Neuer Renault Mégane im ersten Test Focus 1.6 EcoBoost | Renault Megane TCe 130 | Skoda Octavia 1.4 TSI

01.06.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit aufgeladenen Vierzylindern versprechen Ford Focus, Skoda Octavia und der jüngst modellgepflegte Renault Mégane Kompaktklasse-Fahrspaß bei überschaubaren Kosten

Den Diesel, den rauen Racker, lernten wir ja erst richtig lieben, als ihm der Turbolader zu seiner traditionellen Sparsamkeit auch Feuer einhauchte. Beim Benziner war das lange nicht so. Hier stand der Turbo einige Jahrzehnte lang für Power und Temperament ohne Rücksicht auf den Verbrauch. Benzin war ja billig.

Heute beherrschen aufgeladene Benziner auch das Sparen und stellen mit sehenswerten Normverbräuchen und schönem Drehmoment-Bumms die alte Behauptung in Frage, Hubraum sei durch nichts zu ersetzen. die drei Kompakten dieses Vergleichstests sind gute Beispiele dafür: 150 PS aus 1,6 Liter Hubraum leistet der Ford Focus 1.6 EcoBoost, der fünftürig für knapp 22.000 euro erhältlich ist.

150 PS, Ältere erinnern sich, leisteten in den Achtzigern die sportlichen Topmodelle und benötigten dafür zwei Liter Hubraum. Mit 130 PS und 122 PS aus 1,4 Liter Hubraum sind der Renault Mégane tCe 130 und der Skoda Octavia 1.4 TSI ein wenig schwächer als der Ford, dafür aber mit unter 21.000 Euro auch billiger. 200 km/h – das war früher die Eintrittskarte in den Club der Sportlichen – schaffen aber auch sie.

 

Karosserie

Die Rolle des Autos für die Familie füllen sie ebenso aus. Am besten gelingt dies dem Skoda Octavia, was vor allem auf seine imposante Länge zurückzuführen ist. Er überragt seine Konkurrenten um mindestens 20 zentimeter, und beim Öffnen der fast schon coupéhaft geneigten Heckklappe werden die erfreulichen Folgen dieser größe sichtbar: Mit 560 Liter Stauvolumen wäre der Octavia auch ein Siegertyp im Luxusklasse-Quartett; eine Durchladeluke in der Rücksitzlehne offeriert – wenn auch gegen Aufpreis – außerdem nur er.

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Der Focus (363 Liter) und der Mégane (405 Liter) bieten gehobenes Kompaktklasse-Niveau und verfehlen auch bei Zuladung und Maximalvolumen die Klasse des Octavia deutlich. Im Fond sind die Folgen der Octavia-Größe weniger eklatant. Er bietet zwar mehr Bein- und Kopfraum als der Focus und der noch enger geschnittene Mégane. Doch diese zwei haben ebenfalls Platz fürs Erwachsenen-Quartett.

Während der Mégane und vor allem der Focus mit expressivem, dynamischem Bugdesign die Blicke auf sich ziehen, steht der Octavia eher schlicht gekleidet auf der Straße. und während der Focus und der Mégane mit stämmigen hinteren Dachsäulen auf sportlich machen, bietet der Octavia dank größerer Fensterflächen die beste Rundumsicht. Beim Rangieren helfen außerdem die ab Ambition serienmäßigen Parksensoren am Heck.

Dass ein konventionelles Design auch im Interieur Vorzüge hat, demonstriert der tschechische Golf-Ableger mit hoher Funktionalität durch eingängige Menüführungen und eine übersichtliche Cockpitgestaltung. Das Gegenprogramm liefert der Focus: Über 60 Tasten und Wippen in Lenkrad und Mittelkonsole fordern vom Fahrer ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit. Dass der Skoda Octavia ein wenig in die Jahre gekommen ist, zeigt sich bei der Sicherheitsausstattung.

Während Renault den Mégane jüngst mit einem 400 Euro teuren Paket aus Verkehrsschilderkennung, Fernlicht- und Spurassistenz aufwertete, schweigt die Octavia-Preisliste beim Thema Assistenzsysteme. Ford wiederum lässt bei der Neuauflage des Focus nichts anbrennen: Gegen volksnah kalkulierte Aufpreise warnt der Kölner vor Gefahr im toten Winkel, vor dem ungewollten Verlassen der Fahrspur oder bei Müdigkeit.

Er blendet bei Gegenverkehr automatisch ab, justiert – etwas übervorsichtig – den Sicherheitsabstand bei Tempomat-Nutzung und hilft mit Warnungen sowie aktivem Bremseneingriff auch im Stadtverkehr, Unfälle zu vermeiden. Wenn der Skoda in diesem zunehmend wichtiger werdenden Detail dennoch ähnliche Punktzahlen realisiert, liegt das an der serienmäßigen Reifendruckkontrolle. Ford und Renault bieten diesen simplen Schutz bemerkenswerterweise gar nicht an.

