Mini-Vans im Vergleich: Ford B-MAX gegen Skoda, Opel, Kia und Toyota

10.01.2017
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Hoch und ziemlich kurz sind die Mini-Vans dieses Vergleichs - keine guten Voraussetzungen für Schönheitspreise. Doch die inneren Werte sind beachtlich. Ganz neu dabei: der Ford B-MAX

 

Sportwagenpiloten oder Fahrer großer Limousinen nehmen die fünf Vans, die wir hier zum Vergleich versammelt haben, meist gar nicht oder nur als Verkehrshindernis auf der linken Spur wahr. Dabei sind sie vielleicht die echteren Autos - näher dran eben am ursprünglichen Gedanken vom Fahrzeug, das dem Menschen nützlich ist.

Rund vier Meter lang sind sie und damit kompakt genug für die Stadt. Was sie auf dieser Länge an Raum für Mensch und Gepäck  bieten, ist wahrlich nicht zu verachten. Da kann die junge Familie nicht meckern - und das ältere Paar mit den nicht mehr ganz so elastischen Beinen auch nicht.

Ford fehlte bisher in dieser Klasse der kleinen Platz-Meister, in die der Opel Meriva die gegenläufig öffnenden Schmetterlingstüren einführte. Nun sind die Kölner auch am Start. B-MAX heißt ihr stylisches Angebot - und es lockt mit hinteren Schiebetüren. Wieder ein Novum in dieser Klasse. Das Test-Quintett komplettieren der Skoda Roomster, dessen Modellbezeichnung schon nach Geräumigkeit klingt, der Kia Venga und der Toyota Verso-S.

Wenn schon vernünftig, dann konsequent, lautet die Maxime dieses Vergleichstests. Daher sind die Vans mit genügsamen  Dieselmotoren bestückt, die mit Normverbräuchen von deutlich unter fünf Litern locken. Nach ganz großem Fahrspaß klingt das nicht, doch wir lassen uns gern überraschen.

 

Karosserie

 

Obwohl die fünf Vans dem Nutzwertgedanken verpflichtet sind, kommen sie nicht ohne Charme daher. Der Skoda Roomster ist am wenigsten kastig geraten und täuscht so über seine wahre Größe hinweg. Im großzügig verglasten Innenraum ist nämlich Platz für bis zu 1810 Liter Gepäck. Man muss nur die drei hinteren Sitze ausbauen. Mit diesem Wert schlägt er die Konkurrenz um Längen, auch bei normaler Bestuhlung schluckt er die meisten Koffer. Der neue Ford schwächelt hier, er liegt nur vier Liter über dem Kia Venga (314 Liter). Die Konkurrenz fasst mindestens 400 Liter, und Opel-Fahrer können dieses Angebot auch unbesorgt nutzen: 524 Kilogramm dürfen zugeladen werden - rund 100 kg mehr als beim Wettbewerb. Wichtig für Campingfreunde und Streuobstwiesen-Besitzer: Mit 800 respektive nur 575 Kilogramm haben der Verso-S und der B-MAX die geringste Anhängelast.

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Dafür gefallen alle fünf mit viel Platz. Vorn wirkt der Ford, auch wegen seiner flachen Cockpitarchitektur, am großzügigsten, der Skoda wiederum gerät mit wenig Innenbreite und einem eingeschränkten Sitzeinstellbereich ein wenig in Rückstand. Dafür trumpfen er und der Opel in der zweiten Reihe auf. Beim Meriva lassen sich die äußeren Sitze schräg nach hinten schieben, um besonders viel Beinraum zu schaffen. Beim in dieser Beziehung ebenfalls guten Roomster kann man die äußeren Sitze bei Verzicht auf das schmalere  Mittelpolster weiter innen montieren, was die Ellbogenfreiheit spürbar verbessert. Zwei Fond-Passagiere reisen jedoch, objektiv gesehen, auch in den Konkurrenten ohne Raumnot mit, wobei der Toyota und der Ford hinten am ehesten mit Knieraum geizen. Lang geratene Mitfahrer wünschen sich im B-MAX wie auch im Venga ein wenig mehr Kopffreiheit.

Während der neue Ford in Sachen Variabilität - abgesehen von der klappbaren Beifahrersitzlehne - nur Durchschnittliches bietet, nutzt er die Gunst der späten Geburt bei der Sicherheitsausstattung: Als einziges Auto dieses Vergleichs lässt er sich mit einem City- Notbremsassistenten ausrüsten.

