Neuer Ferrari 812 Superfast (2017): Erste Testfahrt So fährt der bärenstarke Superfast

von Michael Godde 25.08.2017

Testfahrt: Enzo Ferrari hat vor 70 Jahren den Grundstein für die Sportwagen aus Maranello gelegt. Der 812 Superfast ist das passende Geschenk zum Jubiläum.

Blickt man in die Vergangenheit, verklärt sich so manches. Ja, auch die Erinnerung an Enzo Ferrari, genannt Il Commendatore, Gründer von Ferrari, ein Mann mit einer Vision. Zu Lebzeiten war der eigensinnige Enzo nicht immer eine Freude im direkten Umgang. Heute zählt nur noch sein Lebenswerk. Passend zum 70. Jubiläum setzt ihm seine Sportwagenmanufaktur mit dem neuen 812 Superfast (2017) – dem stärksten Serien-Ferrari aller Zeiten – ein Denkmal. Und wir dürfen an dieser Highlight teilhaben. Der Ort der 812-Präsentation ist perfekt gewählt: Fiorano – die Teststrecke rund um die private Villa von Enzo Ferrari. Auch wenn wir jede Woche auf Renn- und Teststrecken unterwegs sind, hier bekommt man weiche Knie. Der Superfast steht vor der Box, in der Michael Schumacher seine F1-Boliden getestet hat und sie von hier aus zu fünf Weltmeister-Titeln führte. Jetzt wartet Ferrari-Cheftestfahrer Raffaele di Simone darauf, dass ich zu ihm ins Auto steige. Der V12 tief im Bug des tiefroten Superfast, der seine Wurzeln in der F1 hat, spielt derweil sein dezentes Intro aus 6,5 Liter Hubraum. Der neue Ferrari 812 Superfast (2017) ist nicht nur ein überarbeiteter F12. Schon beim Motor verwendet Ferrari 75 Prozent neu entwickelte Teile. Auch die Karosserie wurde intensiv der Gesamtperformance untergeordnet. Eine aktive Aerodynamik lenkt die Luft nun effizienter um den neuen Ferrari. Im Gegensatz zum Vorgänger verfügt der Superfast über eine Allradlenkung, die mit allen Assistenzsystem vernetzt ist. "Und genau dieses System macht es möglich, die über die Hinterräder herfallenden 800 PS sicher zu kontrollieren", erklärt mir Raffaele, als wir auf die Strecke rollen. Er beherrscht das Auto spielerisch, steuert es mit den Fingerspitzen am Limit um den Kurs. Nach einer Runde gehört mir der neue 812 Superfast (2017) allein. Die ersten Runden gewöhnen wir uns im Race-Modus aneinander. Ich drehe, wie es mir der Cheftester empfohlen hat, den Manettino am Lenkrad auf CT-Off. Hier vernetzen sich alle Systeme auf maximale Performance und Fahrerunterstützung. Im Fall des 812 heißt das, dass die Lenkung ein Feedback in die Hände des Fahrers zaubert, das es bei Ferrari bisher so nicht gab.

Der Ferrari 812 Superfast  (2017) im Video:

 
 

Erste Testfahrt im neuen Ferrari 812 Superfast (2017)

