Mercedes SLS AMG und Porsche 911 Turbo - Duell der neuen Supersportwagen
Erster Vergleich der neuen Supersportler
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Auf der IAA 2009 zählten die beiden Supersportwagen, Mercedes SLS AMG und Porsche 911 Turbo, zu den Highlights überhaupt. Die AUTO ZEITUNG hat die beiden neuen Supersportler miteinander verglichen
„Unser Gegner ist vor allem der Porsche 911 Turbo. Er ist die Messlatte“, Volker Mornhinweg, Geschäftsführer von Mercedes-AMG sieht das nicht als Problem, sondern als Ansporn: „Wenn du in dieses anspruchsvolle Segment der Supersportwagen einbrechen willst, muss das Auto von Anfang an stimmen. Eine zweite Chance gibt es hier nicht.“ Beim neuen Mercedes SLS AMG ging es nicht darum, einer vorhandenen Basis den AMG-Stempel aufzudrücken. Der Supersportler ist eine Eigenentwicklung von AMG. Schützenhilfe leisteten die Mercedes-Kollegen in Sindelfingen.
Extrem steifes Aluminium-Spaceframe-Chassis, 1620 Kilo Leergewicht, ausgewogene Gewichtsverteilung im Verhältnis von 52 zu 48 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse, optionale Keramikbremse, 7-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe in Trans-Axle-Bauweise an der Hinterachse platziert, starre Verbindung (Torque-Tube) zwischen Motor und Getriebe und ein 6,2 Liter großer V8 mit 571 PS – die Liste der Technik-Bausteine lässt sich noch lange fortführten.
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Gleiches gilt für die siebte Generation des Porsche 911 Turbo. Mit jetzt 500 PS faktisch zwar schwächer als der Mercedes SLS AMG setzt der Elfer auf Allradantrieb und ein noch niedrigeres Leergewicht von nur 1595 kg. Im Heck sitzt das neu entwickelte 3,8-Liter-Sechszylinder-Triebwerk mit Benzin-Direkteinspritzung, zwei Turboladern mit variabler Turbinengeometrie (VTG) und einer effizienzsteigernden Expansionssauganlage, durch die die Gemischtemperatur bei hohen Drehzahlen abgesenkt wird. Außerdem: Rund zwölf Kilogramm haben die Techniker am Gesamtmotor eingespart und zugleich den Schwerpunkt des Motors abgesenkt.
Bei den Fahrleistungen liefern sich beide ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Porsche sprintet in 3,6 Sekunden von 0 bis 100 km/h, mit dem optionalen 7-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe ausgerüstet, sollen sogar 3,4 s möglich sein. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei Tempo 312. Der Mercedes mit Hinterradantrieb erledigt den Standardsprint in 3,8 s und läuft maximal 317 km/h.
Die Flügeltüren des SLS schwingen weit nach oben, der optionale Recaro-Schalensitz ist tief platziert. Also Aufstehen und die Türen zuziehen, anders geht es nicht. Das Cockpit ist übersichtlich und geräumig, die Sitzposition perfekt. Über einen Drehschalter lässt sich Schaltcharakteristik des Doppelkupplungs-Getriebes verändern. Die konventionellen Feder-/Dämpfer-Einheiten sind elektronisch nicht beeinflussbar, der Kunde kann beim Kauf zwischen der Standard- und einer härteren Performance-Abstimmung wählen. Das dreistufige ESP lässt sich auch komplett deaktivieren.
Der nur 206 kg leichte Hochdrehzahl-V8 im SLS schickt beim Anlassen sanfte Schockwellen durch das Chassis, seine 680 Newtonmeter Drehmoment (Porsche: 650 Nm) gelangen über eine Kohlefaser-Kardanwelle an das Getriebe. Der Motorsound rockt ordentlich. Agilität, Einlenkverhalten, Antritt aus dem Drehzahlkeller, Stabilität in schnellen Kurven – der SLS begeistert auf hohem Niveau. Die erreichbaren Geschwindigkeiten passen zur erlebten Bremsstabilität. Die hoch belastete Vorderachse gehorcht jederzeit auf jede kleine Lenkbewegung. Die Schaltung sortiert schnell und sanft die Gänge, Schaltrucke sind nicht spürbar.
Der Porsche bleibt insgesamt gelassener. Das verdankt er vor allem dem optimierten Allradantrieb. Das so genannte Porsche Torque Vectoring (PTV) unterstützt das PSM (ESP). Das System besteht aus einer mechanischen Hinterachssperre und einer variablen Momentenverteilung an der Hinterachse mittels der Bremsen. Durch gezielte Bremseingriffe am kurveninneren Hinterrad wird das Lenkverhalten des 911 Turbo verbessert. Im Fahrbetrieb ist das System deutlich zu spüren. Extrem lange verhält sich der Turbo neutral, ehe er anfängt, über die Vorderräder zu schieben. Bei abrupten Gasstößen oder bei Lastwechseln bricht bei ausgeschaltetem PSM allerdings schon mal das Heck aus.
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Wer darauf gefasst ist, kann das mit der wie gewohnt direkt agierenden Lenkung leicht wieder korrigieren. Im Cockpit kommt einem vieles zunächst vertraut vor. Doch als Antwort auf die Kritik an den unlogisch zu bedienenden Schiebern im 911, mit denen bisher das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geschaltet werden konnte, bietet Porsche ein neues Dreispeichen-Lenkrad mit zwei großen feststehenden Wippen für 416 Euro Aufpreis an.
Die siebte Generation des 911 Turbo steht ab November zum Einstiegspreis von 145.871 Euro bei den Händlern. Der Mercedes SLS AMG lässt sich mehr Zeit: Erst Mitte 2010 wird er ausgeliefert, zum Stückpreis von mindestens 177.310 Euro. Natürlich bieten beide Supersportler fahrdynamische Talente, die allein auf abgesperrten Kursen gänzlich ausgekostet werden können. Doch eines steht schon jetzt fest: Noch nie kam ein Mercedes der Sportwagen-Ikone Porsche 911 Turbo so gefährlich nah.
Holger Eckhardt
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