KarosserieMax. PunkteSkoda Octavia 1.4 TSIFord Focus 1.6 EcoBoostRenault Megane TCe 130
Raumangebot vorn100707069
Raumangebot hinten100585553
Übersichtlichkeit70373536
Bedienung/ Funktion100908286
Kofferraumvolumen100563035
Variabilität100333020
Zuladung/ Anhängelast80393831
Sicherheit150899085
Qualität/ Verarbeitung200180178178
Kapitelbewertung1000652608593

 

Fahrkomfort

Seit drei Modellgenerationen steht das Fahrwerk des Ford Focus im Ruf, sehr harmonisch ausbalanciert zu sein. Auch das aktuelle Modell wird dem rundum gerecht. Querrinnen oder Teerflicken schluckt der Ford eleganter als der Skoda und der Renault, der außerdem in Schlaglöchern am ehesten zum Poltern neigt.

Über gewellte Straßen gleitet der Focus zudem weicher als seine Konkurrenten. Zu diesem Komforterlebnis passt auch gut die gründliche Schalldämmung. Bei schneller Fahrt leistet sich der Focus weniger Abroll-, Wind- und Motorgeräusche als die Rivalen und zieht auch bei 180 km/h erstaunlich leise fast schon mittelklassig seine Bahn.

Etwas zu kurze Vorder- und zu niedrig angebrachte Rücksitze kosten den Renault Zähler, wie der Focus leistet er sich zudem den ergonomischen Patzer einer sehr hoch liegenden Ladekante. Wie in dieser Preisklasse üblich, kosten bei allen dreien Klimaanlagen keinen Aufpreis.

Auf Wunsch lassen sich jedoch zu Preisen zwischen 400 Euro (Skoda) und 890 Euro (Renault) Zwei-Zonen-Klimaautomaten ordern. Besonders aufmerksam denkt nur Skoda an die kalte Jahreszeit: Für den Octavia kann man sich nicht nur heizbare Vorder-, sondern auch heizbare Rücksitze ordern.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Octavia 1.4 TSIFord Focus 1.6 EcoBoostRenault Megane TCe 130
Sitzkomfort vorn150130130127
Sitzkomfort hinten100697066
Ergonomie150130125125
Innengeräusche50303531
Geräuscheindruck100606563
Klimatisierung50353434
Federung leer200135137132
Federung beladen200132135130
Kapitelbewertung1000721731708

 

Motor und Getriebe

Nur der Renault-Motor setzt in diesem Vergleich auf die klassische Saugrohreinspritzung; Ford und Skoda verabreichen ihren höher verdichtenden Motoren das Benzin direkt in die Brennräume. Dies und die kurze Übersetzung des knackig schaltbaren Mégane-Getriebes dürften dazu führen, dass der Renault Mégane mit 7,8 Liter pro 100 Kilometer den höchsten Testverbrauch realisiert.

Dem Skoda Octavia genügen auf der AUTO ZEITUNG-Teststrecke 6,7 Liter, dem Ford Focus 7,4 Liter. Angesichts des Leistungsvorsprungs gegenüber dem 130 PS starken Renault und dem Skoda mit nur 122 PS ist es kein Wunder, dass der Focus am temperamentvollsten ans Werk geht – mit schönem Antritt weit unter 2000 Umdrehungen und erfreulicher Drehfreude.

Aus dem Stand erreicht er die 140-km/h-Marke zwei Sekunden eher als die Konkurrenz und lässt diese mit 210 km/h Spitze (Renault: 200 km/h, Skoda: 203 km/h) bei Bedarf hinter sich. Dazu geht der Ford-Motor aber nahezu so laufruhig ans Werk wie das schwingungsarme, fein klingende Renault-Aggregat – und er hängt viel williger am Gas als das etwas zäh agierende Triebwerk des Octavia, das bei hohen Drehzahlen leicht unwillig klingt.

Dieses Bündel guter Eigenschaften macht die Gala-Vorstellung des Focus in diesem Kapitel komplett und legt einen Wunsch nahe: Liebe Ford-Leute, baut um diesen Motor einen kleinen, bezahlbaren Roadster, im Idealfall mit Heckantrieb. Ihr werdet es nicht bereuen!

