Neuer VW Arteon (2017): Erste Testfahrt (Update) In Lack und Leder eine runde Sache

von Thomas Geiger 01.06.2017
Inhalt
  1. Erster Kurztest im neuen VW Arteon (2017)
  2. Bis zu 280 PS im neuen VW Arteon (2017)
  3. So könnte VWs Aufstieg ins Oberhaus gelingen

Nach unserer Ausfahrt mit dem Prototypen steht jetzt die erste Testfahrt im neuen VW Arteon (2017) an. VW sieht ihn weder als Nachfolger des CC noch als neuen Phaeton, sondern als eigenständiges Auto zwischen beiden Modellen.

Mit der ersten Fahrt im neuen VW Arteon (2017) ist klar: Der Phaeton ist Vergangenheit und der CC mittlerweile ebenfalls Geschichte. Doch auch wenn sich VW gerade neu sortiert und aus gegebenem Anlass vor allem auf bezahlbare Elektromobile setzt, wollen die Niedersachsen die zahlungskräftige Kundschaft oberhalb des Passat nicht von der Leine lassen. Das hat bislang aber einfach nicht sein sollen. Während die kleine Schwester Audi längst in der feinen Gesellschaft angekommen ist, hat die Mutter VW den Aufstieg noch immer nicht geschafft. Der Phaeton war zwar eine technisch ausgefuchste Luxuslimousine, ist bei den Kunden aber zumindest in Europa und Amerika durchgefallen, weil die Niedersachsen dafür offenbar zu weit gesprungen sind. Und der CC war so nah am Passat, dass dafür niemand einen ernsthaften Aufpreis zahlen wollte. Doch jetzt nimmt VW wieder einen Anlauf und sucht mit dem Arteon einen neuen Weg ins Oberhaus. Das Auto, mit dem dieses Kunststück gelingen soll, basiert zwar wieder auf dem Passat, geht aber in Form und Format eigene Wege und leistet sich deshalb auch einen eigenen Preis, der rund 5000 Euro über dem Passat liegt und bei 39.675 Euro beginnt.

Der VW Arteon im Video (Exterieur):

 
 

Erster Kurztest im neuen VW Arteon (2017)

Auch durften sich die Designer ein bisschen Lust und Leidenschaft erlauben. Während beim Passat um jeden Liter Innenraum gerungen wurde, musste beim Arteon diesmal nicht ganz so hart gekämpft werden. Lieber entschied man sich für die schönere Linie. So buchstäblich gekünstelt der Name Arteon wirkt, so schlüssig ist das Konzept. Denn der neue VW Arteon (2017) ist tatsächlich ein Auto, das deutlich oberhalb des Passat angesiedelt ist und trotzdem irgendwie zu VW passt. So gibt er zwar von außen mit stolzen 20-Zöllern, LED-Scheinwerfern und Wischblinkern das ziemlich feudale viertürige Coupé, das laut und kräftig an die Tür zum Oberhaus klopft, doch wenn man einsteigt, erlebt man ein Platzangebot, das so vernünftig ist, wie es sich für einen Ableger von Deutschlands Dienstwagen Nummer 1 gehört. Die Beinfreiheit im Fond ist deshalb größer als in jedem anderen VW-Modell diesseits des chinesischen Phideon, und weil die sensorgesteuerte Heckklappe wie beim Skoda Superb im Dach angeschlagen ist, bietet der neue VW Arteon (2017) Kofferraum ohne Ende. 563 Liter fasst die Luke schon bei aufrechter Rückbank und lässt sich auf 1557 Liter erweitern. Ein deutlich größerer Innenraum als die Konkurrenten 4er Gran Coupé oder Audi A5 Sportback.

Der VW Arteon im Video (Interieur):

 
 

Bis zu 280 PS im neuen VW Arteon (2017)

Und wem das noch nicht reicht, dem würde der Baureihenleiter am liebsten noch einen Shooting Break verkaufen, um den er gerade heftig mit dem Vertrieb ringt. Während Hinterbänkler den Aufstieg deutlich spüren, erlebt der Fahrer die Unterschiede zum Passat eher geringer: Ja, die breitere Spur und der längere Radstand lassen den Testwagen etwas ruhiger liegen, wenn er mit hohem Tempo über die einsamen Landstraßen fliegt. Doch im Cockpit des neuen VW Arteon (2017) sieht man die gleichen digitalen Instrumente wie im Passat, den vertrauten Touchscreen hinter der Glaskonsole, die bekannte Klimazentrale und die übliche Schaltkulisse. Und die bekannten Assistenzsysteme haben noch einmal dazu gelernt, so dass zum Beispiel die LED-Scheinwerfer und die automatische Abstandsregelung nun auch auf Navidaten und GPS-Sensor bauen. Auch unter der Haube wird es alte Bekannte geben: In der Startaufstellung sind drei Benziner von 150 bis 280 PS und drei Diesel von 150 bis 240 PS, wobei die jeweils stärksten Motoren serienmäßig mit Allrad kommen. Damit schafft der Arteon zwischen 220 und 250 km/h und kommt auf Verbrauchswerte zwischen 4,4 Litern Diesel und 7,3 Litern Benzin – auch das ist eine gelungene Kombination von Vernunft und Verführung. 

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So könnte VWs Aufstieg ins Oberhaus gelingen

Wie nah der neue VW Arteon (2017) Audi & Co kommt, merkt man am ehesten im Top-Modell. Denn 280 PS und 350 Newtonmeter sind ein Pfund, mit dem man gut Wuchern kann. Mit dem DSG auf Sport und dem Fahrwerk auf stramm wird der Passat im feinen Zwirn tatsächlich zum Pulsbeschleuniger und die Verführung ist plötzlich größer als die Vernunft. Erst recht, wenn in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und bei 250 km/h noch so viel Dampf hat, dass man sich über ein bisschen weniger Vernunft bei den Entwicklern gefreut hätte. Zwar fährt sich der Spitzenbenziner so, wie man es von einer sportlichen Limousine an der Schwelle zur Oberklasse erwartet, doch wirkt der Vierzylinder einfach nicht souverän genug für einen Smoking. Nicht umsonst bieten die Konkurrenten in dieser Klasse allesamt zwei, zum Teil sogar vier Zylinder mehr. Verführerisch bei Design und Fahrleistungen, vernünftig bei Packing und Preisfindung – so könnte VW mit dem Arteon der Aufstieg ins Oberhaus nach Phaeton und CC vielleicht doch noch gelingen. Nicht umsonst sind doch angeblich aller guten Dinge drei. 

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