Neue Mercedes X-Klasse (2017): Erste Testfahrt (Update!) X-Klasse mit Nissan-Genen angetestet

von Thomas Geiger 11.12.2017
Inhalt
  1. Erste Testfahrt in neuer Mercedes X-Klasse (2017)
  2. Neue X-Klasse (2017) setzt auf Nissan-Technik
  3. Fahrweise der X-Klasse ist absolut "Mercedes"

Die neue Mercedes X-Klasse (2017) ist der erste Pickup eines Premiumherstellers, bedient sich in der Basis aber am Nissan Navara. Auf der ersten Testfahrt zeigt sich: Die X-Klasse will ganz Mercedes sein, schafft es an einigen Stellen jedoch nicht über ihre Wurzeln hinwegzutäuschen.

Die Staubschleppe ist viele Meter lang, vom Bodenblech hört man das Poltern der aufgewirbelten Schottersteine, aus den Pfützen spritzt der Matsch bis hoch ans Fenster und die Schlaglöcher sind so tief, dass ein Smart fast darin versinken würde: Auf der ersten Testfahrt mit der neuen Mercedes X-Klasse (2017) durften wir den ersten Pickup der Schwaben noch vor seinem Marktstart in Action erleben. Denn wenn Mercedes im November zu Preisen ab 37.294 Euro die X-Klasse an den Start bringt, gibt es bei den Schwaben zum ersten Mal auf der Buckelpiste Platz in Hülle und Fülle. Und das gilt nicht nur für die Passagiere, sondern mehr noch fürs Gepäck. Schließlich ist der große Unbekannte für Terra X kein gewöhnlicher Geländewagen, sondern der erste Pick-Up im Zeichen des Sterns. Volker Mornhinweg, der als Leiter der Van-Sparte auch die neue Mercedes X-Klasse (2017) verantwortet, spricht bei dem 5,34-Meter-Monster zwar gerne vom Lifestyle-Laster und positioniert die X-Klasse als erstes Premium-Modell unter den Pritschenwagen, doch zielt der Bulle von Benz weniger auf die feinen Herren im Boss-Anzug, sondern vor allem auf Handel, Handwerk und Gewerbe und alle jene, die sich in der Freizeit gerne mit etwas größeren Gerätschaften beschäftigen.

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Mitfahrt in der neuen Mercedes X-Klasse im Video:

 
 

Erste Testfahrt in neuer Mercedes X-Klasse (2017)

Dafür versuchen sich die Schwaben an einem schwierigen Spagat: Denn die neue Mercedes X-Klasse (2017) braucht natürlich ein breites Kreuz, muss Europaletten tragen und mit Gabelstaplern spielen können. Nicht umsonst liegt die Nutzlast bei 1,1 Tonnen, nicht ohne Grund hat die Pritsche hinter der Doppelkabine eine Fläche von 1,5 x 1,5 Metern und wohlweislich kann die X-Klasse stolze 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Aber genauso erwartet man bei einem Mercedes gewisse Manieren: Ein in bisschen mehr Lack und Leder, Finesse und vor allem Fahrkultur als in dieser Klasse üblich müssen es deshalb schon sein. Und als wäre die Spreizung nicht schon schwer genug, müssen sie dabei auch noch auf einer fremden Basis aufsetzen. Denn weil die Mittel knapp und die Margen klein sind, hat Mercedes die X-Klasse nicht selbst entwickelt oder von den eigenen SUV abgeleitet, sondern auf dem Navara des Kooperationspartners Nissan aufgesetzt. Von außen sieht man davon relativ wenig, weil die Designer einen guten Job gemacht und die X-Klasse wirkungsvoll neu eingekleidet haben. Und auch innen fühlt man sich mit dem Cockpit aus der A- und dem Lenkrad aus der C-Klasse, dem Touchcontroller für das Command-System aus der E-Klasse und dem freistehenden Navibildschirm aus dem GLE erst einmal Willkommen in der Mercedes-Welt. Doch auf den zweiten Blick erkennt man relativ viele Übernahmeteile von Nissan, und ganz so vornehm wie die Pkw-Baureihen fühlt sich das Lederimitat selbst in der nobelsten der drei Modellvarianten eben doch nicht an. Nicht einmal den Schlüssel der neuen Mercedes X-Klasse (2017) haben die Schwaben ausgetauscht und stattdessen nur einen Stern auf den Nissan-Knubbel gepappt.

