Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Motoren-Krise: Zwei-Klassen-Gesellschaft droht

Die Formel 1 dreht sich in einem Punkt immer wieder im Kreis. Sie ist für einige zu teuer. Nun sollen die Motoren günstiger werden. Zum Nachteil des sportlichen Geschehens. Hinzu kommen Ausstiegsdrohungen vom einstigen Branchenführer Red Bull.

Singapur (dpa) - Die Formel 1 rast immer tiefer in eine Motoren-Krise. Die Rückzugsdrohungen von Renault, Red Bull und Toro Rosso kratzen am ohnehin brüchigen Image der Königsklasse, der mögliche Einstieg von VW im Jahr 2018 bleibt eine höchst vage Option.

Am Rande des Grand Prix von Singapur spitzte sich die Debatte um künftige Motoren-Partnerschaften und den Preis der Triebwerke weiter zu. «Grenzwertiger Blödsinn», meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zu den Spekulationen um die Kosten, die angeblich auf die Kundenteams ab der kommenden Saison zukommen sollen.

Die Sorge ist aber groß. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft droht, unter der die Attraktivität der Formel 1 weiter leiden könnte. Denn es könnte so kommen, dass manche Teams 2016 des Geldes wegen mit einer ein Jahr alten Antriebsversion antreten. «Dann haben wir fünf, sechs, sieben Autos, die vorne wegfahren und nach zehn Runden 30 Sekunden Vorsprung haben», prophezeite Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost.

Als ob das Klagen über die Überlegenheit der Mercedes zuletzt nicht laut gewesen wäre. Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone machte diese Dominanz sogar nun in der britischen Zeitung «Independent» mitverantwortlich dafür, dass andere Hersteller wegbleiben.

Tatsächlich fahren nach jetzigem Stand im kommenden Jahr neun von elf Rennställen - das US-Team Haas steigt neu ein - mit den sogenannten Power Units von nur zwei Autobauern, Mercedes und Ferrari. Hinzu kommt Honda, das weiter McLaren versorgt. Renault hält sich neben dem Ausstieg noch die Option eines Kaufs des verschuldeten Lotus-Teams offen. Für Lotus wäre das die Rettung, nachdem der Londoner High Court wegen unbezahlter Rechnungen noch einmal Aufschub bis nach dem nächsten Grand Prix in Japan gewährte.

Zumindest in einer Hinsicht scheint sich die Formel 1 seit Jahren im Kreis zu drehen. Seit der Einführung der Turbo-Hybridmotoren in der Vorsaison reißt die Diskussion um die Technik, ihren ungewohnt niedrigen Geräuschpegel und ihre Kosten nicht ab. Kundenteams müssen angeblich bis zu 20 Millionen Euro und noch mehr zahlen, um mit den hochkomplexen Motoren fahren zu können. 

Nun soll zumindest auf die Kostendebatte ein Deckel drauf. Zwölf Millionen Euro für eine aktuelle Version, eine ein Jahr alte Version soll acht Millionen Euro kosten, hatte das Fachmagazin «Autosport» berichtet. Für ein Team wie Mercedes-Kunde Williams, «bei dem Budget, das wir haben», seien vier Millionen Euro Ersparnis eine Hilfe. «Wir können das Geld dann in andere Bereiche investieren», meinte Gründer-Tochter Claire Williams.

Die Vorschläge der Formel-1-Strategiegruppe müssen nun in der zuständigen Kommission und im Motorsport-Weltrat der FIA verhandelt werden. Im Fall von Red Bull und seinem B-Team Toro Rosso aber drängt die Zeit. Das vorzeitige Ende der Partnerschaft mit Renault zum Saisonende ist besiegelt. Der weitere Weg der von Getränke-Milliardär Dietrich Mateschitz alimentierten Rennställe scheint offen.

Mateschitz berichtete immerhin von «positiven» Gesprächen mit Ferrari. Motorsportberater Helmut Marko drohte indes mit Ausstieg. Befeuert wurden ebenfalls immer wiederkehrende Gerüchte um einen Einstieg von VW durch Ex-Teambesitzer und TV-Experte Eddie Jordan. Bis Red Bull von 2018 an mit VW-Power auf die Formel-1-Strecken geht, komme zwei Jahre ein Ferrari-Motor zum Einsatz - so die Theorie. «Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns an solchen Spekulationen nicht beteiligen möchten», lautete die Reaktion von Volkswagen.

Hinterherfahren aber will Red Bull nicht. Sollte sich der einstige Branchenführer tatsächlich gemeinsam mit Toro Rosso zurückziehen und auch Lotus in die Pleite fahren, geriete Ecclestones Geschäftsgrundlage in Gefahr. Dann stünden 2016 womöglich nur noch acht Teams in der Startformation.

Weiterführende Links

Von Jens Marx, dpa