Neuer Audi A3: Erster Vergleichstest in der Kompaktklasse Alfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT | Audi A3 1.8 TFSI | BMW 118i

10.08.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Auch mit dem neuen Audi A3 beanspruchen die Ingolstädter die Führungsrolle in der Kompaktklasse. Doch der BMW 1er und die Giulietta von Alfa Romeo sind starke Konkurrenten

Langsam wurde es auch Zeit. Nach sage und schreibe neunjähriger Bauzeit – einer Ewigkeit angesichts der immer kürzeren Modellzyklen – kommt Ende August die dritte Audi A3-Generation. Zwar sieht der Vorgänger noch lange nicht altbacken aus, und er wurde im Laufe seines Lebenszyklus auch technisch stetig aufgefrischt.

Doch in einigen Punkten, wie etwa der Bedienung, konnte er sein reifes Alter nicht mehr verheimlichen. Umso stärker gehen die Ingolstädter beim intern 8V genannten Nachfolger in die Vollen. Als erster Vertreter aus dem VW-Konzern greift der neue A3 auf den modularen Querbaukasten – kurz MQB – zurück und nimmt damit die Technik des kommenden Golf VII vorweg.

Ausgerüstet mit dem vorläufigen Top- Motor, dem 180 PS starken 1.8 TFSI-Benziner, stellt sich der Neuer Audi A3: Auto Salon Genf 2012 dem BMW 118i mit 170 Pferdestärken sowie dem Alfa Romeo Giulietta 1.8 TB 16V TCT. Der Italiener leistet ebenfalls 170 PS, überträgt seine Kraft aber über ein Doppelkupplungsgetriebe.

 

Karosserie

Auch wer kein Freund der Marke mit den vier Ringen ist, muss beim neuen A3 neidlos anerkennen, dass Audi in puncto Verarbeitungsqualität und Materialgüte ganz klar den Ton angibt. Details wie die Klimabedienung samt ihrer fein rastenden Drehregler oder die neuen Lüftungsdüsen, deren Luftstrom sich von diffus bis konzentriert einstellen lässt, zeigen eindrucksvoll, mit welcher Hingabe man sich in Ingolstadt mit dem Thema Auto auseinander setzt.

Nur die Fugen um den MMI-Bildschirm stören die Harmonie der ansonsten glatten Oberflächen etwas, sind jedoch der Reparaturfreundlichkeit des Infotainment-Systems geschuldet. An die Perfektion des Audi A3: Die Preise reicht der BMW 1er nicht heran. Nachlässigkeiten wie etwa billigere Kunststoffe im Innenraum, ein weniger hochwertig und strapazierfähig wirkender Gepäck- sowie unaufgeräumter Motorraum kosten den Münchner Punkte.

Beim ordentlich verarbeiteten Alfa stören neben deutlich vernehmbaren Knarzgeräuschen auf schlechten Straßen vor allem die Kunststoff-Ausdünstungen im Innenraum. Auch was die Sicherheitsausstattung angeht, hat Audi nun die Nase vorn. Einen radargestützten Tempomaten, einen Knieairbag sowie Aufmerksamkeitsoder Notbremsassistent bietet in diesem Test nur der A3 – wenn auch zum Teil gegen Aufpreis.

Das Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist im Audi üppig und reicht an das Mittelklasseniveau heran, und dank des ausgeformten Fahrzeughimmels bietet er die beste Kopffreiheit. Im Fond kann hingegen der 1er den mit 2,69 Metern größten Radstand in die beste Beinfreiheit ummünzen.

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Auch überm Scheitel haben die Passagiere im BMW hinten am meisten Luft, während im Alfa Personen über 1,80 Meter Größe ans Dach stoßen. Beim Ladevolumen (350 bis 1.045 Liter) ist der Italiener ebenfalls Schlusslicht, knapp hinter Audi (365 bis 1.100 l) und BMW (360 bis 1.200 l).

