Mini Cooper S vs. Peugeot 208 GTi: Sportliche Kleinwagen im Vergleich Duell der Giftzwerge

29.09.2014
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor/Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt/Kosten
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Mit 192 PS markiert der Cooper S die aktuelle Leistungsspitze der neuen Mini-Generation. Wie schlägt sich der kleine Brite gegen den nochmals acht PS stärkeren Peugeot 208 GTi aus Frankreich? Vergleichstest

Der Peugeot 208 GTi kann als eine Art Referenz unter den sportlichen Kleinwagen angesehen werden. Immerhin war es sein Urahn 205, der 1984 das aus der Golf-Klasse bekannte GTI-Prinzip ins Kleinwagen-Segment übertrug. Aus den ehemals 104 PS sind 30 Jahre später 200 Pferdestärken geworden. Damit leistet der 208 GTi acht PS mehr als der neue Mini Cooper S, der seinerseits die Tradition seiner mit zahlreichen Rallye-Erfolgen geadelten Vorfahren fortsetzen will.

 

Karosserie

Mehr Platz im 208, modernere Technik im Mini

Der Mini ist größer geworden, die Insassen profitieren von verbesserten Platzverhältnissen. An das Raumangebot des elf Zentimeter längeren, ein Zentimeter breiteren und fast fünf Zentimeter höheren Peugeot kommt der qualitativ etwas hochwertiger wirkende Brite aber nicht ganz heran. Vor allem im Fond wirkt der 208 eine Nummer größer, bietet zudem den deutlich geräumigeren Kofferraum.

In puncto Alltagstauglichkeit verliert der Mini weitere Punkte, weil er nicht als Zugfahrzeug eingesetzt werden kann. Wo sollte die Anhängerkupplung angesichts des mittig positionierten Doppelauspuffs auch positioniert werden? Bemerkenswert: Für beide stehen im Kleinwagensegment alles andere als selbstverständliche Optionen zur Verfügung – etwa Notrufassistent (Mini 190 Euro, Peugeot Bestandteil des Navi Plus für 760 Euro) und Einparkassistent (Mini 790, Peugeot 550 Euro).

Im Gegensatz zum Peugeot lässt sich der Cooper S darüber hinaus beispielsweise mit Abstandsregeltempomaten, Verkehrsschildererkennung (990 Euro im Paket),
LED-Scheinwerfern (790 Euro), Kurvenlicht (1110 Euro) oder einem Head-up-Display (500 Euro) ausrüsten.

Mini Cooper S 
Peugeot 208 GTi
192 PS 200 PS
0-100 km/h in 6,3 s 0-100 km/h in 6,9 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 233 km/h Spitze 230 km/h
Grundpreis: 26.270 Euro*
* inkl. 6-Stufen-Sportautomatik (2470 €)
Grundpreis: 23.300 Euro

 

Fahrkomfort

Eine Sänfte ist weder der Mini noch der Peugeot

Ausgestattet mit adaptiven Dämpfern (500 Euro) legt der Mini im Vergleich zu seinem Vorgänger ein komfortableres Fahrverhalten anden Tag. Der Peugeot gleicht mit seinem konventionellen Fahrwerk Straßenunebenheiten leer wie beladen zwar eine Spur besser aus, allerdings kann auch er seine sportlich straffe Grundabstimmung dabei nicht verbergen.

Zur komfortableren Ausrichtung des 208 GTi passt beispielsweise, dass er serienmäßig mit einer Zweizonen-Klimaautomatik ausgestattet ist, der Mini hat ab Werk nur eine Klimaanlage. Auch beim Geräuschkomfort schneidet der Peugeot besser ab, Motor-, Abroll- und Windgeräusche dringen stärker gedämmt an die Ohren der Insassen.

Die Vordersitze des 208 GTi bieten allerdings trotz ihrer sportlichen Optik vor allem im Schulterbereich zu wenig seitliche Unterstützung.

