Neuer Opel Meriva im ersten Vergleichstest Flügelstürmer

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit unkonventionellem Türkonzept und größerer Statur trifft der neue Opel Meriva auf die Top-Benziner seiner Klasse von Nissan, Citroën, Skoda und Kia

Der Meriva ergänzt die bestehende Opel-Mannschaft und besetzt den Platz als familiengerechter Kompaktvan unterhalb des Zafira. Auffälligstes Merkmal der neuen Meriva-Generation sind die beiden hinteren Portaltüren, die sich gegen die Fahrtrichtung öffnen. Zum Test tritt er mit einem 140 PS starken 1,4-Liter-Turbobenziner an. Den gibt es ab der Ausstattungsversion „Edition“ zum Preis von 20.150 Euro.

Zu seinen etablierten Gegnern zählt der Citroën C3 Picasso, der einen 1,6 Liter großen Benziner mit 120 PS aufbietet und mindestens 18.350 Euro kostet. Ähnlich stark motorisiert (125 PS), mit 16.660 Euro aber deutlich günstiger, kommt der Kia Venga aus Südkorea zum Test. 110 PS stark und 18.000 Euro teuer, sieht sich der Nissan Cube als optische Ausnahmeerscheinung. Keine Experimente macht Skoda mit dem bisherigen Klassenprimus Roomster. Er verfügt jetzt über den neuen Turbo-Benzindirekteinspritzer mit 105 PS und nur 1,2 Liter Hubraum. Einstandspreis: 17.250 Euro.

 

Karosserie

Der neue Opel Meriva ist seiner Klasse fast entwachsen, mit 4,28 Meter Außenlänge überragt er die Konkurrenten um bis zu 30 Zentimeter. Fahrer und Beifahrer gelingt der Einsteig durch die weit aufschwingenden Türen leicht und bequem. Die Kopffreiheit und der Einstellungsbereich der Sitze sind hervorragend. Im Bereich der Ellenbogen warten Citroën und Kia mit nahezu gleicher Innenraumbreite auf. Nissan und Skoda bieten objektiv weniger Platz in der ersten Reihe und können nur bei der Kopffreiheit mithalten.

Im Fond ändert sich das Bild: Die Passagiere sitzen im Opel und Skoda leicht erhöht und genießen ein großzügiges Raumgefühl. Dies ist bei beiden Kontrahenten sogar noch zu steigern, wenn nur die beiden äußeren Sitze belegt werden. Bei umgeklapptem Mittelsitz lassen sich im Opel die äußeren Sitze separat auf Schienen nach hinten und in die Mitte verschieben. Im Skoda gelingt dies, wenn der Mittelsitz ausgebaut wird. Auch die übrigen drei Kandidaten punkten mit verschiebbaren Fondsitzbänken (Nissan: nur ungeteilt verschiebbar). Im Citroën-Fond schränkt allerdings die Panoramadach-Kante die Kopffreiheit ein, der Franzose bietet auch am wenigsten Platz für die Beine.

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Nutzbarer Gepäckraum und Variabilität sind zwei weitere Paradedisziplinen des Skoda. Die hinteren Einzelsitze sind klapp- und demontierbar. Das Kofferraumvolumen beträgt so bis zu 1810 Liter, selbst das Minimalvolumen von 480 Liter kann kein Mitbewerber toppen. Opel verfolgt die Philosophie der versenkbaren Einzelsitze. Das hat zwei Effekte: Die heimische Garage muss keine ausgebauten Sitze beherbergen, das maximale Gepäckvolumen aber fällt geringer aus (1500 Liter).

Nissan kontert mit 1563 Liter, Citroën mit 1506 und Kia mit eher bescheidenen 1341. Opel startet seine Aufholjagd bei der möglichen Zuladung: 509 Kilo darf der ohnehin schwerste Testkandidat zusätzlich mitnehmen. Rund 100 Kilo weniger verkraftet der Citroën C3 Picasso. Nissan (436 kg), Skoda (447 kg) und Kia (455 kg) liegen dazwischen. Beim Skoda Roomster wirkt sich zudem die niedrigste Anhängelast von 900 Kilo (gebremst) negativ auf sein Punktekonto aus.

