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Nico Rosberg: Der Deutsche im Werksrennstall

Es begann als selbst ernannte deutsche Nationalmannschaft der Formel 1. Seit dem Comeback der Silberpfeile als Werksteam ist Nico Rosberg dabei. Nach drei Jahren neben Michael Schumacher bekam er Lewis Hamilton an die Seite. Und der macht sich breit, meint ein Ex-Pilot.

Sakhir (dpa) - Im Januar 2010 verkündete Daimler-Chef Dieter Zetsche voller Stolz: «Wir machen die deutsche Nationalmannschaft der Formel 1 perfekt.» Michael Schumacher und Nico Rosberg bildeten das deutsche Start-Duo für die Rückkehr der Silberpfeile als Werksteam nach über fünf Jahrzehnten.

Schumacher stieg Ende 2012 aus, Rosberg fährt derzeit in seinem sechsten Jahr für die Stuttgarter. Weltmeister aber wurde im Mercedes bisher nur sein britischer Rivale Lewis Hamilton - und er dominiert als Spitzenreiter auch die bisherige Rennsaison bis zum Großen Preis von Bahrain an diesem Sonntag.

«Lewis hat sich durch den Titel sehr breitgemacht im Team», sagte Ex-Pilot Gerhard Berger in einem Interview der «Süddeutsche Zeitung». Das sei ein Nachteil für Nico. Berger meinte sogar in Richtung des 29 Jahre alten Deutschen: «Was ihm aktuell fehlt: der totale mentale und emotionale Rückhalt.»

Eine Einschätzung, die die Teamverantwortlichen bei Mercedes nicht teilen dürften. Seit über einem Jahr bekräftigt Motorsportchef Toto Wolff, dass beide Piloten vor allem auch auf der Strecke gleich behandelt werden. «Wir verfolgen weiterhin das Prinzip, Lewis und Nico rennfahren zu lassen», betonte der Österreicher im Fahrerlager von Sakhir abermals.

Allerdings könne es zu Situationen kommen, in denen man sich bewusst sein müsste, dass es einen neuen Konkurrenten gebe. Man habe nicht mehr den Vorsprung wie im vergangenen Jahr.

Mögliche strategische Schachzüge könnten auf dem Bahrain International Circuit an diesem Sonntag (17.00 Uhr Ortszeit) den Ausschlag geben über den Sieg. Anders als vor einem Jahr, als sich Hamilton und Rosberg ein faszinierendes Duell auf dem 5,412 Kilometer langen Kurs liefern konnten, wartet Ferrari mit Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen nur auf Fehler.

Weit über 20 Mal erklang seit dem Silberpfeil-Comeback bereits die deutsche Hymne auf dem Podium. Acht Mal, weil Rosberg gewann. Die restlichen Male als Hymne für das Team nach der britischen für Sieger Hamilton. So wie am vergangenen Sonntag in China, als Hamilton vor Rosberg gewann und sich der gebürtige Wiesbadener über die Fahrweise des mittlerweile 35-maligen Grand-Prix-Gewinners bitter beklagte.

«Für einen Rennfahrer ist es wahnsinnig hart, Zweiter zu werden», bekräftigt Berger in dem SZ-Interview: «Man glaubt in dem Moment, die Welt bricht zusammen. Man muss sich deshalb klarmachen: Das bewerte ich jetzt über.» 

Rosberg aber wurde zwangsläufig immer wieder an den Frust von Shanghai in den Tagen vor dem vierten Saisonrennen erinnert. Der vielsprachige Deutsche musste seinen Emotionsausbruch immer wieder erklären und rechtfertigen.

Hamilton hielt sich damit nicht so lange auf. In seiner Muttersprache Englisch erklärte er kurzerhand, er werde es so machen, wie er es seit seinem achten Lebensjahr mache: Auf der Strecke Taten sprechen lassen. Eine Sprache, die in der Formel 1 am wirkungsvollsten ist - auch in einem deutschen Team mit einem deutschen Fahrer.

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Von Jens Marx, dpa