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Sensibel und glücklich: Räikkönen hat noch was vor

Auch Kimi Räikkönen kann für die Mercedes-Männer zur Gefahr werden. Zumal der Finne sich mit Sebastian Vettel an seiner Seite so wohl fühlt bei Ferrari wie nirgendwo anders und auch bei der Scuderia zuvor. Sein Chef weiß halt auch, wie er Räikkönen anpacken muss.

Sakhir (dpa) - So schön war es noch nie für Kimi Räikkönen. Ob es an Kumpel Sebastian Vettel liegt, am neuen Teamchef Maurizio Arrivabene oder an einer Mixtur aus allem, was neu ist beim Formel-1-Rennstall Ferrari.

«Das ist das beste Jahr, das ich bislang in irgendeinem Team hatte», betont der Finne. Ob der bislang letzte Ferrari-Weltmeister auch im nächsten Jahr an der Seite von Vettel gegen die Silberpfeile ankämpfen wird, ist offen. Sein Vertrag endet nach dieser Saison, Ferrari hat aber nach Räikkönens Angaben eine Option: «Das Team muss also entscheiden.»

Bei seinem ersten Engagement für die «Roten» waren es drei Jahre (2007 bis Ende 2009). Derzeit befindet sich Räikkönen in seiner zweiten Saison nach seiner Rückkehr zur Scuderia Anfang 2013. Bei seinem ersten Engagement holte sich Räikkönen gleich im ersten Ferrari-Jahr die Weltmeisterschaft. Derzeit wartet er noch immer auf seinen ersten Sieg seit dem Comeback in der «Roten Göttin».

Über einem Interview mit Räikkönen vor dem Großen Preis von Bahrain an diesem Sonntag in der Wüste von Sakhir zitierte die offizielle Formel-1-Homepage Räikkönen mit den Worten: «Ich habe noch etwas zu erledigen in der Formel 1.» Sechs Jahre ist es her, dass Räikkönen mit einem Ferrari als Erster im Ziel abgewunken wurde. Es war im August 2009 in Spa-Francorchamps, einer Strecke für Vollblut-Racer. 

«Was auch immer er macht, er will es richtig machen, sei es beim Motocross, auf dem Snowmobil oder beim Duell auf einem Rasenmäher», schreibt Ferrari auf seiner Homepage über Räikkönen, der 2010 in der Rallye-WM an den Start gegangen war. In der aktuellen Formel-1-Saison schied er in Australien aus, in Malaysia und zuletzt in China wurde Räikkönen jeweils Vierter.

Auf 20 Grand-Prix-Erfolge kommt er insgesamt. Sein nächster wäre der zehnte in einem Ferrari, zwei holte er während seiner Lotus-Zeit (2012 und 2013). Neun Siege feierte er von 2002 bis Ende 2006 für McLaren. Es waren Zeiten, in denen Räikkönen, der 2001 bei Sauber sein Formel-1-Debüt feierte, auch durch die ein oder andere Eskapade auf sich aufmerksam machte.

Mittlerweile ist Räikkönen aber offensichtlich ruhiger geworden. Die wilde Party-Zeit scheint vorbei. Ein Jahr nach Vettel wurde auch er stolzer Papa. Wie er sich als Vater für seinen Jungen nun so macht, wurde Räikkönen gefragt. «Ich weiß nicht. Da müssen sie seine Mama fragen», entgegnete er. «Aber er ist ein ruhiges Baby - also machen wir schon mal etwas richtig.»

Unweigerlich fällt einem dabei auch Räikkönens legendärer Spruch ein, als er 2012 in Abu Dhabi im Lotus dem Sieg entgegenfuhr und auf die Hinweise vom Kommandostand zurückfunkte: «Lasst mich in Ruhe. Ich weiß, was ich tue.»

Wie er mit dem Eishockey-Fan aus Espoo umzugehen hat, weiß sein neuer Teamchef ganz genau. «Er ist sehr sensibel», meinte Arrivabene jüngst. Nichtsdestotrotz bevorzugt Räikkönen, der Ende 2009 für Fernando Alonso bei Ferrari gehen musste, eine Ansprache ohne Umschweife. So wie Vettel. Und selbst wenn der acht Jahre jüngere Heppenheimer nach seinem Wechsel von Red Bull zu Ferrari schon einen Sieg sowie zwei dritte Plätze einfuhr und 21 Punkte mehr hat als Räikkönen, könnte sich der Finne nicht wohler fühlen.

Von Jens Marx, dpa