Neuer Ford Focus Turnier im Vergleichstest Ford Focus Turnier - Opel Astra Sports Tourer - Renault Mégane Grandtour - VW Golf Variant

07.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Große Stauräume, kleine Dieselmotoren und Preise unter 25.000 Euro: Die Kombivarianten von Opel Astra, Renault Mégane und VW Golf messen sich mit dem neuen Ford Focus Turnier

Raum und Geld, zwei sensible Familien-Themen. Platz kann man mit Kindern nicht genug haben, doch das Budget ist meist beschränkt. Deshalb greifen viele Eltern zu Kompaktwagen mit großen Kofferräumen und kleinen, sparsamen Motoren. Der neueste Vertreter dieser Gattung heißt Ford Focus Turnier und geht jetzt in der dritten Generation an den Start. Im Vergleichstest misst sich der 22.850 Euro teure Kombi (1.6 TDCi) mit dem Opel Astra Sports Tourer 1.7 CDTI (ab 24.650 Euro), dem Renault Mégane Grandtour dCi 130 (ab 22.590 Euro) und dem mehrfachen Testsieger VW Golf Variant 1.6 TDI (ab 22.700 Euro). Welches der vier Familienautos bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis?

 

Karosserie

Auch wenn der VW Golf Variant schon ein paar Jahre alt ist – am Raumkonzept wurde beim Modellwechsel 2009 nichts geändert –, bleibt er die Messlatte im Karosseriekapitel. Mit viel Platz vorn und hinten, guter Variabilität, intuitiver Bedienbarkeit, umfangreicher Sicherheitsausstattung und hohem Qualitätsniveau verweist er die Konkurrenten auf die Plätze.

Das Raumangebot des neuen Ford Focus Turnier ist in beiden Sitzreihen ähnlich gut wie im VW. Doch vor allem in Sachen Funktion und Qualität kann der Kölner nicht mithalten. Die Radiobedienung über die verstreuten Tasten in der Mittelkonsole wie auch via Lenkradfernbedienung fordert viel Aufmerksamkeit, und die Verarbeitung der guten Materialien im Innenraum ist an manchen Stellen nicht tadellos. Empfehlenswert sind für den Turnier die Parkhilfen vorn und hinten (450 Euro), denn die abfallende Motorhaube und die schmalen Fondfenster schränken die Sicht beim Rangieren ein. Obwohl der Focus auf Wunsch mit vielen Fahrassistenten ausgestattet werden kann, die es für Astra, Mégane und Golf nicht gibt, setzt er sich bei der Sicherheitsausstattung nicht vom VW ab. Zwar stehen in der Aufpreisliste des Ford Verkehrsschild-Scanner, Toter-Winkel-Warner, Spur-, Notbremsoder Fernlichtassistent, doch der Wolfsburger kontert mit Seitenairbags für die Fondpassagiere (345 Euro), aktiven Kopfstützen vorn, Rückfahrkamera (810 Euro) und serienmäßiger Berganfahrhilfe.

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Auch den Astra rüstet Opel gegen Aufpreis mit allerlei unsichtbaren Helfern aus. Spur- und Fernlichtassistent sowie Tempolimit-Erkennung sollen im Verkehrsdschungel unterstützen. Fahrer und Beifahrer haben im Sports Tourer ähnlich viel Platz wie in Ford oder VW, dafür ist der Raum auf der Rückbank durch die abfallende Dachkante sowie die breite C-Säule etwas eingeschränkt. Und die Bedienbarkeit ist – wie im Ford – nicht sehr benutzerfreundlich gestaltet. Vor allem die Tastenflut in der Mittelkonsole (46 Knöpfe und Drehregler) überfordert mehr als dass sie weiterhilft.

Der Renault Mégane Grandtour dCi 130 kommt zwar mit weniger Knöpfen daher, die Bedienung gibt aber teilweise trotzdem Rätsel auf. Die Platzverhältnisse sind im Franzosen etwas eingeschränkter im Vergleich zur Konkurrenz. Allein mit seinem großen Kofferraum macht der Mégane Grandtour in diesem Kapitel auf sich aufmerksam, ansonsten hat er aber gegen Ford, Opel und VW nur wenige Chancen.

