Neuer BMW 3er im Mittelklasse-Test Audi A4 2.0 TDI | BMW 320d | Mercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY | VW Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology

11.05.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem neuen 3er startet BMW den Angriff auf die Elite der Mittelklasse. Mit seinen fahrdynamischen Qualitäten will er sich an die Spitze setzen

Auch wenn das Angebot auf dem Fahrzeugmarkt zunehmend bunter wird und sich mehr und mehr Nischenmodelle etablieren, hat doch eines vor allem in Deutschland immer noch Bestand: die Mittelklasse. Sie bietet auch als klassische Limousine ausreichend Platz für vier Personen, hält unzählige Motor-Getriebevarianten parat und sorgt durch vernünftige Größenverhältnisse für akzeptable Alltagsverbräuche.

Musterschüler dieser Klasse sind ohne Zweifel VW Passat, Audi A4 und Mercedes C-Klasse, die nach wie vor zu den meistverkauften Autos überhaupt gehören. Und BMW liefert mit dem komplett neuen BMW 3er Langversion erneut eine fahrdynamische Alternative für den Elite- Kreis. Im Test trifft der 184 PS starke 320d zum ersten Mal auf VW Passat 2.0 TDI, Mercedes C 220 CDI und Audi A4 2.0 TDI.

 

Karosserie

Auch wenn der neue BMW 3er mit seiner Außenlänge von 4,62 Metern immer noch deutlich kürzer ist als ein Audi A4 oder gar der VW Passat (4,77 Meter), so hat er doch im Vergleich zum Vorgänger deutlich zugelegt (neun Zentimeter). Das bekommen vor allem die Passagiere auf der Rückbank zu spüren.

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Hier bietet der Münchener jetzt sogar mehr Raum als die C-Klasse, in der man am ehesten mit dem Kopf an den Dachhimmel und mit den Knien an die Rückenlehne stößt. Durch die tiefere Sitzposition von Fahrer und Beifahrer kann es im BMW-Fond aber eng für die Füße werden.

Am meisten Platz bietet der VW Passat, der seine stattliche Breite von 1,87 Meter im Innenraum voll ausnutzt. Der Wolfsburger hält mit 565 Litern auch das größte Gepäckvolumen parat. Zudem lassen sich die Rückenlehnen einfach per Hebelzug vom Kofferraum aus umlegen und fallen dabei selbstständig zu einer fast ebenen Ladefläche um.

In die Heckabteile der Konkurrenten passen maximal 480 Liter, wobei der Umklappmechanismus auch in BMW und Mercedes von hinten entriegelt wird. Die Sitzlehnen klappen hier aber nicht von selbst nach vorn. Auch bei Zuladung (562 kg) und Anhängelast setzt sich der große VW vom Klassendurchschnitt ab und entpuppt sich als echtes Nutztier.

Dabei erinnern Materialauswahl und Verarbeitungsqualität keineswegs an einen Lastesel. Mit dem aufwändig neu gestalteten BMW 3er Touring kann der Wolfsburger allemal mithalten. Zumal der Bayer im Detail mit einigen Nachlässigkeiten enttäuscht. Hier und da taucht billig wirkendes Plastik auf, der Rahmen des Head-up-Displays reflektiert störende Sonnenstrahlen ins Sichtfeld, und die Materialvielfalt im Cockpit beeinträchtigt das von BMW gewohnte „Aus-einem- Guss-Gefühl“.

Von einem ganz anderem Stern zeigen sich da der gediegene Mercedes und der Audi, Letzterer wirkt wie aus einem Stück gemeißelt. Zudem erhält man im Stuttgarter das volle Programm an Sicherheitstechnik aus der Oberklasse. Ob Presafe, Notbremsassistent oder der sehr ausgereifte Abstandsregeltempomat Distronic – hier kann alles gegen Aufpreis an Bord geholt werden.

Allerdings müssen die vielen elektronischen Helfer über das kleine Display im Tacho verwaltet werden. In Audi und BMW gelingt das über den großen Mittelbildschirm und die zentrale Steuerung auf der Mittelkonsole deutlich einfacher. Auf dem Monitor lassen sich im neuen Dreier über die sehr angenehme iDrive Bedienung übrigens auch animierte Rundinstrumente für Leistung und Drehmoment abbilden. Dafür müssen Passagiere im BMW nach wie vor auf hintere Seitenairbags verzichten, die es bei der Konkurrenz zumindest gegen Aufpreis gibt.

KarosserieMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyBMW 320dAudi A4 2.0 TDIMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY
Raumangebot vorn10079787875
Raumangebot hinten10072676762
Übersichtlichkeit7040404142
Bedienung/ Funktion10084858584
Kofferraumvolumen10048393938
Variabilität10025201313
Zuladung/ Anhängelast8043323735
Sicherheit150109103107115
Qualität/ Verarbeitung200180180185183
Kapitelbewertung1000680644652647

 

Fahrkomfort

Wer nur auf Autobahnen und topfebenen Pisten unterwegs ist, erhält mit allen vier Mittelklässlern extrem komfortable Langstreckenmeister. Sämtliche Sitze sind auch noch nach Stunden superbequem und lassen sich perfekt auf jede Körpergröße einstellen.

