automatisiert
0-100 km/h3.3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit274 km/h
Preis500.000,00€

An einem gestrandeten Ferrari Dino 246 GT kann Chris Hrabalek nicht vorbeifahren. Der Designer hält an und kommt mit Ferrari-Fahrer Michael Stoschek rasch ins Gespräch. Man schraubt, plaudert und weiß bald: Zwei Automobil-Liebhaber haben zusammengefunden, die mehr wollen, als historische Autos zu sammeln. Hier Stoschek, Enkel des Firmengründers und Gesellschafter des global operierenden Autozulieferers Brose, ein leidenschaftlicher Fahrer historischer Autorennen. Dort Hrabalek, Designer in Diensten von Volkswagen, Lancia, Porsche und BMW. Während Stoschek einmal im Leben ein komplettes Auto in Eigenregie auf die Räder stellen möchte, kämpft Hrabalek darum, das Erfolgskonzept des legendären Rennwagens Lancia Stratos in einen Sportwagen der Neuzeit zu verpfl anzen. Sie bündeln ihre Interessen für ein gemeinsames Ziel.

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TECHNIK STAMMT VON FERRARI
Schon drei Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen im spanischen Sitges steht auf dem Genfer Automobilsalon eine Studie, die Fenomenon-Stratos heißt und unverkennbar Züge der italienischen Rennwagen aus den 70er-Jahren trägt. Weitere fünf Jahre später starten wir im New Stratos zu ersten schnellen Runden. Sehr gelenkig sollten Pilot und Beifahrer sein und möglichst wenig Hüftspeck mitbringen. Sie winden sich durch die Tür in den Überrollkäfig mit Kohlefaser-Sitzschalen, die nur 37 Zentimeter Sitzbreite aufweisen. Von Sechspunktgurten gehalten, blickt der Fahrer auf viele bekannte, jedoch umsortierte Ferrari-Instrumente. Das Lenkrad, mit Drehzahl-beeinflusstem LED-Band oben, ist unten stark abgeflacht. Es trägt – ganz Ferrari – links den Starterknopf und rechts den Manettino zum Anwählen der Fahrdynamik-Programme. Hinter dem Lenkrad befi nden sich die originalen Ferrari-Schaltflügel für das sechsstufige F1-Getriebe.

Mit bärigem Sound schiebt das 4.3 V8-Aggregat an, geht mit Öffnen der Auspuffklappen ab 3800 Touren in helles Singen, dann in aggressives Schreien über. Zweiter, dritter, vierter Gang. Irrwitzig schnell springen die Stufen ein, jedesmal mit metallischem Klacken. Dann auf die Bremse, herunterschalten, einlenken nach rechts. Während der New Stratos ein wenig über die Vorderräder schiebt, spürt man leichte Unruhe an der entlasteten Hinterachse. Mit Öffnen der Lenkung und unter Last beißen die Antriebsräder dann zu, das Heck stabilisiert sich, unterstützt von der mechanischen Differenzialsperre. Sie ersetzt das 20 kg schwerere, elektronisch gesteuerte, jedoch langsamer arbeitende Ferrari E-Diff. Im Ergebnis kann man den New Stratos noch schärfer führen als den Ferrari 430 Scuderia und höhere Kurvengeschwindigkeiten bei sehr stabilem Fahrverhalten erreichen.

Möglich wurde dies durch das um 20 Zentimeter verkürzte Aluminium-Chassis des Ferrari 430 Scuderia, die darüber gebaute, extrem leichte Kohlefaser-Karosserie des New Stratos und sehr viel Feintuning. Trotz seines 55 kg schweren Stahl-Überrollbügels wiegt der New Stratos nur 1247 kg, somit 80 kg weniger als der ohnehin schon leichte Ferrari. Der ebenfalls aus dem Ferrari entliehene V8-Mittelmotor leistet im New Stratos 540 PS, also 30 PS mehr. Kein Wunder, dass der Stratos dem Ferrari fahrdynamisch überlegen sein soll und extrem hohe Kurvengeschwindigkeiten erreicht.

Der Bolide entstand als Auftragsarbeit bei Pininfarina. Sein Retro-Design trägt die messerscharfen Linien des Originals in die Neuzeit. Auf Augenhöhe erfolgten die Feinabstimmungen mit den Zulieferern Brembo (Keramikbremsen), ZF Sachs (adaptives Fahrwerk), Eibach (Federung), Bosch (Motormanagement) und Hella (Lampen). Drexler verantwortet das mechanische Sperrdifferenzial hinten.

Die Produktionswerkzeuge des New Stratos gehören Michael Stoschek. Mit ihnen ließen sich bei Pininfarina weitere 25 New Stratos bauen. Interessenten sollten rund 500.000 Euro ansparen und müssten ihren Ferrari 430 Scuderia als Gen-Spender opfern. Wer keinen Ferrari mitbringt, muss dessen Gegenwert draufzahlen. Ob sich das Projekt als Geschenkidee für Weihnachten 2011 lohnt, dürfte auch von der Preisentwicklung der seltenen Ferrari 430 Scuderia abhängen. Deren Verfügbarkeit treibt den Preis, zumal Chris Hrabalek bereits am nächsten Projekt arbeitet: dem Wettbewerbsfahrzeug New Stratos GT2 nach FIA-Reglement.
Jürgen Zöllter

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum4308
Leistung
kW/PS
1/Min

397/540
8200 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
519
3750 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6-Gang, automatisiert
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Karbon-Siliziumkarbid-Scheiben
h: innenbelüftete Karbon-Siliziumkarbid-Scheiben
Bereifungv: 265/30 ZR 19
h: 315/30 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1247
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.3
Höchstgeschwindigkeit (km/h)274
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch15l/100km
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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