Mittelklasse-Sportler

21.01.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Diese Allrad-Sportler setzen ihre Motoren per Turbo, Biturbo oder Kompressor unter Druck. Audis neuer S4 stellt sich der Konkurrenz von BMW und Mitsubishi

Audi baut die erfolgreiche Modellpalette des A4 weiter aus. Der neue S4 folgt als besonders sportliches Familienmitglied und hat einen Kompressor-V6 mit drei Liter Hubraum und Benzin-Direkteinspritzung statt eines großen V8-Motors wie der Vorgänger. Audi verspricht bessere Fahrleistungen trotz weniger PS (333 statt 344 PS) und einen geringeren Verbrauch. Dazu beitragen soll das Siebengang Doppelkupplungsgetriebe „S-Tronic“. So ausgestattet kostet der Audi 53.400 Euro.

Der BMW 335i xDrive mit Biturbo-Reihensechszylinder und 306 PS muss auf das neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verzichten. Dieses bieten die Bayern vorerst nur für die Coupé- und die Cabriolet-Variante des 335i an. Im Test startet der 3er mit einer Sechsstufenautomatik, sein Grundpreis: 46.610 Euro.

Der Mitsubishi Lancer Evolution ist die zehnte Generation der als Rallye-WM-Basisfahrzeug konzipierten Limousine. Ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbo, 295 PS, Allradantrieb und ein supersportliches Fahrwerk – hier werden vom Fahrer Kompromisse verlangt. Wie auch beim Preis: 47.950 Euro inklusive Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe.

 

Karosserie

Beim Raumangebot in der ersten und zweiten Sitzreihe zählen nicht nur blanke Zahlen. Die Messwerte der Innenbreite sprechen zwar für den BMW, das Raumgefühl im Kopfbereich ist im Audi S4 jedoch luftiger. Die Karosseriesäulen sind beim 335i stärker nach innen geneigt. Der Mitsubishi Lancer bietet zumindest im Fond ein Raumangebot auf BMW-Niveau.

Kofferraumvolumen und Variabilität genießen bei dem Japaner keine Priorität – bei ihm steht die
Fahrdynamik an erster Stelle. Zur besseren Gewichtsverteilung befinden sich Batterie und Wischwasser- Behälter direkt hinter den Fond-Sitzlehnen. Damit ist ein Umklappen der Lehnen unmöglich.
Das Kofferabteil mit zusätzlicher Bassbox ist magere 323 Liter groß.

Der S4 markiert mit einem Ladevolumen von 480 Litern die Spitze im Test und hat serienmäßig asymmetrisch umklappbare Sitzlehnen im Fond. Im BMW kosten diese happige 380 Euro extra inklusive Skisack, das Volumen liegt mit 460 Litern knapp unter dem des Audi. Der vergleichsweise leichte 335i überfl ügelt die Konkurrenz dafür bei der Zuladung: 530 Kilo erlaubt der Testwagen. Der eher vollschlanke S4 muss sich mit 465 Kilo auch dem Lancer Evolution (470 kg) unterordnen.

Bedienkomfort schreiben Audi und BMW trotz zahlreicher Optionen groß. Ob Multi Media Interface (MMI) im Audi oder iDrive im BMW, die wichtigsten Funktionen sind schnell erkannt. Vorteil im S4: Ein Tastendruck
führt direkt zur Audi-Drive-Select- Funktionsebene (Option). Schnell lassen sich hier Lenkung, Gasannahme und Wirkungsgrad des neuen Sportdifferenzials einstellen.

Im Mitsubishi will die Touchscreen-Bedienung des Multi-Communication-Systems (MMCS) gelernt sein und verlangt anfangs viel Aufmerksamkeit. Die großen Tasten zur Einstellung der Differenziale sind dagegen leicht zu finden. Bei der Qualitätsanmutung trennen den Lancer Welten von Audi und BMW. Grobe Fugen, Billig-Plastik, dünne Verkleidungen und lieblos wirkende Fensterheber stören. Der Japaner erreicht hier wie auch bei der Sicherheitsausstattung nicht die hohen Standards der schnellen Bayern.

KarosserieMax. PunkteAudi S4 3.0 TFSI quattroBMW 335i xDriveMitsubishi Lancer Evolution
Raumangebot vorn100797264
Raumangebot hinten100705958
Übersichtlichkeit70414240
Bedienung/ Funktion100858480
Kofferraumvolumen100393620
Variabilität10018100
Zuladung/ Anhängelast80374123
Sicherheit1501009976
Qualität/ Verarbeitung200183181161
Kapitelbewertung1000652624522

 

Fahrkomfort

Den beinahe perfekten Arbeitsplatz im Audi zieren S-Sport- Sitze (710 Euro) mit integrierten, etwas kurz geratenen Kopfstützen. Die weit geschnittenen Lehnen bieten nur durchschnittlichen Seitenhalt. Das krasse Gegenteil sind die Serien-Recaro-Schalen im Mitsubishi: eng geschnitten, feste Seitenpolster mit Schulterstützen, sehr guter Seitenhalt, aber kurze Sitzflächen. BMW offeriert schmale Sportsitze (630 Euro) – analog zum S4 mit ausziehbarer Oberschenkelauflage.

