Assistenzsysteme: Studie stellt Sinn von Müdigkeitswarnern infrage Müdigkeitswarner ohne Nutzen?

14.05.2013

Eine neue Studie hinterfragt den Sinn von Müdigkeitswarnern im Auto. Das Ergebnis: Die Assistenzsysteme motivieren eher zur Weiterfahrt

Fahrer-Assistenzsysteme wollen Autofahren angenehmer und sicherer gestalten. Auch sogenannte Müdigkeitswarner, die schläfrige Fahrer zu Pausen animieren sollen, gehören dazu. Doch jetzt kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Pausen-Erinnerer eher zur Weiterfahrt verleiten. Darauf weist die Psychologin Katja Karrer-Gauß hin, die an der Technischen Universität (TU) Berlin über Systeme zur Müdigkeitserkennung forscht. "Verheißt ein System Sicherheit, sind Menschen generell risikobereiter", sagte sie.

 

Studie stellt Sinn von Müdigkeitswarnern infrage

Für eine Studie im Rahmen ihrer Dissertation hatte die Forscherin unter anderem Berufskraftfahrer interviewt. Die Befragten gaben an, sich gegebenenfalls über die eigene Einschätzung ihrer Müdigkeit hinwegzusetzen und dichter an die Übermüdungsgrenze heranzufahren, wenn ein Fahrerassistenzsystem auf sie aufpasst. Tests in einem Fahrsimulator legten ebenfalls nahe, dass sich die Probanden durch ein Warnsystem eher motiviert fühlten, gegen ihre Müdigkeit anzukämpfen, als eine Pause einzulegen. "Im Schnitt waren die Teilnehmer mit Müdigkeitsassistent an Bord 20 Minuten später bereit zu pausieren", berichtete Karrer-Gauß.

Hinzu komme, dass ein aufleuchtendes Kaffeetassen-Symbol im Cockpit oder Warntöne nicht ausreichen, um ermüdete Fahrer umgehend zu einer Pause zu bewegen. "Gerade Berufskraftfahrer stehen oft unter so großem Termindruck, dass es für sie gewichtigere Gründe gibt weiterzufahren, als wegen einer blinkenden Kaffeetasse anzuhalten", weist Karrer-Gauß auf ein Problem hin, gegen das die aktuell verfügbaren Müdigkeitswarner nichts bewirken könnten. "Dazu müsste das Fahrzeug den müden Fahrer zum Anhalten zwingen - aber das ist kaum realisierbar und die Technik würde den Fahrer entmündigen."

Müdigkeit am Steuer zählt zu den folgenschwersten Unfallursachen. "15 bis 20 Prozent aller schweren Unfälle auf Schnellstraßen sind auf Übermüdung zurückzuführen", sagte Karrer-Gauß. Die Psychologin hatte für die Studie unter anderem 52 Berufskraftfahrer und 19 Forscher interviewt. An den Versuchen im Fahrsimulator nahmen 36 Probanden teil.

AUTO ZEITUNG

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