Neue Mercedes C-Klasse im Mittelklasse-Vergleichstest Mercedes C 350 | BMW 335i | Volvo S60 T6 AWD

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit tiefgreifenden Modifi kationen will Mercedes die neue C-Klasse an die Spitze der hart umkämpften Mittelklasse fahren. Erster Vergleichstest gegen die Premiumkonkurrenz von BMW und Volvo

Angriff ist die beste Verteidigung. Mercedes verfolgt dieses Motto bei der neuen C-Klasse mit vollem Einsatz. Der schwäbische Mittelklasse-Bestseller steht jetzt rundum erneuert beim Händler, soll den Maßstab in seiner Klasse neu definieren und den bisherigen Erfolg sichern. Seit der Einführung des 190er im Jahr 1982 verkauften die Stuttgarter 8,5 Millionen Mittelklasse-Fahrzeuge mit dem Stern. Die aktuelle Baureihe brachte es in nur vier Jahren auf 1,25 Millionen. Aber Mercedes will mehr. Dazu haben die Ingenieure des Hauses 2000 Teile erneuert und verbessert, die klassische Linienführung verfeinert und vor allem bei der Sicherheit alle Register gezogen. Die neue Mercedes C-Klasse strebt nach oben. Auch wenn es die dezent überarbeitete Karosserie mit den jetzt markanteren Scheinwerfern nicht auf den ersten Blick preisgibt, zeigt der Innenraum deutlich neue Klasse. Aber die Konkurrenz im dicht gedrängten Segment ist stark.

Mehr Tests & Fahrberichte: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Schafft es der Mercedes C 350 BlueEFFICIENCY im Vergleich mit BMW 335i und Volvo S 60 T6 AWD an die Spitze?

 

Karosserie

Mercedes hebt den bisherigen Standard der Klasse an – vor allem bei der Marken-Kernkompetenz Sicherheit. Da wird die C-Klasse zur S-Klasse. Für die schwäbische Limousine gibt es nahezu alle sicherheitsrelevanten Features der höheren Baureihen. Bereits Aufmerksamkeitsassistent, Fahrerknieairbag und Presafe (Unfallfrüherkennung) zählen zur Serienausstattung des Mercedes C 350. Weitere Optionen wie hintere Airbags, Notlaufreifen, integrierte Kindersitze, Tempolimiterkennung, Spur- und Spurwechselassistent werden zwar gesondert berechnet, aber sie sind im Gegensatz zur Konkurrenz ausnahmslos erhältlich.

Der aktuelle Dreier von BMW, der im März 2012 von der nächsten Generation abgelöst wird, und selbst der Volvo S60 T6 AWD des sicherheitsbedachten Autobauers aus Schweden können hier nicht mithalten – trotz der Volvo-City-Safety-Funktion, die bis Tempo 30 Kollisionen durch Einleiten einer Vollbremsung verhindert und sich mit einer Fußgängererkennung ergänzen lässt. Dennoch fehlen zum Beispiel automatisch abblendbare Außenspiegel, die für den V 60 (Kombi) erhältlichen integrierten Kindersitze sowie hintere Seitenairbags in der Aufpreisliste.

Dafür gefällt der stämmige Schwede mit seinem breiten Innenraum. Gegenüber dem recht schmal geschnittenen Mercedes sind es immerhin sieben Zentimeter mehr Breite. Allerdings bietet der Stuttgarter optimale Einstellmöglichkeiten, die es selbst sehr großen Personen ermöglicht, eine perfekte Sitzposition zu finden. BMW und Volvo geben jedoch ebenfalls keinen Grund zur Klage. Hinten sind die Unterschiede beim Platzangebot ebenfalls nur von geringer Bedeutung. Der Volvo schmeichelt mit viel Breite, aber nur mäßiger Kopffreiheit. Der Mercedes ist schmal, lässt aber am meisten Luft überm Scheitel. Und obwohl der BMW 335i am knappsten geschnitten ist, sitzt man erstaunlich gut.

