Neuer Cadillac CT6: Preis und Marktstart Cadillac fährt Leichtbau-Attacke

27.06.2016

Der neue Cadillac CT6 (Preis: 73.500 Euro) steht für einen Imagewandel der GM-Tochter. Mit seiner weitgehend aus Aluminium gefertigten Architektur ist er, verglichen mit älteren Modellen, geradezu ein Leichtgewicht. Reicht das, um Audi, BMW und Mercedes im Luxus-Segment zu attackieren?

Der neue Cadillac CT6 wirkt schillernd, stattlich, stolz und hat Ecken und Kanten wo man hinschaut. Damit wirkt er unter den üblichen Luxuslimousinen in etwa so exotisch wie Donald Trump unter den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Während Trump das Weiße Haus im Blick hat, rechnet sich der neue Cadillac CT6 gute Chancen aus im Ringen mit der Mercedes S-Klasse, dem Audi A8 oder dem BMW Siebener. Damit ist es dann aber auch vorbei mit den Parallelen zwischen Cadillac und Kandidat, denn während Trump vor allem auf Plattitüden und Parolen setzt und in einer alten Zeit gefangen scheint, macht Cadillac einen großen Sprung in die Zukunft und präsentiert sich mit dem neuen Flaggschiff moderner denn je. Kein Wunder also, dass Konzernmutter General Motors guter Hoffnung ist, auf Basis des neuen Cadillac CT6 bald auch den neuen Dienstwagen für den nächsten US-Präsidenten bauen zu dürfen.

 

Preis Cadillac CT6 kommt ab 73.500 Euro

Man braucht allerdings weder ein Mandat fürs Weiße Haus, noch eine Adresse an der Wallstreet oder sonst irgendwo in Amerika für diese Erfahrung. Mit ein paar Monaten Zeitversatz bringt Cadillac den Luxusliner zu Preisen ab 73.500 Euro im September auch zu uns. Während in Amerika allein der Name reicht, setzt Cadillac bei uns im Ringen um Respekt und Anerkennung in der Oberliga vor allem auf Leichtbau. Wo die alten Ami-Schlitten bislang bleischwer waren und deshalb auch mit riesigen Motoren nur mäßige Fahrleistungen auf die Straße brachten, aber dafür einen unsäglichen Durst entwickelten, wird der neue Cadillac CT6 als Fliegengewicht gefeiert: „So groß wie ein Siebener, aber leichter als ein Fünfer“, lautet die Formel für die weitgehend aus Aluminium gefertigte Architektur, mit der das Gewicht im besten Fall auf 1659 Kilogramm sinkt. Das reicht selbst mit einer Zylinderabschaltung für den auf drei Liter gesund geschrumpften V6-Motor noch nicht für einen rekordverdächtigen Verbrauch. Offenbar fordern die Achtgangautomatik und mehr noch der Allradantrieb ihren Tribut, so dass im Datenblatt der EU-Version süffige 9,6 Liter protokolliert werden.

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Marktstart für den Cadillac CT6 im September

Der neue Cadillac CT6 überrascht allerdings mit einer Eigenschaft, die man von amerikanischen Limousinen bislang kaum kannte: Fahrspaß. Das liegt zum einen natürlich daran, dass 417 PS und 555 Newtonmeter mit dem Alubomber tatsächlich leichtes Spiel haben und der CT6, untermalt von einem gierigen Grollen, entsprechend behände davon zieht. Nicht umsonst knackt er die 100er-Marke nach 5,7 Sekunden und hat auch später so viel Elan, dass ihn die Entwickler sicherheitshalber bei 240 Sachen wieder einbremsen. Die Dynamik rührt vor allem vom Diäterfolg, weil der neue Cadillac CT6 nicht ganz so großen Fliehkräften ausgesetzt ist und entsprechend scharf durch die Kurven schneidet. Durch das adaptive Magna-Ride-Fahrwerk, den im Sportmodus spürbar hecklastigen Allradantrieb und natürlich die Hinterachslenkung steuert man einen Sportler im Smoking. An den Siebener kommt der CT6 damit vielleicht nicht heran. Doch zumindest im Vergleich zur S-Klasse hat der Cadillac-Fahrer die Mundwinkel breiter und über den mittlerweile arg angestaubten A8 reden wir da besser gar nicht mehr.

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Großes Infotainment-System mit komplizierter Bedienung

Dazu versprechen die Amerikaner jede Menge Luxus aus der alten und der neuen Welt: Wer ein Auto nach konventionellen Maßstäben bewertet, der soll den neuen Cadillac CT6 wegen seiner feudalen Sessel mit fünf Massageprogrammen und einer besonders feinfühligen Heizung, den fürstlichen Platzverhältnissen und der Stille wie in einem Schweizer Banktresor schätzen lernen. Wer im digitalen Leben angekommen ist, den will Cadillac mit einem LTE-Hotspot, mit LED-Scheinwerfern, einem verbesserten Nachtsichtsystem und einer Kameraüberwachung locken, die weiter geht als je zuvor. Denn die vier Video-Augen zeigen den CT6 auf dem riesigen Touchscreen in der Mittelkonsole nicht nur beim Parken aus der Vogelperspektive, sondern sie zeichnen während der Fahrt auch ein komplettes Road-Movie auf und ergänzen das Bild des Innenspiegels so gründlich, dass man dreimal so viel sieht wie in einem konventionellen Auto. Auf dem Papier liest sich das alles sehr vielversprechend. Aber in der Praxis stechen die Unterschiede zu den Platzhirschen aus Deutschland dann doch schneller ins Auge, als den Amerikanern lieb sein dürfte: Die Bedienung des schillernden Infotainment-Systems ist unnötig kompliziert, die vielen Assistenten hinken in Sachen Autonomie eine halbe Generation hinterher und bei der Materialauswahl spürt man sehr deutlich, weshalb Audi, BMW oder Mercedes ein paar Tausender mehr verlangen.

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Deutsche Mitbewerber haben immer noch die Nase vorn

Der neue Cadillac CT6 ist tatsächlich der leichteste Luxusliner in seiner Liga und lässt einen das beim Fahren auch in jeder Kurve spüren. Doch wenn das Weiße Haus daraus tatsächlich die nächste Präsidentenlimousine bauen lässt und es wirklich Donald Trumps neuer Dienstwagen werden sollte, dürfte er davon nicht mehr viel mitbekommen. Er wird zum einen als Präsident nur im Fond sitzen und zum anderen wird das Leichtgewicht all der Panzerung sei Dank am Ende doch wieder zum Dickschiff.

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