Am festesten verankert fühlt man sich dabei in der sehr straff gepolsterten Audi-Bestuhlung in Sportausführung (595 Euro). Vor allem im Schulterbereich offerieren sie die meiste Abstützung in Kurven und lassen sich auch in puncto Beinauflagefläche einstellen. Das bieten sonst nur noch die BMW-Sportsitze (630 Euro).

Im BMW 3er können sich sogar die hinteren Passagiere nicht über zu wenig Seitenhalt beklagen. Durch die tiefen Ausformungen und die nach hinten abfallende Sitzfläche bleiben zumindest die äußeren beiden Mitfahrer sicher im Sattel. Dafür stören bei höheren Geschwindigkeiten die lauten Wind- und Motorgeräusche den ansonsten ruhigen Lauf des Müncheners.

Da hat die Konkurrenz weniger stark an Dämmstoffen gespart, was besonders im flüsterleisen Mercedes C 220 CDI auffällt. Ebenso wenig kann der BMW beim Abrollkomfort der optionalen 18-Zoll-Räder punkten. Straßenbelagwechsel machen sich so oft deutlicher bemerkbar, als es einem lieb ist. Hier haben Audi, Mercedes und VW schon wegen ihrer 17-Zoll-Räder einen prinzipbedingten Vorteil.

Und bei kleinen Anregungen, wie sie bei Querfugen oder Gullideckeln auftreten, wird die Vorderachse des BMW sogar poltrig. Grobe Schläge meistert das adaptive Fahrwerk (1.100 Euro) aber erstaunlich gelassen. Das kann selbst der mit adaptiven Dämpfern bestückte Passat (DCC: 1.085 Euro) nicht besser, der allerdings mit weniger Aufbaubewegungen reagiert.

Der straffere Audi A4 schüttelt seine Passagiere vor allem auf schlechten Straßen ordentlich durch. Auch wenn das Fahrwerk dabei keinen Mucks von sich gibt, dürfte man etwas mehr Feingefühl erwarten. Für ihn gibt es aber ebenfalls ein adaptives Fahrwerk (1.100 Euro), das den Komfort spürbar verbessert.

Die C-Klasse kontert indes mit viel Feingefühl. Ihre Dämpfer reagieren ebenso adaptiv auf Veränderungen des Untergrunds, lassen sich aber nicht manuell einstellen. Leer wie beladen sprechen Federn und Dämpfer sehr harmonisch an, bleiben in ihrer grundsätzlichen Charakteristik aber wie die der Konkurrenten sportlich straff.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyBMW 320dAudi A4 2.0 TDIMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY
Sitzkomfort vorn150100109110104
Sitzkomfort hinten10069686764
Ergonomie150123123126123
Innengeräusche5036323638
Geräuscheindruck10084818485
Klimatisierung5036364241
Federung leer200141141137143
Federung beladen200140139136143
Kapitelbewertung1000729729738741

 

Motor und Getriebe

Leistung und günstige Verbräuche vereinbaren vor allem die aktuellen Vierzylinder-Turbodiesel der Zweiliterklasse. In Kombination mit Automatik-Getrieben empfehlen sie sich als perfekte Motorisierung in diesem Test. Nur der Audi A4 tritt mit einem manuellen Schaltgetriebe zum Vergleich an. Die Version mit Multitronic konnte uns Audi nicht zur Verfügung stellen.

Insbesondere die Antriebskombination aus 184-PS-Turbodiesel und Achtstufen-Automatik von ZF im BMW 320d passt perfekt zusammen. Während sich seine drei Mitbewerber beim Sprint auf Tempo 100 ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, zieht er mühelos davon.

Sein aufgeladener Vierzylinder hängt gierig am Gas, lässt sich sauber dosieren und profitiert von den perfekt synchronisierten Abstufungen der äußerst schnell und angenehm sanft schaltenden Automatik. Noch eine Spur schneller variiert der Passat über sein Doppelkupplungsgetriebe die einzelnen Zahnradpaarungen.

Dem 2.0 TDI fehlt jedoch das lustvolle Ansprechverhalten der BMW-Maschine. Deshalb, und aufgrund der länger ausgelegten Übersetzungen, erreicht er nicht die Spritzigkeit des 3er. Dass er dennoch beim Testverbrauch auf 100 Kilometern den Spitzenwert von sechs Litern des Mücheners nur um 0,1 Liter verfehlt, liegt an der so genannten Segelfunktion.

Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas, entkoppelt die Kupplung den Motor vom restlichen Antriebsstrang. Der VW Passat gleitet ohne Motorbremswirkung dahin und spart so effektiv Kraftstoff. Auch der Audi A4 geizt mit dem Dieselkraftstoff. Zwar dürften Führung und Präzision der Schaltung eine Spur exakter ausfallen, aber die Übersetzungen harmonieren gut mit dem Charakter des 177-PS-Diesels.

