Neuer Skoda Octavia im Test gegen VW Golf, Hyundai i30 und Opel Astra Moderner Vierkampf

18.02.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Nach neun extrem erfolgreichen Jahren erneuert Skoda den Bestseller Octavia. Doch ist auch der Neue ein Siegertyp? Beim weltweit ersten Kompaktklasse-Vergleichstest gegen seine stärksten Konkurrenten muss er seine Qualitäten zeigen

Das Wort Corrida ist spanisch und steht für den legendären iberischen Stierkampf, bei dem mutige Toreros in großen Arenen einem ausgewachsenen Stier mit einem roten Tuch entgegentreten. In der leuchtenden Lackierung Corrida-Rot rollt nun der nagelneue Skoda Octavia geradezu sinnbildlich zu seinem weltweit ersten Vergleichstest in die Arena – als wolle er seine Gegner schon vor dem großen Kampf provozieren. So selbstbewusst haben wir einen Skoda selten erlebt. Allerdings war auch noch kein Tscheche zuvor so nah dran an den Wolfsburger Produkten. Technisch teilen sich Golf und Octavia den neuen Modularen Querbaukasten (MQB), die gleiche Motorengeneration und bald auch sämtliche Fahrerassistenzsysteme.

Die größere Karosserie sowie das niedrigere Preisniveau sprachen objektiv betrachtet schon immer für den Skoda Octavia. Dennoch dürfte er mit diesen Rivalen kein leichtes Spiel haben: Immerhin besteht das Testfeld aus dem überragenden, taufrischen Golf VII, dem koreanischen Preis-Leistungs- Knüller Hyundai i30 und dem ausgewogenen Opel Astra. Also: Arena frei, der Kampf über fünf Runden beginnt.

 

Karosserie

Im Größenvergleich ordnete sich der Octavia schon immer zwischen der Kompakt- und der Mittelklasse ein. Weil sich der neue Herausforderer mit 4,66 Metern nochmals um fast zehn Zentimeter gestreckt hat, ist er dem Golf-Format nun endgültig entwachsen. Zum Vergleich: Der Hyundai i30 ist 36 Zentimeter kürzer, der VW Golf sogar 40 Zentimeter. Ein Vorteil, den der Octavia vor allem im Heck ausspielt: Auch wenn Golf und i30 selbst drei Leuten auf der Rückbank ausreichend Platz bieten, wirkt der Fond des neuen Octavia im Vergleich geradezu verschwenderisch, vom gewaltigen, tiefen Kofferraum ganz zu schweigen. Unter der großen Heckscheibe verstecken sich 590 Liter (Golf: 380 Liter), die mit dem Umklappen der Rücksitzlehnen auf 1580 Liter erweitert werden können.

Da können die anderen nur staunen, auch wenn sie allesamt ohne Stufe im Ladeboden auskommen. Topfeben ist der Laderaum aber nur im Hyundai, der in der Kofferraumwertung als zweitbester abschneidet (378 bis 1316 Liter). Empfehlenswert im Opel Astra ist der variable Gepäckraumboden für 90 Euro, der sich dank pfiffigem Mechanismus auf drei Höhen einstellen lässt. VW kontert bei der Variabilität mit einem umlegbaren Beifahrersitz (92 Euro).

Wohl fühlt man sich im Innenraum des Golf wie auch im ebenso liebevoll verarbeiteten Octavia besonders durch die großen Fensterflächen und die niedrige Gürtellinie. Der Astra hat weichere Polster, wirkt jedoch im Vergleich innen eher zugebaut. Die kleineren hinteren Seitenfenster, die ausladenden C-Säulen und die flache Heckscheibe beeinträchtigen bei ihm ähnlich wie beim Hyundai die Rundumsicht. Gut, dass beide mit einer Rückfahrkamera zu haben sind. Der Skoda muss als einziger im Test darauf verzichten. Dafür kann man ihn am besten nach vorn abschätzen. Bei den Kontrahenten stören die flach abfallenden A-Säulen die Sicht nach schräg vorn. Zudem glänzt der Octavia mit einer kinderleichten Bedienung. Knöpfe, Schalter und das neue Navigationssystem mit 20,3 Zentimeter Bildschirmdiagonale entsprechen zwar denen im Golf, jedoch verzichtet der Tscheche auf die etwas untypische Schalterflut am Lenkrad des Wolfsburgers. Über die lassen sich der Bordcomputer, die Sprachsteuerung und der Abstandsregeltempomat samt Notbremsassistenten (555 Euro) bedienen. Auf letzteren muss der Octavia noch bis Mai dieses Jahres warten, bis dahin behält er den herkömmlichen, sehr einfach zu bedienenden Geschwindigkeitsregler am Blinkerhebel. Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner und Tempolimitscanner gibt es allerdings schon jetzt optional.

