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Vettels Ferrari-Debütsaison als Verlockung

Schon vor dem Formel-1-Schlussakt ist Sebastian Vettel begeistert von seiner ersten Ferrari-Saison. Der Druck aber wird nicht geringer. Im nächsten Jahr will Vettel seine Mercedes-Rivalen überholen.

Abu Dhabi (dpa) - Zur Generalprobe im Ferrari-Abenteuerland von Abu Dhabi kommt Sebastian Vettel in kurzen Hosen. Auf den letzten Metern einer glänzenden Debütsaison für die Scuderia ist die gute Laune des viermaligen Formel-1-Weltmeisters ansteckender denn je.

Nicht einmal eine krachende Niederlage beim Kartrennen vor dem Schlussakt auf dem Yas Marina Circuit kann das Lächeln aus dem Gesicht des sonst so ehrgeizigen Hessen vertreiben. «Diese Saison hat unsere Erwartungen übertroffen, wir hatten ein fantastisches Jahr, einfach phänomenal», schwärmt Vettel.

Ein Jahr ist es her, als er in Abu Dhabi endlich offiziell die Scheidung von Red Bull und seinen Wechsel zu Ferrari verkünden konnte. Das italienische Traditionsteam schloss gerade zum ersten Mal seit 21 Jahren eine Saison ohne Sieg ab, die Hoffnungen in Vettel waren immens. Der Deutsche hielt dem Druck stand. Drei Siege, 13 Podiumsplätze - nur Vettel brachte eine andere Farbe ins ansonsten erneut silberne Titelrennen zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

Die Herzen der Tifosi hat Vettel längst erobert. Das zeigt sich auch beim PR-Termin in der kitschigen «Ferrari World», die sich wie ein roter Rochen neben die Formel-1-Strecke presst. Vettel steht im Mittelpunkt, schüttelt Hände, knipst sein jungenhaftes Lächeln für hunderte Fotos an, schreibt geduldig Autogramme. Teamgefährte Kimi Räikkönen ist der Mann am Bildrand, der den Trubel mürrisch über sich ergehen lässt.

Doch eben weil der Finne seinem deutschen Kumpel auch auf der Strecke nicht im Licht steht, hat Ferrari seinen Vertrag noch einmal verlängert. Nichts soll Vettel beim Angriff auf das Mercedes-Duo im kommenden Jahr stören. Denn genau das ist die Vorgabe für 2016. «Es kann nicht das Ziel sein, Mercedes näherzukommen. Wir wollen vorn sein», sagt Teamchef Maurizio Arrivabene.

Der unerwartet steile Aufwärtstrend der vergangenen Monate hat auch die Ungeduld befördert. «Ich glaube, dass die Erfolge doch geholfen haben, das Ganze zu beschleunigen, und uns hoffentlich auch für nächstes Jahr noch stärker machen», meint Vettel.

Doch der 28-Jährige weiß auch, dass die Glücksgefühle von 2015 schnell in Enttäuschung umschlagen können. «Natürlich ist die Verlockung jetzt groß, direkt für das nächste Jahr an das ganz Große zu denken. Aber man darf nicht die kleinen Schritte auf dem Weg vergessen», warnt Vettel im Interview des TV-Senders Sky.

Dazu gehört auch, dass der Heppenheimer am Sonntag ein weiteres Signal in Richtung Hamilton und Rosberg senden will. «Unser Auto funktioniert auf allen Strecken», versichert Vettel. Stärke zeigen, die Rivalen mit einer Niederlage in den Winter schicken - das wäre ganz im Sinne des Angreifers.

Kaum ein Ort scheint für Vettel dazu besser geeignet als Abu Dhabi. Hier holte er sich 2010 sensationell seinen ersten Titel, hier legte er 2012 eine Rekord-Aufholjagd von Platz 24 auf drei hin. Mit drei Siegen ist Vettel erfolgreichster Fahrer beim schillernden Grand Prix im Dämmerlicht. «Wir wollen die Saison mit einem Höhepunkt beenden», sagt Vettel und zeigt beim Lächeln noch einmal die Zähne.

Von Christian Hollmann,dpa