 

KarosserieMax. PunkteSkoda Roomster 1.6 TDIOpel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEXFord B-MAX 1.6 TDCiKia Venga 1.4 CRDiToyota Verso-S 1.4 D-4D
Raumangebot vorn1006065666364
Raumangebot hinten1006162606057
Übersichtlichkeit704238403939
Bedienung/ Funktion1008277747976
Kofferraumvolumen1005239272841
Variabilität1004741363232
Zuladung/ Anhängelast802733212924
Sicherheit1504854574243
Qualität/ Verarbeitung200138134136132130
Kapitelbewertung1000557543517504506
 

Fahrkomfort

 

Der sollte natürlich möglichst selten in Aktion treten müssen. Die Schiebetüren des Ford B-MAX nutzt man jedenfalls öfter - und man nutzt sie gern. Sie fordern beim Schließen zwar ein wenig Kraft, erweisen sich in engen Parklücken jedoch als praktisch, weil sie den eigenen und den fremden Lack schonen. Da auch keine B-Säule im Weg ist, lässt sich der Fond des B-MAX sehr kommod entern. Die extrem weit öffnenden Schmetterlingsportale des Meriva und die konventionellen Türen der übrigen Konkurrenz offerieren da eindeutig weniger.

Weniger bieten die Minivans von Kia, Opel, Skoda und Toyota auch beim Geräuschkomfort: Venga und Verso-S fallen auf der Autobahn mit starken Windgeräuschen auf und poltern auf schlechten Straßen gern auch mal aus dem Fahrwerksbereich. Der Skoda und noch viel mehr der Opel schicken wiederum erstaunlich laute Motorgeräusche in den Innenraum. Vor allem der 1,7-Liter des Meriva nagelt nach dem Kaltstart hart und hält diese Tonlage auch beim Beschleunigen bei. Immerhin verliert der Sound des Motors bei konstantem Tempo und weniger Last an Härte. Ganz anders der Ford, dessen Diesel von Beginn an geschmeidig läuft und auch bei hohen Drehzahlen keinen nennenswerten Radau macht. Wind- und Abrollgeräusche sind ebenfalls besser gedämmt, sodass lange Autobahnetappen mit hohem Tempo unangestrengt möglich sind.

Den guten Eindruck vom komfortablen Kleinen komplettieren die Sitze des Ford B-MAX, in deren angenehm hoch reichender Lehne die Sicherheitsgurte wegen der fehlenden B-Säule integriert sind. Noch besser sitzt es sich nur im Meriva mit dem aufpreispflichtigen, vielfach einstellbaren AGR-Sitz und im Skoda. Dessen Sitze geben viel Seitenhalt, sind angenehm straff gepolstert und gingen anderswo als Sportsitze durch. Die asiatischen Mitbewerber verfügen zwar auch über große Sitze, geizen aber mit Seitenhalt, was auf Dauer ermüdend wirken kann.

Bei der Fahrwerksabstimmung haben die Ingenieure von Ford, Opel und Skoda den besten Job gemacht. Der B-MAX geht zwar hin und wieder spürbar straffer über Unebenheiten hinweg als Meriva und Roomster. Er filtert Fugen und Wellen aber besser aus als Venga und Verso-S, die ohne Zuladung unwilliger ansprechen und beladen stößig werden.

Cooles Klima dagegen beim Kia: Als einziges Auto gibt es ihn serienmäßig mit einer Klimaautomatik. Der Skoda Roomster 1.6 TDI hat immerhin eine Klimaanlage, während sich die Konkurrenz die Kühlaggregate gesondert bezahlen lässt. Wer sich mit seinem Beifahrer nie auf eine Temperatur einigen kann, muss allerdings den Opel ordern: Nur den Meriva gibt es mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik.

 

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Roomster 1.6 TDIOpel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEXFord B-MAX 1.6 TDCiKia Venga 1.4 CRDiToyota Verso-S 1.4 D-4D
Sitzkomfort vorn150120122118116117
Sitzkomfort hinten1005858545652
Ergonomie150115115118115115
Innengeräusche502926312729
Geräuscheindruck1006256645860
Klimatisierung503225223621
Federung leer200120118116110112
Federung beladen200115116115105108
Kapitelbewertung1000651636638623614
 

Motor und Getriebe

 

Sparsame Dieselmotoren sind bei den kleinen Vans nicht die häufigste Wahl, doch wer nicht nur zwischen Kita, F-Jugend-Fußballtraining und Rewe-Parkplatz unterwegs ist, trifft mit den Selbstzündern keine schlechte Wahl.

