Morgan Roadster V6 Nur Du und die Maschine

12.04.2011

Ein Sonntagmorgen im Sommer: nur der Morgan Roadster, leere Landstraßen und ein paar Kilo CO2. Ach ja!

Man kann Autofahren. Oder Auto-Fahren. Und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das eine wird derzeit unter dem Titel: „Ausufernde, klimaschädigende, egoistische, individuelle Mobilität“ von Politikern und Journalisten, Berufenen und Ungefragten, Auskennern und Ahnungslosen so breitgetreten, dass man sich tatsächlich überlegt, in Zukunft lieber die S-Bahn oder das Fahrrad zu nehmen.

Und hey, damit sollte man als pragmatisch denkender Mensch eigentlich kein Problem haben. Aber es geht den ideologisch aufgeladenen Meckerern ja überhaupt nicht um Pragmatismus. Sondern um die Möglichkeit, endlich einer großen Mehrheit vorschreiben zu können, was sie zu tun und zu lassen hat. Wer zu viel CO2 produziert – Autofahrer, Fleischesser, Urlaubsflieger, Konsumenten im weitesten Sinne eben –, der kann nun diskussionsfrei in einer Art medialem Standgericht als Sozial-Rüpel verurteilt und für vogelfrei erklärt werden.

Dass es dabei überhaupt nicht um die Umwelt geht, sondern um das alte Lied vom Klassenkampf, scheint kaum jemandem aufzufallen. Schon mal gemerkt? Ins Fahndungsraster der notorisch unterinformierten grünen Engel fallen prinzipiell die Besserverdiener. Dass ein paar Porsche Cayenne keinen Eisbär von der Scholle schubsen, Hunderttausende von alten Arbeiterklasse-Golf aber schon eher, scheint kaum jemanden zu stören. Denn nach Deutsche-Bank-Boss Ackermann sind nun eben die SUV-Fahrer dran! Klar, ob ein ausschließlich im urbanen Umfeld eingesetzter Zweitonnen-Allradler der Weisheit letzter Schluss ist, muss wohl kaum ernsthaft diskutiert werden.

Als ich mich an diesem Spätsommer-Sonntagmorgen nach schlechten Träumen in den Morgan Roadster setze, um völlig sinnlos einige Kilo CO2 freizusetzen, fühle ich mich aber schon etwas schuldig. Leise zur Haustür hinaus, auf Samtpfoten zur Garage und bloß nicht dem joggenden Nachbarn unter die Augen kommen, sonst wird die Umwelt-Debatte auch noch um ein paar Takte Gesundheits-Geschwafel bereichert.

Der Morgan hat im ideologischen Blei-Gewitter ja Vorteile. Erstens: Er ist kein Motorrad. Damit laufe ich schon mal keine Gefahr, mich auch noch des vorsätzlichen Schädigens der gesamtgesellschaftlichen Gesundheitsallianz verdächtig zu machen – boshaft-vorwurfsvolle Organspender-Sticheleien bleiben also aus.
Zweitens: Der Morgan Roadster ist zwar von 2008, sieht aber aus wie den Dreißiger Jahren entkommen. Und nach wie vor gilt immer noch überall das hartnäckige Gerücht: Früher war alles besser. Das weiß man doch. Da gab’s noch keine globale Erwärmung, also kann sich so ein alter Bock die Hände in Unschuld waschen.

Und Drittens: Wenn nun tatsächlich die esoterisch angehauchte Alt-68erin vom Bio-Bäcker um die Ecke mit scharfem Unterton fragt, weshalb ich nicht mit dem Fahrrad gekommen bin, werde ich gelassen darauf hinweisen, dass es sich beim Morgan um das von kernigen englischen Arbeiterklasse-Helden handgemachte Produkt einer hundertjährigen englischen Familienfirma handelt und ich somit kühn dem beißenden Wind der Globalisierung trotze. Obendrein ist der Rahmen, was sag ich: das halbe Auto, aus nachhaltig-biodynamischem Eschenholz. Hören Sie? Holz! – Das wird die Wogen schon glätten, der Morgan darf neben dem Prius (fürs Fahrrad war es der Bäckerin in dieser Frühe dann doch zu frisch) in der Einfahrt stehen bleiben.

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