Mittelklasse-Kombis Gipfel-Treffen

06.11.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit Erscheinen des neuen Audi A4 Avant formiert sich das Trio der deutschen Premium-Kombis neu

Die erste Etappe auf dem Weg an die Spitze der Premium-Mittelklasse hat Audi schon erfolgreich absolviert: Die Ende 2007 vorgestellte neue A4-Limousine siegte bisher in jedem Vergleichstest (AUTO ZEITUNG 23 und 26/2007). Auf den weiteren Plätzen landeten die generell schärfsten Konkurrenten, die Mercedes C-Klasse und der 3er-BMW, mittlerweile das älteste Mitglied des süddeutschen Premium-Terzetts.

Nun holen die Ingolstädter mit dem A4 Avant den nächsten Pfeil aus dem Köcher und nehmen für sich in Anspruch, den besten Kombi seiner Klasse zu bauen. Im Vergleichstest der Automatik-Allradler trifft der A4 als 3.0 TDI auf den BMW 330xd und den C 320 CDI 4Matic von Mercedes. Durch die Bank keine billigen Autos also. Aber – so viel sei vorab verraten – alles Autos, die man so schnell nicht wieder hergeben möchte.

 

Karosserie

Traditionell versucht BMW nicht, mit dem 3er das geräumigste Auto in diesem Segment zu bauen. Das sieht man auch dem Touring an, der sehnig und knackig dasteht – und mit 4,52 Meter Länge auch ausgesprochen kompakt. Der Mercedes ist mit 4,58 Metern ebenfalls kein Riese, während der A4 Avant schon deutlich in die nächsthöhere Spielklasse schielt: 4,70 Meter misst er vom bulligen Bug bis zum gerundeten Heck.

Da der Audi auch über den längsten Radstand verfügt, stehen Innen- und Kofferraum bei ihm in einem besonders ausgewogenen Verhältnis: Trotz des seitlich stark eingezogenen Dachs bietet er im Fond am meisten Platz, und mit 490 Liter Volumen ist der Kofferraum auch am besten fürs Urlaubsgepäck geeignet. Mit 460 (BMW) und 485 Litern (Mercedes) ist allerdings auch die Konkurrenz gut gerüstet für Koffer und Taschen in größerer Zahl.

In den Situationen, für die man einen Kombi gekauft hat, lassen sich die Rücksitzlehnen hier wie da geteilt vorklappen. Ebene Ladeflächen entstehen so aber nur beim BMW und beim Mercedes, da die Lehnen des Audi nicht ganz in die Waagerechte finden. Das kostet den Audi den nahen Sieg im ersten Kapitel, obwohl er, was die Güte der Verarbeitung, das Platzangebot vorn und die Rundumsicht angeht, seinen Konkurrenten voraus ist.

Bei der Sicherheitsausstattung nutzt der A4 die Gnade der späten Geburt: Mit Spurhalteassistent und Toter-Winkel-Warnung sind für ihn Systeme lieferbar, die weder BMW noch Mercedes im Angebot haben. Trotzdem gewinnt die C-Klasse die Sicherheitswertung und damit das erste Kapitel, denn nur sie kann zum verhältnismäßig geringen Aufpreis von 393 Euro mit Presafe ausgestattet werden, das vor einer Kollision zum Beispiel die Gurte strafft und die Seitenfenster schließt.

KarosserieMax. PunkteAudi A4 Avant 3.0 TDI quattroBMW 330 xd TouringMercedes C 320 CDI 4Matic T
Raumangebot vorn100797274
Raumangebot hinten100706567
Übersichtlichkeit70504648
Bedienung/ Funktion100858085
Kofferraumvolumen100484448
Variabilität100284340
Zuladung/ Anhängelast80363738
Sicherheit15010496108
Qualität/ Verarbeitung200189187184
Kapitelbewertung1000689670692

 

Fahrkomfort

Wie die Limousine, so setzt auch das T-Modell der C-Klasse auf Komfort. Der Motor flüstert im Stand am leisesten, Windgeräusche sind auch bei schneller Fahrt am wirkungsvollsten gedämmt. Und wenn, wie im Testwagen, die vielfach einstellbaren Multikontursitze an Bord sind, können Fahrer und Beifahrer allenfalls über zu wenig Seitenhalt im Schulterbereich klagen.
Auch beim Thema Federung herrscht eitel Sonnenschein im Mercedes: Er liefert, beladen noch besser als leer, eine sehr souveräne Leistung. Der A4 Avant, ausgestattet mit optionalem adaptiven Fahrwerk (siehe Fahrdynamik-Kapitel), kann diese Vorstellung jedoch toppen: Im Komfort-Modus gleitet der unbeladene Audi A4 Avant tatsächlich noch geschmeidiger dahin als die Mercedes C-Klasse.

Der BMW fällt da klar ab, denn die Abstimmung seiner Feder-Dämpfer-Elemente geriet im Vergleich zu seinen Testrivalen eindeutig zu straff. Schlechte Straßen fordern von seinen Insassen Nehmerqualitäten. Bodenwellen werden zwar sehr manierlich absorbiert, doch kleinere Querfugen und gröbere Schlaglöcher quittiert der Allrad-3er mit heftigen Vertikalbewegungen – und teilweise auch mit einem lauten Poltern.

