Navigationsgeräte im Test (2016): Test Das beste Navi im Test?

14.02.2017

Lohnt der Kauf eines Navigationsgeräts als Festeinbau überhaupt? Vier Systeme unterziehen sich einem harten, praktischem Test gegen acht günstige Alternativ-Lösungen.

Mobile Navigationsgeräte gibt es oft schon zu Schleuderpreisen von wenigen hundert Euro. Lohnt da noch der Kauf von teuren Festeinbau-Systemen, die Autohersteller für ihre Neuwagen anbieten? Oder machen gar die noch viel günstigeren und teils kostenlosen Smartphone-Apps auch solche Mobilgeräte überflüssig? Für den Vergleichstest stellten wir je vier Vertreter der drei unterschiedlichen Systeme zusammen. Bei den Festeinbau-Geräten orderten wir die neuesten Top-Navi-Modelle für Mazda 6, Mini Clubman, Renault Kadjar und VW Golf. Diese fügen sich harmonisch ins Instrumentenbrett ein und lassen sich meist komfortabel über Drehknopf-Schalter, Touchscreen oder Tasten am Lenkrad bedienen. Allerdings muss man tief in die Tasche greifen: Während Mazda für das MZD Connect und Renault für das R-Line 2 noch moderate Preise von 690 und 890 Euro aufrufen, sind für das Professional des Mini und das Discover Pro des VW satte 2060 respektive 2515 Euro fällig. Deutlich günstiger sind da mobile Navigationsgeräte. Wir wählten die aktuellen Top-Versionen von Becker, Blaupunkt, Garmin und TomTom in der Preisspanne zwischen 160 und 399 Euro. Diese Preise lassen sich aber noch unterbieten: Navigations-Apps fürs Smartphone bietet TomTom bereits für 45 und Navigon für 50 Euro an. Und auch die kostenlosen und meist vorinstallierten Apple Karten und Google Maps mussten sich in unserem Test beweisen. Bei der eigentlichen Hauptaufgabe, dem Navigieren, leisteten fast alle getesteten Geräte gute Arbeit. Das beste Ergebnis fuhr das Discover Pro im VW Golf mit 192 von 200 möglichen Punkten ein, dicht gefolgt vom Testsieger, der Navigon Smartphone-App, sowie dem Professional im Mini Clubman – beide erreichten hier jeweils 190 Punkte.

Bilder: Zwölf Navigationssysteme im Test

 

Unnötige Umwege im Test wurden mit Punktabzug bestraft

Negativ fielen nur der Blaupunkt TravelPilot 54 mit 125 und das R-Link 2 im Renault Kadjar mit 126 Zählern auf. Letzterer patzte mehrfach bei der Wahl der optimalen Route und brummte unseren Testfahrern dadurch unnötige Umwege auf. Das Gerät von Blaupunkt missfiel dagegen mit dem am schlechtesten ablesbaren Display. Es wirkt kontrastlos, lässt sich nicht hell genug einstellen und die Anzeige ist alles andere als spiegelfrei. Obendrein ignorierte der billig wirkende Folien-Touchscreen im Test hin und wieder einen Finger-Tipp, was zu Falscheingaben führte. Und obwohl auch dieser Bildschirm Wisch- und Zwei-Finger-Zoom-Gesten verstehen soll, klappte dies meist nicht auf Anhieb und während der Fahrt schon gar nicht. Da schnitten alle anderen Testkandidaten deutlich besser ab. Vor allem die Smartphones und die Mobilgeräte mit Echtglas (Becker, Garmin, TomTom) spielten hier ihre Stärken aus. Auch der Mazda 6 überzeugte im Test der Navigationsgeräte mit sensiblem Display, das sich wahlweise auch über den Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole bedienen lässt. VW bietet zudem einen Annäherungssensor. So steht im Normalfall der gesamte 8,0-Zoll-Monitor für die detailreiche Karten-Darstellung zur Verfügung. Erst wenn sich eine Hand dem Bildschirm nähert, ploppt im unteren Bereich eine Menüleiste mit Zusatzinformationen und Bedien-Buttons auf. Um die Orientierung zu erleichtern, gibt es bei aktuellen Geräten neben den dreidimensionalen Gebäudedarstellungen auch topografisch nachempfundene Berg- und Landschafts- (Becker Professional) oder Satelliten-Darstellungen. Doch hier zeigten sich im Vergleich große Unterschiede: Beim Mini funktionierte es nur ab einem recht groben Maßstab (zwei Kilometer). Eine viel bessere und fotorealistischere Ansicht bietet das Discover Pro im VW Golf – vorausgesetzt, das Auto verfügt über CarNet, also einen Online-Zugang. Brillant wirkt auch die Google Maps-Darstellung in der Satellitenansicht. Eine hervorragende Orientierung offeriert zudem der Testsieger Navigon über sofort und leicht erkennbare Logos von Bahnhöfen, Tankstellen, Einkaufsketten und Bankfilialen.

