Kompakt-Limousinen: BMW 1er 2016 kontert Audi A3 & Mercedes CLA Die neuen Klassiker

16.04.2013

Kompakt-Limousinen: Audi und Mercedes forcieren das Comeback der kompakten Stufenhecklimousinen. Doch auch BMW arbeitet schon an einem spannenden Projekt: 2016 kommt der neue 1er

Man sollte niemals nie sagen. Vor zehn Jahren hätte kein Manager der Branche darauf gewettet, dass uns irgendwann noch einmal gehäuft klassische Stufenhecklimousinen in der Kompaktklasse begegnen. Damals galten die Autos mit dem angehängten Kofferraum nur noch als Langeweiler – Synonyme für Wackeldackel und gehäkelte Toilettenpapier-Halter auf der Hutablage, auf der tatsächlich Hüte lagen. In der Golf-Klasse fiel fast nur noch der biedere Jetta auf, aber der war stets ein spezieller Fall.

Jetzt das: Mercedes hat als feinen Stufenheckler den flachen CLA als scharfe Angriffswaffe auf die Räder gestellt – aufregend und sportlich. Skoda und Seat bringen mit den Schwester-Modellen Rapid und Toledo erstaunlich flotte Limousinen ins Geiz-ist-geil-Segment, Toyota erweckt zum Herbst mit einem frechen Feger das Corolla Stufenheckmodell zu neuem Leben. Und BMW kreiert mit dem Fronttriebler „New Entry Sedan“ gleich einen kompletten Stufenheck-Newcomer unterhalb der bekannten 3er-Reihe.

 

DIE NEUE A3 LIMOUSINE: PEPPIG UND PRAKTISCH

Und nun Audi. Die Marke mit den Ringen packt ihre – von uns schon avisierte – A3 Limousine aus. Und damit es optisch schön kracht, gibt es zunächst die Bilder der leistungssportlichen S-Version. Das wäre gar nicht nötig gewesen, da auch der zivile A3 Stufenheckler, den wir schon bei einer Sitzprobe näher in Augenschein nahmen, kaum weniger dynamisch aussieht. Denn die Proportionen stimmen. Mit einer Länge von 4,46 Metern (Radstand 2,64 m) ist die Limousine immerhin 15 Zentimeter länger als der A3 Sportback, dazu elf Millimeter breiter und neun Millimeter flacher. Die Front zeigt sich einen Tick kräftiger – gegen Aufpreis gibt es Voll-LED-Scheinwerfer. Die Seitenfl ächen sind stärker gewölbt, die Radhäuser weiter herausgezogen, und am Heck hat sich der Spoiler ganz innig mit dem Gepäckraumdeckel verlobt.

In der Basisversion soll das ganze Auto nur 1205 Kilo wiegen, seine Motorhaube zum Beispiel besteht aus Aluminium. Und die üppigen Reifen sind Pirellis im Format 235/35 auf 19-Zoll-Leichtmetallrädern der quattro GmbH. Mehr gibt es für diese Limousine wirklich nicht – normal sind 16 Zoll (Serie) bis 18 Zoll (Aufpreis).

Beim Einsteigen fällt dann auf, dass es vorn und hinten gut Platz gibt. Uns überzeugt speziell die Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe, die immerhin für Passagiere bis 1,90 Meter Körpergröße ausreicht. Auch der Einstieg in den Fond ist relativ bequem, unter die Vordersitze passen dabei locker und kratzfrei feine Schuhe der Übergröße 48, wie sie der Autor trägt. Dazu gesellt sich ein üppiges Ladevolumen von 425 Litern (Sportback 380 l), und natürlich kann man die Fondlehnen umlegen – optional lässt sich eine Durchreiche integrieren. Nach dem Entriegeln schwingt die Heckklappe selbsttätig hoch, die Ladekante ist erfreulich niedrig. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen entsteht allerdings eine Stufe im Ladeboden, die das Durchschieben langer Teile mal kurz stoppt. Diese Störstelle gibt es im Mercedes CLA auch – ebenso die optionale Durchreiche.

Das Cockpit mit der fein geschwungenen Instrumententafel ist identisch mit dem der A3-Schrägheckmodelle: top Verarbeitung mit der Audi-typischen Detailverliebtheit – da sind die Ingolstädter derzeit unschlagbar. Auf Wunsch gibt es das Bediensystem MMI mit dem elektrisch ausfahrbaren Navi- Multimedia-Bildschirm, ebenso Sportsitze oder auch S-Sportsitze mit integrierten Kopfstützen.

