Neuer Hyundai i30 im Kompaktklasse-Test Hyundai i30 | Ford Focus | Mazda 3 | Peugeot 308 | VW Golf

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Fünf Kompakte aus vier Nationen treten zur schweren Prüfung eines Vergleichstests an: Wird der neue Hyundai i30 aus Korea dabei die Bestnote erzielen?

Die Koreaner machen Druck, und das vor allem in der Golf-Klasse. Seit Jahrzehnten beißen sich die Konkurrenten am Klassenprimus VW Golf die Zähne aus. Wirklich gefährlich wurde ihm bisher niemand. Doch Hyundai greift den Star der Branche jetzt mit dem neuen i30 an.

Die ersten Vorschusslorbeeren für die solide Verarbeitung der zweiten Generation des kompakten Koreaners spendierte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn auf der IAA in Frankfurt höchstpersönlich. Aber nicht nur in Wolfsburg ist man gespannt auf den ersten Vergleichstest gegen den neuen i30. Auch Ford, Mazda und Peugeot bringen ihre Kompaktklässler gegen den neuen Hyundai in Stellung.

 

Karosserie

Die Produktplaner und die Ingenieure von Hyundai haben ihre Hausaufgaben gemacht. Der Hyundai i30 überzeugt gleich zu Beginn mit Platz. Vorn ordnet er sich in die Reihe der ebenfalls großzügig geschnittenen Ford, Peugeot und VW noch passgenau ein. Hinten jedoch bietet er schlichtweg den meisten Raum.

Während Focus ST Turnierund Mazda im Fond enger sind und der Peugeot durch den Rahmen des großen Glasdachs Kopffreiheit opfert, orientiert sich der Hyundai am VW und überbietet ihn sogar. Bei der Bedienung ist der VW stets der Maßstab. Während Ford dem Fahrer beim Focus eine verwirrende Vielfalt von Schaltern sowie teils umständliche Bedienung zumutet, Mazda die Informationen über zu viele Displays verteilt und der Peugeot über kleine Tasten durch das teils umständliche Menü geführt werden muss, gelingt die Bedienung im neuen i30 auf Anhieb fast genauso intuitiv wie im Golf.

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Nur die logische Führung des optionalen Navigationssystems verschafft dem VW noch einen kleinen Vorteil. Nicht zu toppen ist die zweite i30-Generation im Gepäckabteil. Der Koreaner bietet nicht nur den meisten Stauraum, sondern auch die beste Variabilität. So klappt sich bei ihm die Lehne im Fond so nach vorn, dass eine ebene Ladefläche entsteht.

Zudem eröffnet sich unter dem stabilen Ladeboden ein weiteres Abteil für reichlich Utensilien. Stabile Verzurrhaken und sauber eingepasste Verkleidungsteile runden den positiven Eindruck ab. Die Konkurrenz geht deutlich knausriger mit den Laderäumen um. Insbesondere der Ford büßt wegen seines kleinen maximalen Ladevolumens wertvolle Punkte ein.

Auch im Kofferraum zeigt sich die Liebe zum Detail der einzelnen Hersteller. Der Hyundai ist hier äußerst sauber verarbeitet. Ford, Mazda und Peugeot wirken dagegen eher nachlässig gestaltet. Und die solide Verarbeitungsgüte des Hyundai setzt sich auch im Innenraum fort. Hier sitzt und passt alles, die Materialanmutung überzeugt ebenfalls.

Lediglich die leichten Ausdünstungen der Kunststoffe und die sichtbaren Schweißnähte an den Fensterrahmen der Türen lassen den grundsolide verarbeiteten Golf etwas besser dastehen. Nachholbedarf besteht für den Koreaner noch bei der Sicherheitsausstattung.

Hier übernimmt das Duo Ford und Volkswagen die Vorbildfunktion. So lässt sich der Ford gegen Aufpreis neben Verkehrsschilderkennung, Spurhalteund Spurwechselassistent zudem mit einem adaptiven Geschwindigkeitsregelsystem ausrüsten. Der Golf sorgt unter anderem mit optionalen hinteren Airbags für Sicherheit.

