Neuer Opel Astra gegen Ford Focus und VW Golf Ford Focus 2.0 TDCi, Opel Astra 2.0 CDTI, VW Golf 2.0 TDI

07.01.2010

Auf dem neuen Opel Astra ruhen alle Hoffnungen des Rüsselsheimer Automobilherstellers. Doch wie schlägt sich der Kompakte im Vergleich mit Konkurrenten wie dem Ford Focus und dem VW Golf? Unser Vergleich

Die Zeiten, in denen der Opel Astra von vielen als häßliches Entlein angesehen wurde, sind längst passé. Mit frischer Optik und neuester Technik haben die Rüsselheimer der Komptklasse-Konkurrenz den Kampf angesagt. In unserem aktuellen Vergleich haben wir drei kompakte Fahrzeuge mit den beliebten Dieselmotoren gefahren. Gegen den neuen Astra mit 2,0-Liter-Diesel treten an: Ford Focus 2.0 TDCi und VW Golf 2.0 TDI. 

FORD FOCUS 2.0 TDCi
Bei Ford gehört ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zur Firmentradition. Auch beim Ford Focus folgen die Kölner dieser Philosophie und bringen mit einem Grundpreis von 23 250 Euro den günstigsten Kompakten in diesem Vergleich an den Start. Dass die Insassen dennoch keinen Verzicht üben müssen, beweist das Platzangebot. Fahrer und Beifahrer genießen reichlich Bewegungsfreiheit und werden nur seitlich von den massiven Türverkleidungen leicht eingeschränkt.

Die hinteren Passagiere freuen sich zwar über einen angenehmen Sitzkomfort, allerdings leidet die Kopffreiheit ein wenig unter dem nach hinten abfallenden Dach. Auch die gute Ergonomie und die einfache Bedienung des Focus machen es dem Fahrer leicht, schnell mit dem Kompakten zurechtzukommen. Erst die Verarbeitungsqualität zeigt, wo Ford sparen musste. Bis auf den Honda zeigen alle anderen Kompaktklässler eindeutig mehr Liebe zum Detail.

GELUNGENE ABSTIMMUNG
Erheblich mehr Augenmerk legten die Techniker auf die Fahrwerkskonstruktion und ihre feine Abstimmung – beim Focus passt die Balance aus Komfort und Dynamik. Seine Federelemente sprechen feinfühlig an und verdauen auch gröbere Stöße weitgehend klaglos. Zudem folgt der Kölner Richtungsbefehlen ohne Verzögerung und mit großer Präzision. Die mitteilsame Lenkung zeigt sich dabei trotz Frontantrieb weitgehend frei von nervenden Antriebseinfl üssen. Selbst die spürbaren Lastwechselreaktionen stören nicht, sondern steigern vielmehr die Fahrfreude.

Dass der flinke Focus auf dem Handlingparcours dennoch nicht besser abschneidet, liegt an seinem im Vergleich zur Konkurrenz zwar drehfreudigen, aber nicht ganz so spurtstarken Motor. Auch mit seinem Verbrauch von 6,4 Liter Diesel auf 100 Kilometern kann sich der Focus nur im Mittelfeld platzieren. Sehr effektiv und zudem ausgesprochen standfest präsentieren sich die Bremsen. Mit kalter Anlage steht der Ford nach 35,4 Metern aus Tempo 100 und erreicht damit den Bestwert in diesem Vergleichstest. Mit warmen Bremsen (35,0 Meter) ist nur der BMW (34,9 Meter) noch ein Quäntchen besser.

Auch die Preisgestaltung ist sehr erfreulich. Trotz aufpreispflichtiger Metalliclackierung und Leichtmetallfelgen halten sich die zusätzlichen Ausgaben für die AUTO ZEITUNG-Normausstattung im erschwinglichen Rahmen. Sogar eine Klimaanalge ist serienmäßig an Bord, für die bei den noblen Vertretern von Audi und BMW ein weiterer Obolus fällig ist.

OPEL ASTRA 2.0 CDTI
Beim Blick auf die formal gelungene Astra-Karosserie dürfte auch dem letzten Zeitgenossen klar werden, dass die Rüsselsheimer dem mutlosen Biedermann-Styling der Vergangenheit endgültig abgeschworen haben. Aber hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht? Bezüglich des Raumangebots und des praktischen Nutzens folgt hier die Funktion eindeutig der Form: Im Fond fühlen sich die Insassen infolge des coupéhaft gestalteten Dachs etwas beengt untergebracht, und auch die Übersicht nach hinten fällt alles andere als großzügig aus.

Vorn dagegen haben auch anspruchsvolle Passagiere keinen Grund, über Platzmangel zu klagen. Um sich mit den Funktionen der zahlreichen Tasten in der Mittelkonsole vertraut zu machen, benötigen Neulinge etwas Zeit. Nicht gewöhnen kann man sich dagegen an die Bestätigungsfunktion – etwa bei der Navigationsbedienung –, die über den Druck auf den Außenring des Bedienknopfes erfolgt. Erfreut zur Kenntnis nimmt man bei der Gelegenheit jedoch die Tasten zur Einstellung des optionalen FlexRide-Fahrwerks (930 Euro), dessen adaptive Dämpfer per Knopfdruck zwischen „Normal-“, „Sport-“ und „Tour-“Modus wechseln.