Der Motor des Audi S4 bleibt mit seinem sonoren Klangbild stets unauffällig, nur das laute Abrollen der breiten 18-Zöller auf schlechten Straßen sowie punktuell auftretende Fahrwerksgeräusche auf Kopfsteinpfl aster stören. Der Sechszylinder im BMW ist zwar akustisch präsenter, die Abrollgeräusche sind im schmaler bereiften 335i aber niedriger. Im Lancer tobt vorn ein kräftiger, aber metallisch klingender Aluminium- Vierzylinder. Außerdem verwöhnt der Mitsubishi – wie der Audi – mit einer serienmäßigen Klimaautomatik, die bei BMW im 335i 770 Euro kostet.

Über eine adaptive Dämpferregelung (835 Euro) verfügt nur der S4. Die straffere Grundabstimmung gegenüber den schwächeren A4-Modellen und die geringe Spreizung bei der Dämpferregelung lassen ihn auf den holprigen Teststrecken selbst im Komfort-Modus stuckerig wirken. Dem BMW 335i xDrive fehlt es zwar an Harmonie zwischen der straff abgestimmten Hinterachse und der sensibleren Vorderachse. Trotzdem federt er insgesamt am komfortabelsten. Die hart abgestimmte Kombination aus Eibach-Federn und Bilstein- Dämpfern im Mitsubishi besitzt hohe Federungsreserven, spielt ihre Qualitäten aber erst auf der Handlingstrecke aus.

FahrkomfortMax. PunkteAudi S4 3.0 TFSI quattroBMW 335i xDriveMitsubishi Lancer Evolution
Sitzkomfort vorn15010810391
Sitzkomfort hinten100656354
Ergonomie150126126110
Innengeräusche50393817
Geräuscheindruck100788265
Klimatisierung50413634
Federung leer200131138118
Federung beladen200135141123
Kapitelbewertung1000723727612

 

Motor und Getriebe

Das mechanisch per Riemen angetriebene Roots-Gebläse, eingezwängt in das 90-Grad-V des Audi-Sechszylinders, presst Luft mit bis zu 0,8 bar Ladedruck durch zwei Ladeluftkühler in die Brennräume. Die Common-Rail-Benzin-Direkteinspritzung arbeitet mit bis zu 150 bar Druck und maximal drei Einspritzungen pro Arbeitstakt. Leise und extrem gleichmäßig gibt das Dreiliter-Aggregat seine Kraft ab.

Die gelungene Programmierung des Doppelkupplung- Getriebes macht das manuelle Schalten überflüssig – selbst auf der Rennstrecke. Der 333-PS-Audi beschleunigt seine Gegner aus: In nur 5,1 Sekunden ist er auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit begrenzt die Elektronik, wie auch im 335i, auf Tempo 250. Der ebenfalls drei Liter große BMW-Sechszylinder wird von zwei kleinen Turboladern – einer pro drei Zylinder – unter Druck gesetzt.

Auch hier  arbeitet eine moderne Direkteinspritzung. Das komfortabel schaltende Automatikgetriebe hält die Motor-Drehzahlen niedrig, durch lange Schaltzeiten verliert der 3er aber in den Dynamiktests. 5,5 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h sind trotzdem möglich. Eine bissige Gasannahme zeichnet den Zweiliter-Turbo-Vierzylinder des Lancer aus. Das raue Triebwerk passt damit perfekt zum schnell schaltenden und kurz übersetzten Doppelkupplungsgetriebe.

Mit nur 295 PS, aber 200 Kilo weniger auf den Achsen als der S4 liegt der Lancer bei der Beschleunigung auf Tempo 100 (5,2s) dicht hinter dem Audi. Erst ab 140 km/h geht ihm etwas die Kraft aus. Bei der Verbrauchsmessfahrt schlägt der BMW zurück: 12,7 Liter Super pro 100 km bedeuten einen Vorsprung von 0,8 Litern auf den Audi und zwei Litern auf den Mitsubishi – ein entscheidender Grund für seinen Kapitelsieg.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi S4 3.0 TFSI quattroBMW 335i xDriveMitsubishi Lancer Evolution
Beschleunigung150138135137
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150909084
Getriebeabstufung100908586
Kraftentfaltung50414238
Laufkultur100879065
Verbrauch325125140102
Reichweite25774
Kapitelbewertung1000578589516

 

Fahrdynamik

Wer im Mitsubishi die elektronischen Regelsysteme deaktiviert, um die Grenzbereiche der Haftung zu erkunden, sollte wissen, was er tut. Jede Lenk- und Gaspedalbewegung setzt der Japaner präzise und ohne Verzögerung um, reagiert auf Lastwechsel mit zuckendem Heck, Traktion ist jederzeit im Überfl uss vorhanden.

