Neuer Mini Cooper vs. Audi A1 & Citroen DS3: Vergleich der Kleinwagen Nachtschwärmer

28.04.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Auch Mini-Generation III dürfte zum Vollmond-Abenteurer taugen. Doch wie schlägt sie sich bei Tageslicht gegenüber der kleinen, aber feinen Konkurrenz? Neuer Mini im Vergleichstest

Fahrvergnügen wächst nicht unbedingt mit den Abmessungen eines Autos. Wie groß der Spaß mit einem kleinen Auto sein kann, erfahren zum Beispiel Mini-Besitzer jeden Tag. Nun steht die dritte Generation des New Mini am Start. Mit leicht gewachsenen Abmessungen (rund zehn Zentimeter länger, vier Zentimeter breiter und knapp drei Zentimeter mehr Radstand) will er im Segment der feinen Kleinen neue Zeichen setzen.

Dort warten schon Fahrspaß à la française in Gestalt des Citroën DS3 und das bayerische Auto-Erlebnis Audi A1 Video. Kräftige Leichtgewichte also, die zwischen 1085 und 1148 Kilo wiegen und zwischen 136 und 156 PS leisten. Beste Voraussetzugen also für unterhaltsame Fahrerlebnisse. Zu klären ist, wer die Produktion von Glückshormonen am stärksten anregt.

 

KAROSSERIE

Deutlich verbesserte Bedienung im Mini

Die um wenige Zentimter gewachsene Karosserie ändert nichts daran, dass der Mini nach wie vor den kleinsten Innenraum des Trios aufweist. Dafür wirkt er aber erheblich besser verarbeitet als früher. Am besten fühlen sich die Insassen im Audi aufgehoben, der zumindest auf den Vordersitzen im Gegensatz zu seinen Konkurrenten deutlich luftiger wirkt.

Im Fond wartet hingegen der Citroën mit der größten Ellbogenfreiheit auf. In Sachen Kofferraum dürfen keine Wunder erwartet werden: Asymmetrisch geteilte Rücksitzlehnen machen aus den Koffernischen (211 Liter beim Mini bis 285 Liter beim Citroën) erst richtige Kofferräume (731 Liter beim Mini, 980 Liter im Citroën). Über seine Konkurrenten hinaus wächst der kleine Engländer hingegen in der Sicherheitsausstattung. 

Voll-LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Abstandsregler und -warner sowie eine Verkehrszeichenerkennung sind beispielsweise auf Wunsch ebenso an Bord wie ein Head-up-Display. Sehr gut: Der DS3 verfügt serienmäßig über das eTouch-System, mit dem bei Panne oder Unfall Hilfe geordert werden kann.

Im Alltag profitiert der Cooper von seinem neuen Mini-Controller mit Touchpad, was nichts anderes ist als das iDrive-System der Konzernmutter BMW. Damit  lassen sich Navigationssystem, Telefon, Audioanlage oder Fahrzeugeinstellungen über den hochauflösenden 8,8-Zoll-Bildschirm kinderleicht bedienen. Ebenfalls gelungen: die Ölstandskontrolle via Bildschirm, wie man sie von BMW-Fahrzeugen kennt. Einen Kontrast dazu bildet die fummelige Sitzlehnenverstellung des Briten. Die Bedienung des Franzosen ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Sein Navi reagiert recht träge, und bei der Telefon-Kopplung lässt er sich mehr Zeit als die Konkurrenz. Leicht handhabbar ist auch das MMI-System des Audi für die Bedienung von Navigation, Telefon und Audioanlage. Doch reicht es nicht an die englische Ausgabe des iDrive heran.

Mini Cooper  Audi A1 1.4 TFSI COD Citroen DS3 THP 155
136 PS 140 PS 156 PS
0 - 100 km/h in 7,7 s 0 - 100 km/h in 7,9 s 0 - 100 km/h in 7,8 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 210 km/h Spitze 212 km/h Spitze 210 km/h
Grundpreis: 19.700 Euro Grundpreis: 20.400 Euro Grundpreis: 21.560 Euro

 

FAHRKOMFORT

Die beste Ergonomie finden Audi-Fahrer vor

Praxisgerechte Ablagen, gut ablesbare Instrumente und alle Schalter dort, wo sie sein sollen – im Alltag entpuppt sich der A1 damit als angenehmer Begleiter, von dem sich die Konkurrenz eine Scheibe abschneiden kann. So liegt beim Citroën DS3 der Kofferraumboden bandscheibenstrapazierend ebenso zu tief wie das Radio. Ein Tankeinfüllstutzen auf der linken Seite ist eher ungewöhnlich. Die Verstellung der Vordersitzlehnen ist wie beim Mini nur in Stufen möglich.