Nicht alltagstauglich ist die hohe Ladekante (81 cm) der Giulietta. Während der 1er mit seiner 260 Euro teuren, dreigeteilt klappbaren Rückbank punktet, erfreut der Audi mit einem höheneinstellbaren Ladeboden (Serie). So kann der Fahrer zwischen einer ebenen Fläche – bei umgeklappten Rücksitzlehnen – oder mehr Stauraum wählen.

Den größten Nachholbedarf hatte der alte A3 in puncto Bedienung, doch mit der neuesten MMI-Generation aus dem Hause Audi für 2.725 Euro liegt er nun wieder voll auf der Höhe der Zeit. Wie im A8 besitzt er sogar ein in den Dreh-Drück-Regler integriertes Touchpad, das Zahlen und Buchstaben mit hoher Treffsicherheit erkennt und vorliest – ein Feature, das demnächst auch BMW bieten wird.

Zudem wurden die vier Direktwahltasten durch zwei Kippschalter ersetzt. Die simplere Menüstruktur sowie die praktischen Direktwahltasten hat der 1er dem A3 allerdings immer noch voraus. Unpraktisch: Die Speicherliste der Radiosender im zentralen Bordcomputerdisplay muss bei jedem Neustart des Audi neu aufgerufen werden. Der Umgang mit dem Giulietta-Infotainment bedarf eines ausgiebigeren Studiums der Bedienungsanleitung. Und selbst danach erscheinen einige Lösungen noch gewöhnungsbedürftig.

KarosserieMax. PunkteAudi A3 1.8 TFSIBMW 118iAlfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT
Raumangebot vorn100726568
Raumangebot hinten100464843
Übersichtlichkeit70403834
Bedienung/ Funktion100879078
Kofferraumvolumen100293027
Variabilität100384035
Zuladung/ Anhängelast80362726
Sicherheit1501049882
Qualität/ Verarbeitung200185178175
Kapitelbewertung1000637614568

 

Fahrkomfort

Weil das adaptive Dämpfersystem magnetic ride (1.200 Euro Aufpreis) für den Audi noch nicht zur Verfügung steht, tritt der A3 mit der Standardfahrwerksabstimmung an. Dass dies kein Nachteil sein muss, zeigt sich bereits nach den ersten Metern: Das feinfühlige Anfedern, ein extrem sattes Fahrgefühl und die in jedem Beladungszustand nur geringen Karosseriebewegungen sprechen eindeutig für den Audi.

Der BMW wirkt trotz adaptiver Dämpfer (1.100 Euro) auf Fahrbahnunebenheiten etwas taumeliger und liegt auch wegen stärkerer Ausfederungsbewegungen insgesamt nicht ganz so ruhig wie der A3. Das Ansprechverhalten auf Querfugen und Gullideckeln gelingt dem 1er trotz 18 Zoll großer Runflat-Mischbereifung aber gut – im Gegensatz zum ebenfalls mit 18-Zöllern ausgerüsteten Alfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT.

Die Giulietta filtert Fugen und Kanten deutlich unsouveräner. Verantwortlich dafür ist die straffe Abstimmung des optionalen Sportfahrwerks (230 Euro). Auch die darin enthaltenen Ledersitze bringen dem Italiener kaum Vorteile. Zwar bieten sie passablen Halt, doch die stark nach unten abfallende Sitzfläche sowie die zu weit in den Fußraum hineinragende Pedalerie vereiteln eine dauerhaft bequeme Sitzposition.

Die ebenfalls optionalen Sportsitze in BMW (580 Euro) und Audi (235 Euro) verwöhnen hingegen mit toller Seitenführung und straffer Polsterung. Dem Münchner fehlt allerdings eine Gurthöheneinstellung, dafür sind Seitenwangen und Beinauflage einstellbar. Im Audi-Fond sitzt man dank der gut konturierten sowie angenehm gepolsterten Rückbank am bequemsten.

Punktabzug gibt’s für den beschwerlichen Fond-Ein- und Ausstieg – trotz weit verschiebbarer Vordersitze. Nicht nur subjektiv, auch die gemessenen Phonwerte markieren den A3 als das leiseste Fahrzeug im Feld. Motor-, Fahrwerks- und Windgeräusche sind sehr dezent und erreichen Mittelklasseniveau.