KarosserieMax. PunkteVW Golf Variant 1.6 TDIOpel Astra Sports Tourer 1.7 CDTIFord Focus Turnier 1.6 TDCiRenault Mégane Grandtour dCi 130
Raumangebot vorn10070707067
Raumangebot hinten10065626665
Übersichtlichkeit7044414140
Bedienung/ Funktion10091858286
Kofferraumvolumen10051514954
Variabilität10040403935
Zuladung/ Anhängelast8035363230
Sicherheit15091909180
Qualität/ Verarbeitung200183178179177
Kapitelbewertung1000670653649634

 

Fahrkomfort

Im Komfortkapitel sieht es für den Renault Megane sogar noch düsterer aus. Vor allem mit seinem sportlichstraff abgestimmten Fahrwerk muss er sich hinter den Rivalen einreihen. Die Vorderachse federt auf langen Bodenwellen, topfebenen Straßen und sogar Kopfsteinpflaster ordentlich. Mehrere kurz aufeinander folgende Querkanten in Form von Asphaltflicken versetzen den Mégane aber in Bewegung und man hört, wie das Fahrwerk arbeitet. Fahrbahnvertiefungen kann das Grandtour-Fahrwerk gut verarbeiten – solange diese rund ausgeformt sind. Denn über Fugenabsätze poltert die Vorderachse unangenehm, taucht tief ein und kommt schnell an ihr Limit.

Auch der Opel Astra hat eine straffe Grundabstimmung und wirkt sogar im „Tour“-Modus des „Flex- Ride“-Fahrwerks (980 Euro) aus geprägt sportlich. Die Vorderachse des Rüsselsheimers dürfte etwas weicher abgestimmt sein, denn auf Kopfsteinpflaster versetzt sie den Opel in Nickbewegungen und stößt auf Buckelpisten an ihre Grenzen. Beladen (524 Kilogramm Zuladung) wirkt der Opel nochmal eine Spur straffer, die Abrollgeräusche sind lauter und die Vibrationen auf Kopfsteinpflaster ausgeprägter.

Einen entspannteren Eindruck hinterlässt der Ford Focus, der meist sensibel über Vorder- und Hinterachse anfedert. Einfache Querfugen, Kanten oder Buckel schluckt er sauber weg. Geht es aber über kleinere Unebenheiten, wirkt er etwas zittrig. Dafür ist er hervorragend gedämmt, sodass kaum Abrollgeräusche in den Fahrgastraum durchdringen. 490 Kilo schwerer, kommt der Turnier seinem Limit deutlich näher, wirkt auf groben Asphaltflicken poltrig und überrascht die Fondpassagiere mit ausgeprägten Ausfederbewegungen an der Hinterachse.

Der VW Golf Variant macht seine Sache deutlich besser und liefert leer wie beladen (1980 Kilogramm Maximalgewicht) eine souveräne Vorstellung ab. Zwar sind die Abrollgeräusche im Wolfsburger lauter als im Kölner Kombi, doch der VW hat große Reserven und wirkt trotzdem auf keinem Fahrbahnuntergrund überfordert. Auch der Sitzkomfort im Variant ist klasse, denn die Bestuhlung bietet einen ausgezeichneten Kompromiss für kleine und große Personen. Zudem holt der Golf der sechsten Generation weitere Zähler mit niedrigem Geräuschpegel und guter Ergonomie. Beim letzten Punkt wird er nur vom Opel übertroffen, der deutlich mehr praktische Ablagen bietet als seine Konkurrenten.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf Variant 1.6 TDIOpel Astra Sports Tourer 1.7 CDTIFord Focus Turnier 1.6 TDCiRenault Mégane Grandtour dCi 130
Sitzkomfort vorn150135135128127
Sitzkomfort hinten10070657069
Ergonomie150132134128128
Innengeräusche5032282928
Geräuscheindruck10064596362
Klimatisierung5035343533
Federung leer200138137140135
Federung beladen200137135134132
Kapitelbewertung1000743727727714

