Namens-Erben von Ascona bis Scirocco Alte Besen kehren gut

23.03.2010

Erfolgreiche Modellbezeichnungen der Autogeschichte sind in. Klassiker wie Opel GT, Fiat 500 oder VW Scirocco knüpfen bereits als neue Modelle an Erfolge der originalen Namensgeber an. Weitere Namen stehen vor der Wiederauferstehung: Opel Ascona und Calibra, Citroen DS, Chevrolet Camaro.

„Never change a winnig team“ ist seit jeher eine eiserne Regel in allen Mannschaftssportarten. Siegertypen der automobilen Arena waren sie zu ihrer Zeit alle: Vom kleinen Fiat 500, über den VW Scirocco oder den Opel GT. Und doch ließen sich die Hersteller bei den Nachfolgemodellen zu Veränderungen bei der Modellbezeichnung hinreißen, oder legten erst gar keinen Nachfolger auf.

Der Opel GT, von Oktober 1968 bis Juni 1973 zweisitziger Traumwagen des Normalverbrauchers und 103.463 Mal produzierter Imageträger, bereicherte mit seinem Werbemotto „Nur Fliegen ist schöner“ sogar die Alltagssprache. 1973 ersatzlos gestrichen, mussten 34 Jahre verstreichen, bevor sich Opel der zündenden Initialen GT besann und unter der Bezeichnung den amtierenden Zweisitzer mit 264-Turbo-PS in den Handel brachte.

Die erfolgreiche Auferstehung einer Traditionsbezeichnung hat in Rüsselheim Lust auf mehr gemacht. Vor einer Renaissance stehen Ascona und Calibra. Der Schweizer Kurort aus dem Kanton Tessin war zwischen 1970 und 1988 Namenspatron für drei Generationen der Mittelklasselimousine, die insgesamt eine Gesamtauflage von vier Millionen Einheiten erreichte. Der neue Ascona soll ab 2011 die Lücke im Opel-Portfolio füllen, die sein Vorgänger unterhalb des Rekord und Omega so lange und erfolgreich geschlossen hatte. Denn nachdem der Insignia Dimensionen erreicht hat, die auch die Markenfans des nicht ersetzten Omegas versöhnen sollen, klafft zwischen dem Top-Opel und dem Astra eine Lücke. Geschaffen für eine 4,6-Meter Limousine auf Basis des nächsten Astra (ab Herbst 2009) geschaffen ist, wie eine frische Bratwurst für den kleinen Hunger.

Gut stehen auch die Chancen für den Namen Calibra. Das Coupé, das Opel als 2+2-Sitzer zwischen 1990 und 1997 in 239.639 zwischen 115 und 204 PS starken Exemplaren gebaut hatte, ließ nicht nur die belastete Bezeichnung Manta des Vorgängers schnell in Vergessenheit geraten, es etablierte sich für Opel auch als kommerziell erfolgreicher Imageträger.

An der Bürde, diesen Erfolg fortzusetzen, scheiterten in der Folge sowohl das Astra Coupé nicht zuletzt wegen des von Opel unverständlicherweise  geschmähten, klingenden Namens. Und auch der GTC als Coupé-Derivat des amtierenden Astra, konnte in den Augen der Fans (und der Bilanzen) nie als authentischer Calibra-Nachfolger reüssieren. Wenn die eigenständige Coupé-Variante der nächsten Astra-Generation ab 2011 zur Markteinführung ansteht, stehen die Chancen für den dynamischen Rüsselsheimer gut, als Calibra die Konkurrenz von Scirocco und Co. aufzumischen.

Die Steilvorlage für eine erfolgreiche Namensbelebung hat der dynamische Wolfsburger den Verantwortlichen bei Opel punktgenau auf den Fuß gelegt. Der Wirbelwind aus Wolfsburg, 1974 als sportlicher Golfableger konzipiert, kam in zwei Generationen bis 1992 in 795.750 Exemplaren auf die Straße. Mit neuem Namen Corrado schlaffte der nicht als direkter Nachfolger sondern auch als Über-Scirocco platzierte 2+2-Sitzer zwischen 1988 und 1995, nur 97.521 Mal gebaut, derart ab, dass VW erst 2008 wieder einen echten Erben der Gattung sportliches Coupé auf Golfplattform präsentierte, den der Begriff Scirocco alleine Kraft des Namens bei der Nachfrage beschleunigte.

Die Idee, mit der Strahlkraft erfolgreicher Modelltypen, das aktuelle oder zukünftige Modellprogramm zu beflügeln, stimuliert nicht nur deutsche Hersteller. Die Wirksamkeit dieser Strategie hat beispielsweise Fiat mit dem 500 unterstrichen. Der aktuelle Kleinwagen bedient sich nicht nur Bezeichnung des von 1957 bis 1976 gebauten Vorgängers, er führt sogar konsequent die Designlinie fort. Frei nach der Erkenntnis, 3.702.078 Millionen Kunden des alten 500 können nicht irren, profitiert der neue Fiat 500 mit 190.000 Exemplaren pro Jahr von den Sympathiewerten, die sein Ahn erarbeitet hat.

Amerikanische Autobauer besannen sich dagegen der Mythen, die die Musclecars der späten Sechziger und frühen Siebziger des letzten Jahrhunderts in die Hirne und Herzen der Fans förmlich gebrannt haben. Zumindest bis die erste Ölkrise 1973 und erwachendes Umweltbewusstsein die hemmungslosen V8 mit bis zu 7,4 Liter Hubraum zum Verstummen brachte. So wie Dodge den legendären Challenger (1969 – 1974) im Jahr 2008 wiederbelebte, geht Chevrolet mit dem zwischen 1966 und 2002 in fünf Generationen zum Kult gereiften Camaro ab Frühjahr 2009 wieder auf Kundenfang. Ganz im Geist seiner Altvorderen. Mit dem 6,2-Liter V8 der Corvette und 400 PS.

Einen ganz anderen Weg, dem Vorbild der reinigenden Kraft alter Besen im Autogeschäft zu folgen, will künftig Citroen einschlagen. Dort erinnerten sich die Verantwortlichen nun der für die Marke magischen Buchstaben DS. La Déesse, die Göttliche, revolutionierte 1955 bei ihrem Erscheinen das gesamte Autodesign und etablierte sich mit ihrer unvergleichlich federnden Hydropneumatik als Technik-Avantgarde. So erfolgreich, dass bis 1975 genau 1.456.115 Kunden gerne über die zahlreichen technischen Insuffizienzen des Modells hinweg sahen.

Citroen will jedoch mit DS kein neues Spitzenmodell der Marke küren, sondern das Kürzel für die Topmodelle der jeweiligen Baureihe verwenden, die sich dann durch stilistische Unverwechselbarkeit, Hochwertigkeit und Lifestyle auszeichnen sollen. Was sich die Franzosen darunter vorstellen, wollen sie erstmals auf dem Genfer Autosalon im März mit  der Studie DS-Inside zeigen, die auf dem C3 aufbaut. Ob das die Fans der Marke akzeptieren, oder den DS-Status bei einem Kompaktmodell als Lästerung einer Göttlichen abstrafen werden, bleibt offen.

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