Obwohl die Werte des BMW fast auf gleichem Niveau liegen, ist er subjektiv lauter als der Audi. Auf das Thema Geräuschkomfort scheinen die Italiener weniger Augenmerk gelegt zu haben. Besonders bei Geschwindigkeiten über 100 km/h sind im Alfa Motorund Windgeräusche deutlich präsenter als in Audi und BMW.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A3 1.8 TFSIBMW 118iAlfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT
Sitzkomfort vorn150136134118
Sitzkomfort hinten100606257
Ergonomie150128128118
Innengeräusche50363526
Geräuscheindruck100736964
Klimatisierung50353434
Federung leer200135131125
Federung beladen200135128122
Kapitelbewertung1000738721664

 

Motor und Getriebe

Mit der Kombination aus Saugrohr- und Direkteinspritzung sowie Turboaufladung fährt der neue A3 mit dem 1.8 TFSI vorne weg. Nicht nur beim Spurt auf 100 km/h nimmt er dem BMW mehr als eine halbe Sekunde ab, auch in Sachen Kraftentfaltung und Laufkultur muss sich der 1er mit seinem aufgeladenen 1,6-Liter-Aggregat hinter dem A3 einreihen.

Weil im Audi das maximale Drehmoment (250 Nm) über ein extrem breites Drehzahlband (1250 bis 5000 /min) bereit steht, kann man schon bei rund 60 km/h in den sechsten Gang schalten und mit 1100 Touren dahingleiten – oder zügig bis Tacho 240 beschleunigen. Abgeschlagen bleibt in diesem Kapitel der Alfa Romeo, der im Sprint auf Tempo 100 die Werksangabe um 1,2 Sekunden verfehlt und dessen Vortrieb bei 218 km/h endet.

Das Ansprechverhalten des Vierzylinder-Turbos, der im Dynamic- Modus 20 Extra-Newtonmeter entwickelt, ist etwas verzögert. Vor allem aber leidet die Giulietta gegenüber A3 und 1er unter ihrem trägen Doppelkupplungsgetriebe. Beim Anfahren dreht der Alfa in den ersten zwei Gängen stets bis knapp über 3000 Umdrehungen – wobei das Motorgeräusch sehr präsent ist. Erst ab der dritten Stufe nutzt er den Drehzahlbereich unter 2000 Touren.

Das manuelle Sechsgang-Getriebe des BMW ist zwar gewohnt sportlich-knackig, erfordert beim Gangwechsel aber mehr Kraft im rechten Unterarm. Das klappt mit dem Audi A3 deutlich lässiger, ohne dabei sportliches Flair einzubüßen. Für Benziner dieser Leistungsklassen gehen Verbräuche von knapp unter acht Litern in Ordnung. Auf der AUTO ZEITUNG-Normrunde (inklusive Vollgasanteil) braucht der A3 mit 7,8 Litern nur ein halbes Wasserglas mehr Super als der Münchener (7,7 Liter) – jeweils rund zwei Liter mehr, als die Hersteller versprechen.

Unser mit der Giulietta ermittelte Wert von 8,9 Litern auf 100 km zeigt aber, dass Theorie und Praxis noch deutlich weiter auseinander liegen können: Unglaubliche 5,2 Liter verspricht Alfa Romeo in Kombination mit dem automatisch schaltenden TCT-Getriebe, happige 8,9 Liter Super aber schluckt die schicke Italienerin im Test. Dank ihres 60-Liter-Tanks fährt sie mit einer Füllung jedoch genauso weit wie der BMW 118i.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A3 1.8 TFSIBMW 118iAlfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT
Beschleunigung150122118110
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150777266
Getriebeabstufung100858278
Kraftentfaltung50383630
Laufkultur100716863
Verbrauch325234235213
Reichweite25111212
Kapitelbewertung1000638623572

 

Fahrdynamik

Bislang galt der 1er als absoluter Dynamiker in seiner Klasse, doch der A3 ist drauf und dran, gleichzuziehen – angefangen bei der zackigen Lenkung, die mehr Rückmeldung bietet als die des BMW. Zwar verhindert die höhere Kopflastigkeit des A3 schnellere Kurven-Tempi, doch im Slalom zeigt der Ingolstädter sein Können mit absolut ruhiger Karosserie.