Top beim 3er ist die grundsolide Struktur seiner Karosserie. Bei ihm knarzt oder knistert nichts. Er wirkt wie aus einem Stück gefräst. Das gilt ohne Abstriche auch für das Chassis der überarbeiteten C-Klasse. Während beim Volvo leichte Knistergeräusche aus dem Armaturenträger dringen, zieht sich die hohe Verarbeitungsgüte bei den deutschen Modellen bis in den Innenraum fort. Die neue Gestaltung des zuvor recht sachlichen C-Klasse-Innenraums, die spürbare Aufwertung der Materialqualität und die sichtbare, wieder auflebende Liebe zum Detail bringen den Mercedes an die Spitze.

KarosserieMax. PunkteMercedes C 350 BlueEFFICIENCYBMW 335i AutomatikVolvo S60 T6 AWD
Raumangebot vorn100747274
Raumangebot hinten100625962
Übersichtlichkeit70424236
Bedienung/ Funktion100838375
Kofferraumvolumen100383627
Variabilität100131322
Zuladung/ Anhängelast80393436
Sicherheit15011898103
Qualität/ Verarbeitung200183181178
Kapitelbewertung1000652618613

 

Fahrkomfort

Je holpriger die Strecke wird, desto deutlicher setzt sich die C-Klasse von ihren beiden Mitbewerbern ab. Zwar ist unser Kandidat in der Ausstattung Avantgarde, die beim Mercedes C 350 anstatt der serienmäßigen komfortbetonten Elegance-Linie geordert werden kann, zum Test angetreten, aber auch mit der strafferen Abstimmung bleibt er stets gelassen. Selbst auf gröberen Unebenheiten kommt die Karosserie völlig unaufgeregt schnell wieder zur Ruhe. Ausgesprochen fein reagieren die Federelemente mit ihren adaptiven Dämpfern auf kurze Stöße. Das gelingt dem noch sportiver ausgerichteten Münchner allerdings auch. Der Dreier kommt erst unter Beladung und auf großen Bodenwellen ans Limit.

Der Volvo S60 wirkt hier spürbar sperriger und gibt Stöße bis in den Innenraum durch. Zudem ist seine Karosserie länger und stärker in Bewegung als die von BMW und Mercedes. Die härtere Abstimmung des Volvo sorgt zudem auch für lautere Fahrwerksgeräusche. BMW und Mercedes gefallen dagegen mit einer sehr dezenten Klangkulisse.

Eine angenehme Federung und wenige Geräusche stehen beim Mercedes schon auf der Habenseite. Abgerundet wird der gute Komfort von den im Testwagen montierten Sitzen mit Klimatisierung (1261 Euro) und Multikonturfunktion (512 Euro). Die Sportsitze des BMW (630 Euro) stützen den Schulterbereich hingegen noch eine Spur nachhaltiger ab und offerieren ebenfalls elektrisch anpassbare Seitenwagen. Die gibt es für die zwar komfortablen, aber nur wenig Seitenhalt bietenden Sitze im S 60 nicht. Die serienmäßige Klimaautomatik hat indes nur der Schwede.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes C 350 BlueEFFICIENCYBMW 335i AutomatikVolvo S60 T6 AWD
Sitzkomfort vorn15010410695
Sitzkomfort hinten100626262
Ergonomie150123123115
Innengeräusche50434137
Geräuscheindruck100767671
Klimatisierung50353236
Federung leer200143140138
Federung beladen200142138136
Kapitelbewertung1000728718690

 

Motor und Getriebe

Auch unter der Haube zeigt sich der neue Antriebsstrang des Mercedes C 350 in Bestform – vor allem beim Verbrauch. Dank serienmäßiger Start-Stopp-Technik und des tiefgreifend überarbeiteteten, reibungsreduzierten Automatikgetriebes mit neuem Wandler gönnt sich das 306-PS-Aggregat gerade einmal neun Liter auf 100 Kilometern. BMW und Volvo lassen auch bei langen Rotphasen ihre Triebwerke weiter Sprit verbrennen. Während der BMW 335i mit 10,6 Litern dennoch einen akzeptablen Wert erreicht, weckt der Volvo S60 T6 mit fast 13 Litern Unverständnis.