 

Motor und Getriebe

Weil bei der Zusammenstellung dieses Testfelds der Preis ausschlaggebend war, hat der 130 PS starke Mégane bei den Fahrleistungen einen leichten Vorteil. Mehr als eine Sekunde fehlt dem Opel als Zweitschnellstem beim Sprint bis Tempo 100 auf den Grandtour, der mit kurz übersetztem Sechsgang-Getriebe und höchstem Drehmoment (300 Newtonmeter) auch die besten Durchzugswerte zeigt. Dafür muss der Renault Mégane mit seinem kultivierten Motor beim Verbrauch Federn lassen: Fast einen Liter Diesel mehr (6,7 Liter) schluckt der Franzose in diesem Test auf unserer Normrunde. Besonders der knapp 1,6 Tonnen schwere Opel Astra überrascht hier mit seinem sehr sparsamen CDTIMotor (5,8 Liter auf 100 km). Diesen zunächst guten Eindruck des Turbodiesels machen seine mäßige Drehfreude und die schlechte Laufkultur wieder zunichte. Selbst nach der Warmlaufphase nagelt der Common-Rail-Diesel unüberhörbar wie ein altes Taxi. Der Motor zeigt nicht nur eine ausgeprägte Anfahrschwäche, sondern nervt auch mit einem Turboloch. So dauert es nach dem Schaltvorgang eine gefühlte Ewigkeit, bis der Lader wieder Druck aufgebaut hat und das volle Drehmoment zur Verfügung steht.

Lediglich 0,1 Liter Dieselkraftstoff mehr (5,9 Liter) als der Rüsselsheimer brauchen Focus und Golf, wobei nur der Ford eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik an Bord hat. Ein kurzer Druck auf den Startknopf genügt, und der 1,6 Liter kleine TDCi schnurrt angenehm ruhig, ist bei Bedarf drehfreudig und gibt seine Leistung gleichmäßig ab. Im Alltag erfreut das Sechsgang-Getriebe im Ford mit kurzen Wegen, exakt definierten Gassen und weichen, aber knackigen Schaltübergängen.

Das Golf-Getriebe – das einzige mit fünf Gängen im Test – ist minimal knorriger, im Renault wirkt die sportliche Schaltung etwas ausgeleiert. Negative Kritik bekommt wieder der Opel Astra Sports Tourer, dessen hakelige Schaltung im Alltag manchmal nervt.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf Variant 1.6 TDIOpel Astra Sports Tourer 1.7 CDTIFord Focus Turnier 1.6 TDCiRenault Mégane Grandtour dCi 130
Beschleunigung150849492102
Elastizität10069676976
Höchstgeschwindigkeit15046474857
Getriebeabstufung10083818582
Kraftentfaltung5032273129
Laufkultur10054455553
Verbrauch325270272270254
Reichweite2518191717
Kapitelbewertung1000656652667670

 

Fahrdynamik

Im Komfortkapitel kostet den Renault sein sportliches Fahrwerk einige Punkte, auf dem Handling-Parcours und durch den 18-Meter-Slalom ändert sich das Bild. Flink spurtet er von Kurve zu Kurve, das nicht abschaltbare ESP stört dabei kaum, die direkte, aber gefühllose Lenkung passt jedoch nicht zum Charakter des Renault Mégane Grandtour. Auch die mäßigen Bremswerte (warm: 37,3 Meter) trüben den dynamischen Gesamteindruck.