Für 700 Euro extra bietet Opel einen kamerabasierten Abstandswarner an, inklusive Spurassistenten und Verkehrsschilderkennung. Bei Hyundai muss man auf solche elektronische Helfer komplett verzichten. Ärgern kann man sich im i30 zusätzlich über den selbst im Nachtmodus viel zu hellen Navi- Bildschirm. Da hilft nur der Tastendruck auf den Aus-Schalter.

KarosserieMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI BlueMotion TechnologyHyundai i30 1.6 CRDiOpel Astra 1.7 CDTI ecoFLEX
Raumangebot vorn10072727070
Raumangebot hinten10068606055
Übersichtlichkeit7039393634
Bedienung/ Funktion10089888683
Kofferraumvolumen10062333432
Variabilität10024373230
Zuladung/ Anhängelast8035343831
Sicherheit15076815467
Qualität/ Verarbeitung200150150144142
Kapitelbewertung1000615594554544

 

Fahrkomfort

Wer auf den vorderen Sitzen Platz nimmt, wird in allen vier Kandidaten schnell die richtige Sitzposition finden und auch nach sehr langen Strecken keine Ermüdungserscheinungen spüren. Im Opel macht das AGR-Gestühl (Aktion Gesunder Rücken) mit längs verstellbarer Kopfstütze und Lordosenabstützung seinem Namen alle Ehre. Mehr Seitenhalt bieten die eng geschnittenen Sportsitze im VW Golf, dafür lässt sich hier weder die Beinauflage noch die Kopfstütze längs verstellen. Bequemer sind die elektrisch einstellbaren Versionen im neuen Octavia, die für 1910 Euro in der edlen Elegance- Ausstattung mit feinem Leder und Alcantara bezogen sind.

Hinten wie auch vorn sitzt man im Hyundai ziemlich aufrecht, wenn auch mit weniger Seitenabstützung als bei den Konkurrenten. Im Koreaner gefallen außerdem die vielen nützlichen und groß bemessenen Ablagen, die allesamt mit praktischen gummierten Einlagen versehen sind. Im Opel vermisst man solch wirksamen Schutz und ärgert sich schnell über kleine Kratzer in der harten Plastikoberfläche der Becherhalter. Apropos Dämmung: Weder die Windgeräusche noch den groben Dieselsound hält der Astra von den Insassen fern. Wie das vorbildlich funktioniert, machen Skoda und VW vor. Dafür beweisen die Rüsselsheimer ein sehr sensibles Händchen bei der Fahrwerksabstimmung. Das Flex-Ride-System (980 Euro) mit adaptiven Dämpfern bietet drei abrufbare Einstellungen, wobei die Standard-Variante mit ausreichend Sportlichkeit und sehr feinem Ansprechverhalten gefällt. Wie Golf und Octavia mit 17-Zoll-Rädern bestückt, reagiert der Astra damit spürbar ausgewogener auf Bodenwellen und Schlaglöcher. Im Skoda Octavia wird man ohne adaptive Dämpfer und mit den großen Rädern auf Unebenheiten ordentlich durchgeschüttelt. Vor allem über die straffe Hinterachse werden sogar auf scheinbar ebenen Pisten hin und wieder unnötige Impulse in den Innenraum geleitet. Da gefällt das Serienfahrwerk des Golf mit mehr Souveränität, auch wenn es eher straff als weich ausgelegt ist. Besser als der Skoda federt in diesem Vergleich auch der harmonisch abgestimmte Hyundai i30. Er zeigt einen guten Abrollkomfort und hält auch gröbere Straßensünden von den Passagieren fern. Allerdings ist er als einziges Auto im Test mit kleineren 16-Zoll-Rädern bestückt.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI BlueMotion TechnologyHyundai i30 1.6 CRDiOpel Astra 1.7 CDTI ecoFLEX
Sitzkomfort vorn150133131127135
Sitzkomfort hinten10074727064
Ergonomie150129130128128
Innengeräusche5039382929
Geräuscheindruck10064626256
Klimatisierung5025343334
Federung leer200128133133136
Federung beladen200126130127134
Kapitelbewertung1000718730709716

