Mittleres Management Mittleres Management

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Audi, BMW und Mercedes geben in der automobilen Oberklasse den Ton an. Mit neuen Einstiegsmotorisierungen treten A6 2.0 TFSI und 523i gegen den E 200 Kompressor an. Turbo, Kompressor oder einfach nur Hubraum - Sie haben die Qual der Wahl.

Die automobile Oberklasse verspricht Komfort, reichlich Platz, entspanntes Reisen und zudem Ansehen. Wer einen Audi A6, BMW 5er oder eine Mercedes E-Klasse besitzt, der hat es zu was gebracht - und sei es zum Dienstwagen. Der mittleren Führungsebene mit Anspruch auf einen Firmenfahrzeug eben dieser Kategorie steht allerdings nicht selten nur das Einstiegsmodell zu. Da stellt sich die Frage: Eine große Limousine mit dem kleinsten Motor - passt das überhaupt, oder verliert das Paket dann seinen Reiz? Vielleicht doch lieber eine Nummer kleiner, also Mittelklasse mit stärkerem Motor? Sowohl Audi als auch BMW geben mit ihren neuesten Einstiegsvarianten, dem 170 PS starken 2.0 TFSI und dem 177 PS starken 523i, Entscheidungshilfen. Beide treten gegen den bekannten Mercedes E 200 Kompressor mit 163 PS an.

 

Karosserie

Zwei Dinge stehen in dieser Klasse klar im Vordergrund: Platz und Qualität. Beides bieten die drei Kontrahenten, doch es gibt entscheidende Unterschiede in diesem Kapitel. Der Audi setzt hier ganz klar die Maßstäbe mit viel Raum auf den vorderen Sitzen und spürbar mehr Platz im Fond als bei BMW und Mercedes. Dies zeigt sich vor allem, wenn ein großer Fahrer am Steuer sitzt und hinten immer noch üppiger Knieraum übrig bleibt. Der Mercedes verliert auch durch eine etwas geringere Kopffreiheit. Bemerkenswert ist obendrein die ausgezeichnete Verarbeitungsqualität des Audi. Die von den Innenraumgestaltern ausgewählten Materialien haben Luxusklasse-Niveau. Gelungen ist die Verbindung aus Stil und Funktion vor allem bei der zentralen Bedieneinheit MMI (Multi Media Interface). Die Menü-Steuerung erfolgt intuitiv über einen Metall-Drehregler, der von Direktwahltasten der jeweiligen Funktionen umgeben ist. BMW Fahrer müssen ihr iDrive-System erst genau studieren, um sich mit dem Plastik-Drehknauf zurechtzufinden. Mit der integrierten Regelung für die Luftverteilung ist das System zudem überfrachtet. Einfacher gestaltet sich die konventionelle und solide verarbeitete Schalt(er)zentrale im Mercedes. Doch auch hier gibt es Kritik: Der überladene Hebel für Blinker und Scheibenwischer sowie der Tempomatregler links am Lenkrad verleiten zu Fehlbedienungen. "Sehr gut" lautet das Urteil bei den sehr umfangreichen Sicherheitsausstattungen. Dennoch ist nicht alles gratis: So kosten bei allen drei Testkandidaten die hinteren Seiten-Airbags Aufpreis, und Mercedes lässt sich die Isofix-Kindersitzbefestigung mit 46 Euro bezahlen.

KarosserieMax. PunkteAudi A6 2.0 TFSIBMW 523 iMercedes E 200 Kompressor
Raumangebot vorn100887980
Raumangebot hinten100878579
Übersichtlichkeit70545355
Bedienung/ Funktion100836576
Kofferraumvolumen100646163
Variabilität100131318
Zuladung/ Anhängelast80333038
Sicherheit150108118115
Qualität/ Verarbeitung200175165170
Kapitelbewertung1000705669694

 