Im Gegensatz zu BMW und Volvo kommt der V6 des Mercedes ohne Turboaufladung aus. Sein Direkteinspritzer hat einen halben Liter mehr Hubraum. Dem gut zu dosierenden und extrem antrittsstarken BMW-Reihensechszylinder mit Zwangsbeatmung kann er allerdings nichts entgegensetzen. Der Treibsatz des BMW bietet unfassbaren Druck ab knapp über Leerlaufdrehzahl und geht völlig unangestrengt bis ans Limit bei 7000 Touren. Der Mercedes braucht Drehzahlen, um das volle Drehmoment und die Leistung gewinnbringend, zumindest gegen den mit kräftigem Punch von unten zupackenden Volvo einzusetzen.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes C 350 BlueEFFICIENCYBMW 335i AutomatikVolvo S60 T6 AWD
Beschleunigung150131135132
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150909090
Getriebeabstufung100859080
Kraftentfaltung50394539
Laufkultur100858885
Verbrauch325211180140
Reichweite2513108
Kapitelbewertung1000654638574

 

Fahrdynamik

Nicht nur bei den Fahrleistungen profitiert der Volvo von seinem per Haldexkupplung gesteuerten Allradantrieb. Denn trotz seiner starken Kopflastigkeit zeigt er auf dem Handlingparcours großes Potenzial. Zwar pendelt er stark zwischen Über- und Untersteuern hin und her, lässt sich dabei aber sehr früh mit viel Traktion aus den Kehren herausbeschleunigen.

Der Mercedes vermittelt sogar noch mehr Gefühl, er liegt zudem ruhiger und mit weniger Seitenneigung auf der Piste. Trotzdem ist er eher auf Sicherheit bedacht und setzt der Kurvendynamik mit neutralem Schieben über alle Räder frühzeitiger die Grenzen.

Am besten ausbalanciert ist der BMW. Die Fahrdynamik ist und bleibt seine Paradedisziplin. Die im Stand etwas schwergängige Lenkung wird – einmal in Fahrt – deutlich feinfühliger. Daher kündigt sich der Grenzbereich mit einsetzendem Untersteuern dem Piloten frühzeitig und glasklar an. Mehr Gefühl kann man nicht in die Hände eines Fahrers legen, als es im Dreier der Fall ist. Lediglich die mäßige Performance mit kalten Bremsen trübt die gute Vorstellung des BMW 335i.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes C 350 BlueEFFICIENCYBMW 335i AutomatikVolvo S60 T6 AWD
Handling150839288
Slalom100607869
Lenkung100819076
Geradeauslauf50383233
Bremsdosierung30192119
Bremsweg kalt150947693
Bremsweg warm150949693
Traktion100374078
Fahrsicherheit150130127127
Wendekreis2015118
Kapitelbewertung1000651663684

 

Umwelt und Kosten

Je größer die Motoren, desto besser sieht die Kostenbilanz für die Mercedes C-Klasse aus. Zum einen liegt der Grundpreis des C 350 nur gut 1500 Euro über den Kaufsummen der Konkurrenz. Zum anderen bringen die geringeren Kraftstoffkosten, der stabile Werterhalt und auch die guten Emissionswerte wichtige Zähler in der Endabrechnung. So gewinnt der Stuttgarter diesmal – wenn auch nur mit sehr geringem Vorsprung – überraschend das Kostenkapitel.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes C 350 BlueEFFICIENCYBMW 335i AutomatikVolvo S60 T6 AWD
Bewerteter Preis675124128129
Wertverlust50131213
Ausstattung25161718
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272027
Werkstattkosten20151512
Steuer10987
Versicherung40232725
Kraftstoff55353024
Emissionswerte25888486
Kapitelbewertung1000350341341

 

Fazit

Die Anstrengungen bei der Überarbeitung der neuen Mercedes C-Klasse haben sich gelohnt: Der C 350 BlueEFFICIENCY gewinnt unseren Vergleichstest deutlich. Die aufgewertete Sicherheitsausstattung und die sichtbare neue Detailliebe machen aber nicht nur die C-Klasse zum Sieger, vielmehr profi tieren die Käufer davon. Der in die Jahre gekommene BMW 3er ist immer noch am dynamischsten, der sichere Volvo S 60 ein Angebot für Individualisten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes C 350 BlueEFFICIENCYBMW 335i AutomatikVolvo S60 T6 AWD
Summe5000303529782902
Platzierung123

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.