 

Motor und Getriebe

Das Leistungsspektrum der vier Dieselmotoren bewegt sich zwischen 105 (Skoda und VW) und 110 PS (Hyundai und Opel). Was zunächst eher nach automobiler Magerkost klingt, entpuppt sich im Alltag als vollkommen ausreichende Motorisierungen. Den Sprint von null auf hundert km/h erledigt der Hyundai i30 als Schnellster im Vergleich in unter zehn Sekunden. Am meisten Zeit benötigt der im Vergleich zum Golf mehr als 200 Kilogramm schwerere Astra, dessen CDTI-Motor zudem oberhalb von 3000 Touren nur wenig Drehfreude zeigt. Dafür legt er im unteren Drehzahlbereich das größte Engagement an den Tag. Einen gänzlich anderen Charakter hat der Selbstzünder im Hyundai. Während er untenherum etwas antrittsschwach auftritt und in Folge dessen die schwächsten Elastizitätswerte erzielt, dreht er beinahe schon Benziner-gleich hoch und entwickelt seine Kraft sehr homogen. Paradox: Obwohl Golf und Octavia fünf Pferdestärken weniger leisten, erzielen sie die höheren Endgeschwindigkeiten.

Der 105 PS leistende 1,6-Liter- Diesel im Skoda und im VW hat die angenehmste Leistungscharakteristik und punktet darüber hinaus mit der besten Laufkultur. Der Golf bekommt in dieser Disziplin allerdings Punktabzüge für das unangenehme Brummen bei niedrigen Drehzahlen. Der Opel Astra markiert hier das Schlusslicht: Sein Diesel zählt zu den ungehobelsten seiner Art. Im Gegensatz zu Hyundai und Opel verzichtet der Volkswagen-Konzern beim 1,6er Diesel auf eine Sechsgang-Box und lässt es stattdessen bei fünf Gängen bewenden. Im Alltag fallen die Drehzahlsprünge zwischen den Fahrstufen recht groß aus, und das Drehzahlniveau im fünften Gang ist etwas höher als bei der Konkurrenz. Was die Schaltbarkeit betrifft, haben Octavia und Golf jedoch die Nase vorn.

Auf der AZ-Vebrauchsrunde gereicht ihnen der fehlende sechste Gang allerdings zumindest teilweise zum Nachteil. Obwohl beide mit jeweils 3,8 l/100 km den niedrigsten Normverbrauch ausweisen, genehmigt sich der schmalbereifte i30, der als einziger ohne Start- Stopp-System ausgerüstet ist, mit insgesamt durchschnittlich 5,1 Litern in der Praxis am wenigsten Sprit. Der Octavia folgt mit 5,3 l/100 km, Astra und Golf liegen mit ebenfalls guten 5,5 und 5,6 l/100 km dahinter. Dank der großen Tanks erlauben der Hyundai und der Opel Etappen von mehr als 1000 Kilometern. Golf und Octavia werden von ihrem vergleichsweise kleinen 50-Liter-Tanks limitiert, erreichen aber ebenfalls stattliche Reichweiten, von denen die Fahrer von Benziner-Modellen nur träumen können.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI BlueMotion TechnologyHyundai i30 1.6 CRDiOpel Astra 1.7 CDTI ecoFLEX
Beschleunigung15094969990
Elastizität10071726571
Höchstgeschwindigkeit15049474243
Getriebeabstufung10077778082
Kraftentfaltung5034343032
Laufkultur10057555550
Verbrauch325281275285277
Reichweite2519172120
Kapitelbewertung1000682673677665

 

Fahrdynamik

Es ist mehr als beachtlich, welch fahrdynamisches Talent die beiden Kompakten aus dem Volkswagen- Konzern auf abgesperrter Piste an den Tag legen. Von der siebten Generation des VW Golf wussten wir das bereits – dass der neue Octavia in die gleiche Kerbe schlägt, erstaunt. Auf dem Handlingkurs zeigt er dem Golf mit mehr als einer Sekunde Vorsprung die Rücklichter, beim Tanz durch den 18-Meter-Slalom liegt er nur knapp hinter dem Wolfsburger Bestseller. Beide beeindrucken mit ihrem spontanen Einlenkverhalten, erlauben deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten als i30 und Astra und punkten mit ihren fein regelnden Stabilitätssystemen sowie gefühlsechten Servolenkungen. Beim Skoda Octavia lassen sich gegen 95 Euro Aufpreis per Fahrprofi l-Schalter sogar die Lenkkräfte beeinfl ussen.

