Neuer VW Golf VII 2012: Im ersten Vergleichstest mit Ford Focus und Kia Ceed VW Golf VII | Kia Ceed | Ford Focus

24.10.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue VW Golf VII soll die Konkurrenz wieder stärker auf Abstand halten. Ford Focus und Kia cee’d stehen für den ersten Vergleichstest bereit

Der Golf ist das wichtigste Auto im VW-Konzern. Seit er 1974 der Kompaktklasse seinen Namen aufdrückte, haben sich bereits 29 Millionen Menschen für das Wolfsburger Erfolgsmodell entschieden.

Volkswagen-Marketingchef Jürgen Stackmann erklärt, dass allein der klassische Steilheck-Golf zwölf Prozent aller Verkäufe des Konzerns ausmacht. Kein Wunder also, dass die Entwicklung der siebten Generation im niedersächsisch Flachland absolute Priorität genoss. Schon der eher evolutionäre als revolutionäre Schritt vom Golf V zum Golf VI war ein cleverer Schachzug. VW dehnte so den Modellzyklus geschickt auf neun Jahre aus. Das schaffte die notwendige Zeit, um ausgiebiger an der neuen Generation zu feilen. Und der Schritt war richtig, schließlich ist der Wettbewerb so stark wie nie. Vor allem die Koreaner haben mit dem Kia cee’d einen gefährlichen Gegner auf die Räder gestellt, der bereits einen Vergleichstest gewonnen hat. Auch Ford rückte dem Wolfsburger Star in den letzen Vergleichstests dicht auf den Lack.

Jetzt legt Volkswagen nach. Der neue Golf ist bis in die kleinste Fuge neu. Jürgen Stackmann ist überzeugt, dass der VW Golf VII seine Konkurrenz frustrieren wird. Und so muss sich der Wolfsburger Kompaktklässler direkt bei seiner Präsentation auf Sardinien als 2.0 TDI-Version zwei Mitstreitern stellen – Ford Focus 2.0 TDCi und Kia cee’d 1.6 CRDi Edition 7 sind extra zum exklusiven Vergleichstest angereist.

 

Karosserie

Volkswagen wird nicht müde, den neuen modularen Querbaukasten (MQB) bei der Entwicklung des Golf VII hervorzuheben. Was der Konzern von der neuen Plattform hat, sind vor allem mehr Möglichkeiten und gleichzeitig weniger Kosten. Der Kunde profitiert ebenfalls: Die Neuauflage bringt zum einen nun je nach Ausstattung bis zu 100 Kilogramm weniger auf die Waage und bietet dank des längeren Radstands wegen der um 4,3 cm nach vorn gewanderten Vorderachse auch eine Spur mehr Platz. Und das ist gut so. Denn die Rivalen – im letzten Vergleichstest der Kia cee’d – konnten mit dem großzügigeren Platzangebot im Fond punkten. Golf und cee’d liegen jetzt vorn wie hinten auf einem Niveau. Wer mehr Bewegungsfreiheit benötigt, muss in die Mittelklasse umsteigen. Nur der Ford ist durch seine wuchtigen Türtafeln und die massige Mittelkonsole knapper geschnitten. Zudem schränkt im Fond das flach verlaufende Dach die Kopffreiheit spürbar ein.

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Auch beim Standardkofferraumvolumen hat der Wolfsburger zugelegt und erreicht nun wie der Kia 380 Liter – und bietet damit gut eine Tasche mehr Stauraum als der Focus (363 Liter). Der Kölner punktete in der Vergangenheit auch nicht mit üppigem Raum, sondern mit der umfangreichsten Sicherheitsausstattung der Kompaktklasse. VW hat jedoch alle Register gezogen und setzt mit Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent, aktiver Geschwindigkeitsregelung und Abstandsradar bis hin zur Verkehrsschilderkennung den Maßstab. Die hinteren Seitenairbags gibt es sogar ausschließlich bei Volkswagen, kosten jedoch wie die meisten anderen Features Aufpreis. Das ist bei der Konkurrenz aber nicht anders.

