Mini Cooper S (1967-69) vs. Peugeot 205 GTi 1.9 (1986-92): Vergleich Zwerg, rase!

01.06.2014
Inhalt
  1. DER MINI IST ECHTES AUTOMOBILES URGESTEIN
  2. PEUGEOT 205 MIT WILDEM RALLYE-ABLEGER
  3. DER PEUGEOT IST EIN TYPISCHER GTI DER 80ER

Sie sind leicht, klein und gemein, und in den rennversionen gewannen sie einst die Rallye Monte Carlo: Mini Cooper S und Peugeot 205 GTi. Dank geringem Gewicht, reichlich Power und agilem Handling lehren sie noch heute so manchen Sportwagen das Fürchten

Vergessen Sie bloß nicht, die Unterschrift auf dem Dach zu fotografieren“, erinnert Bernd Wensauer den Fotografen, als der dessen Mini Cooper S ablichtet. Prächtig steht der kleine Brite da, in klassischem Rot, dazu das typische andersfarbige Dach in Weiß und darauf die Signatur von Rallye-Legende Rauno Aaltonen.

Seit einigen Jahren pilotiert Wensauer seinen Cooper S Mk.II bei historischen Rallyes, wo er irgendwann auf den finnischen „Rallye-Professor“ traf. Und da er seinen Cooper S sehr ähnlich aufgebaut hat wie das Auto, mit dem Aaltonen 2011 anlässlich deren 100. Geburtstages die „Rallye Monte Carlo Historique“ bestritt, war das monumentale Dach-Autogramm gewissermaßen Ehrensache.

 

DER MINI IST ECHTES AUTOMOBILES URGESTEIN

Gehen  wir  fast  fünf  Jahrzehnte zurück ins Jahr 1967, landen wir beim wahren Hintergrund des Aaltonen-Schriftzuges. Damals feuerte der Finne zusammen mit Copilot Henry Liddon einen Mini Cooper S bei der Rallye Monte Carlo derart fulminant durch die Kurvenlabyrinthe der französischen Seealpen, dass der Konkurrenz nur das Nachsehen blieb. Das war einer von insgesamt drei Siegen für den Mini Cooper S, der den Klassiker zuvor bereits 1964 und 1965 in der Mk.I-Version gewonnen hatte.

Auch 1966 hatte der agile Brite die Nase vorn, wurde aber – höchst umstritten – wegen nicht erlaubter Glühlampen disqualifiziert. Deshalb ging die Trophäe in jenem Jahr an Citroën.

Während sich der damalige Monte-Mini recht nah am Serienfahrzeug bewegte und für den Rallye-Einsatz mit entsprechenden Tuning- und  Ausstattungsmaßnahmen zurechtgemacht wurde, bestritt Peugeot knapp zwei Jahrzehnte später einen gänzlich anderen Weg, um am Col de Turini zu Siegerlorbeer zu gelangen: Man baute ein reinrassiges Gruppe-B-Rennfahrzeug mit Namen 205 Turbo 16, mit dem der Finne Ari Vatanen, angeleitet von Beifahrer Terry Harryman, 1985 den zweiten von insgesamt vier Monte-Siegen für Peugeot einfahren konnte.

 

PEUGEOT 205 MIT WILDEM RALLYE-ABLEGER

Gegenüber dem Serienauto verfügte der Peugeot 205 Turbo 16 über eine in Mischbauweise mittels Pressblechprofilen und Rohrverbünden gefertigte Karosseriestruktur, in der Evo-2-Version gar über einen vollständigen Gitterrohrrahmen. Außerdem basierte das Fahrzeugkonzept auf Mittelmotor-Anordnung, und es kam ein Allradantrieb zum Einsatz.

Die Motorleistung der Rennfahrzeuge betrug je nach Auslegung 340 bis 520 PS, während die in der geforderten Homologationsauflage von 200 Exemplaren gebaute, zulassungsfähige Straßenversion glatte 200 PS und 253 Newtonmeter aus 1775 Kubikzentimetern Hubraum schöpfte. Mit einem serienmäßigen Peugeot 205 hatten diese 94.400 Mark teuren Fahrzeuge also nicht mehr allzu viel gemeinsam – von der vagen Karosserieform einmal abgesehen.

Sozusagen die für jedermann frei käufliche und auch bezahlbare Variante dieses Supersportlers stellte Peugeot mit dem 205 GTi 1.9 in die Ausstellungsräume der Händler. Dort standen sie jedoch nicht lange, sondern fanden reißenden Absatz – und das aus gutem Grund: Nur 875 Kilogramm schwer, aber 128 PS stark, begeisterte der Fronttriebler mit erbaulichen Fahrleistungen. Der Sprint von null auf 100 km/h gelang in nur 7,6 Sekunden, und erst bei 208 Stundenkilometern endete der fulminante Vortrieb des flinken Franzosen.

Dagegen nehmen sich die 77 PS des Mini Cooper S mit 1275 Kubikzentimetern Hubraum genauso bescheiden aus wie die werksseitigen Fahrleistungsangaben mit 11,5 Sekunden für den Stammtischsprint und 155 km/h für die Höchstgeschwindigkeit.

Dass der Cooper S – zumindest auf der Landstraße – bereits im Serientrimm dem 205 GTi dennoch das Wasser reichen kann, hat gute Gründe. Mit 695 Kilogramm Leergewicht ist er fast 200 Kilogramm leichter als sein französischer Sportskamerad, und dank breiter Spur, tiefem Gesamtschwerpunkt sowie sehr straffem Fahrwerk erlaubt er gerade auf sehr kurvigem Terrain eine geradezu wahnwitzige Gangart. 