Die kann man zwar auch für den Peugeot ordern, im restlichen 308-Angebot klaffen aber Lücken. Mazda und Hyundai liegen auf ähnlichem Niveau. Airbags im Fond oder eine Reifenpannenanzeige würden den Abstand zu Focus und Golf deutlich reduzieren. Eine Aufgabe für die Asiaten, die sie in einer künftigen Modellpflege unbedingt angehen sollten.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 1.6 TDIHyundai i30 blue 1.6 CRDiFord Focus 1.6 TDCiPeugeot 308 e-HDi FAP 110Mazda 3 1.6 CD
Raumangebot vorn1007070707067
Raumangebot hinten1005760525553
Übersichtlichkeit703836353535
Bedienung/ Funktion1009088848084
Kofferraumvolumen1003034302930
Variabilität1003335303330
Zuladung/ Anhängelast803631343534
Sicherheit1509385938578
Qualität/ Verarbeitung200185183180173172
Kapitelbewertung1000632622608595583

 

Fahrkomfort

Deutlich weiter ist zumindest Hyundai beim Komfort. Die Basis dazu bildet die sehr steife Karosserie des Hyundai i30. Selbst auf extrem holprigen Pisten dringt kein Poltern oder Knistern in den Innenraum. Auch der Wind verfängt sich nicht störend an Fensterkanten oder Außenspiegeln.

Allein der unter 1500 und über 3000 Umdrehungen knurrige Klang des ansonsten sehr zurückhaltenden Turbodiesels stört hier und da die Ruhe im Innenraum. Die Rivalen aus Niedersachsen und Köln sind zwar nicht leiser, überzeugen aber dennoch mit einem sehr homogenen Geräuschbild.

Die Kompakten von Mazda und Peugeot hingegen knistern und knarzen deutlich mehr auf schlechten Pisten. Während man dem Mazda 3 noch seine sportlichstraffe Auslegung als Charakter und Markenphilosophie durchgehen lässt, nervt der Peugeot 308 auf langen Strecken mit seinem stößigen Fahrwerk. Sogar auf topfebenen Oberflächen ist der Franzose permanent in Bewegung.

Auch der Golf muss trotz seines aufpreispflichtigen adaptiven Fahrwerks (975 Euro) aufgrund seines grundsätzlich zu straffen Feder-Dämpfer-Arrangements dem Ford und vor allem dem Hyundai beim Federungskomfort den Vortritt lassen. Ford Focus und i30 überzeugen mit einem feinen Ansprechverhalten. Während der Kölner eher eine satte, sportive Auslegung bevorzugt und damit sämtliche Unwegsamkeiten gekonnt absorbiert, empfiehlt sich der Koreaner mit seinem gediegenen, weicheren Komfort.

Unter Ausnutzung der kompletten Zuladung, die beim Hyundai am geringsten ausfällt, schwingt der i30 aber etwas stärker nach als Focus und Golf. Ein Kritikpunkt der ersten i30-Generation waren die Sitze. Zu kurze Lehnen, wenig Abstützung, mäßiger Komfort. Beim Neuen ist das nicht mehr der Fall.

Sie bieten deutlich mehr Komfort als die kleinen Sitze des Mazda und stützen die Schultern besser ab als das zu nachgiebige Gestühl des Peugeot. An die passgenauen Sitze des Ford und die durchweg wohltuend geformten Fauteuils des Golf kommen sie aber noch nicht heran.

Dafür passt der Hyundai bei der Ergonomie perfekt. Mehr sinnvolle Ablagen kann keiner der vier Konkurrenten vorweisen. Lediglich der Drehregler für den Maßstab der Karte verlangt bei ihm einen gestreckteren Arm als im rundum überzeugenden Golf.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 1.6 TDIHyundai i30 blue 1.6 CRDiFord Focus 1.6 TDCiPeugeot 308 e-HDi FAP 110Mazda 3 1.6 CD
Sitzkomfort vorn150132127130119121
Sitzkomfort hinten1007270726463
Ergonomie150132132125120118
Innengeräusche503234323228
Geräuscheindruck1006062605855
Klimatisierung503131313131
Federung leer200137141139126131
Federung beladen200135133135122128
Kapitelbewertung1000731730724672675

 

Motor und Getriebe

In diesem Testfeld hat der Hyundai i30cw 2012 mit 128 PS den stärksten Motor unter der Haube. Damit ist er im Standardsprint von null auf Tempo 100 nicht zu schlagen – nur er bleibt in dieser Disziplin deutlich unter der Elf-Sekunden-Marke. Dabei zeigt er sowohl einen kraftvollen Antritt aus niedrigen Drehzahlen als auch eine ausreichend muntere Drehfreude im oberen Drehzahlbereich.

