Mini Countryman und Nissan Juke im Vergleichstest Mini Cooper D Countryman - Nissan Juke

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Über Design kann man streiten, doch Mini Countryman und Nissan Juke sind einfach coole Hingucker. Im Test mit kleinen Dieselmotoren

Obwohl Mini Cooper D Countryman (112 PS) und Nissan Juke 1.5 dCi (110 PS) zum unteren Drittel der automobilen Nahrungskette gehören, machen ihnen auf der Autobahn viele Fahrer potenter Limousinen Platz. Und auch auf der Partymeile der Innenstadt ernten sie von Passanten wohlwollende Blicke. Bei dem Briten liegt das wohl an der für einen Mini ungewöhnlich großen Statur und der wie aus einem Guss wirkenden Karosserie. Der Japaner hingegen weckt mit dominanten Bullaugenschweinwerfern und schlitzförmigen Tagfahrlichtern zwischen Kotflügeln und Motorhaube Erinnerungen an das Filmmonster Godzilla. Doch was steckt unter dem auffälligen Blech der zwei SUV?

 

Karosserie

Dass ein Mini klein ist, war gestern. Der Countryman ist zu einem vollwertigen Kompaktauto herangereift, das nicht nur vorn, sondern jetzt auch hinten – und das ist neu bei Mini – genug Platz nach allen Seiten bietet. Sogar der Kofferraum (350 bis 1170 Liter Ladevolumen) taugt für einen Wochenendtrip zu viert.

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Vorn ist der Nissan ähnlich groß wie sein Konkurrent, doch im Fond sieht die Welt schon ganz anders aus. Nicht nur beim Einstieg durch die schmalen Türausschnitte muss man den Kopf einziehen, auch auf der Rückbank haben Personen über 1,80 Meter Größe oft Kontakt mit dem Dachhimmel. Weil die Kofferraumklappe zum Dach hin schräg nach vorn verläuft, passen ins Gepäckabteil (251 bis 830 Liter) des Nissan gerade einmal zwei große Sporttaschen und etwas Kleinkram. Das reicht allenfalls für den Wochenendeinkauf – ohne Wasserkästen.

Weitere entscheidende Punkte für seinen Sieg in diesem Kapitel sammelt der Countryman mit guter Übersichtlichkeit nach allen Seiten. Auch bei der Variabilität liegt der Brite mit seiner dreigeteilten Rückbank vorn. Und mit der guten Sicherheitsausstattung – zum Beispiel Kopfairbags hinten und Reifenpannenanzeige serienmäßig, Notlaufreifen und automatisch abblendende Spiegel gegen Aufpreis – vergrößert er seinen Punktevorsprung weiter. Verarbeitungs- und Materialqualität des Mini könnten angesichts des hohen Grundpreises aber besser sein: Zum Teil nicht entgratete Kunststoffe und billig wirkendes Hartplastik im Cockpit trüben das Gesamtbild. Hier muss sich der Juke auf keinen Fall verstecken.

KarosserieMax. PunkteMini Cooper D CountrymanNissan Juke 4x2 1.5 dCi
Raumangebot vorn1006058
Raumangebot hinten1004840
Übersichtlichkeit704532
Bedienung/ Funktion1007580
Kofferraumvolumen1002913
Variabilität1005040
Zuladung/ Anhängelast801928
Sicherheit1508864
Qualität/ Verarbeitung200152145
Kapitelbewertung1000566500

 

Fahrkomfort

Überraschend gut ist der Eindruck, den der Countryman bei der Fahrt über die definierten Komfortstrecken hinterlässt. Sowohl leer als auch voll beladen (1780 Kilogramm) spricht sein Fahrwerk auf fast jede Unebenheit sauber an – nur kantige Querfugen schluckt es nicht immer sensibel weg. Selbst bei der Fahrt über die Buckelpiste lassen sich Federn und Dämpfer nicht aus der Ruhe bringen, die Karosserie des voll beladenen Mini beginnt aber leicht zu zittern.

Die Vorderachse des Nissan Juke ist eine Spur komfortabler abgestimmt als die des Countryman, allerdings passt die Hinterachse überhaupt nicht zu dieser Charakteristik. Sie ist viel zu hart, federt unsensibel an und gibt die Stöße von Querfugen teilweise ungefiltert an die Fondpassagiere weiter. Die sitzen auf bequemen Polstern mit wenig Konturen und etwas zu kurzen Sitzflächen. Auch vorn ist die Nissan-Bestuhlung bequem und ausreichend groß – dafür hapert es etwas beim Seitenhalt. Den bieten die Mini-Sitze vorn ausreichend, doch die rund geformte Beinauflagefläche ist für große Personen etwas zu knapp geraten. Beide Klein-SUV erfreuen mit ebenen Ladeflächen bei umgeklappten Rücksitzlehnen und doppelten Ladeböden zum Verstauen von Kleinkram. Die Ladekanten liegen zwar hoch (Mini 70 cm, Juke 79 cm), doch die Kofferraumböden schließen auf einer Höhe mit den Ladekanten ab, was beim Beladen hilfreich sein kann.