Fahrkomfort

Drei Hersteller, zwei Konzepte: BMW vertraut auch beim Einstiegs-Fünfer auf einen Sechszylinder-Reihenmotor, der entgegen der Typenbezeichnung 523i sogar 2,5 Liter Hubraum besitzt. Der mit doppelter Nockenwellenverstellung ausgerüstete, leise und vibrationsarm laufende Motor leistet 177 PS, liefert aber nur 230 Newtonmeter bei hohen 3500 Umdrehungen. Das bedeutet fleißige Schaltarbeit für den Piloten, besonders wenn es auf der Autobahn zügig vorangehen soll. Eine Arbeit, die der BMW-Fahrer dennoch gern erledigt, denn die Gänge sind perfekt auf den Drehmomentverlauf abgestimmt und rasten sauber ein. Deutlich durchzugsstärker zeigt sich der 2,0-Liter-Turbo mit Benzindirekteinspritzung im Audi. Er stammt aus dem Golf GTI, hat hier aber nur 170 statt 200 PS. Äußerst spontan reagiert der etwas zu kernig klingende Vierzylinder aufs Gaspedal und legt bissig an Tempo zu. Die exakte und passend abgestufte Sechsgang-Schaltung muss man längst nicht so häufig bemühen. 280 Newtonmeter stehen schon bei 1800 Umdrehungen bereit, das bedeutet viel Kraft bei niedrigen Drehzahlen. Konzeptbedingt kann dies der zweite aufgeladene Motor des Trios nicht bieten. Sein von der Kurbelwelle angetriebener Kompressor arbeitet drehzahlabhängig und liefert den Ladedruck später als ein Turbo-Motor. Doch zwischen 3000 und 4000 Touren stemmt der nur 1,8 Liter große Mercedes-Vierzylinder zehn Nm mehr (240 Nm) als der große BMW-Sechszylinder. Aber weder der schnarrende Klang noch die hakelige Schaltung werden dem Anspruch an eine Oberklasse-Limousine gerecht. Immerhin: Mit 10,8 Litern/100 km ist er der sparsamste im Test. Der Sieg geht in diesem Kapitel an den BMW.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A6 2.0 TFSIBMW 523 iMercedes E 200 Kompressor
Sitzkomfort vorn150132135130
Sitzkomfort hinten100688072
Ergonomie150120110112
Innengeräusche50475544
Geräuscheindruck100748279
Klimatisierung50373838
Federung leer200156154159
Federung beladen200158153156
Kapitelbewertung1000792807790

 

Motor und Getriebe

Dass er den schnellen Ritt über den Handling-Parcours nicht wirklich mag, merkt man dem Mercedes an. Sehr feinfühlig, aber bestimmt regelt das nicht komplett abschaltbare ESP den E 200 Kompressor ein, der dadurch immer berechenbar reagiert. Wer in schneller Kurvenfahrt einem plötzlich auftauchenden Hindernis ausweichen muss, den stellt der Mercedes vor keine unlösbare Aufgabe: Lastwechselreaktionen sind nicht zu befürchten. Seine Lenkung arbeitet ausreichend präzise, auch wenn sie eine Spur zu indirekt abgestimmt ist und wenig Fahrbahnkontakt vermittelt. Die Bremsanlage erzielt zwar sehr gute Werte, doch die Dosierung fällt dem Fahrer nicht sehr leicht: Der Druckpunkt ist nicht eindeutig genug. Der Audi zeigt sich in allen Disziplinen wesentlich agiler und direkter als der Stuttgarter. Einlenkverhalten, Geradeauslauf und vor allem die standfeste Bremsanlage wecken Vertrauen. Treibt der Fahrer den Audi an den Grenzbereich, steuert das ESP etwas deutlicher als beim Mercedes dagegen. Ist es ausgeschaltet, tendiert der A6 zunächst dazu, überschüssiges Kurventempo abzubauen und schiebt dabei über die Vorderräder. Lastwechsel bringen ihn zum sanften Eindrehen in die Kurve. So soll es sein. Noch exakter und vor allem spurtreu agiert der 523i. Seine direkte, mitteilsame Lenkung macht einfach Spaß und vermittelt Sicherheit. Das gilt auch für die genau zu dosierende Bremse. Dank seiner geringeren Untersteuertendenz erreicht er zudem die beste Zeit auf dem Slalom- und Handlingparcours. Den Kapitelsieg verspielt der 5er durch seinen um einen Meter längeren Kaltbremsweg und den verbesserungswürdigen Geradeauslauf, der unserer Erfahrung nach auf die Run-Flat-Reifen zurückzuführen ist.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A6 2.0 TFSIBMW 523 iMercedes E 200 Kompressor
Beschleunigung150143143142
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15097105100
Getriebeabstufung100919284
Kraftentfaltung50282425
Laufkultur100728472
Verbrauch325130123132
Reichweite25222020
Kapitelbewertung1000583591575

 