Insbesondere die Motoren in Focus, Mazda und Peugeot agieren spürbar gezügelter. Da wirkt selbst der Wolfsburger mit seinen mageren 105 Pferdestärken im Vergleich antrittsstärker. Der Golf GTI Cabrio: Preis profitiert von seiner gelungenen Getriebeabstufung, obwohl ihm gegenüber der Konkurrenz ein Gang fehlt.

Die sechs Gänge des Focus sind jedoch noch besser gestuft, und auch die Schaltbarkeit fällt eine Spur besser aus als im Golf. Das Mazda-Getriebe bietet zwar angenehm kurze Schaltwege, arbeitet aber, wenn es schnell gehen muss, mitunter etwas hakelig. Frei von jeder Rückmeldung bildet das Getriebe des Peugeot in diesem Umfeld das Schlusslicht.

Das serienmäßige Sechsgang-Pendant des i30 lässt sich dagegen leicht und sehr präzise schalten. Nur die langen Übersetzungen der zum Test angetretenen blue-Variante des 1.6 CRDi sorgen bei der Elastizität für Ernüchterung. Während die leistungsmäßig unterlegenen Rivalen von Ford Focus Turnier, Mazda und Peugeot selbst in der sechsten Fahrstufe schnell Fahrt aufnehmen, entscheidet sich der Fahrer des Hyundai fürs schnelle Herunterschalten.

Selbst dann kann er nur mithalten, aber keinesfalls davoneilen. Dass sechs Gänge zum Spritsparen nicht unbedingt notwendig sind, zeigt der Golf. Er ist mit fünf Gängen nicht nur spritzig, sondern auch genauso genügsam wie das auf Sparsamkeit gedrillte i30 blue-Modell und die Peugeot 308 e-HDi-Variante.

Gerade einmal 5,2 Liter zerstäuben die Einspritzdüsen des VW, der zudem ohne ein Start-Stopp-System auskommt. Hyundai und Peugeot nutzen es, verbrauchen aber mit 5,2 Litern auf 100 km die gleiche Menge Diesel. Einen kleinen Schluck mehr gönnt sich der Ford, und der Mazda langt mit über sechs Litern richtig hin.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 1.6 TDIHyundai i30 blue 1.6 CRDiFord Focus 1.6 TDCiPeugeot 308 e-HDi FAP 110Mazda 3 1.6 CD
Beschleunigung1509096878889
Elastizität1007056686672
Höchstgeschwindigkeit1504544484743
Getriebeabstufung1008383867983
Kraftentfaltung502931292629
Laufkultur1005555514949
Verbrauch325283283277283266
Reichweite252120192418
Kapitelbewertung1000676668665662649

 

Fahrdynamik

Von seinen Sprintqualitäten profitiert der Hyundai auch beim Handling. Trotz seines auf Sicherheit ausgelegten, sehr neutralen Fahrverhaltens umrundet er den Testparcours schneller als Golf und Focus. Der neue Hyundai i30 agiert erheblich dynamischer als sein Vorgänger und bietet endlich auch ein gutes Maß an Rückmeldung.

So kann der Fahrer für die Lenkung drei verschiedene Modi wählen. Aber nur die Sport-Konfiguration überzeugt mit dem passenden Gefühl. Diese kann zwar die weniger mitteilsamen Lenksysteme in Mazda und Peugeot ausstechen, aber noch nicht die deutlich besseren Lenkungen von Ford und VW.

Insbesondere beim Ford kommt am Volant richtig Spaß auf. Ohne Verzögerung folgt der Focus mit Dreizylinder den Lenkbefehlen seines Fahrers. Das leicht nach außen drängende Heck unterstützt das spontane Einlenkverhalten positiv, ohne den Kölner nervös zu machen.