FahrkomfortMax. PunkteMini Cooper D CountrymanNissan Juke 4x2 1.5 dCi
Sitzkomfort vorn150113112
Sitzkomfort hinten1005542
Ergonomie150118118
Innengeräusche502528
Geräuscheindruck1004548
Klimatisierung502828
Federung leer200135128
Federung beladen200132121
Kapitelbewertung1000651625

 

Motor und Getriebe

Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeiten sind bei Autos dieses Genres eher Nebensache. Doch die Fahrleistungen sagen viel über die Charakteristik eines Motors aus. Der neue 1,6-Liter-Diesel von BMW ist im Auto Salon Genf > Mini Rocketman Concept auf Öko getrimmt – mit lang übersetztem und knackig zu schaltendem Sechsganggetriebe sowie serienmäßiger Start-Stopp-Automatik. Auch dank dieser Technik soll er nur 4,4 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Im Test waren es allerdings rund zwei Liter mehr. Der Nissan Juke hat einen 1,5-Liter-Common-Rail-Diesel aus der Partnerschaft mit Renault unter der Haube. Weil dessen Gänge deutlich kürzer ausgelegt sind, fährt der Juke dem Mini bei der Elastizitätsmessung davon. Die Kraftentfaltung des Briten ist beim Anfahren jedoch einen Tick druckvoller und harmonischer. Der Testverbrauch des Mit dem Nissan Juke 1.6 CVT unterwegs in Tokio liegt mit 6,3 Liter Diesel knapp unter dem des Countryman und nur gut einen Liter über dem EU-Normwert. Eine Start-Stopp-Automatik gibt es im Nissan nicht, dafür kann der Fahrer die Kennlinien des Motors per Knopfdruck verändern. Das Sportprogramm soll die Gasannahme bissiger machen, der Eco-Modus beim Spritsparen helfen – doch davon spürt man kaum etwas.

Die Dieselaggregate beider Testkandidaten klingen oftmals sehr präsent. Der Juke nagelt nach dem Kaltstart wie ein Taxi, läuft aber nach ein paar Kilometern Fahrt weich und zurückhaltend. Der neue Selbstzünder im Mini ist dagegen ein brummiger Kerl und klingt nicht so schön seidig, wie man das von einem BMW-Motor gewohnt ist.

Motor und GetriebeMax. PunkteMini Cooper D CountrymanNissan Juke 4x2 1.5 dCi
Beschleunigung15010193
Elastizität1006774
Höchstgeschwindigkeit1504234
Getriebeabstufung1008073
Kraftentfaltung503527
Laufkultur1005052
Verbrauch325258262
Reichweite251313
Kapitelbewertung1000646628

 

Fahrdynamik

Nachdem uns der Countryman beim Komfort lehrte, dass ein Mini nicht immer bockhart sein muss, waren wir gespannt auf seine dynamischen Qualitäten – und die hat er nicht verloren. Willig und exakt lenkt er ein, liegt sogar bei hohen Kurvengeschwindigkeiten sehr neutral und hat für Lastwechsel nur ein müdes Lächeln übrig. Erst wenn man den Countryman so richtig provoziert, setzt das rettende Zwangs-ESP ein. Auch der Juke geht zackig ums Eck, hat aber mit Untersteuern zu kämpfen. Außerdem ist seine Lenkung nicht so direkt und exakt dosierbar. Beim Bremsen liegen die SUV auf einem Niveau, die Werte mit kalten Stoppern dürften aber etwas kürzer ausfallen (beide rund 39 Meter).

FahrdynamikMax. PunkteMini Cooper D CountrymanNissan Juke 4x2 1.5 dCi
Handling1506456
Slalom1006856
Lenkung1008273
Geradeauslauf503539
Bremsdosierung301916
Bremsweg kalt1506159
Bremsweg warm1508892
Traktion1004235
Fahrsicherheit150135125
Wendekreis201012
Kapitelbewertung1000604563

 

Umwelt und Kosten

Mini lässt sich das angesagte Design des Countryman ordentlich bezahlen. 24.200 Euro sind für den Cooper D mindestens fällig. Der Einstiegspreis für den Juke liegt gut 5000 Euro darunter und markiert die Basis für den Sieg des Nissan in diesem Kapitel. Ein paar Punkte muss der Japaner aber abgeben, denn Leichtmetallfelgen gibt es erst ab der Ausstattungsvariante Acenta (20.290 Euro). Die laufenden Kosten für Versicherung, Steuer und Kraftstoff liegen hier wie dort ähnlich hoch. Auf die Technik gewährt Nissan drei Jahre Garantie (Mini: zwei Jahre), dafür sind aber die Werkstattkosten (geschätzt, basierend auf Erfahrungswerten) deutlich höher als für den Briten, der wiederum den größeren Wertverlust in Euro hat.

Kosten/UmweltMax. PunkteMini Cooper D CountrymanNissan Juke 4x2 1.5 dCi
Bewerteter Preis675223270
Wertverlust502428
Ausstattung252111
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502833
Werkstattkosten201614
Steuer1088
Versicherung403230
Kraftstoff554243
Emissionswerte258686
Kapitelbewertung1000480523

 

Fazit

Ein klarer Punktsieg für den Mini Countryman, der mit untypischen Mini-Tugenden überzeugt. Er hat nicht nur Platz und ist praktisch, sondern federt auch komfortabel und büßt trotzdem nur wenig von der typischen Mini-Dynamik ein. Der Nissan Juke steht auf dem Treppchen eine Stufe tiefer, obwohl er deutlich günstiger ist, drei Jahre Garantie bietet und einen sparsamen Motor hat. In puncto Platzangebot, Komfort, Dynamik und Werkstattkosten macht er dem Mini aber nichts vor.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMini Cooper D CountrymanNissan Juke 4x2 1.5 dCi
Summe500029472839
Platzierung12

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