In Letzterem zeigt der neue Opel Astra einen Federungskomfort, der dem seines Vorgängers deutlich überlegen ist und mit zum besten zählt, was man in der Kompaktklasse bekommen kann. Einen Anteil daran hat auch die neue Verbundlenkerhinterachse, die in der nunmehr vierten Astra-Generation mit einem Wattgestänge zur besseren Aufnahme der Querkräfte bei Kurvenfahrt ausgerüstet ist. Dies erlaubt „weichere“ Achslager, die den Fahrkomfort erhöhen.

GUTE AUSSTATTUNG
Doch der neue Astra verfügt auch über reichlich dynamische Talente. Die zielgenaue Lenkung und das sichere Fahrverhalten im hoch angesiedelten Grenzbereich zählen ebenso dazu wie die guten Bremsen. Spaßbremsend entpuppt sich dagegen die Sechsgangautomatik (1650 Euro) wegen ihrer trägen Reaktion. Schade eigentlich, denn der Zweiliter-Common-Rail- Diesel mit 160 PS ist ein ebenso kultiviertes wie drehfreudiges Aggregat, das mit maximal 380 Nm ein üppiges Drehmoment zur Verfügung stellt.

Die Automatik drückt auch auf die Fahrleistungen und sorgt dafür, dass der Opel mit 7,2 Liter Diesel pro 100 km mehr konsumiert als andere Rivalen und damit teurer ist als nötig. Ohne Automatik sind 23 905 Euro fällig, was angesichts des Gebotenen als fair gelten darf, denn Klimaanlage und CD-Radio sind bereits Serie. Die niedrigsten Versicherungstarife im Test schonen die Haushaltskasse ebenfalls.

VW GOLF 2.0 TDI
Evolution statt Revolution – so lautet die Erfolgsformel für den Wolfsburger Bestseller. Deshalb bleibt uns die bekannte Karosserie-Silhouette auch in der sechsten Modellgeneration erhalten. Aus gutem Grund, denn das Raumangebot lässt kaum Wünsche offen und ermöglicht bequemes Reisen auch mit vier Erwachsenen an Bord. Das Kofferraumvolumen zählt zwar nicht zu den größten in diesem Test, kann aber durchaus als alltagstauglich bezeichnet werden. Störend fällt allerdings die Stufe im Ladeboden bei umgelegter Rücksitzlehne auf. Sowohl die Bedienung als auch die Ergonomie sind ausgesprochen gut. Und die Qualität zählt mit zum Besten, was man in dieser Fahrzeugklasse bekommen kann.

Vorbildlich ist auch darüber hinaus das Angebot an Sicherheitsdetails, auch wenn viele häufi g nur gegen Aufpreis erhältlich sind. Apropos Preise: Für die viertürige Version samt 140-PS-Diesel sind üppige 25 115 Euro fällig – was abermals bestätigt, dass ein VW Golf noch nie ein Sonderangebot war. Die vergleichsweise niedrigen Unterhaltskosten fangen den hohen Preis nur zum Teil auf. Immerhin verursacht der Wolfsburger die niedrigsten Werkstattkosten im Vergleich. Auch bei den Kraftstoff-Aufwendungen und den Kfz-Steuern sparen Golf-Besitzer. Hier ist nur der BMW 118d noch etwas günstiger.

GUTE FAHREIGENSCHAFTEN
Der Common-Rail-Diesel verhilft dem VW zu Fahrleistungen, die auch lange Strecken in kurzer Zeit möglich machen: 9,0 Sekunden von null auf 100 km/h sowie 209 km/h Höchstgeschwindigkeit sind mehr als ausreichend, der Testverbrauch mit 5,9 Litern ist sehr gut. Das Fahrwerk überzeugt ebenfalls. Die adaptive Dämpferregelung DCC (945 Euro) lässt dem Fahrer die Wahl zwischen normaler, komfortabler und sportlicher Einstellung. Im Komfortmodus zeigt der Golf im Test das beste Absorptionsvermögen.

Im Sportmodus sorgt dagegen eine angepasste Dämpferkennung für nochmals gesteigerte Fahrdynamik, ohne es dabei an der notwendigen Fahrsicherheit fehlen zu lassen. Das bedeutet, dass der VW auch bei extremen Fahrmanövern stets von seinem sehr gut abgestimmten ESP im Zaum gehalten wird.

Wenn Fronttriebler von drehmomentstarken Dieselmotoren befeuert werden, bleibt die Traktion oft auf der Strecke. Die elektronische Differenzialsperre XDS (für 200 Euro) erweist sich hier als sinnvolles Extra, denn sie wirkt dem Scharren der Antriebsräder sehr erfolgreich entgegen. In der Summe sind dies allesamt Eigenschaften eines Siegers.
Michael Godde, Alexander Lidl, Elmar Siepen

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderR4
Hubraum1968
Leistung
kW/PS
1/Min

103/140
4000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
320
1750 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 195/65 R 15
h: 195/65 R 15
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1316
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)205
Verbrauch 
Testverbrauch6.9l/100km (Diesel)
EU-Verbrauch5.5l/100km (Diesel)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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