Langarmige können sich beim Schalten im Mini an der hochgeklappten Mittelarmlehne (150 Euro extra) stören. Auch beim Thema Ablagen gibt sich der Engländer eher sparsam. Unterwegs versöhnt der Brite mit den bayerischen Wurzeln allerdings aufgrund des niedrigsten Fahrgeräuschpegels und gut gedämmter
Abrollgeräusche. Er ist auch der Einzige, der gegen Aufpreis mit einer Zweizonen-Klimaautomatik (370 Euro) aufwartet. Während die optionalen Sportsitze  im  Cooper zwar straff gepolstert, aber für etwas beleibtere Zeitgenossen zu eng geschnitten sind, fallen bei den serienmäßigen Sport-Fauteuils des Citroën die Seitenwangen zu weich aus.

Den besten Kompromiss findet hier der Audi mit seinen ebenfalls aufpreispfl ichtigen Sportsitzen (ab 340 Euro). Darin kann man sich auf schlechten Straßen  bestens von der gelungenen, weil schluckfreudige Feder-Dämpfer-Abstimmung überzeugen, die nur noch vom Citroën übertroffen wird.

Unter Ausnutzung der vollen Nutzlast aber rückt der A1 das Bild zurecht und federt der Konkurrenz auf und davon. Hier poltert der Citroën teilweise recht laut durch Schlaglöcher. Der Mini spricht zwar insgesamt sensibler auf Bodenuneben-heiten an als das Vorgängermodell. Unter voller Beladung aber beginnt er, seine  Insassen bei der Fahrt über Schlaglöcher und kurze Bodenwellen mit heftigen Ausfederbewegungn zu malträtieren.

 

MOTOR/GETRIEBE

Überraschend laufruhiger Dreizylinder im Cooper

Auch für Kleinwagen ist Spritsparen ein Thema. Deshalb setzen alle drei auf Turbolaufladung und Benzindirekteinspritzung. Audi integriert zusätzlich eine Zylinderabschaltung („cylinder on demand“), die dazu führt, dass im 140 PS starken 1,4-Liter des Ingostädters bei Teillast nur zwei Zylinder Verbrennungsarbeit leisten.

Mini lässt beim Cooper gar einen Zylinder weg. Trotzdem entlocken die Münchner dem nach EU6-Norm schadstoffarmen 1,5 Liter großen Dreiyzlinder-Turbo,  übrigens dem ersten Spross einer komplett neuen Motoren-Familie, 136 PS. Hubraumstärkster ist der Citroën. Dessen 1,6-Liter stammt noch aus der Zeit der BMW-PSA-Kooperation und tat, wenn auch in anderen Leistungsstufen, in der Vorgängergeneration des Mini seinen Dienst. Mit 7,1 Liter Super Testverbrauch ist
er überraschenderweise nur unwesentlich durstiger als Audi (6,8 Liter) und Mini (6,7 Liter).

Der Citroën überzeugt zwar mit kräftigem Antritt, jedoch braucht der Vierzylinder immer einen Lidschlag länger als die Konkurrenz, bis der entsprechende Ladedruck aufgebaut ist. Trotzdem wirkt der DS3 mit diesem Aggregat sehr souverän motorisiert.

Der Motor des Mini Cooper gefällt mit beeindruckender Drehfreude und hängt im Sport-Modus des Mini Driving Modes-Programms (180 Euro) besonders direkt am  Gas. Dank Ausgleichswelle läuft der Motor für einen Dreizylinder ausgesprochen vibrationsarm und steht deshalb in der Laufkultur dem Audi A1 in nichts nach. Im Citroën treten dagegen bei hohen Drehzahlen vereinzelt Dröhnfrequenzen auf.

Der Cooper-Antrieb beeindruckt nicht nur bei der Beschleunigungsmessung mit dem besten Sprintwert von null auf 100 km/h in 7,7 Sekunden, sondern auch mit der besten Elastizität, dicht gefolgt von Audi und Citroën (siehe Tabelle mit Messwerten). Der Mini überzeugt auch mit der knackigsten Schaltung im Feld. Mit 210 km/h (Citroën DS3 und Mini Cooper) beziehungsweise 212  km/h (Audi A1) Höchstgeschwindigkeit sind alle drei auf der Autobahn voll überholspurtauglich.

 

FAHRDYNAMIK

Unspektakulär, aber schnell im Audi

Im Asphaltgeschlängel des Handling-Kurses zeigen die drei, dass sie nicht nur als flinke Flitzer für die Innenstadtrallye taugen, sondern auch sportlichen  Ansprüchen genügen. So schlägt beispielsweise der Citroën DS3 zackig seine Haken durch Kurvenradien, wenngleich auch mit teils scharrenden Vorderrädern.