Der BMW 118i hingegen hat mit Übersteuern zu kämpfen und verliert dadurch Zeit sowie einige Zähler in puncto Fahrsicherheit. Auf der Bremse liegen die beiden Deutschen mit 36,2 Metern kalt und 35,7 Metern warm aus Tempo 100 exakt gleichauf. Gut einen Meter mehr braucht der Alfa, der im Slalom nur schnell fährt, wenn man ihn mit Gewalt dazu zwingt.

Im Gegensatz zu 1er und A3 ist seine Bremse schlecht dosierbar – der Pedalweg zwischen leichtem Anbremsen und Vollverzögerung ist deutlich zu kurz. Auf der Handlingstrecke fährt der BMW allen davon und baut dank der Gewichtsverteilung von 50:50 Prozent viel Grip an der Vorderachse auf.

Der Audi liegt sehr ruhig und sicher, kämpft aber mit Untersteuern und Traktionsproblemen in engen Ecken – ähnlich wie der Alfa, dessen ESP jeden Ausbruchversuch der Vorderachse im Keim erstickt. Traktionsprobleme hat der 1er kaum, den Vorteil des Hinterradantriebs kann er beim Wendekreis gegenüber dem Fronttriebler A3 aber nicht ausnutzen.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A3 1.8 TFSIBMW 118iAlfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT
Handling150778170
Slalom100777474
Lenkung100828075
Geradeauslauf50403837
Bremsdosierung30212115
Bremsweg kalt150888876
Bremsweg warm150939381
Traktion100424538
Fahrsicherheit150133131129
Wendekreis20141410
Kapitelbewertung1000667665605

 

Umwelt und Kosten

Mit Grundpreisen von rund 26.000 Euro ist keiner der drei Kompaktklässler ein billiges Vergnügen. Der Audi A3 entschädigt mit dem geringsten Wertverlust, einer unbegrenzten Mobilitätsgarantie und verursacht zudem die niedrigsten Werkstattkosten. Erstmals ist zudem eine Klimaanlage ab Werk Serie. Die umfangreichste Serienausstattung und den niedrigsten Steuersatz hat der Alfa. Hohe Servicekosten sowie die nur zweijährige Mobilitätsgarantie geben jedoch Abzüge. Auch BMW lässt es in diesem Punkt bei fünf Jahren bewenden.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A3 1.8 TFSIBMW 118iAlfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT
Bewerteter Preis675211206211
Wertverlust50222121
Ausstattung25141119
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282017
Werkstattkosten20161612
Steuer109910
Versicherung40363434
Kraftstoff55404137
Emissionswerte25
Kapitelbewertung1000376358361

 

Fazit

Mit fünf Kapitelsiegen hat der neue Audi A3 die hohen Erwartungen im Vergleichstest mehr als erfüllt. Kein anderer Kompakter bietet so viel Oberklasse-Flair wie er. Karosseriequalität und Innenraumanmutung sind beispielhaft. Dazu kommen der kräftige und laufruhige Motor, der überzeugende Komfort sowie die umfangreichste Sicherheitsausstattung. Zweiter Sieger ist der BMW 118i, der mit seinem Heckantrieb aber nur noch auf dem Rundkurs fahrdynamisch Maßstäbe setzt. Sein sparsamer Motor gefällt ebenso wie die intuitive Bedienung. Die Verarbeitungsqualität ist jedoch eines BMW nicht würdig. Für die schöne Alfa Giulietta bleibt wegen des hohen Verbrauchs und der mäßigen Dynamik nur der dritte Platz.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A3 1.8 TFSIBMW 118iAlfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V TCT
Summe5000305629812770
Platzierung123

Tags:
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