Die Abstimmung des Fahrwerks tendiert laut Audi in die sportlichkomfortable Richtung, die Sportfahrwerke für die Linie Ambition und S line legen die Karosserie um bis zu 25 Millimeter tiefer. Motorisch steigt die Limousine etwas höher ein. Die Benziner beginnen mit dem 140 PS starken 1,4-Liter-Turbo mit spritsparender Zylinderabschaltung, der im Schnitt 4,7 Liter verbrauchen soll. Null auf 100 km/h soll in 8,4 s erledigt sein, dazu kommt eine Spitze von 213 km/h. Darüber rangiert der 1,8-Liter mit 180 PS: 5,7 l, nur 7,3 s und 232 km/h. Als Diesel gibt es zunächst nur den Zweiliter mit 150 PS (8,4 s/213 km/h), der 4,2 Liter schlucken soll. Und der hier ganz in Blau posierende Allradler S3 ist eine Rakete mit 300 PS und 250-km/h-Limit. Tempo 100 erreicht er in nur 5,3 Sekunden.

Alle Ausstattungen und die optionalen Fahrerassistenzsysteme sind identisch mit denen der A3 Schrägheckler. Neu ist die Parkplatzinfo von „Audi connect“, die Parkplätze und -häuser an einem vom Fahrer ausgewählten Ziel anzeigt – teilweise sogar mit der Anzahl der freien Plätze und den Gebühren. Bleiben noch die Preise: Die Limousine ist rund 1600 Euro teurer als der Einstiegs-Sportback mit 122 PS – der Basispreis des 140-PS-Benziners liegt also bei rund 25.000 Euro. Der wilde S3 soll – inklusive einer reichhaltigen Grundausstattung – dann gut 38.000 Euro kosten.

 

DIE RIVALEN: MERCEDES CLA UND 1er LIMOUSINE

Den hinreißenden CLA hingegen, der bei Mercedes „Mittelklasse-Coupé“ heißt und mit 4,63 Metern noch vier Zentimeter länger als die C-Klasse ist, gibt es zwar schon mit schlanken 122 PS (Verbrauch 5,4 l), aber leider nicht unter 28.977 Euro. Mit 211 PS (5,5 l) kostet er sogar mehr als ein S3: 38.675 Euro. Einziger Diesel ist derzeit der 220 CDI mit 170 PS mit Doppelkupplungsgetriebe (4,2 l) für 37.991 Euro, rasantes Topmodell ab September der CLA 45 AMG mit 360 PS für stramme 56.078 Euro, den wir auf Seite 12 ausführlich vorstellen.

Optisch oberhitzig, bietet der Mercedes im Innenraum spürbar weniger Platz als die A3 Limousine, seine zweite Sitzreihe passt gerade mal bis 1,80 Meter Körpermaß – nur sein Laderaum (470 l) ist größer. Das Fahrwerk ist eher straff ausgelegt, gepaart mit Agilität und Leichtigkeit. Der CLA ist ein idealer Spaßmacher für kurvige Landstraßen, auch längere Strecken stellen kein Problem dar. Für fünf Passagiere wird es drinnen allerdings knapp, Mercedes selbst bezeichnet die Fondbank als 2+1-Sitzer. Übersetzt: zwei Erwachsene und ein Kurzer.

Anders die geplante BMW-Limousine, die derzeit noch unter dem Arbeitstitel „New Entry Sedan firmiert: Auch sie wird ein modischer Hingucker, soll aber vom Platzangebot her ein „vollwertiger Fünfsitzer“ sein. In der Länge liegt sie mit rund 4,45 Metern auf dem Level des Audi, und auch das Ladevolumen hinter der Kofferraumklappe wird ähnlich sein. Das Auto fußt auf der neuen, in der Länge flexiblen Frontantriebs-Allrad-Architektur (UKL) der Münchner, die ab März 2014 (Verkaufsstart) auch die neue Mini-Generation nutzen soll.

Gleichzeitig wird die nächste 1er Generation in einigen Modellen auf Frontantrieb umgestellt – und hier kommt die neue, sehr leichte Limousine als Vorbote ins Spiel, denn sie soll nach dem geplanten 1er Van (2015) schon im Frühjahr 2016 starten – preislich mindestens 2000 Euro oberhalb der A3 Limousine, motorisch mit einem vollen Programm. Hier sind dann nämlich auch schon – gegen Aufpreis mit der Achtstufen-Auto matik von ZF – die neuen BMW-Dreizylinder-Turbomotoren im Einsatz: Diesel von 115 bis 180 PS, Benziner von 122 bis rund 185 PS. Und schon wenige Monate nach dem Verkaufsstart soll es von der kompakten Limousine auch mehrere Versionen mit Allradantrieb geben. Sogar ein sportlicher Plug-in-Hybrid-Benzinantrieb ist definitiv geplant – mit mindestens 40 Kilometer reiner Elektro-Reichweite, aufladbar an jeder Steckdose. Sechszylinder wird es voraussichtlich nicht geben, aber eine zackige M-Performance-Version, die deutlich über 300 PS mobilisieren dürfte.

Wolfgang Eschment

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