Neue Alfa Romeo Giulia QV: Erste Fahrt Vollgas mit der neuen Giulia QV

Zur ersten Fahrt rollt die neue Alfa Romeo Giulia QV (2016) mit der Kraft eines 510 PS starken V6-Biturbo und einem beeindruckenden Hightech-Paket für maximale Fahrdynamik.

Betrachtet man die neue Alfa Romeo Giulia QV etwas genauer, sieht es ganz so aus, als habe man sich bei Alfa nach langer Phase des Überlebenskampfes nicht nur alter Namen und Tugenden besonnen. Auch eine früher heiß diskutierte und auf den europäischen Rennstrecken mit Messer zwischen den Zähnen ausgefochtene Gegnerschaft ist mit einem Mal wiederbelebt worden. Angesichts ihrer Maße, der Konzeption und des sportlichen Auftritts kann die neue Alfa Romeo Giulia QV nicht verleugnen, welcher bayerische Autobauer bei ihrer wundersamen Wiedergeburt zumindest im Geiste Pate stand. Aber was sollte anzüglich daran sein, in eine von den Bayerischen Motorenwerken jahrzehntelang fast im Alleingang geprägte Fahrzeugklasse zu investieren, zumal Alfa in den 60er-Jahren selbst diejenige Marke war, die die Sportlimousine im klassischen Stufenheck-Gewand quasi mit erfunden hat: viertürig, mit Motor vorn und Antrieb – natürlich – an der Hinterachse. Nach langer, geradezu unerklärlicher Enthaltsamkeit wird dem Comeback der Alfa Romeo Giulia QV (2016) wirklich Großes beigemessen. Das deutete sich schon bei der ersten Vorstellung an, als Alfa Romeo den Fehdehandschuh in Richtung BMW M und Mercedes-AMG in den Ring warf: mit einer Rundenzeitangabe von 7:39 Minuten für die Nordschleife, die deutlich unterhalb der Zeiten von M3- beziehungsweise C 63 liegt. Alle Achtung!

 

Alfa Romeo Giulia QV im Video:

 

 

Mit 510 PS rast die Alfa Romeo Giulia QV in eine neue Ära

Das Selbstbewusstsein gründet nicht nur auf starken Wurzeln, besten Allianzen und geordneten Finanzen, sondern vor allem auf der Tatsache, dass die Alfa Romeo Giulia QV (2016) kein irgendwie zusammengestelltes Stückwerk aus Konzernbeständen, sondern eine absolute Neukonstruktion ist. In nur zweijähriger Entwicklungszeit hat Alfa acht verschiedene Leistungs- und Ausstattungsversionen auf die Räder gestellt, beginnend bei 136 PS und einem Einstiegspreis von 33.100 Euro. Den Stand aktueller Motorentechnik verkörpert in unserem Fall ein mit Ferrari-Unterstützung entstandener 90-Grad-V6 aus Aluminium. Der nach gängigem Rezept von zwei Turboladern unter Druck gesetzte 2,9-Liter-Motor setzt sich ausnehmend interessant in Szene – sowohl was seine angenehme, dumpf grollende Akustik angeht als auch hinsichtlich seiner optischen Aufbereitung. Aber beides verblasst angesichts der gewaltigen Energie, die die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde 2.9 V6-Biturbo – so ihr ganzer Name – so gar nicht feminin via Hinterachse und über ein handgeschaltetes Sechsgang-Getriebe zum Besten gibt. Der verwegene Ritt auf der Kanonenkugel geht einem infolge 510 PS und 600 Newtonmeter Drehmoment locker von der Hand. Die gleichsam handgreifliche wie klassische Methode, so hoher PS-Zahlen Herr zu werden, hat insofern an Radikalität eingebüßt als das elektronisch gesteuerte Hinterachsdifferenzial selektive Kraftzuweisungen vornimmt und so für beste Traktion und – Stichwort: Torque Vectoring – höchst agiles Einlenken sorgt. Da wir schon beim Thema sind: Die auffällig direkt übersetzte Lenkung unterstreicht eine überraschende Leichtigkeit des Seins, mit der die Giulia der Neuzeit spontan Begeisterung schürt.

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Für die Giulia QV hat Alfa ein Hightech-Paket geschnürt

Das Trockengewicht der Alfa Romeo Giulia QV (2016) wird denn auch mit nur 1524 Kilogramm angegeben. Dank konsequenter Sparmaßnahmen in Sachen Masse – Türen, Kotflügel und Haube bestehen aus Aluminium, die Kardanwelle aus Kohlefaser – hat auch der Tank Volumen lassen müssen: 58 Liter sind angesichts des erwarteten Spritbedarfs nicht die Welt, auch wenn Alfa einen Normverbrauch von nur 8,5 Liter Super Plus auf 100 Kilometern angibt. Bei aller Theorie: Wer die Ressourcen des stärksten je gebauten Straßen-Alfa nutzt und laut Werk in knapp vier Sekunden auf 100 km/h sprinten und auch die 300-km/h-Marke locker reißen kann, der wird sich mit dem Ungemach verkürzter Etappen noch schwerer abfinden können. Ansonsten gibt es keinen anderen Grund, der Giulia frustriert den Rücken zu kehren: Die Sitzposition ist in jeder Hinsicht angemessen, sowohl was den Langstreckenkomfort angeht als auch hinsichtlich der zu kompensierenden Seitenkräfte. Immerhin waren es Pirelli P Zero Corsa-Sportreifen im Format 245/35 ZR 19, die der wohlgeformten, kompakten Alfa Romeo Giulia QV anlässlich der ersten Fahrvorstellung das gewisse Extra in Sachen Fahrdynamik beibrachten. Und das in Quer- als auch in Längsrichtung. Wir wollen aber nicht die von Alfa mit Stolz herausgestellten Technologien außer Acht lassen: etwa das integrierte Bremssystem, das die Wirkung diverser elektronischer Assistenzsysteme mit der mechanischen Bremskraftunterstützung vernetzt und so für konkurrenzlos kurze Bremswege sorgen soll. Oder das neue, aktive Fahrwerk, das Komfortansprüche erfüllt und – siehe Nürburgring – auch zum Sport animiert. Die Giulia lässt bitten, und das nicht nur mit 510 PS: für die, die es etwas kleiner mögen, auch mit 180, 150 oder 136 PS.

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Unser Fazit

Alfa Romeo scheint wieder auf der Höhe der Zeit – das Duell Alfa versus BMW könnte nach jahrzehntelanger Pause in eine neue Runde gehen.

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