 

Neue X-Klasse (2017) setzt auf Nissan-Technik

Ja, für einen Pick-Up sieht das alles vornehm und nobel aus. Doch an die Noblesse einer V-Klasse kommt der Pritschenwagen nicht heran und verglichen mit GLE & Co ist die neue Mercedes X-Klasse (2017) eben doch ein nüchternes Nutzfahrzeug. Das gilt nicht nur fürs Ambiente und die Ausstattung, die mit Life-Traffic für die Navigation, Verkehrszeichen-Erkennung, Brems- oder Spurhalteassistent und LED-Scheinwerfern die Zwickmühle der unterschiedlichen Ansprüche noch einmal unterstreicht und so bei den Nutzfahrzeugen neue Maßstäbe setzt und bei den Pkw-Kunden trotzdem einige Wünsche wie eine automatische Abstandregelung oder klimatisierte Sitze unerfüllt lässt. Diese Zwitterrolle spiegelt sich auch im Preis wieder: Verglichen mit einem halbwegs ähnlichen VW Amarok ist die neue Mercedes X-Klasse (2017) immerhin 7000 Euro teurer, doch gegenüber einem vergleichsweise kleinen GLC spart man in etwa den gleichen Betrag. Auch beim Blick unter die Haube macht sich erst einmal eine gewisse Ernüchterung breit. In dem riesigen Bug steckt ein vergleichsweise winziger Motor, der ebenfalls von Nissan kommt, ein 2,3-Liter-Diesel, der im X 220d auf 163 PS und im X 250d auf 190 PS kommt. Erst für das nächste Jahr planen die Schwaben als erstes und einziges eigenes Triebwerk mit einem V6-Diesel, der aus drei Litern Hubraum 258 PS und 550 Newtonmeter schöpft und serienmäßig mit Siebengang-Automatik und permanenten Allradantrieb kommt.

 

Fahrweise der X-Klasse ist absolut "Mercedes"

In der Theorie treibt das erst einmal die Mundwinkel nach unten. Doch in der Praxis reicht ein Druck auf den Startknopf der neuen Mercedes X-Klasse (2017), um sie wiederaufzurichten. Natürlich kann auch Mercedes nicht zaubern, 190 PS 450 Newtonmeter Drehmoment müssen bei schon knapp 2,3 Tonnen Leergewicht ordentlich arbeiten und wenn man mit der Automatikversion 11,8 Sekunden von Null auf 100 braucht oder bei 175 km/h gegen eine Wand aus Wind fährt, wird man ganz sicher keinen Geschwindigkeitsrausch bekommen. Doch zumindest in Sachen Fahrkultur trägt die X-Klasse den Stern zu Recht: Wo der Navara genau wie der Renault Alaskan als dritter Zwilling in der Familie eher den herben Charme eines Schwerarbeiters entwickeln und mit ihrer Anstrengung nicht hinter dem Berg halten, herrscht in der neuen Mercedes X-Klasse (2017) eine vornehme Ruhe. Der Vierzylinder zwingt sich nicht nur zu einem höflichen Flüsterton, er rüttelt und schüttelt auch deutlich weniger als in den anderen Modellen. Und obwohl Mercedes im Grunde die gleiche Kombination aus Starrachsen hinten, Einzelradaufhängung vorn und Schraubfedern an beiden Achsen nutzt, federt die X-Klasse spürbar komfortabler als die Konkurrenten: Selbst auf der rabiatesten Rüttelstrecke hört man kein Knistern und kein Klappern und wenn man mit 120 Sachen durch ein Autobahnkreuz kurvt, bleiben die Hände trocken. Das möchte man ihm in einem Nissan oder einem Toyota Hilux lieber nicht nachmachen. Dass der sanfte Riese trotzdem ein harter Kerl ist, merkt man spätestens im Gelände: Mit ordentlicher Untersetzung, Bodenfreiheit und keiner Scheu vor Schmutz wühlt sich die neue Mercedes X-Klasse (2017) so tapfer durch den Schlamm, dass sie es fast mit dem legendären Vierkant aus Graz aufnehmen kann: "Wo die G-Klasse hinkommt, ist eine X-Klasse nicht weit", rühmen die Entwickler.

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