Auch das neue Fahrwerks-Set-up vermittelt eine klar intensivere Verbundenheit mit dem Fahrzeug. Der 812 rollt deutlich weniger über die Längsachse und liegt dadurch ruhiger auf der Ideallinie als der F12. Die Lenkung variiert dabei kontinuierlich ihre Lenkunterstützung. Treibt das Heck zum Beispiel nach außen, reduziert oder steigert das System blitzschnell das Lenkmoment – und der Fahrer findet wie von selbst den richtigen Gegenlenkwinkel. Nein, das ist keine Entmündigung, sondern eine noch intensivere Integration des Fahrers ins Gesamtsystem. Hat man einmal seinen Rhythmus gefunden, lässt sich der Superfast wie auf Schienen um den Kurs treiben. Der Wechsel aus langen Geraden, Kuppen, engen und langgezogenen, irrsinnig schnellen Kurven komponiert eine ganz besondere Melodie in jede Runde. Der neue Ferrari 812 Superfast (2017) stützt sich dabei mit einem intensiven Grip über die Räder ab und zaubert einen ausgesprochen weichen Übergang in den Grenzbereich wie kein Ferrari zuvor. Der frei saugende Zwölfzylinder spielt in diesem Takt ganz groß auf. Sein einzigartiger, nicht unbedingt lauter, aber intensiver Klang aus den für den 65-Grad-V12 typischen unregelmäßigen Zündabständen dominiert die Umgebung. Ab 3500 Umdrehungen stehen 80 Prozent der maximal 718 Newtonmeter bereit. Einen Turbo vermisst hier niemand. Egal bei welcher Drehzahl das Gaspedal auf den Boden gedrückt wird, der 812 pulverisiert Bestwerte. In nur 7,9 Sekunden stehen 200 km/h auf dem Tacho. Leicht und locker rotiert die Kurbelwelle dabei bis auf 8900 Umdrehungen hinauf. Der Motor verfügt über eine neue Direkteinspritzung: Statt der bisherigen 200 bar sorgen nun 350 bar für eine optimale Zerstäubung des Kraftstoffs in den Brennräumen. Der variable Ansaugtrakt gestattet einerseits bei niedrigen Drehzahlen ein massives Drehmoment und entfacht auf der anderen Seite eine fantastische Drehzahlorgie, die in einer grandiosen Leistungsexplosion der 800 PS mündet.

Neuheiten Ferrari 812 Superfast in Genf 2017
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Stärkster Serien-Ferrari aller Zeiten

 

Ein Meisterstück an Beherrschbarkeit

Ich bin eins mit dem Superfast. Als wäre es noch nie anders gewesen, halte ich beim Anbremsen nach der langen Geraden das linke Schaltpaddel gezogen. Das überarbeitete Doppelkupplungsgetriebe schaltet automatisch in einer Sekunde bis zu drei Gänge hinunter. Einlenken und ab dem Scheitelpunkt die Kraft des V12 spielerisch kontrollieren, als wäre es das Einfachste der Welt. Nach einigen Runden endet mein Rendezvous mit dem wohl derzeit besten Ferrari. Er ist ein meisterhafter Kompromiss zwischen authentischem Fahrgefühl und Beherrschbarkeit. Aber der neue Ferrari 812 Superfast (2017) hat noch mehr zu bieten: Abseits der Rennstrecke im bergigen Hinterland von Maranello mit engen, holprigen Straßen präsentiert sich der Italiener von seiner besten Seite. Der 812 ist nicht nur für den Ritt am Limit gemacht, sondern überzeugt auch auf Knopfdruck mit einer gelungenen Komfortabstimmung.

Ferrari 812 Superfast: Das ist neu
Motor75 Prozent neue Teile gegenüber dem F12-Aggregat
LenkungElektromechanische Allradlenkung
AerodynamikNeue aktive Luftführung im Unterboden
Technische DatenFerrari 812 Superfast
MotorV12
Hubraum6496 ccm
Leistung800 PS
Maximales Drehmoment718 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebHinterrad
0-100 km/h2,9 s
Höchstgeschwindigkeit340 km/h
Leergewicht1525 kg
L/B/H in mm4657/1971/1276
Kofferraum500 l
EU-Verbauch14,9 l SP/100 km
Grundpreis:282.934 Euro

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Ferrari hat mit dem neuen 812 Superfast ein Meisterstück zum Jubiläum der Marke abgeliefert. Kaum ein anderer Supersportwagen bindet seinen Fahrer so intensiv ins Gesamtsystem ein wie der neue Bolide aus Maranello. 800 PS waren nie einfacher zu kontrollieren. Grazie, Enzo!

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