Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Tabula Rasa in Rot: Italienische Revolution für Vettel

Die personellen Umbesetzungen bei Ferrari erinnern fast an die Schumacher-Anfangszeiten. Ist das Team aber wirklich schon bereit für eine neue Ära, diesmal mit Neuzugang Vettel?

Maranello (dpa) - Einen derartigen Umbruch hat Ferrari selbst für Michael Schumacher nicht gewagt. Für die Zeitenwende mit Neuzugang Sebastian Vettel lässt die Krisen-Scuderia nichts unversucht.

Binnen acht Monaten trennte sich der ruhmreiche Formel-1-Traditionsrennstall von Präsident Luca di Montezemolo, gleich zwei Teamchefs, dem Motorenchef, Star-Pilot Fernando Alonso und nun auch noch vom Chefdesigner und dem Technischen Direktor. «Ferrari hat vergangenes Jahr zu viele wichtige Köpfe verloren (...)um zu glauben, sich nur auf die Überlebenden der Revolution verlassen zu können», warnte indes der «Corriere dello Sport».

Der neue starke Mann an der Spitze des Rennstalls hat in kürzester Zeit durchgegriffen. Maurizio Arrivabene habe sein Team mit einer flacheren Hierarchie restrukturiert und die Verantwortlichkeiten klar verteilt, hieß es in der jüngsten Pressemitteilung. Erst im letzten Satz des 20-zeiligen Statements wurde das Ende der Zusammenarbeit mit dem langjährigen Chefdesigner Nicolas Tombazis und dem erfahrenen Chef-Ingenieur Pat Fry verkündet. Auch die Trennung vom Reifen-Verantwortlichen Hiroide Hamashima gab der Rennstall am Mittwoch betont knapp in zwei Zeilen bekannt.

Zu einer von vielen erwarteten Verpflichtung von Ross Brawn, der einst ein Jahr nach Schumacher 1997 zur Scuderia gewechselt und maßgeblich an der folgenden Ära der Triumphe beteiligt gewesen war, kam es nicht. Es heißt, Brawn habe sich die Teamchef-Rolle nicht mit Arrivabene teilen wollen und sich deshalb angeblich unempfänglich für die Avancen aus Maranello gezeigt.

Stattdessen soll es nun James Allison, 46 Jahre alter Brite, der von 1999 bis 2005 und seit Juli 2013 wieder bei Ferrari arbeitet, richten. «Volle Macht für den Technischen Direktor Allison», schrieb die «Gazzetta dello Sport», aber es wachse «die italienische Seele». Schließlich stiegen im neuen Chef-Designer Simone Resta und im neuen Antriebsdirektor Mattia Binotto zwei «Eigengewächse» auf, wie Ferrari selbst schrieb.

Wie gut, dass Vettel auch fleißig italienisch lernt. Geduld wird der 39-malige Grand-Prix-Gewinner, der allerdings seit über einem Jahr sieglos ist, dennoch aufbringen müssen. Zu groß war der Rückstand auf das dominante Mercedes-Team in der zurückliegenden Saison. «Wir müssen uns da nichts vormachen, dass wir im nächsten Jahr gegen Mercedes ankommen werden. Mir ist bewusst, dass uns bei Ferrari eine große Aufgabe bevorsteht, die auch Zeit braucht», hat Vettel bereits betont. Auch bei Schumacher dauerte es damals; 1996 wechselte er von Benetton als zweimaliger Weltmeister nach Maranello, 2000 fuhr er endlich zum ersten Titel in Rot.

Vettel hat zunächst für drei Jahre bei der Scuderia unterschrieben als Nachfolger von Alonso, der zu McLaren gewechselt ist. Bei Testrunden in einem älteren Modell durfte der 27 Jahre alte Heppenheimer bereits das Ferrari-Feeling spüren. «Es gibt viele Märchen über Ferrari und wie es sich anfühlt, ein rotes Auto zu fahren. Am Ende kann ich diese Märchen nur bestätigen», schwärmte er. Nur soll für ihn und die neu formierte Mannschaft letztlich nicht nur das Schwelgen in den Märchen von großen Taten bleiben. In Wahrheit braucht Ferrari dringend wieder Erfolge - und zwar schnell.

Weiterführende Links

Von Jens Marx und Christian Hollmann, dpa