Wie der Mercedes, so waren auch der 3er- und der A4-Testwagen mit aufpreispflichtigen Vordersitzen ausgestattet. Die Sportsitze des BMW sind zwar für korpulente Staturen eindeutig zu schmal geschnitten, sie erfreuen aber mit hervorragendem Seitenhalt und einer zwar straffen, aber komfortablen Polsterung. Die Klimakomfortsitze des A4 wiederum lassen es an Seitenhalt fehlen, sind dafür allerdings nicht nur beheiz-, sondern auch belüftbar. Eine Wohltat bei Hitze, wo Audi und Mercedes mit serienmäßiger Klimaautomatik den Komfort erhöhen, während BMW serienmäßig nur eine Klimaanlage liefert.

Da A4 und C-Klasse unterm Strich auch die besseren Bedienkonzepte liefern und sich keine Patzer wie ungünstig platzierte Fensterhebertasten erlauben, setzen sie sich weiter vom BMW ab. Die meisten Sympathien büßt der allerdings durch seinen etwas ungehobelten Abrollkomfort ein.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A4 Avant 3.0 TDI quattroBMW 330 xd TouringMercedes C 320 CDI 4Matic T
Sitzkomfort vorn150100103104
Sitzkomfort hinten100747270
Ergonomie150126122123
Innengeräusche50403842
Geräuscheindruck100848082
Klimatisierung50423541
Federung leer200142125137
Federung beladen200138120140
Kapitelbewertung1000746695739

 

Motor und Getriebe

Die Dreiliter-Sechszylinder-Turbodiesel der Testkandidaten sorgen mit Kraft zwischen 224 PS (Mercedes) und 240 PS (Audi) für mehr als ordentliches Fortkommen. Bei den daraus resultierenden Fahrleistungen deklassiert der Audi seine Konkurrenten deutlich. Die 100-km/h-Marke fällt bei ihm bereits nach 6,0 Sekunden (Mercedes: 7,2, BMW: 7,1 Sekunden). Bis 160 km/h nimmt der A4 der C-Klasse und dem 231 PS starken Dreier gut drei Sekunden ab. Entsprechend wirkt der Audi auch noch ein Stück drehfreudiger als der BMW. Der Mercedes dagegen erscheint bei höheren Drehzahlen etwas zugeschnürt.
Während Audi und Mercedes auf V-Motoren setzen, vertraut BMW auf den Reihensechser. Das 330xd-Triebwerk legt unter Last ein etwas härteres Verbrennungsgeräusch an den Tag, während der Mercedes-Motor beim Ausdrehen der Fahrstufen oberhalb der 4000/min-Marke ziemlich knurrig ist. Das antrittsstarke Audi-Aggregat ist am laufruhigsten.

Auch die Sechsstufen-Tiptronic des Ingolstädters hinterlässt einen guten Eindruck. Sie reagiert spontan auf Änderungen der Gaspedalstellung, ohne nervös zu wirken. Fahrstufenwechsel erledigt sie schnell und ruckfrei. Die Siebenstufen-Automatik des Mercedes dagegen reagiert hin und wieder zu träge. Ein Schönheitsfehler der BMW-Automatik sind gelegentliche Schaltrucke im Schiebebetrieb, zum Beispiel beim Ausrollen vor einer roten Ampel.

Dafür hält sich der Münchner beim Kraftstoffkonsum lobenswert zurück: Ein Testverbrauch von 8,3 Liter Diesel auf 100 Kilometern kann in Anbetracht der Fahrleistungen als sparsam gelten. Der Audi benötigt 9,3 Liter, der Mercedes 9,4 Liter.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A4 Avant 3.0 TDI quattroBMW 330 xd TouringMercedes C 320 CDI 4Matic T
Beschleunigung150175164163
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120106114
Getriebeabstufung100908585
Kraftentfaltung50413939
Laufkultur100807876
Verbrauch325171184170
Reichweite25121313
Kapitelbewertung1000689669660

 

Fahrdynamik

Bei Drehmomenten von 500 Nm sind der Traktion von zweiradgetriebenen Automobilen Grenzen gesetzt. Da erscheint der Allradantrieb, wie ihn die Testkandidaten besitzen, sinnvoll. So bringen sie denn auch ihre Kraft nahezu schlupffrei auf den Boden.
Dennoch haben sie ganz unterschiedliche Charaktere. Dass der Mercedes eine besonders komfortbetonte Auslegung besitzt, kann er auf der kurvenreichen Teststrecke nicht verhehlen. Zwar reagiert er im Grenzbereich sehr gutmütig, neigt sich aber in Kurven relativ stark und fordert bei Richtungsänderungen größere Einschlagwinkel am Lenkrad als die Konkurrenz.