Kia bietet für den cee’d in der lang übersetzten Edition 7-Version das Performance-Paket mit Spurassistent, Reifendruckkontrollsystem und weiteren nützlichen Details gar nicht erst an.

Auch die Bedienung des Golf verbesserten die Wolfsburger Ingenieure mit viel Gefühl fürs Detail. So lässt sich zum Beispiel der große Touchscreen (8,0 Zoll) des Navisystems Discover Pro (2725 Euro) über Annäherungssensor, Zweifinger-Zoom und Wischfunktion (ab 5,8-Zoll-Monitor) leicht und dank der logischen Menüführung intuitiv bedienen. Nicht ganz so umfangreich, aber auch intuitiv zu steuern sind die Funktionen im Kia. Der Focus-Pilot braucht indes einige Zeit, bis er sich in das umständliche Menü über die weit verstreuten Schalter und Tasten des Focus hineingefunden hat.

Beeindruckend ist die konsequente Aufwertung der Qualität im Innenraum der neuen Golf-Generation. Jede Fuge und jedes Bauteil sitzt. Die Oberflächen kommen denen der noblen Konzernschwester Audi sehr nahe, und die neue, zum Fahrer orientierte Architektur wirkt zugleich vertraut, aber dennoch frisch – perfekt. Doch auch die beiden Konkurrenten zeigen eine grundsolide Verarbeitung. Einen Hauch besser fällt dabei die Materialauswahl des cee’d im Vergleich zu der des Focus aus.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Focus 2.0 TDCiKia cee'd 1.6 CRDi Edition 7
Raumangebot vorn100716870
Raumangebot hinten100605260
Übersichtlichkeit70393536
Bedienung/ Funktion100928488
Kofferraumvolumen100333034
Variabilität100403035
Zuladung/ Anhängelast80424836
Sicherheit1501029666
Qualität/ Verarbeitung200183174177
Kapitelbewertung1000662617602

 

Fahrkomfort

Die Basis für guten Komfort liegt in einer soliden Karosserie. Und die des Niedersachsen erweist sich als ausgesprochen verwindungssteif, obwohl allein der Aufbau 37 kg gegenüber dem seines Vorgängers einspart. Gepaart mit den überarbeiteten Aufhängungen und den adaptiven Dämpfern (990 Euro) gleitet der VW Golf VII ausgesprochen gelassen über holprige Pisten. Kanten oder Querfugen absorbiert er mit viel Gefühl, und der Aufbau bleibt dabei stets ruhig. Selbst der Sportmodus, der in der letzten Baureihe nur auf dem Handlingparcours Nutzen brachte, passt. Straff, aber nicht hart verleiht er dem Golf ein sportliches Handling.

Abgerundet wird der Federungskomfort mit gut anliegenden Sitzen. Die im Testwagen montierten ergoActive-Sitze mit dem Gütesiegel „Aktion Gesunder Rücken“ haben nicht nur eine in Höhe sowie Neigung einstellbare Sitzfläche und eine viel Schulterabstützung bietende Lehne, sondern sogar eine Massagefunktion. Der Aufpreis von 630 Euro lohnt sich also. Ansprechende Sitze findet man auch in Ford Focus und Kia cee’d. Wobei die des Koreaners dem gestressten Rücken nicht ganz so viel Seitenhalt und Komfort entgegenbringen wie die des Kölners. Der Federungskomfort der beiden Golf-Gegner überzeugt auch ohne adaptive Dämpfung. Allerdings kommt der Kia cee'd unter voller Beladung spürbar an seine Grenzen.