Ob Kurven-/Abbiegelicht (400 Euro), serienmäßige Reifenpannenanzeige, aktive Kopfstützen, Berganfahrhilfe oder Tagfahrlicht – das Sicherheitspaket im ansprechend verarbeiteten Opel Meriva überzeugt. Lediglich der Skoda verfügt über ein ähnlich umfangreiches Angebot. Unrühmliches Schlusslicht ist hier der Nissan, obwohl der Cube für 850 Euro wie auch der Kia (610 Euro) optional eine Rückfahrkamera bieten. Beim Kia Venga ist der Bildschirm in den Innenspiegel integriert. Xenonlicht oder Seitenairbags im Fond hat keiner der fünf Konkurrenten in der Preisliste.

KarosserieMax. PunkteSkoda Roomster 1.2 TSIOpel Meriva 1.4 EcotecKia Venga 1.6 CVVTCitroën C3 Picasso VTi 120Nissan Cube 1.6
Raumangebot vorn1006470696966
Raumangebot hinten1006163625555
Übersichtlichkeit704444444650
Bedienung/ Funktion1008578797881
Kofferraumvolumen1005239273723
Variabilität1006050455035
Zuladung/ Anhängelast802633302526
Sicherheit1507583706865
Qualität/ Verarbeitung200145141138134132
Kapitelbewertung1000612601564562533

 

Fahrkomfort

Wer in den Ergonomiesitzen (500 Euro) des Opel Meriva Platz nimmt, fühlt sich gut aufgehoben. Angenehm breite Sitzflächen, viel Seitenhalt und eine pneumatisch einstellbare Rückenunterstützung lassen den Opel zum bequemen Partner auf Langstrecken werden. Das ebenfalls sportlich straffe, aber enger geschnittene Skoda-Gestühl bewegt sich auf ähnlich hohem Niveau. Citroën und Kia legen weniger Wert auf korrekten Seitenhalt, die Polster im Nissan sind schlichtweg zu weich.

Dies gilt auch für die Sitze im Fondbereich. Zudem sind hier die Kopfstützen im Japaner zu niedrig montiert. Eine einstellbare Lehnenneigung bieten Citroën, Kia, Nissan und Skoda – Opel leider nicht. Der bequeme Einstieg durch die hinteren Portaltüren des Meriva und die konturierten Polster der Einzelsitze entschädigen schnell dafür. Im Skoda sitzt man ebenso gut, der tiefe Fußraum sorgt hier wie im Opel für eine gute Oberschenkel-auflage. Angenehm straff gepolsterte Rücksitze finden Passagiere auch in Citroën und Kia, in beiden allerdings ohne ausgeprägte Konturierung.

Beeindruckend niedrig fällt das Geräuschniveau im Nissan Cube aus. Er belästigt die Insassen weder mit störenden Fahrwerks- oder Reifenabrollgeräuschen, noch mit einem dröhnenden Motorsound. Die beiden hubraumschwachen Turbomotoren von Opel und Skoda klingen dagegen in höheren Drehzahlbereichen angestrengt. Verwöhnpotenzial beweist der kantige Nissan selbst beim Federungskomfort. Er schluckt Unebenheiten elegant, kennt kein Nachzittern oder Wippen auf Bodenwellen.

Ähnlich komfortabel gibt sich der C3. Auf grobe Unebenheiten antwortet er aber mit ausgeprägten Vertikalbewegungen an der Hinterachse. Diese spüren die Insassen des straffer abgestimmten Kia schon beim Überfahren von Kanaldeckeln oder auch Schlaglöchern. Der Opel Meriva rollt harmonisch straff ab, ist aber auch dank der breiten Bereifung kein Komfortwunder. Sensibles Anfedern kennt er nur auf der Autobahn. Komfortabler geht es im Skoda zu. Das spürbare Nachzittern, verbunden mit kräftigem Pumpen an der Hinterachse beim Überfahren von großen Wellen, kostet jedoch Punkte. Bei voller Beladung gewinnt der Tscheche an Federungsqualität, alle anderen Testkandidaten verlieren hierbei jedoch an Komfort.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Roomster 1.2 TSIOpel Meriva 1.4 EcotecKia Venga 1.6 CVVTCitroën C3 Picasso VTi 120Nissan Cube 1.6
Sitzkomfort vorn1508485838272
Sitzkomfort hinten1005858565242
Ergonomie150115115115112110
Innengeräusche503430293433
Geräuscheindruck1007074737480
Klimatisierung503133313129
Federung leer200119120115118122
Federung beladen200122118110110112
Kapitelbewertung1000633633612613600

 

Motor und Getriebe

Eines haben die Testwagen gemein: vorne, quer eingebaute Vierzylinder-Benziner. Darüber hinaus sind die Antriebsphilosophien aber verschieden. C3 Picasso, Venga und Cube saugen ihre Luft zum Atmen an, der neue Meriva und der Roomster hingegen werden von Turboladern unterstützt. Die sorgen für hohe Verbräuche (Meriva: 8,6 Liter Super, Roomster: 8,0 Liter), aber vor allem für einen kräftigen Durchzug. Mit maximal 200 Newtonmeter Drehmoment ist der Opel in den Disziplinen Beschleunigung und Zwischenspurt der Schnellste.