Der Hyundai i30 hält wenig von sportlichem Übermut, untersteuert früh und lässt beim Fahrer auch aufgrund der großen Lenkwinkel und der trotz dreier Modi tauben Lenkung keine sportlichen Gefühle aufkommen. Auch der Astra leidet unter der selbst im Sport-Modus zu leichtgängigen und wenig Rückmeldung bietenden Lenkung. Hinzu kommt, dass sich seine gut zupackende Bremse am schlechtesten dosieren lässt. Wenig vertrauensfördernd ist zudem, dass der Astra bei abrupter Gaswegnahme in der Kurve am vehementesten mit dem Heck nach außen drängt, ehe es vom spät und rigide eingreifenden ESP wieder auf Kurs gebracht wird. Bei der Bremsmessung ergeben sich erstaunlich große Differenzen zwischen den vier Testkandidaten: Zwischen Octavia und i30 liegt bei kalter Bremsanlage mehr als eine Fahrzeuglänge.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI BlueMotion TechnologyHyundai i30 1.6 CRDiOpel Astra 1.7 CDTI ecoFLEX
Handling15072676766
Slalom10061624849
Lenkung10085847680
Geradeauslauf5038384240
Bremsdosierung3020202018
Bremsweg kalt1501161046495
Bremsweg warm1501121128092
Traktion10048484442
Fahrsicherheit150133133129127
Wendekreis201311118
Kapitelbewertung1000698679581617

 

Umwelt und Kosten

Wer in erster Linie auf den Preis schaut, kommt am Hyundai i30 kaum vorbei. Er lockt nicht nur mit seinem Grundpreis von 20.650 Euro – überdies ist er am reichhaltigsten ausgestattet. Leichtmetallräder und ein CD-Radio bringt nur der Koreaner ab Werk mit. Der Skoda Octavia lässt sich übrigens als einziger die Klimaanlage extra bezahlen (1120 Euro). Ein weiterer großer Vorteil des Hyundai i30 liegt in der fünfjährigen Fahrzeuggarantie: Die Konkurrenz lässt es bei zwei Jahren bewenden.

Zahlreiche Punkte verliert der Opel Astra, weil er nur eine einjährige Mobilitätsgarantie bietet. Für Octavia und den Golf sprechen die niedrigeren Werkstattkosten. Die Aufwendungen für Steuer und Versicherung nehmen sich bei allen vier Autos nicht viel.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI BlueMotion TechnologyHyundai i30 1.6 CRDiOpel Astra 1.7 CDTI ecoFLEX
Bewerteter Preis675232251256242
Wertverlust50
Ausstattung2517182315
Multimedia5018172014
Garantie/Gewährleistung5028283518
Werkstattkosten2015161313
Steuer108888
Versicherung4037363637
Kraftstoff5546454645
Emissionswerte2522222221
Kapitelbewertung1000423441459413

 

Fazit

Der neue Skoda Octavia schafft die Sensation und gewinnt diesen Vergleichstest. Der Tscheche vertraut auf die Technik des Golf, bietet jedoch das Raumangebot der Mittelklasse. Die recht straffe Fahrwerksabstimmung müssen wir ihm jedoch ankreiden. Erstaunlich ist allerdings, dass der Skoda auch qualitativ zum höher positionierten Wolfsburger aufschließen durfte. Der VW Golf wiederum leistet sich keinerlei Schwächen und bietet den besten Fahrkomfort. Auf Platz drei fährt der Hyundai i30. Sportliche Ambitionen sind ihm fremd, doch dafür entschädigt er mit dem niedrigsten Verbrauch, einem attraktiven Preis und der fünfjährigen Garantie. Knapp dahinter landet der Opel Astra, für den die komfortable Federung und die tollen Sitze sprechen. Im Vergleich zur jüngeren Konkurrenz macht er inzwischen aber einen etwas ergrauten Eindruck.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI BlueMotion TechnologyHyundai i30 1.6 CRDiOpel Astra 1.7 CDTI ecoFLEX
Summe50003136311729802955
Platzierung1234

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