Neuer BMW 3er (2012) gegen Mercedes C-Klasse im Mittelklasse-Vergleich BMW 328i | Mercedes C 250 BlueEFFICIENCY

08.12.2011

Das Duell BMW gegen Mercedes geht in die nächste Runde: Erstes Aufeinandertreffen der neuen 3er Limousine und der überarbeiteten C-Klasse

Die Erwartungen an den Nachfolger könnten nicht größer sein. Knapp zwei Drittel der BMW-Verkäufe gehen auf das Konto des 3er, der seit seiner Einführung 1975 mehr als 12,5 Millionen Anhänger fand. Eine Schwäche dürfen sich die Münchener also keinesfalls leisten. Dementsprechend groß war der Aufwand, den BMW bei der sechsten Generation betrieben hat, die am 11. Februar zu den Händlern rollt. Mit zahlreichen Assistenzsystemen, adaptiven Dämpfern, ausschließlich aufgeladenen Triebwerken und deutlich mehr Platz haben die Bayern gezielt an den Punkten nachgebessert, wo das Vorgängermodell Angriffsfläche für Kritik bot. Im ersten Kräftemessen muss der neue BMW 3er im Vergleich mit der Mercedes C-Klasse – dem derzeitigen Gradmesser in der Mittelklasse – zeigen, ob er das Zeug zum Vergleichstestsieger hat.

 

Vergleich: BMW 3er und Mercedes C-Klasse auf einem Level?

Von außen betrachtet hat der neue Dreier einen großen Sprung gemacht – optisch wie auch in den Abmessungen. 93 Millimeter mehr Länge und fünf Zentimeter mehr Radstand verheißen endlich mehr Platz. Tatsächlich hat die intern F30 getaufte Limousine den Charakter eines passend sitzenden Maßanzugs verloren. Der Innenraum wirkt luftiger, besonders im Fond finden Passagiere geradezu fürstliche Platzverhältnisse vor: Gute Bein- und Kopffreiheit sprechen für, die tiefe Sitzbank sowie der im oberen Bereich enge Türausschnitt gegen den neuen 3er. In der C-Klasse geht es in der zweiten Reihe etwas beengter zu, dafür sitzt man vorn wie hinten auf längeren Strecken bequemer.

Der Kofferraum des neuen BMW 328i hat an Volumen gewonnen. Mit 480 Liter gehen fünf Milchtüten mehr hinein als beim Schwaben (475 Liter), zudem wartet nur der BMW mit einer praktischen dreigeteilten Rückbank (400 Euro) sowie einem System zum berührungslosen Öffnen des Kofferraums (560 Euro) auf. Hat man den Schlüssel am Körper, reicht eine Fußbewegung unter den hinteren Stoßfänger, und die Kofferraumklappe geht wie von Geisterhand auf.

Auch in Sachen Sicherheit hat der Neue stark aufgeholt. Erstmals in dieser Klasse gibt es ein Head-up-Display (980 Euro), das man nach kürzester Zeit nicht mehr missen möchte. Ebenfalls optional lässt sich der BMW mit Totwinkel-, Spurhalte- und Tempolimitassistenten sowie einem Auffahrwarnsystem ausrüsten. Hier kann die Mercedes C-Klasse besonders punkten: Sie bietet neben dem serienmäßigen Müdigkeitswarner gegen Aufpreis Abstandsradar samt Geschwindigkeitsregelung und Notbremsfunktion. Was die Verarbeitung angeht, liegt der Stern ebenfalls leicht vorn. Nachlässigkeiten beim BMW wie Lacknasen oder unlackierte Flächen im Kofferraumbereich passen nicht zum Anspruch eines knapp 40.000 Euro teuren Premiumfahrzeugs.