 

Motor/Getriebe

Mini mit kräftigerem und sparsamerem Antrieb

Den 1,6-Liter des 208 GTi hat Peugeot mit Mini entwickelt, er kam mit 184 PS auch im bisherigen Cooper S zum Einsatz. Der jetzige 2,0-Liter-Vierzylinder ist dagegen eine Eigenentwicklung. Obwohl der Mini einen Zentner schwerer ist und ihm acht Pferdestärken auf den200 PS starken Peugeot fehlen, erledigt er den Sprint von null auf 100 km/h über eine halbe Sekunde fixer (Mini 6,3 s; Peugeot 6,9 s).

Untermalt von einem aggressiven Knurren setzt der Motor in Kombination mit der zackig schaltenden, optionalen Sechsstufen-Sportautomatik (2470 Euro) und dank einer gleichmäßig linearen Kraftentfaltung Gaspedalbefehle stets unmittelbar in Vortrieb um. Mit serienmäßiger Start-Stopp-Automatik verbraucht der Mini dabei nur 7,5 Liter Super pro 100 Kilometer.

Für den 208 GTi (8,0 l/100 km) wird diese Spritspar-Technik nicht angeboten. Dafür kann der Motor des Franzosen trotz seines kleineren Hubraums die bessere Laufkultur für sich verbuchen.

 

Fahrdynamik

Der Cooper S fährt dem 208 GTi deutlich davon

Es ist beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit der Mini seinen Kontrahenten in den fahrdynamischen Übungen distanziert. Mit präziser Lenkung, nur minimalen Karosseriebewegungen und sehr guter Gasannahme seines Motors tänzelt der Brite spielerisch durch den Slalom-Parcours und über die Handlingstrecke.

Auf dem Rundkurs kann der 208 GTi nicht folgen. Er wirkt im direkten Vergleich behäbiger, seine Lenkung liefert weit weniger Rückmeldung, und beim Beschleunigen aus engen Ecken mangelt es an Traktion. Zudem gibt sich der Peugeot im Grenzbereich nicht so verbindlich wie der jederzeit berechenbare Mini.

Entscheidenden Boden verliert der 208 zudem beim Bremsen. Aus 100 km/h benötigt er bei kalter Verzögerungsanlage 37,6 Meter bis zum Stillstand, der Warm-Bremsweg ist mit 36,7 Metern nur unwesentlich besser. Der Cooper S spielt mit 33,7 (kalt) bzw. 33,2 Metern (warm) in einer anderen Liga.

 

Umwelt/Kosten

Günstiger Peugeot mit guter Serienausstattung

Im Grundpreis liegen Mini und Peugeot mit jeweils knapp über 23.000 Euro dicht beieinander. Der 208 GTi bietet allerdings nicht nur die umfangreicheren Garantieleistungen, sondern er fährt auch mit der üppigeren Serienausstattung vor. Unter anderem sind Nebelscheinwerfer, Bluetooth-Freisprecheinrichtung
sowie Lichtund Regensensor bereits mit an Bord.

All das muss beim Mini extra bezahlt werden. Dafür lässt sich der Cooper S dank der deutlich umfangreicheren Sonderausstattungsliste stärker dem individuellen Geschmack anpassen – das entsprechende Budget natürlich vorausgesetzt.

 

FAZIT

Antrieb und Fahrdynamik sind die wohl entscheidenden Faktoren für den Kauf eines sportlichen Kleinwagens.

Und in diesen Punkten macht dem neuen Mini Cooper S so leicht keiner etwas vor. Sein kräftiger Motor und die top Handlingeigenschaften verhelfen ihm zu einer sehr überzeugenden Vorstellung auf Straße und Rennstrecke – und legen die Basis für seinen Sieg.

Der Peugeot 208 GTi gewinnt drei von fünf Kapiteln – wird aber nur Zweiter. Er ist komfortabler und alltagstauglicher, aber dadurch eben nicht so konsequent dynamisch wie der Mini.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Jürgen Voigt

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