Der Audi tritt mit dem aufpreis-pflichtigen drive select-System (ab 1135 Euro) und der neuen Dynamiklenkung (ab 1000 Euro) an. Hierbei lassen sich die Dämpferkraft, die Servounterstützung der Lenkung, das Ansprechverhalten des Motors und die Schaltpunkte der Automatik per Tastendruck variieren. Dafür stehen jeweils drei Modi zur Verfügung: comfort für ruhiges, weich gefedertes Dahingleiten, auto für normale Fahrt oder dynamisch mit einer straffen Abstimmung. Darüber hinaus ist auch eine individuelle Einstellung konfigurierbar.

Die Dynamiklenkung verändert je nach Fahrsituation mit Hilfe eines Überlagerungsgetriebes die Lenkübersetzung. So arbeitet sie auf kurvigem Terrain oder beim Einparken direkter, während sie bei hohen Geschwindigkeiten etwas indirekter wird. In der Praxis funktioniert das System gut, dennoch vermittelt es nicht den Fahrbahnkontakt der BMW-Standardlenkung. Auch fühlt sich der neue Audi A4 Avant bei den Handling-Tests etwas weniger agil an als der BMW. Dies liegt zum einen an den stärkeren Wankbewegungen selbst im Dynamik-Modus, zum anderen an den 73 Kilogramm Mehrgewicht des Audi und seiner ungünstigeren Achslastverteilung.

Alle drei legen im Grenzbereich ein weitgehend neutrales Eigenlenkverhalten an den Tag. Mit deaktiviertem ESP drehen Audi und BMW beim Gaslupfen handlingfördernd leicht mit dem Heck in die Kurve ein. Beim Mercedes kann die Fahrdynamikhilfe nicht vollständig deaktiviert werden. Unter dem Strich bleibt es dabei: Für die flinke Kurvenhatz eignet sich keiner besser als der BMW. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch, denn die Lenkung des Allrad-3er neigt beim Slalom zum Verhärten. Beim Thema Verzögerung kann der Audi punkten: Er heimst mit Bremswegen um die 35 Meter die meisten Zähler ein.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A4 Avant 3.0 TDI quattroBMW 330 xd TouringMercedes C 320 CDI 4Matic T
Handling150788069
Slalom100546043
Lenkung100737367
Geradeauslauf50443842
Bremsdosierung30172015
Bremsweg kalt150968783
Bremsweg warm150959778
Traktion100707070
Fahrsicherheit150138135135
Wendekreis209914
Kapitelbewertung1000674669616

 

Umwelt und Kosten

Premium-Diesel-Kombis sind kein billiges Vergnügen. In diesem Trio ist der Audi beim Kauf der günstigste. Ausstattungsbereinigt kostet der Mercedes fast 3600 Euro mehr, der BMW immer noch 1360 Euro. Jedoch sind alle drei bis auf den Metalliclack komplett ausgestattet. Bei den Unterhaltskosten ist der größte Posten die Wertminderung. Hier liegen aber alle recht nah zusammen.
Binnen vier Jahren und 80.000 Kilometern verfällt der Gegenwert eines gut ausgestatteten Kompaktwagens (24.000 bis 25.000 Euro). Die Aufwendungen für Wartung und den Ersatz von Verschleißteilen (ohne Reifen) liegen beim Mercedes laut Prognose des ADAC mit knapp 800 Euro im Jahr am höchsten. BMW-Fahrer lassen pro Jahr rund 300 Euro weniger in der Werkstatt und zahlen am wenigsten für die Versicherung. Dank des besseren Garantiepakets gewinnt hier jedoch der Audi.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A4 Avant 3.0 TDI quattroBMW 330 xd TouringMercedes C 320 CDI 4Matic T
Bewerteter Preis675129126120
Wertverlust50141414
Ausstattung25171716
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282027
Werkstattkosten20141512
Steuer10555
Versicherung40283125
Kraftstoff55384138
Emissionswerte25808083
Kapitelbewertung1000353349340

 

Fazit

Mit dem neuen A4 Avant schaffen die Ingolstädter eine Punktlandung. Er ist ausgesprochen komfortabel, kräftig, sehr gut verarbeitet und obendrein in der Anschaffung auch noch deutlich günstiger als seine Konkurrenten. So geht der verdiente Sieg an den Audi.

Aber auch der zweite Platz landet in Bayern. Gesegnet mit perfektem Handling, kann der 330xd Touring die Dynamiker unter den Kombi-Fans begeistern. Hinzu kommt, dass er den sparsamsten Motor unter der Haube hat, was heute – und morgen wohl noch mehr – ein besonders gewichtiges Argument sein dürfte. Jedoch müssen die 3er-Fans zu Abstrichen beim Platzangebot und beim Komfort bereit sein.

Auf dem dritten Platz landet das Mercedes C-Klasse T-Modell. Es ist sehr komfortabel, fällt aber bei den Fahrleistungen deutlich ab. Außerdem sind Anschaffung und Unterhalt nach wie vor sehr teuer.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A4 Avant 3.0 TDI quattroBMW 330 xd TouringMercedes C 320 CDI 4Matic T
Summe5000315130523047
Platzierung123

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