Die höchste Geschwindigkeit im 18-Meter-Slalom und die schnellste Rundenzeit sind das fahrdynamische Ergebnis. Nur bei den Bremstests unterliegt der Lancer dem Audi. Die supersportliche Evo-Bereifung verlangt nach einer ausreichenden Betriebstemperatur. Mit 35,0 (kalt) und 34,6 Meter (warm) Bremsweg aus 100 km/h düpiert der S4 beide Konkurrenten. Auf der Handlingstrecke wirkt der 1,77 Tonnen schwere Audi handlich – obwohl eine Tonne auf der Vorderachse lastet. Zu schnell angefahrene Kurven quittiert er allerdings mit deutlichem Untersteuern.

Das optionale Sportdifferenzial erlaubt frühes Gasgegeben und versorgt das jeweils kurvenäußere Hinterrad bei Bedarf mit mehr Drehmoment. Der Mitlenkeffekt an der Hinterachse überrascht zunächst, lässt sich aber für höhere Kurvengeschwindigkeiten nutzen. Die Standard-BMW-Lenkung erreicht nicht ganz die Präzision und Leichtgängigkeit des Audi- Dynamic-Pendants. Eine optionale Aktivlenkung ist für den Allradler nicht bestellbar. Die Tendenz des 335i, auf Lastwechsel mit sanft eindrehendem Heck zu reagieren, ist jederzeit händelbar. Zudem trägt die ausgewogene Gewichtsverteilung zur spürbaren Fahrsicherheit und Agilität beim Einlenken bei. Trotzdem muss er sich in diesem Kapitel beiden Kontrahenten geschlagen geben.

FahrdynamikMax. PunkteAudi S4 3.0 TFSI quattroBMW 335i xDriveMitsubishi Lancer Evolution
Handling150106101107
Slalom100715775
Lenkung100857870
Geradeauslauf50424032
Bremsdosierung30202117
Bremsweg kalt1501008184
Bremsweg warm1501049090
Traktion100827495
Fahrsicherheit150138135118
Wendekreis20991
Kapitelbewertung1000757686689

 

Umwelt und Kosten

Rund 7000 Euro günstiger in der Anschaffung als der neue Audi S4 lockt der BMW 335i xDrive die Käufer an. Wer auf das Automatikgetriebe verzichtet, spart noch einmal 2160 Euro. Selbst der Evo von Mitsubishi liegt mit einem Grundpreis von 47.950 Euro noch über dem BMW-Angebot. Dieser Trend zieht sich durch das gesamte Kostenkapitel. Von den Versicherungen wird der Lancer mit rekordverdächtig hohen Einstufungen abgestraft.

Der BMW liegt nur bei der Haftpflicht eine Stufe über dem Audi, Voll- und Teilkaskobeiträge sind für den 3er erheblich günstiger. Der faktisch hohe Wertverlust bringt den Ingolstädter gegenüber den beiden Mitbewerbern ins Hintertreffen. Die niedrigsten, vorerst aber nur geschätzten Werkstattkosten und die umfangreichen Garantieleistungen sorgen aber noch für den zweiten Platz in der Kapitelwertung. Rang eins geht erneut an den BMW, der zudem für seine niedrigen Emissionswerte und die Kraftstoffkosten jeweils die höchste Punktzahl erringt.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi S4 3.0 TFSI quattroBMW 335i xDriveMitsubishi Lancer Evolution
Bewerteter Preis675107124120
Wertverlust50101311
Ausstattung25171721
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282025
Werkstattkosten20151413
Steuer10889
Versicherung4027312
Kraftstoff55222416
Emissionswerte25818380
Kapitelbewertung1000315334297

 

Fazit

Der neue Audi S4 gewinnt diesen ersten Vergleichstest. Zu den bekannten Vorteilen gegenüber dem 3er-BMW im Karosseriebereich kommen hier noch deutliche Vorteile in der Fahrdynamik hinzu. Trotzdem gelingt es dem BMW 335i xDrive, drei von fünf Kapiteln mitknappem Vorsprung zu gewinnen. Er zeigt sich im Vergleich mit dem betont sportlichen Audi ausgewogen, sparsam und ist trotzdem schnell. Der Mitsubishi Lancer Evolution enttäuscht als Drittplatzierter nicht. Er ist da top, wo man es erwartet. Der Evo ist eine der fahrdynamischsten Sportlimousinen überhaupt.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi S4 3.0 TFSI quattroBMW 335i xDriveMitsubishi Lancer Evolution
Summe5000302529602636
Platzierung123

Tags:
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