Kein Wunder, denn mit 140 PS ist er auch der Stärkste im Testfeld. Dagegen sieht der 35 PS schwächere Skoda auf dem Papier beinahe blass aus. Trotzdem passiert seine Tachonadel die 100- km/h-Marke nur zwei Zehntel später. Abgesehen davon, dass unser Testwagen sehr gut lief, überzeugt der Roomster mit einer feinen Getriebeabstimmung. Schnell und sauber lassen sich die fünf Gänge durchschalten, und nach dem Wechsel in die nächste Fahrstufe baut der kleine 1.2 TSI-Direkteinspritzer sofort wieder viel Druck auf. Das gelingt dem Opel Meriva nicht ganz so gut. Sein Lader gönnt sich nach dem Schaltvorgang eine Gedenksekunde, bis er dem 1,4-Liter-Aggregat wieder Luft zuführt. Als einziger im Test ist der Meriva mit einem Sechsganggetriebe ausgestattet, das in punkto Präzision aber der Skoda-Schaltung deutlich unterlegen ist.

In Sachen Beschleunigung, Elastizität und Höchstgeschwindigkeit müssen sich Citroën, Kia und Nissan hinten anstellen. Allerdings überzeugt der Cube mit guter Laufkultur und dem niedrigsten Verbrauch. 7,4 Liter Super genehmigte sich der ungewöhnlich gestylte Japaner.

Das beschert ihm mit dem 52 Liter fassenden Tank außerdem die größte Reichweite. Der Venga setzt zwar keine Bestmarken, ist den Konkurrenten aber immer dicht auf den Fersen. Vor allem auf der AZ-Verbrauchsrunde machte der Zweitstärkste im Test (125 PS) mit 7,5 Liter eine gute Figur. Er profitiert auch vom serienmäßigen Start-Stopp-System.

Der flotte C3 Picasso kann in diesem Kapitel mit den anderen nicht ganz mithalten, weil er wegen seiner Schaltung wichtige Punkte verliert. Ihr mangelt es an Präzision, sodass es – vor allem beim zügigen Wechsel von der ersten in die zweite Fahrstufe – schon mal im Getriebe kratzt, das zudem sehr beansprucht und ausgeleiert wirkte. Nicht akzeptabel ist auch, dass selbst bei voller Fahrt keine Sperre verhindert, irrtümlich in den Rückwärtsgang zu geraten.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Roomster 1.2 TSIOpel Meriva 1.4 EcotecKia Venga 1.6 CVVTCitroën C3 Picasso VTi 120Nissan Cube 1.6
Beschleunigung150102104979699
Elastizität1007173696863
Höchstgeschwindigkeit1504150404434
Getriebeabstufung1007878746074
Kraftentfaltung503029272723
Laufkultur1007475747477
Verbrauch325230218239230241
Reichweite251211111113
Kapitelbewertung1000638638631610624

 

Fahrdynamik

Auf der Handlingstrecke ist gegen den Meriva kein Kraut gewachsen. Seine elektro-hydraulisch unterstützte Lenkung ist direkt und gibt ordentlich Rückmeldung über die Haftung der 225er Michelin-Reifen (17-Zoll-Kompletträder für 900 Euro). Allerdings bedarf es beim Rangieren in der Stadt ein wenig mehr Kraft am Volant als erwartet. Zähler sammelt der Opel zudem mit seinen standfesten Stoppern, die außerdem gut dosierbar sind – auch im Grenzbereich.

Im Skoda braucht man ein bisschen mehr Sensibilität auf dem Bremspedal, das sehr direkt anspricht. Dafür benötigt der Roomster mit 34,6 Meter rund einen Meter weniger bei der Vollbremsung aus Tempo 100. Mit warmen Bremsen trennen die beiden nur zehn Zentimeter. Selbst mit abgeschaltetem ESP (greift im Notfall trotzdem ein) liegt der Meriva selbst am Limit ausgeglichen, abrupte Lastwechsel lassen ihn kalt. Auch den Roomster bringt so schnell nichts aus der Ruhe, zudem ist sein ESP nicht deaktivierbar.

