Porsche Panamera

Wer schon immer mit Kind und Kegel im Porsche unterwegs sein wollte, kann schon mal die Garage ausmessen: Im Juni nächsten Jahres startet der viersitzige Porsche Panamera – hier gibt es die ersten Fotos

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Die Welt ist verrückt. Die Oberdynamiker von BMW planen einen kuschligen Stadt-Kleinwagen, die Monstertruck-Spezialisten von General Motors arbeiten fleißig am ökologisch vorbildlichen Elektroautos namens Volt - und Porsche baut demnächst einen viertürigen und viersitzigen Luxus-Reisewagen. Das Wehklagen der ewigen Puristen und Gralshüter ist nicht zu überhören.

Pech gehabt, Jungs, die Zeiten haben sich geändert. Und ganz so überraschend ist die Idee eines familientauglichen Porsche ja nun auch nicht: Vor 20 Jahren gab es bei den Zuffenhausenern mal einen schönen Prototypen mit dem schlichten Kürzel 989. Dahinter verbarg sich ein 300 PS starker, ziemlich sportlicher Touring-Viertürer, der dann aber aus Kostengründen nie gebaut wurde.

Inzwischen hat Porsche Geld wie Heu, und zum Ende dieses Jahres werden schon die ersten Vorserienmodelle des Sport-Coupés Panamera unterwegs sein. Weltpremiere ist auf dem Genfer Salon 2009, der Verkauf könnte im Juni des nächsten Jahres beginnen. Aktuell düsen rund um Stuttgart die zugekleisterten Prototypen des großen Porsche, die wir einfach enttarnt haben. Aber hallo, dieser Viertürer ist ein richtig großes Auto. Es sieht aus wie ein klassischer Porsche, ist aber gut fünf Meter lang, viel höher als die scharfen Renner der Neunelfer-Truppe und auch klar breiter.

Porsche Panamera: Motoren von 300 bis 500 PS

Denn der Porsche Panamera soll nicht nur Maserati Quattroporte und Aston Martin Rapide hetzen, sondern auch den Topversionen von Audi A8, Mercedes S-Klasse und BMW 7er die Kunden abjagen. Folgerichtig muss im Fond volle Bewegungsfreiheit sein - nicht nur für Kind und Kegel, sondern auch für berufsmäßige Hintensitzer. Selbst für Basketballprofis sollen, wie man hört, die tiefen hinteren Einzelplätze locker passen. Und unter der großen Heckklappe wartet ein bis zu 500 Liter großer Laderaum auf Hartschalenkoffer, Golfbags und Klappfahrräder. Sogar umlegbare Sitzlehnen - ein absolutes Novum in der Luxusklasse - sind an Bord.

Gut zu sehen sind die Unterschiede zwischen Normalo und Turbo. Letzterer fällt vorn mit einem größeren Lufteinlass und hinten mit Charakter-Spoiler und kantigen Doppelrohr-Auspuffenden auf. Im Innenraum indes purer Luxus: Leder, Edelholz, Karbon und Aluminium, Hightech-Multimedia, Bose-Soundsystem, große DVD-Bildschirme an den Kopfstützen der Vordersitze, Einparksysteme mit Kameras.

Fahren soll sich der neue Porsche Panamera wie ein Rennwagen. Für die Erstausstattung sind drei ziemlich potente Triebwerke geplant. Die Basis: der aus dem Cayenne bekannte 3,6 Liter große V6 mit Benzin-Direkteinspritzung und hier 300 PS. Null auf Hundert in unter acht Sekunden, Spitze rund 250 km/h. Darüber bullert der 4,8-Liter-V8 mit etwa 410 PS. Und dann natürlich der Biturbo-V8 mit gut 500 PS zum Killen der prestigeträchtigen 300-km/h-Grenze.

Die sparsame Hybridversion mit rund 350 Benziner-Elektro-PS wird Anfang 2011 nachgereicht, eventuell schon mit Lithium-Ionen-Batterien. Und als Sahnehäubchen erhält der Panamera, wenn alles gut läuft, das neue Doppelkupplungsgetriebe, das Porsche bei ZF entwickeln lässt.

Frontmotor und Heckantrieb, das gibt es zum Verkaufsstart, der Allradantrieb folgt ein Jahr später. In der Basisversion hat der Panamera eine Stahlfederung, für die Topmodelle gibt es eine Luftfederung inklusive Porsche Dynamic Chassis Control (PDCC) für verringerte Seitenneigung und Karosserieabsenkung bei hohem Tempo. Im Boot ist auch die clevere aktive Dämpferregelung (PASM).

Und im Cockpit findet sich die Sporttaste. Klick, schon orientiert sich die Motorsteuerung auf Bissigkeit: Im Automatikmodus wird später hoch- und früher zurückgeschaltet, die Luftfederung senkt den Panamera auf Tieffliegerniveau, das Gaspedal reagiert direkter. Für eine schnelle Runde auf der Nordschleife oder zum Spaß am Sonntag.

Gute Nachricht für Globalisierungsgegner: Rund 70 Prozent der Wertschöpfung des Panamera findet in Deutschland statt. Quasi als Teamspiel: Während die Motoren im Porsche-Stammwerk Zuffenhausen gefertigt werden, kommen die lackierten Rohkarossen aus dem VW-Werk Hannover. Am Ende setzen die Sachsen in Leipzig das Auto-Puzzle fein zusammen. So spart Porsche Geld, und so bleibt die Einstiegsversion des Porsche Panamera unter 100.000 Euro.

Ach ja, der Entwicklungschef des viertürigen Porsche 989 war damals übrigens ein gewisser Dr. Ulrich Bez. Der ist heute als Chef von Aston Martin gerade sehr damit beschäftigt, den viertürigen Luxus-Sportwagen Rapide als Konkurrenten des Panamera in Stellung zu bringen. Die Welt ist wirklich verrückt.
Wolfgang Eschment

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