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Abzüge gibt es für den cee’d bei der Klimatisierung. Während Ford dem Focus 2.0 TDCi (163 PS) eine Klimaautomatik serienmäßig spendiert und Volkswagen dafür einen Aufpreis von 365 Euro verlangt, bleibt es bei dem Koreaner in der Edition 7-Version bei einer manuellen Klimaanlage. Hervorragend ist der Geräuschkomfort des neuen Golf und des leisen Asiaten. Vor allem der Motor des Focus agiert ein wenig knurriger, was sich in jedem Drehzahlbereich bemerkbar macht.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Focus 2.0 TDCiKia cee'd 1.6 CRDi Edition 7
Sitzkomfort vorn150135130127
Sitzkomfort hinten100727270
Ergonomie150136125132
Innengeräusche50242024
Geräuscheindruck100625862
Klimatisierung50364028
Federung leer200146140141
Federung beladen200140136133
Kapitelbewertung1000751721717

 

Motor und Getriebe

Auch wenn der Turbodiesel des Ford Focus nicht der laufruhigste ist, überzeugt er mit Kraft. Liegt er bei den Sprintwertungen bis Tempo 120 km/h mit dem neuen, 150 PS starken Golf noch gleichauf, hängt er ihn beim Durchzug im sechsten Gang zwischen 80 und 120 km/h ab. Dafür läuft der mit zwei Ausgleichswellen versehene Selbstzünder im Golf kultivierter. Laut VW ist lediglich der Zylinderabstand des neuen Motors mit dem des Vorgängers gleich geblieben. Der Vierzylinder zeigt sowohl einen kraftvollen Antritt aus niedrigen Drehzahlen als auch eine leichtfüßige Drehfreude bis an die 5000er-Marke heran. Zudem harmoniert das serienmäßige Sechsgang-Getriebe perfekt mit dem 150-PS-Turbodiesel. Die Übersetzungen passen jederzeit. Selbst im sechsten Gang nimmt der TDI auch aus niedrigen Drehzahlen gut Fahrt auf, während die beiden Antriebsstränge der Konkurrenten hier auf Gaspedalbefehle eher schleppend reagieren. Das gute Ansprechverhalten in jedem Gang führt beim Golf dazu, dass im Eco-Modus das satte Drehmoment gut zur Geltung kommt.

Vor allem der cee’d in der lang übersetzten Eco-Version Edition 7 wirkt dagegen ausgesprochen lethargisch. Die Zurückhaltung des Koreaners sorgt aber zumindest dafür, dass er mit genau fünf Liter Diesel auf 100 Kilometern sehr sparsam mit dem Kraftstoff umgeht. Der Focus braucht jedoch gerade einmal 0,1 Liter mehr. Der neue Motor des Golf trumpft allerdings hier erst richtig auf. 4,7 Liter Diesel im Testdurchschnitt überzeugen auch ausgewiesene Sparfüchse. Allerdings ermittelten wir die Verbräuche auf Sardinien ohne den bei uns sonst üblichen Vollgasanteil.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Focus 2.0 TDCiKia cee'd 1.6 CRDi Edition 7
Beschleunigung15011211393
Elastizität100697154
Höchstgeschwindigkeit150656651
Getriebeabstufung100858275
Kraftentfaltung50363428
Laufkultur100575355
Verbrauch325293285287
Reichweite25222422
Kapitelbewertung1000739728665

 

Fahrdynamik

Karosserie, Komfort, Antrieb – der VW überzeugt. Und das gilt auch für die Fahrdynamik. Zwar war der Vorgänger bereits ausreichend agil, aber Bestmarken hat der Golf auf dem Handlingparcours nur selten gesetzt. Vorbei, der Neue dürfte nicht nur der frontgetriebenen Konkurrenz zukünftig schwer einheizen. Ford Focus und Kia cee’d hat er jedenfalls schon jetzt fest im Griff.

