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Audis Attacke rückt Probleme der DTM ins Licht

Die DTM ist im Aufwind - eigentlich. Das neue Rennformat sorgt für mehr Spannung, einen klar unterlegenen Hersteller gibt es in diesem Jahr nicht mehr. Doch die Attacke von Audi, jüngst selbst am Pranger, zeigt, wie sehr es hinter den Kulissen rumort.

Nürburg (dpa) - Acht Wochen nach dem Funkskandal von Spielberg mit der folgenden Rekordstrafe für Audi hat das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) das nächste Aufregerthema.

Das Sportgericht muss diesmal zwar nicht ermitteln, aber für die ohnehin unklare Zukunft der Serie ist die verbale Attacke von Audis DTM-Chef Dieter Gass auf sein Gegenüber bei Mercedes kein gutes Signal.

Eben so wenig wie die Tatsache, dass Gass auf Nachfrage einen Abschied der VW-Tochter aus der DTM nicht explizit ausschließen wollte: «Ich werde hier nicht sagen, dass Audi aus der DTM aussteigt. Das werden die gegebenen Personen zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden, ob das möglich ist oder nicht.»

Die Enttäuschung über den fast sicheren Titel für Mercedes-Fahrer Pascal Wehrlein dürfte bei Gass' Angriff zwar eine Rolle gespielt haben. Das eigentliche Problem aber ist wohl vielmehr der Frust über das schwierige Miteinander innerhalb der DTM. Dazu kommt der Druck, Audi-intern die Kosten zu erklären und zu begründen, wieso die Bayern die Meisterschaft wohl wieder nicht holen - trotz klarer Überlegenheit zum Saisonstart.

Dass Wehrlein seinen fünften Platz auf dem Nürburgring nicht nur mit herausragenden Manövern, sondern auch mit der - laut Reglement nicht verbotenen - Schützenhilfe anderer Mercedes-Fahrer holte, war für Gass jedenfalls ein klarer Wortbruch.

Laut Gass hatten sich er, Mercedes-DTM-Chef Ulrich Fritz und BMW-Motorsportchef Jens Marquardt mündlich darauf geeinigt, «dass wir keinen verlangsamen, um einem Meisterschaftskandidaten Überholmöglichkeiten zu bieten», denn: «Ich glaube, die DTM steht in der Kritik, weil wir keine gute Show bieten. Weil wir Hersteller-Spielchen spielen, weil wir Strategie-Spielchen spielen. Das wollten wir abstellen.»

Fritz verstand den Angriff nicht. «Ja, wir haben uns auf schönen Motorsport geeinigt. Die Frage ist, wo da die Grenze ist am Schluss. Ich denke, dass wir heute nicht unfair agiert haben. Wir haben im Sinne einer Teamleistung gehandelt», sagte er.

Für die DTM ist Gass' Verweis auf die Schwächen der Serie ein heikles Thema. Jahrelang sind die Zuschauerzahlen gesunken, der TV-Vertrag mit der ARD läuft aus. Dank eines neuen Rennformats mit Wettkämpfen am Samstag und Sonntag wähnte sich die DTM in dieser Saison auf dem richtigen Weg. Die Zahlen sind zwar noch nicht auf dem Niveau von früher, aber die Samstags-Rennen bringen naturgemäß mehr Zuschauer, als es die Qualifikation in der Vergangenheit schaffte. Die vor allem von Audi oft verfluchten Zusatzgewichte ermöglichten zudem wechselnde Sieger und eine offene Meisterschaft bis kurz vor Schluss.

Zudem arbeitet DTM-Boss Hans Werner Aufrecht seit Jahren daran, mit der japanischen Super GT und einer noch nicht existierenden US-Serie ein einheitliches technisches Reglement zu schaffen. Nissan oder Honda sollen so ohne zusätzliche Entwicklungskosten ihre Autos auch in der DTM einsetzen können. Mehr Marken würden die ständige Existenzgefahr reduzieren. Ein Abschied von Audi, BMW oder Mercedes brächte die DTM momentan in größte Schwierigkeiten.

Vor einem Jahr verkündete die DTM, man habe sich mit den Japanern auf eine Motorenspezifikation für 2017 geeinigt. In der Eifel hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme von Mercedes-Mann Fritz dann aber unter Verweis auf den permanenten Dialog mit den anderen Herstellern, dass man für die Attraktivität der Serie auch «getroffene Entscheidungen auf den Prüfstand» stelle. Das betreffe unter anderem «auch den Motor als zentralen Bestandteil» des Reglements.

Für die DTM und insbesondere BMW und Audi wäre das ein Affront - ausgerechnet von dem Hersteller, der in der vergangenen Saison nachentwickeln durfte und nun kurz davor steht, mit Wehrlein den wichtigsten DTM-Titel zu gewinnen. Das letzte Wort ist längst noch nicht gesprochen.

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Von Maximilian Haupt, dpa