Fahrdynamik

Das ist Domäne dieses Fahrzeugsegments - alle drei Kontrahenten sichern sich rund 800 von 1000 zu vergebenden Punkten. Bei einer dermaßen hohen Leistungsdichte machen sich kleine Unterschiede allerdings sofort bemerkbar. Und es betrifft direkt die Philosophie: BMW sichert sich mit seinem seidigen Sechszylinder, der zudem bei hohen Drehzahlen sehr gut gedämmt ist, den entscheidenden Vorteil. Wenn Wind- und Fahrwerksgeräusche in dieser Fahrzeugklasse kaum mehr eine Rolle spielen, dann tritt das Antriebskonzept in den Vordergrund. Der kernigbissige Vierzylinder Turbo des Audi und der schnarrende Kompressor-Vierzylinder des Mercedes stören einfach das Bild. Dass Mercedes besonders beim Federungskomfort eine hohe Kompetenz besitzt, beweist der E 200 Kompressor. Er überfährt ausgebesserte Landstraßen ebenso souverän wie Querfugen und Kanaldeckel. Da können der mit der Luftfederung "Adaptive Air Suspension" ausgerüstete Audi und der unmittelbar auf kleine Unebenheiten reagierende BMW nicht mithalten. Der Münchener rollt neuerdings auf pannensicheren Run-Flat-Reifen mit deutlich steiferen Seitenwänden. In beladenem Zustand ändert sich der Federungskomfort kaum, nur der Audi, rollt jetzt fühlbar ruhiger über Unebenheiten. BMW-Interessenten können sich die perfekt einstellbaren Komfortsitze gönnen (1950 Euro), die das zittrige Abrollverhalten etwas kompensieren. Doch auch die Sitze in Mercedes und Audi bieten hervorragenden Langstreckenkomfort. Drei Gegner sehr eng vereint - knapp setzt sich der BMW durch.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A6 2.0 TFSIBMW 523 iMercedes E 200 Kompressor
Handling150919683
Slalom100475034
Lenkung100828465
Geradeauslauf50463944
Bremsdosierung30171911
Bremsweg kalt150133123136
Bremsweg warm150137136134
Traktion100444847
Fahrsicherheit150124115122
Wendekreis2081013
Kapitelbewertung1000729720689

 

Umwelt und Kosten

Der Preis ist heiß - das gilt gerade dann, wenn es dem mittleren Management um den Einstieg in die Oberklasse geht. Audi setzt sich hier bewusst von seinen Mitbewerbern ab und unterbietet die 35000-Euro-Grenze mit dem 2.0 TFSI sogar deutlich. Endgültig verliert die Konkurrenz den Anschluss, wenn es um die laufenden Kosten geht: Sowohl die Versicherungsbeiträge als auch die Werkstattkosten fallen beim Audi günstiger aus. Dass der A6 zudem am wertstabilsten ist und sich der Kunde auf eine zweijährige Werks-Garantie statt der rechtlich schwächeren Gewährleistung verlassen kann, sichert ihm endgültig einen großen Punktevorsprung. Erstaunlich ist, dass sowohl Mercedes als auch BMW bei dem sensiblen Thema Kosten den Anschluss nicht halten können.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A6 2.0 TFSIBMW 523 iMercedes E 200 Kompressor
Bewerteter Preis675335326324
Wertverlust50555149
Ausstattung25484848
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50241417
Werkstattkosten20434237
Steuer10434044
Versicherung40393736
Kraftstoff55323032
Emissionswerte25788184
Kapitelbewertung1000697669671

 

Fazit

Die Zeit der großen Geschenke ist vorbei, es wird in allen Bereichen knapp kalkuliert, so auch beim Einstieg in die Oberklasse. Audi hat dies verstanden und hält mit dem A6 2.0 TFSI ein überzeugendes Angebot bereit. Wer allerdings optimalen Fahrkomfort sucht, kommt am BMW mit seinem laufruhigen Sechszylinder nicht vorbei - der Motor passt einfach am besten in diese Klasse. Der Mercedes hält zwar den Anschluss an seine Mitbewerber, doch zeigt sich insbesondere in den Bereichen Fahrdynamik und Antrieb Handlungsbedarf. Wollen die Stuttgarter nicht weiter ins Hintertreffen geraten, müssen sie sowohl beim Preis als auch bei der Technik nachbessern.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A6 2.0 TFSIBMW 523 iMercedes E 200 Kompressor
Summe5000350634563419
Platzierung123

Tags:
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