Seine Bremse spricht nicht nur sehr spontan an, sondern liefert auch kurze Bremswege: Mit 35,5 Metern aus 100 km/h bei kalter sowie 36 Metern mit warmer Bremse muss er sich wahrlich nicht verstecken. Der Audi A1 glänzt mit der besten Traktion. Herausbeschleunigen aus engen Kehren verursacht bei ihm den  geringsten Schlupf, was für die Effizienz seiner serienmäßigen elektronischen Quersperre spricht. Die Lenkung erfordert etwas größere Lenkwinkel als die des  Citroën, liefert aber dafür mehr Rückmeldung von Asphalt. Die Dosierbarkeit seiner Bremse bleibt aber etwas hinter der des Citroën zurück. An der Haftgrenze zeigt er ein neutrales bis leicht untersteuerndes Eigenlenkverhalten. Trotz Sportfahrwerk zeigt der A1 geringfügig stärkere Karosseriebewegungen als der Franzose. 

Der Mini hinterlässt ein zwiespältiges Bild. Einerseits gefällt er mit seiner äußerst direkten Lenkung und sehr spontanem Einlenkverhalten. Sein Hang zu
Lastwechselreaktionen verhilft ihm in engen Biegungen zu hoher Agilität.

Auf der anderen Seite hat er mitunter Mühe, seine Motorkraft trotz elektronischer Differenzialsperre schlupfarm auf den Boden zu bringen. Auch zeigt er in lang gezogenen Kurven früher eine Untersteuertendenz als der Audi. So verliert er auf diesen im Handling fast zwei Sekunden. Das kannten wir von den Vorgängermodellen anders. Immerhin kann er mit dem besten Warmbremswert von 35,0 Metern punkten.

 

UMWELT/KOSTEN

Der Citroën kommt mit kompletter Ausstattung

Beim bewerteten Preis, der alle testrelevanten Ausstattungsdetails berücksichtigt, kommt der Mini mit  21.540 Euro am besten weg. Auch in Sachen Ausstattung holt er zusammen mit dem Citroën mehr Punkte als der Audi, für den selbst Alu-Räder extra kosten. Das zunehmend in den Fokus der Käufer rückende Thema Multimedia besetzen Audi und Mini dagegen zeitgemäßer als der Citroën. Sie bieten nämlich gegen Aufpreis eine Online-Anbindung (siehe Ausstattungstabelle). 

Dafür  gibt  sich der Franzose an anderer Stelle volkstümlicher: Ein (mobiles) Navigationssystem gibt es im Citroën bereits ab 129 Euro. Federn lässt der Gallier hingegen im Unterhalt. So belaufen sich die Werkstattkosten des Franzosen für Inspektion und übliche Verschleißteile auf 618 Euro pro Jahr, und auch die Wertminderung fällt mit 13.389 Euro binnen vier Jahren und 80.000 Kilometer Laufleistung am höchsten aus.

Als besonders wertstabil erweist sich nach Berechnungen der DAT der Mini mit nur 10.638  Euro. Hinzu kommen die niedrigsten Werkstattkosten des Trios. Der Audi punktet demgegenüber zusammen mit dem Citroën mit niedrigeren Versicherungskosten. 

 

FAZIT

Auch die dritte Auflage des New Mini dürfte den Kultstatus wahren. Dafür sprechen der gegenüber dem Vorgänger bessere Komfort, die bessere Bedienbarkeit  und der überzeugende komplett neue Antrieb. Auch wenn der Kart-Charakter gemessen an den Konkurrenten ausgeprägter ist, fällt der Bayern-Brite in der Fahrdynamik überraschenderweise etwas zurück. Hier könnte insbesondere die Traktion besser sein. 

In der Summe erreicht er somit den zweiten Platz. Weit entfernt vom Kultstatus des Mini landet  der Audi A1 trotzdem vor dem kleinen Engländer. Seinen Punktevorsprung verdankt er dem größeren Raumangebot vorn, dem besseren Komfort und den Vorteilen beim Handling. Der drittplatzierte gut ausgestattete und  ausgereifte Citroën DS3 ist komfortabler als der Mini und deshalb eine durchaus überlegenswerte französische Alternative.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Elmar Siepen

Tags:
Diagnosegerät
 
Preis: EUR 9,99 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
SONAX AntiFrost KlarSicht
UVP: EUR 18,48
Preis: EUR 13,50 Prime-Versand
Sie sparen: 4,98 EUR (27%)
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.