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Octavia 1.4 TSIFord Focus 1.6 EcoBoostRenault Megane TCe 130
Beschleunigung150106110105
Elastizität100717675
Höchstgeschwindigkeit150556053
Getriebeabstufung100828582
Kraftentfaltung50283330
Laufkultur100676970
Verbrauch325254241234
Reichweite25161314
Kapitelbewertung1000679687663

 

Fahrdynamik

Was schon auf öffentlichen Straßen erfahrbar ist, untermauern die Testfahrten auf abgesperrten Strecken: Ein Ausbund an Agilität ist der Skoda Octavia nicht. Er reagiert mit mehr Karosserieneigung betulich auf Lenkbefehle und gerät bei hoher Querbeschleunigung wegen der hohen Flanken seiner 205/55er-Reifen auch früh ins Rutschen. Dabei bleibt er aber stets beherrschbar, ohne dass das ESP dem Fahrer zu Hilfe eilen müsste.

Den Gegenpart zum Octavia geben der Focus und der Mégane. Beide schwingen lustvoll in die Kurve und lassen sich genau auf den Punkt lenken. Die Mehrleistung des Focus führt zwar zu den besseren Zeiten auf der Handlingstrecke, wo den Mégane voreilige ESP-Eingriffe bremsen. Im Slalom allerdings schafft der wieselflinke Renault die Bestzeit und unterstreicht damit seine querdynamischen Qualitäten.

Die sind, wie beim Ford, durchaus auch im öffentlichen Straßenverkehr und bei gesetzeskonformer Fahrweise zu spüren, wo eine dem Octavia fremde Leichtigkeit mitschwingt. Da der Focus mit besser dosierbaren Bremsen und der angenehmsten Lenkung glänzt, hätte er eigentlich den Kapitelsieg verdient. Doch der Mégane steht mit kalten Reifen aus 100 km/h bis zum Stillstand etwa einen Meter eher als der breiter bereifte Ford und der Skoda (36,5 zu 37,3 und 37,6 Meter), der auch keine sonderlich guten Warmbremswerte in die Messelektronik diktieren kann.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Octavia 1.4 TSIFord Focus 1.6 EcoBoostRenault Megane TCe 130
Handling150636662
Slalom100557074
Lenkung100778277
Geradeauslauf50404040
Bremsdosierung30192017
Bremsweg kalt150757785
Bremsweg warm150768688
Traktion100404037
Fahrsicherheit150125127125
Wendekreis2016914
Kapitelbewertung1000586617619

 

Umwelt und Kosten

Sich für den Mégane zu erwärmen, fällt nicht schwer. Zum Preis von 20.350 Euro für die mittlere von fünf Ausstattungslinien (Dynamique) bietet er Annehmlichkeiten bis hin zu Freisprecheinrichtung, Lederlenkrad und Leichtmetallrädern. Die lässt sich die teurere Konkurrenz extra bezahlen.

Da stört es preisbewusste Käufer sicher nicht, dass die Vollkasko-Prämie, die Wartungs- und auch die Tankkosten ein wenig höher ausfallen als bei der Konkurrenz. Schließlich liegt der Renault mit AUTO ZEITUNG-Normausstattung ja rund 1.000 Euro unter dem Skoda und sogar 2.000 Euro unter dem Ford Focus.

Die Haare vom Kopf fressen diese zwei ihren Käufern allerdings auch nicht. Der Skoda zieht sogar wegen günstiger Unterhaltskosten und identischer Garantieversprechungen mit dem Renault gleich. In diesem Punkt sollte Ford etwas tun, denn weder bei der Lack- noch bei der Mobilitätsgarantie bieten die Kölner wettbewerbsfähigen Schutz vor unerwarteten Kosten.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Octavia 1.4 TSIFord Focus 1.6 EcoBoostRenault Megane TCe 130
Bewerteter Preis675250241256
Wertverlust50262425
Ausstattung25151520
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281828
Werkstattkosten20151414
Steuer10999
Versicherung40373634
Kraftstoff55413938
Emissionswerte25878684
Kapitelbewertung1000508482508

 

Fazit

Der Skoda Octavia 1.4 TSI ist nicht das billigste, nicht das stärkste und nicht das schnellste Auto dieses Vergleichs. Dennoch steht er ganz oben auf dem Siegertreppchen. Die Gründe sind schnell aufgezählt. Da ist zum einen sein Platzangebot. Allein das beschert ihm das zum Sieg erforderliche Punktepolster.

Flankierend kommen gute Qualitäten in allen anderen Punkten hinzu – das war’s. Dicht auf den Fersen ist der Ford Focus. Er ist das agilste, dazu am besten motorisierte Auto dieser Runde. Der vom Preis her sehr attraktive Renault liegt im Kostenkapitel mit dem Skoda zwar gleich auf und gewinnt knapp das Fahrdynamik- Kapitel. Doch zu mehr als Platz drei reicht es insgesamt nicht.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Octavia 1.4 TSIFord Focus 1.6 EcoBoostRenault Megane TCe 130
Summe5000314631253091
Platzierung123

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