Unter der langen Haube des 328i schlägt nicht, wie zu erwarten, ein seidig laufender Sechszylinder, sondern der neue Zweiliter-Turbo. Der bringt es auf 245 PS und – in der Praxis weitaus wichtiger – ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Das liegt bereits knapp über Leerlaufdrehzahl an (1250 bis 4800 Touren) und sorgt für satten Durchzug in jeder Lage. Entsprechend souverän sind die angegebenen Fahrleistungen. In 6,1 Sekunden sprintet der 328i bei Bedarf auf 100 km/h, erst bei Tempo 250 endet der Vortrieb. Leider kann das Klang- nicht mit dem Beschleunigungserlebnis mithalten. Der Vierzylinder klingt recht beliebig, beim Ausdrehen sogar etwas gequält und bestärkt somit all jene BMW-Anhänger, die dem freisaugenden Reihensechser nachtrauern. Verwaltet wird die Kraft des Direkteinspritzers von einer Achtstufen-Automatik, die spontan und nahezu ruckfrei schaltet.

Auch der Mercedes C250 vertraut auf einen Turbomotor, der an eine Automatik gekoppelt ist. Der 1,8-Liter-Vierzylinder leistet 204 PS, das Drehmoment fällt mit 310 Newtonmetern ebenfalls niedriger aus. Somit kann der Stuttgarter dem Münchener in puncto Fahrleistungen nicht das Wasser reichen. Für den Standardsprint fehlen ihm laut Werk eine gute Sekunde, bei der Spitze zehn km/h auf den 3er. Auch die Siebenstufen-Automatik reicht nicht ganz an die Qualität des ZF-Getriebes heran, sie agiert träger und weniger geschmeidig.

 

SENSIBLE FEDERUNG

Den größten spür- und erfahrbaren Fortschritt hat der BMW-Bestseller in Sachen Federungskomfort gemacht. Trotz aufpreispflichtiger 19-Zoll-Bereifung schluckt das Fahrwerk dank der adaptiven Dämpfer (1100 Euro) Unebenheiten aller Art mit erstaunlicher Gelassenheit, selbst im Sport-Modus verkneift es sich übertriebene Härte. Der ebenfalls mit adaptiven Dämpfern ausgestattete C 250 (1178 Euro) rangiert trotz seiner 17-Zoll-Räder hauchdünn dahinter. Querfugen und lange Bodenwellen werden nicht ganz so gekonnt verarbeitet.

Mehr Auto-News: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Dafür verblüfft die C-Klasse mit ihrem Kurventalent, zu dem das aufpreispflichtige Fahrdynamik-Paket samt Sportlenkung seinen Teil beträgt. So wie der Benz die frühere Hoheit beim Komfort nun verloren hat, so nahe kommt er dem bayerischen Dynamiker inzwischen bei der Fahrdynamik – die Ausrichtungen und Charaktere der beiden Erzrivalen nähern sich zunehmend an. Auch preislich liegen BMW und Mercedes eng zusammen. Mit der 2430 Euro teuren Sport-Automatik (mit Schaltpaddeln und kürzeren Schaltzeiten) ist der BMW 328i mit 39.830 Euro etwas kostspieliger als der 39.359 Euro teure C 250 (Automatik Serie).

Wer am Ende die Nase vorn hat, kann erst ein Vergleichstest zeigen. Eines aber ist klar: Der 3er hat in der sechsten Generation deutlich an Format und Klasse zugelegt. Damit wird er der Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt schwer zu schaffen machen. Wir jedenfalls sind gespannt, wie das erste Aufeinandertreffen der drei Premiumvertreter ausgeht.
Alexander Lidl

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbolader, Direkteinspritzung
Hubraum1796
Leistung
kW/PS
1/Min

150/204
5500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
310
2000 - 4300 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe7-Stufen-Automatik
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: innenbelüftete Scheiben
Bereifungv: 225/45 R 17 V
h: 225/45 R 17 V
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1430
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)7.2
Höchstgeschwindigkeit (km/h)240
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch6.4l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)150

Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.