Im Slalom hält der elektronische Helfer den Skoda aber an der langen Leine und lässt ein sich leicht eindrehendes Heck zu. Das tut der Fahrsicherheit keinen Abbruch, steigert aber Kurvengeschwindigkeit und Agilität. Die Lenkpräzision lässt im Nissan zu wünschen übrig, der mit seinem weichen Fahrwerk außerdem viele Punkte bei der Fahrsicherheit verliert. Ist das ESP ausgeschaltet und geht man in einer schnellen Kurve plötzlich vom Gas, wird das Heck sehr leicht und bricht aus.

Erst im letzten Augenblick packt das Sicherheitssystem zu und fängt den Cube wieder ein. Der Citroën C3 Picasso sammelt beim Bremsen, der Traktion und der Fahrsicherheit Punkte, sodass er es in diesem Kapitel mit etwas Abstand auf den dritten Rang schafft. Dem Kia verhageln die schlechtesten Bremsen ein besseres Abschneiden, denn der Koreaner erfreut ansonsten mit guter Lenkung und dynamischen Qualitäten.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Roomster 1.2 TSIOpel Meriva 1.4 EcotecKia Venga 1.6 CVVTCitroën C3 Picasso VTi 120Nissan Cube 1.6
Handling1504855484444
Slalom1005958545348
Lenkung1006061555447
Geradeauslauf503530303230
Bremsdosierung301920181817
Bremsweg kalt15010495707672
Bremsweg warm1509291617966
Traktion1003234333533
Fahrsicherheit150118120111118108
Wendekreis201413141415
Kapitelbewertung1000581577494523480

 

Umwelt und Kosten

Der südkoreanische Kia Venga ist mit 16.660 Euro Grundpreis der günstigste Testkandidat und kann gleichzeitig mit einer siebenjährigen Technikgarantie wertvolle Punkte sammeln. Auch sein faktisch niedriger Wertverlust – auf einem Niveau mit dem Skoda Roomster – sorgt am Ende für den Kapitelsieg.

Federn lassen muss hier der teure Opel Meriva. Allein sein hoher Grundpreis kostet ihn im Vergleich zum härtesten Widersacher von Skoda über 30 Punkte. Zweiter Knackpunkt: Opel reduziert die Mobilitätsgarantie auf zwölf Monate – macht insgesamt weitere zehn Punkte Rückstand zum Tschechen. Extravaganz lässt sich Nissan teuer bezahlen, auch die Versicherungseinstufung ist recht hoch. Trotzdem behauptet sich der Japaner vor dem Citroën C3 Picasso. Beim Franzosen wirkt sich der hohe Grundpreis negativ aus. Auf der Habenseite stehen die niedrigen Versicherungskosten.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Roomster 1.2 TSIOpel Meriva 1.4 EcotecKia Venga 1.6 CVVTCitroën C3 Picasso VTi 120Nissan Cube 1.6
Bewerteter Preis675289257296276280
Wertverlust503026302828
Ausstattung251614151415
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502818452833
Werkstattkosten201614151515
Steuer10109999
Versicherung403433313431
Kraftstoff553836393839
Emissionswerte258786888388
Kapitelbewertung1000548493568525538

 

Fazit

Den Schlagabtausch mit dem Opel Meriva entscheidet der Skoda Roomster mit seinem geringeren Verbrauch, den sehr guten Bremsen und der günstigen Kostenstruktur für sich. Der Flügelstürmer von Opel überzeugt mit einem variablen Innenraumkonzept, hochwertigem Interieur und ausgeprägten fahrdynamischen Qualitäten. Der Fahrkomfort leidet allerdings unter der straffen Abstimmung. Dritter wird der Kia Venga. Geräumig, sauber verarbeitet, kostengünstig – aber mit Schwächen beim Komfort. Der Citroën C3 Picasso verliert Punkte beim Antrieb, auch sein Grundpreis ist hoch. Der wenig praktische Nissan Cube ist nicht billig, aber ein echtes Original.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Roomster 1.2 TSIOpel Meriva 1.4 EcotecKia Venga 1.6 CVVTCitroën C3 Picasso VTi 120Nissan Cube 1.6
Summe500030122942286928332775
Platzierung12345

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