Der B-MAX bietet dann zwei Möglichkeiten: den 1.5 TDCi mit 75 PS und den 95 PS starken 1.6 TDCi, beide kombiniert mit Fünfgang Schaltgetriebe. Volles Programm dagegen beim Meriva: Der Opel-Van ist mit drei Dieseln zwischen 95 und 130 PS verfügbar, der mittlere Motor mit 110 PS kann sogar mit Sechsstufen-Automatik geordert werden. Ähnlich groß ist die Auswahl beim Roomster, der sich aus dem gut sortierten VW-Baukasten bedient. Selbstzünder mit 75, 90 und 105 PS stehen zur Auswahl, allerdings nur mit Fünfgang-Schaltgetriebe.

Bei den fernöstlichen Konkurrenten sind jeweils kleinere Motorenpaletten im Angebot: Beim Venga gibt es Dieseltriebwerke mit 90 und 128 PS, der Toyota ist nur mit dem 90 PS starken 1,4-Liter lieferbar, dafür optional mit Sechsgang-Schaltung oder dem automatisierten Multimode-Getriebe.

Zum Testzeitpunkt standen der Opel Meriva und der Skoda Roomster nur in den Leistungsstufen mit 110 und 105 PS zur Verfügung, weshalb sie mit einem kleinen Leistungsvorsprung antreten. Bei den Verbrauchswerten auf der AUTO ZEITUNG-Vergleichsrunde gerät ihnen das jedenfalls nicht zum Nachteil: Mit 5,4 (Opel) und 5,5 (Skoda) Liter Diesel liegen sie genau in der Mitte des Testfelds. Mustergültig sparsam zeigen sich mit 5,1 Litern die beiden asiatischen Selbstzünder. Der B-MAX-Antrieb enttäuscht dagegen etwas mit 5,8 Litern – und das, obwohl er auf dem Papier den geringsten Normverbrauch vorzuweisen hat (4,0 Liter Diesel/100 km).

Besser in Form gibt sich der Ford-Motor dagegen bei der Laufkultur: Hier zeigt er, wie sanft und leise ein Direkteinspritzer-Diesel in  einem Kleinwagen arbeiten kann. Zudem hängt der Kölner sauber am Gas, verfügt über ein gut gestuftes, gut schaltbares Getriebe und setzt sich bei den Fahrleistungsmessungen ordentlich in Szene. Trotzdem reicht es nur zum vierten Platz in der Antriebswertung vor dem Kia, der außer seiner Sparsamkeit wenig Herausragendes zu bieten hat.

Der Toyota profitiert von seinem niedrigen Gewicht und der kurzen Übersetzung, er hängt bei der Elastizität den stärkeren Opel ab. Die beiden vorderen Plätze in diesem Kapitel gehen dennoch an die zwei stärksten Triebwerke im Feld. Top-Fahrleistungen, angemessener Verbrauch und ordentliche Laufkultur bringen den Roomster ganz nach vorn.

 

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Roomster 1.6 TDIOpel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEXFord B-MAX 1.6 TDCiKia Venga 1.4 CRDiToyota Verso-S 1.4 D-4D
Beschleunigung1509595747884
Elastizität1007565705670
Höchstgeschwindigkeit1503940342834
Getriebeabstufung1007777777475
Kraftentfaltung502927252525
Laufkultur1005252554845
Verbrauch325277279272285285
Reichweite252020151916
Kapitelbewertung1000664655622613634
 

Fahrdynamik

 

Automobile dieser Kategorie werden eher selten auf letzter Rille zwischen Schwedenkreuz und Adenauer Forst bewegt, doch sicheres Fahrverhalten, gute Bremsen und leichtes Handling sind bei Familienautos natürlich ebenfalls vorteilhaft. Erfreulich hoch ist das Niveau der Bremsanlagen - mit einem Kaltbremswert von 38,4 Metern ist der Kia der Schlechteste in dieser Disziplin. Am besten bremsen der Tscheche und der Kölner. Und das, obwohl der Ford als einziger mit Trommelbremsen hinten auskommen muss. In diesem Fall ist das jedoch nur ein ästhetischer Nachteil, denn die kleinen, schwarzen Trommeln sind durch die optionalen Leichtmetallräder sehr gut zu sehen.

Die besten Handlingzeiten brennt dagegen der Opel Meriva auf den Asphalt. Der Roomster wird von seinem nicht deaktivierbaren ESP sehr feinfühlig, aber auch sehr wirkungsvoll eingebremst. Einen Hauch schneller zeigt sich der zackig abbiegende Venga. Der B-MAX landet knapp dahinter und deutlich vor dem Verso-S, der am heftigsten untersteuert, sich eher unwillig mit großen Lenkwinkeln um Kurven zwingen lässt und daher bei der Bewertung der Fahrsicherheit die wenigsten Zähler gutgeschrieben bekommt. Der Kapitelsieg geht wiederum an den ausgewogenen Skoda, der deutlich vor Opel und Ford liegt.