Verbrauchsschonend geschaltet, reichen dem Ingolstädter wie dem BMW magere sechs Liter. Wie dem VW fehlt dem A4 aber ebenfalls die Spritzigkeit des BMW 320d. Der kleine Hubraumzuschlag von 200 cm3 des Mercedes C 220 CDI äußert sich gegenüber der Konkurrenz vor allem im höheren und deutlich früher anliegenden Drehmoment. Der satte Punch aus dem Drehzahlkeller überzeugt ebenso wie die bessere Laufkultur. Die Aggregate der drei Rivalen laufen im Vergleich rauer. Allerdings benötigt der größte Motor im Test auch mit 6,5 l auf 100 km den meisten Kraftstoff.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyBMW 320dAudi A4 2.0 TDIMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY
Beschleunigung150113119111113
Elastizität1000000
Höchstgeschwindigkeit15070757577
Getriebeabstufung10083908082
Kraftentfaltung5033383335
Laufkultur10063626364
Verbrauch325266268268258
Reichweite2524192118
Kapitelbewertung1000652671651647

 

Fahrdynamik

Ohne Wenn und Aber spielt der BMW auf dem Handlingparcours in einer eigenen Liga. Dort wo Audi, Mercedes und Volkswagen an ihre Grenzen geraten, beginnt der Spaßbereich des neuen BMW 320d. Er düpiert seine Mitstreiter sowohl beim Slalom als auch beim Handling. Auf mehrere Sekunden summiert sich der Vorsprung auf einer Runde über unseren Testparcours.

Die variable Sportlenkung (450 Euro) überzeugt mit Präzision und glasklarer Rückmeldung bei äußerst geringen Lenkwinkeln. Zudem setzt die Vorderachse jeden Richtungswechsel messerscharf um. Sehr spät und gutmütig drängt das Heck des BMW nach außen, fein reguliert vom DSC (ESP). Der BMW würde noch besser dastehen, wenn er die Top-Verzögerungswerte von Audi und VW erreichen würde.

Aber nur darauf kann sich der Ingolstädter nicht ausruhen. Auch im A4 arbeitet eine Lenkung mit variabler Übersetzung (1.000 Euro). Zwar reduzieren sich im Dynamikmodus spürbar die Lenkwinkel, auf die ausgeprägte Untersteuertendenz des Autos hat sie jedoch keinen Einfluss. Volkswagen und Mercedes haben ihre Mittelklassestars auf Sicherheit ausgerichtet. Die Mercedes C-Klasse und der VW Passat halten die Kommunikation mit dem Fahrer zwar auch aufrecht, leiden aber dennoch unter einem früh regelnden ESP.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyBMW 320dAudi A4 2.0 TDIMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY
Handling150110121111110
Slalom10060786967
Lenkung10072806874
Geradeauslauf5040414143
Bremsdosierung3017211718
Bremsweg kalt1501009110089
Bremsweg warm1501019510195
Traktion10043504048
Fahrsicherheit150132128125130
Wendekreis20119915
Kapitelbewertung1000686714681689

 

Umwelt und Kosten

Die Mercedes C-Klasse trennen gut 5.000 Euro von Audi und VW – eine stolze Summe. Selbst der BMW ist noch 2.000 Euro günstiger als der Schwabe. Ein Makel, der der C-Klasse auch in der Endabrechnung eine bessere Position verwehrt. Der Passat und der Audi punkten im Kostenkapitel mit mehr Nähe zum Volk.

In der serienmäßigen Comfortline-Ausstattung bleiben kaum Wünsche offen. Auch die laufenden Kosten für Versicherung, Werkstatt und Kraftstoff belasten das Budget beim nicht zu stark. Hinzu kommen die gute Garantie und eine solide Wertstabilität, wenngleich der Audi A4 hier besser abschneidet.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyBMW 320dAudi A4 2.0 TDIMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY
Bewerteter Preis675166153167145
Wertverlust5017171816
Ausstattung2519171716
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028202827
Werkstattkosten2016161614
Steuer108888
Versicherung4033313532
Kraftstoff5544444443
Emissionswerte2587878788
Kapitelbewertung1000418393420389

 

Fazit

Ganz unaufgeregt erarbeitet sich der VW Passat den Sieg in der Mittelklasse. geräumig, komfortabel, ausreichend spritzig und vor allem günstig sammelt er Punkt für Punkt. Allerdings ist ihm der neue BMW Dreier dicht auf den Fersen. Er trumpft als 320d vor allem mit seinem kraftvollen, sparsamen Antrieb und einer beeindruckenden Fahrdynamik auf.

Knapp dahinter positioniert sich der Audi A4. Dem Maß der Dinge in Sachen Verarbeitung und Materialqualität fehlen aber weitere herausragende Eigenschaften, um gegen den klar profilierten BMW und den Allrounder von Volkswagen bestehen zu können. Das gilt im gleichen Maße für die C-Klasse, die nicht nur deutlich teurer ist, sondern auch mehr Dieselkraftstoff verbraucht.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyBMW 320dAudi A4 2.0 TDIMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY
Summe50003165315131423113
Platzierung1234

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