Der Wolfsburger ist serienmäßig mit dem XDS-System ausgestattet, das über Bremseingriffe den Kraftfluss an der Vorderachse koordiniert. Insbesondere aus engen Kehren heraus ist die Traktion des Golf unschlagbar. Kurvenradien durcheilt er mit millimetergenauer Präzision, während cee’d und Focus deutlich früher und stärker über die Vorderräder nach außen drängen. Der Ford zeigt zudem ein lebendiges Heck, das ihm zwar in engen Kehren eher zugute kommt als behindert, aber auch viel Unruhe ins Fahrzeug bringt. So wetzt der Golf nicht nur extrem fahrsicher um den Handlingparcours, sondern beeindruckt auch mit Bestzeiten im Slalom. Der Sportmodus macht dabei seinem Namen alle Ehre, ohne zu viel Härte zu zeigen – so stimmt man Fahrwerke ab.

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Gefühlvoll und insbesondere aus der Mittellage heraus deutlich besser als die Konkurrenz agiert die gleichmäßig arbeitende Lenkung des VW. Insbesondere die teigige Lenkung des cee’d fällt in diesem Vergleich deutlich zurück.

Nicht immer überzeugend waren in der Vergangenheit die Bremsleistungen der Golf-VI-Baureihe. Der erste Testwagen demonstriert jedoch, dass Volkswagen auch hier Abhilfe geschaffen hat. Sowohl mit kalten als auch warmen Bremsen kommt er deutlich früher zum Stehen als seine beiden Rivalen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Focus 2.0 TDCiKia cee'd 1.6 CRDi Edition 7
Handling150605239
Slalom100816862
Lenkung100848176
Geradeauslauf50414041
Bremsdosierung30221820
Bremsweg kalt150847262
Bremsweg warm150937170
Traktion100453537
Fahrsicherheit150133125127
Wendekreis20141013
Kapitelbewertung1000657572547

 

Umwelt und Kosten

Die Kompaktklasse ist ein sehr preissensibles Segment. Der VW Golf 2.0 TDI (150 PS) und der Focus 2.0 TDCi (163 PS) liegen beim Einstiegspreis nahezu gleichauf. Der VW kostet einen Hauch weniger, der Ford hat dafür bereits eine Klimaautomatik mit an Bord. Ein echtes Schnäppchen ist der über 6000 Euro günstigere Kia cee’d 1.6 CRDi Edition 7. Aber für die CO2-günstige Edition 7-Version (97 Gramm/100 km) bietet Kia nicht den vollen Umfang an Extras an. Wer also mehr Luxus, etwa eine Klimaautomatik, ein integriertes Navigationssystem oder eine edlere Innenausstattung wünscht, muss dann bereits zur Vision-Version (20.890 Euro) greifen und dafür einen leicht erhöhten Schadstoffausstoß sowie Verbrauch in Kauf nehmen. Die siebenjährige Garantie auf die Technik ist jedoch bei allen Kia-Modellen verbrieft. Hier sollten Volkswagen und vor allem Ford unbedingt noch nachlegen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Focus 2.0 TDCiKia cee'd 1.6 CRDi Edition 7
Bewerteter Preis675210209268
Wertverlust50222127
Ausstattung25201910
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281845
Werkstattkosten20161414
Steuer10888
Versicherung40353535
Kraftstoff55474647
Emissionswerte25828689
Kapitelbewertung1000468456543

 

Fazit

Der neue Golf ist auf der Erfolgsspur. VW hat die gesamte Konkurrenz vorlegen lassen, um nun mit dem besten Produkt wieder einmal den Maßstab neu zu definieren. Fahrdynamisch, komfortabel, sparsam, spritzig, sicher und mit viel Liebe zum Detail verarbeitet, setzt sich der Golf klar vom zwar agilen, aber nicht allzu geräumigen Ford Focus ab, der den zweiten Rang belegt. Der Kia cee’d kann in der lang übersetzten und leistungsmäßig unterlegenen Edition 7-Version nicht mithalten. Unter anderem auch deshalb nicht, weil er in dieser Konfiguration auf zahlreiche Sicherheitsfeatures verzichten muss.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Focus 2.0 TDCiKia cee'd 1.6 CRDi Edition 7
Summe5000327730943074
Platzierung123

Tags:
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