 

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Roomster 1.6 TDIOpel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEXFord B-MAX 1.6 TDCiKia Venga 1.4 CRDiToyota Verso-S 1.4 D-4D
Handling1504853474943
Slalom1005864405238
Lenkung1008078787572
Geradeauslauf503535353331
Bremsdosierung302020201818
Bremsweg kalt1503879866776
Bremsweg warm15010489998175
Traktion1004038403838
Fahrsicherheit150118118120118115
Wendekreis201210101210
Kapitelbewertung1000553584575543516
 

Umwelt und Kosten

 

Käufer eines Kompakt-Vans sind ein preissensibles Publikum, da kommt ihnen Toyota am weitesten entgegen: Den Diesel-Verso-S gibt es bereits ab 17.300 Euro, auch weil er bereits in magerer Basisausstattung verfügbar ist. Etwas teurer ist der Kia, er steht ab 17.680 Euro im Laden. Nachteil der beiden: Sonderausstattungen gibt es entweder nur in teuren Paketen oder nicht für die billigen Basisversionen. Bei den drei europäischen Vans ist es schon einfacher, ein passendes Fahrzeug mit den gewünschten Extras zu konfigurieren. Einige Ungereimtheiten gibt es in den Listen dennoch. Weshalb zum Beispiel für den B-MAX nur ein Aufsteck-Navi verfügbar ist und eine Einbaulösung fehlt, muss man nicht verstehen. Im Fall des Opel wiederum ist nicht unbedingt einleuchtend, warum so simple Features wie Licht- und Regensensor erst ab der teuren Edition-Version zu haben sind.

Die meisten Punkte sammeln in diesem Kapitel die beiden Asiaten, vor allem wegen ihrer niedrigen Grundpreise. Den Koreaner bringen seine einzigartigen Garantieleistungen nach vorn, der Japaner kann als einziger mit einer modernen Multimedia-Ausstattung aufwarten. Mit deutlichem Abstand folgt der Mini-Van aus Tschechien. Er sammelt mit seinen niedrigen Fixkosten mehr Punkte als der Kölner und der Rüsselsheimer, die in diesem Kapitel keine echten Glanzlichter setzen.

 

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Roomster 1.6 TDIOpel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEXFord B-MAX 1.6 TDCiKia Venga 1.4 CRDiToyota Verso-S 1.4 D-4D
Bewerteter Preis675279255264274304
Wertverlust502726282930
Ausstattung251717182317
Multimedia50     
Garantie/Gewährleistung502818274525
Werkstattkosten201513131315
Steuer1088889
Versicherung403735353633
Kraftstoff554545444646
Emissionswerte252321222122
Kapitelbewertung1000479438459495501
 

Fazit

 

Mit dem B-MAX ist ein attraktiver, neuer Kompakt-Van auf dem Markt. Im ersten Vergleichstest muss sich der Ford jedoch dem nicht eben taufrischen Skoda Roomster geschlagen geben. Zu groß ist dessen Vorteil beim Platzangebot, woran vor allem der riesige und durch herausnehmbare Sitze hochvariable Laderaum Anteil hat. Hinzu kommen die guten Motor- und Fahreigenschaften des Tschechen.

Auch der Opel Meriva platziert sich vor dem Ford, der mit seinem eher müden, dazu nicht sonderlich sparsamen Motor Punkte verliert. Bestechend ist allerdings das praktische Türkonzept des Kölners und sein angenehmes Geräuschniveau auch bei hohem Tempo.

Die Stärken von Kia Venga und Toyota Verso liegen in sparsamen Motoren und günstigen Einstandspreisen. Trotzdem ist der Rückstand auf den Testsieger Skoda groß. Der Kia profiliert sich mit konkurrenzlosen Garantieleistungen - wichtig, wenn das Budget knapp  bemessen ist. Daher schiebt er sich vor den Toyota auf den vierten Platz.

Gesamtbewertung

 

 Max. PunkteSkoda Roomster 1.6 TDIOpel Meriva 1.7 CDTI ecoFLEXFord B-MAX 1.6 TDCiKia Venga 1.4 CRDiToyota Verso-S 1.4 D-4D
Summe500029042856281127782771
Platzierung 12345

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