Der Opel fährt im „Sport“-Modus (höhere Lenkkräfte, härtere Dämpfer, direktere Gasannahme) ebenfalls flott um die Kurven, doch ist er deutlich stärker in Bewegung als der Mégane. Der Golf wiederum ist zügig, aber unspektakulär unterwegs, er lässt sich durch kein Manöver aus der Ruhe bringen und glänzt mit guten Bremswerten (kalt: 36,1 Meter, warm: 35,3 Meter). Der Focus fühlt sich auch im Grenzbereich gut an, lenkt zackig ein, kann aber beim Bremsen nur den Renault mit warmen Stoppern schlagen (36,8 Meter). Außerdem ist er nicht so agil und zügig unterwegs wie seine Gegner.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf Variant 1.6 TDIOpel Astra Sports Tourer 1.7 CDTIFord Focus Turnier 1.6 TDCiRenault Mégane Grandtour dCi 130
Handling15051585264
Slalom10062655966
Lenkung10081838275
Geradeauslauf5041374140
Bremsdosierung3019192017
Bremsweg kalt15089857380
Bremsweg warm15097858277
Traktion10040383937
Fahrsicherheit150133131130132
Wendekreis2016131012
Kapitelbewertung1000629614588600

 

Umwelt und Kosten

Focus Turnier, Mégane Grandtour und Golf Variant unterscheiden sich beim Grundpreis in einem Rahmen von 260 Euro, und auch die Aufpreise für die AUTO ZEITUNG-Normausstattung liegen insgesamt auf einem Niveau. Zwar muss man für die musikalische Unterhaltung im VW 485 Euro extra überweisen, dafür verlangen die Wolfsburger aber nicht so viel Geld für Leichtmetallräder und eine Metalliclackierung. Der Opel Astra Sports Tourer kostet rund 2000 Euro mehr als seine Kontrahenten, dank seiner reichhaltigen Ausstattung und die niedrigeren Aufpreise verringert sich der Abstand nach Addition der AUTO ZEITUNG-Normausstattung aber deutlich.

Am günstigsten fährt man mit dem VW Golf Variant, dessen Wertverlust (Prognose der Deutschen Automobil Treuhand DAT) und Werkstattkosten (Prognose des ADAC) am niedrigsten liegen und der sich in puncto Versicherung, Steuer und Kraftstoffkosten ebenfalls keine Blöße gibt. Der Ford Focus Turnier wird zwar nicht zum Fass ohne Boden, dennoch ist er im Unterhalt nicht wirklich günstig, und lediglich zwei Jahre Mobilitätsgarantie (Opel gewährt sogar nur ein Jahr) sind nicht mehr zeitgemäß.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf Variant 1.6 TDIOpel Astra Sports Tourer 1.7 CDTIFord Focus Turnier 1.6 TDCiRenault Mégane Grandtour dCi 130
Bewerteter Preis675235220234236
Wertverlust5025232424
Ausstattung251116109
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028301827
Werkstattkosten2017141413
Steuer108888
Versicherung4033343230
Kraftstoff5544444442
Emissionswerte2587888587
Kapitelbewertung1000488477469476

 

Fazit

Der neue Ford Focus Turnier ist zwar kein Auto mit erwähnenswerten Schwächen. Trotzdem reicht es nur für den dritten Platz. Viele Punkte verliert er wegen schlechter Garantiebedingungen, langer Bremswege, umständlicher Bedienung und niedriger Geschwindigkeiten in Handling und Slalom. Außerdem kommt sein Fahrwerk unter voller Beladung schnell an seine Grenzen. Knapp dahinter rangiert auf Platz vier der schnelle, aber unkomfortable Renault Mégane Grandtour, dessen Sicherheitsausstattung nicht auf dem aktuellen Stand ist. Der Sieger VW Golf Variant hat zwar den schwächsten Motor, glänzt aber mit den besten Komforteigenschaften, dem praktischsten Innenraum und der stärksten Bremse. Mit straffer Fahrwerksabstimmung macht der zweitplatzierte Opel Astra Sports Tourer seinem Namen alle Ehre, der brummige Motor nervt jedoch auf Dauer. Dafür ist sein Verbrauch erfreulich niedrig, und auch die Sicherheitsausstattung des Opel ist auf der Höhe der Zeit.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf Variant 1.6 TDIOpel Astra Sports Tourer 1.7 CDTIFord Focus Turnier 1.6 TDCiRenault Mégane Grandtour dCi 130
Summe50003186312331003094
Platzierung1234

Tags:
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