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Schneller Routenaufbau dank starker Rechen-Prozessoren

Fast alle Navigationsgeräte überzeugten mit einer guten Prozessorleistung, was sich im schnellen Routenaubau und in der raschen Richtungskorrektur zeigte, zum Beispiel nach einem Falschabbiegen. Die einzige Ausnahme leistete sich im Navigationsgeräte-Test die träge agierende Technik des R-Link 2 im Kadjar – Punktabzug. Eine optimale Abbiege-Anzeige ist die, die dem Fahrer wirklich nicht entgeht. Vorteile haben hier generell die Festeinbauten mit Zusatzinfos direkt vor dem Fahrer. Mazda spiegelt dazu den Abbiegepfeil in eine Kunststoffscheibe ein, die als Head-up-Display dient. Der VW-Golf-Fahrer wiederum sieht neben der Anzeige im Navi-Bildschirm auch einen klaren Hinweis per Pfeildarstellung mit dynamischer Entfernungsmarkierung zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Große, übersichtliche Darstellungen lieferten auch Mini, Becker, Garmin und die Navigon-App auf ihren Bildschirmen. In dieser Disziplin schwächelten die kostenlosen Apps Apple Karten und Google Maps und erreichten nur 5 von 20 Punkten. Hier zeigt sich eben deutlich, dass diese Programme eigentlich zur Kartendarstellung entwickelt und erst viel später per Upgrade zum Lotsen erweitert wurden. Aber navigieren können sie trotzdem gut, zumal sie stets über das aktuellste Kartenmaterial verfügen. Denn das wird hier nicht im internen Speicher von iPhone & Co. gebunkert, sondern stets live aus dem Netz gesaugt. Nachteil: Nutzt man solche Online-Navigatoren öfter, dann sollte man über einen SIM-Vertrag mit ausreichendem Datenvolumen verfügen, sonst kann es teuer werden. Die Live-Dienste für die aktuelle Verkehrslage werden bei Tom-Tom GO 5100, Discover Pro, Mini Professional und Mazda 6 dagegen über eine festeingebaute SIM-Karte bezogen, die für eine (meist begrenzte) Nutzungszeit kostenneutral ist.

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Ärgerlich hohe Zusatzkosten für aktuelles Kartenmaterial

Beim Testsieger Navigon und bei der drittplatzierten TomTom Go App sowie bei allen getesteten mobilen Geräten sind frische Karten schnell, leicht und kostenlos per Online-Klick aktualisierbar. Hier haben Nutzer von festeingebauten Navis das Nachsehen. Karten müssen umständlich etwa per SD-Karte oder in der Vertragswerkstatt eingelesen werden. Und das kostet extra. Ausnahme: Für den Discover Pro gibt es bei VW zweimal jährlich eine kostenlose Kartenaufrischung. Ein weiteres wichtiges Testkriterium war die nutzerfreundliche Bedienung der Lotsen. Hier zeigten sich große Unterschiede. Blaupunkt und R-Link 2 fielen unter allen Testkandidaten mit der umständlichsten Eingabe-Prozedur auf. Unübliche Begrifflichkeiten, zusätzliche Menüschritte und Wartezeiten während des Adress-Tippens sind nicht mehr zeitgemäß. Bei der Spracheingabe verstanden uns wiederum die Renault- und Mazda-Systeme sowie das TomTom-Navi schlecht. Deshalb mussten wir den zeitraubenden Dialog häufig wiederholen. Das Blaupunkt bietet gleich gar keine Spracheingabe. Richtig gut funktionierten dagegen die Smartphone-Apps, die Becker- und Garmin-Technik sowie das Frage-Antwort-Spiel bei VW und Mini. Abstriche musste Letzterer allerdings dafür hinnehmen, dass er nicht alle Tester gleichermaßen gut verstand.

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Staus in Echtzeit erkennen und clever umfahren ist das Ziel

Beim sicheren Erkennen und geschickten Umfahren von Staus haben Systeme mit RTTI (Real Time Traffic Information) klare Vorteile. Dazu gehörten hier alle getesteten Smartphone-Apps sowie das TomTom 5100 und das Discover Pro im Golf. Sie verfügen über die beste Echtzeit-Verkehrsflussinformation und erhielten dafür die volle Punktzahl. Apple Karten und Google Maps haben zudem die realistischste Fahrzeit-Vorausberechnung, da sie sogar die Wartezeiten an städtischen Ampelanlagen kennen und mit einbeziehen. Bei der geschickten Integration der Navis in die Fahrzeugarchitektur punkteten dagegen die Festeinbauten. Bei ihnen entfallen nicht nur die lästigen Halterungen und das Ladekabel, sondern sie sind auch mit Assistenzsystemen verknüpft. So lassen sich Navi-Daten derzeit schon für die Kurvenlichtsteuerung und die Tempowarnung nutzen. Weitere Funktionen werden folgen.

Unser Fazit

Smartphone-Apps werden mehr und mehr zur festen Größe bei den Navigatoren. Unter den zwölf hier getesteten Geräten holen sie mit der Navigon Europe App nicht nur den Gesamtsieg: Drei weitere Anbieter finden sich unten den besten sechs Systemen. Kostenvorteile, Bedienfreundlichkeit, zuverlässige Navigation und exakte Staumeldungen machen es möglich. Zwar liegt mit dem Discover Pro-System des VW Golf ein Festeinbaugerät auf dem zweiten Platz, es kostet aber mit 2515 Euro rund 50 Mal mehr als der Testsieger für 50 Euro. Die ebenfalls nicht schlechten Apps von Google und Apple gibt es sogar kostenlos! So machen Festeinbau-Navis nur ab der Oberklasse Sinn.

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