Ruhiger, regelrecht wie auf Schienen zirkelt der Golf um den Kurs. Sein extrem narrensicheres Fahrverhalten überzeugt in jeder Situation. Ebenso wie die sehr gleichmäßig arbeitende und zielgenaue Lenkung. Aber sowohl der Wolfsburger als auch der Kölner leiden unter ihren im Vergleich schwachen Motoren.

Dass das aber kein Grund sein muss, zeigt der Mazda 3. Er führt seine Rivalen regelrecht vor. Extrem leichtfüßig umrundet er die Pylonen beim Slalom und erreicht ein Durchschnittstempo auf Sportwagenniveau. Nur die Lenkung arbeitet zu leichtgängig – etwas weniger Lenkkraftunterstützung wäre hier besser. Nahezu gar kein Gefühl vermittelt der 308 seinem Fahrer.

Dennoch erreicht der Franzose recht hohe Kurvengeschwindigkeiten und untersteuert dabei nur leicht. Trotzdem kann sich der Peugeot nicht am neuen Hyundai vorbeischieben. Der i30 hinterlässt zudem einen guten Eindruck bei der Verzögerungswertung – einer der Schwachpunkte seines Vorgängers. Ausgerüstet mit 16-Zoll-Continental-Bereifung (Bestandteil des Plus-Pakets für 1.290 Euro) bremst er endlich auf europäischem Niveau. Aber insbesondere mit warmen Stoppern fällt der i30 gegen die Konkurrenz immer noch etwas ab.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.6 TDIHyundai i30 blue 1.6 CRDiFord Focus 1.6 TDCiPeugeot 308 e-HDi FAP 110Mazda 3 1.6 CD
Handling1505558555860
Slalom1006259646475
Lenkung1008276827678
Geradeauslauf504141403840
Bremsdosierung302020181818
Bremsweg kalt1508585829179
Bremsweg warm1508977868780
Traktion1004036383636
Fahrsicherheit150130125123125118
Wendekreis201612101314
Kapitelbewertung1000620589598606598

 

Umwelt und Kosten

Das i30-Paket stimmt. Der Koreaner ist zwar nicht der Günstigste, aber in diesem Vergleich mit am besten ausgestattet. Zudem bietet nur Hyundai eine fünfjährige Garantie auf die Technik. Hier haben die Rivalen nichts entgegenzusetzen und überlassen so dem neuen Hyundai i30 das Kosten-Kapitel ohne Gegenwehr.

Erstaunlich ist, dass die ansonsten sehr kundenfreundliche Preispolitik von Ford beim Focus 1.6 TDCi nicht greift. Er ist der Teuerste dieses Test-Quintetts. Selbst der als nicht gerade preiswert bekannte VW Golf ist günstiger. Mit verlockenden Preisen gehen Mazda und Peugeot auf Kundenfang, können aber in allen anderen Bereichen keine überzeugenden Argumente gegenüber der rundum guten Bilanz des Hyundai i30 anführen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 1.6 TDIHyundai i30 blue 1.6 CRDiFord Focus 1.6 TDCiPeugeot 308 e-HDi FAP 110Mazda 3 1.6 CD
Bewerteter Preis675241245237252246
Wertverlust502525242625
Ausstattung25102012147
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502835182833
Werkstattkosten2000000
Steuer1088888
Versicherung403635363534
Kraftstoff554646454644
Emissionswerte258588878685
Kapitelbewertung1000479502467495482

 

Fazit

Es ist ein Einstand nach Maß für den neuen Hyundai i30. Fast hätte es gereicht, den Golf vom Thron zu stoßen. Mit besseren Werten beim Durchzug und einer etwas energischer zupackenden warmen Bremsanlage wäre der Abstand noch geringer. Dennoch überzeugt der Hyundai – nach dem Golf – als zweitbester Allrounder in der Kompaktklasse.

Der Focus bietet viel Fahrfreude und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung, kann aber bei Bedienung und Platzangebot nicht überzeugen. Der Peugeot patzt vor allem beim Komfort. Der günstige Preis dürfte dennoch ein Kaufargument sein. Der Mazda wiederum gefällt mit seiner sportlichen Auslegung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 1.6 TDIHyundai i30 blue 1.6 CRDiFord Focus 1.6 TDCiPeugeot 308 e-HDi FAP 110Mazda 3 1.6 CD
Summe500031383111306230302987
Platzierung12345

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