Könner wie Rauno Aaltonen ermunterten den kleinen Fronttriebler in Biegungen gar zu spektakulären Drifts – sozusagen die ganz hohe Schule der Mini-Fahrkunst.
Mit dieser Performance in punkto Kurvengeschwindigkeiten und Querkräften kann der Peugeot 205 GTi nicht ganz mithalten. Er kommt aufgrund  seiner größeren Räder, aber auch wegen des gesamten Karosserieaufbaus etwas hochbeiniger daher, und sein sportliches Fahrwerk weist verglichen mit dem harten Mini fast schon komfortable Züge auf.

Seine gute Gesamt-Performance schöpft der Franzose fraglos aus seinem kraftvollen Motor. Werden die Kurvenradien größer, die Geschwindigkeiten höher, und gesellen sich dann noch einige längere Geraden dazu, wendet sich das Blatt.

Dann vermag der 205 GTi seine Stärken – insbesondere die rund 50 Stundenkilometer höhere Endgeschwindigkeit – bestens auszuspielen. Zwar wieselt der 205 GTi auch schnell um die Ecken, zeigt aber im Grenzbereich Lastwechselreaktionen und verlangt dann nach einem kundigen Fahrer.

Dass unser Mini Cooper S jedoch nicht nur auf verwinkelten Kursen die Nase vorn, sondern auch auf schnellen Passagen eine echte Chance gegen den Peugeot hat
–  dafür hat Bernd Wensauer in besonderer Weise gesorgt. Dank Motorblock und Komponenten aus dem Mini Metro Turbo stehen in seinem Cooper S statt  der  serienmäßigen 1275 nunmehr 1430 Kubikzentimeter zur Verfügung, was sich neben einem deutlichen Drehmomentzuwachs auch in einer deutlich höheren  Leistung niederschlägt.

105 an Stelle der serienmäßigen 77 Pferdchen treten nun zum Galopp an und lassen den gedopten Cooper S zum wahren Brandstifter werden. Dem gesteigerten Drehmoment tragen ein geradeverzahntes Getriebe und ein Sperrdifferential Rechnung.

Dem Einsatz als historischem Rallyefahrzeug entsprechend ist die Ausstattung. Selbstredend verfügt der Cooper S über einen Überrollbügel, Schalensitze samt  Hosenträgergurten sowie je zwei Breit- und Weitstrahler für nächtliche Sonderprüfungen. Ein Drehzahlmesser hilft bei der Wahl der richtigen Schaltpunkte.

Klaren Durchblick bei nasskalter Witterung verschafft zudem eine Frontscheibenheizung. Für beste Querbeschleunigung und damit maximalen Kurvenspeed  spendierte Wensauer seinem rasenden Zwerg etwas üppigeres Schuhwerk, sprich Bereifung. An Stelle der 4,5 Zoll breiten Serienräder kommen schöne Minilites in der Dimension 6 x 10 zum Einsatz.

Diese erlaubt ein Anwachsen der Reifengröße von vormals 145 R 10 auf nunmehr 165/70 R 10. Exklusives Rädermaterial ab Werk besitzt der Peugeot 205 GTi von Manuel Wahl. Er trägt schöne italienische Speedline-Räder im Format 6 x 15 mit Pneus der Dimension 185/55 R 15.

Der Peugeot tritt hier auch sonst völlig serienmäßig an. Begeisternd im Vergleich zur 1,6-Liter-Maschine, mit dem es den 205 GTi auch gab, ist das Durchzugsvermögen des 1,9-Liter-Vierzylinders. Ob bei niedrigen oder mittleren Drehzahlen – der 205 GTi zeiht stets mächtig los und begeistert zudem mit einem gutmütigen, neutralen Fahrverhalten.

Die Scheibenbremsen rundum, vorne sogar innenbelüftet, verrichten ihren Job unauffällig, weil eben gut. Aufgrund seines deutlich geringeren Gewicht und der
niedrigeren Endgeschwindigkeit muss der Mini mit Scheiben vorn und Trommeln hinten auskommen. Verzögerungsprobleme kennt der kleine Brite aber dennoch nicht.

 

DER PEUGEOT IST EIN TYPISCHER GTI DER 80ER

Als Peugeot den 205 GTi im Herbst 1983 in der 1,6-Liter-Variante mit 103 PS vorstellte, waren die GTI-Fans begeistert. Leicht, leistungsstark und schnell – so sollte das sein. 

Als zwei Jahre später dann die 1,9-Liter-Version folgte – ohne Katalysator, dafür aber mit satten 128 PS Leistung –, frohlockten die Anhänger sportlicher Kompaktautos geradezu. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Konkurrent aus Wolfsburg nämlich bereits etwas Fett angesetzt und sich von der Grundphilosophie des Ur-Golf GTI etwas entfernt.

Da kam der Peugeot 205 GTi mit der 1,9-Liter-Maschine 1986 gerade recht. Allerdings gab es ihn in dieser Leistungsstufe in Deutschland nur zwei Jahre lang. Vom Herbst 1988 an wurde hierzulande nur noch die 120-PS-Version des 1,9-Liters mit Katalysator angeboten – die 128 PS-Variante blieb anderen Ländern vorbehalten.

Im Februar 1992 stellte man die Produktion des 128-PS-Modells ganz ein, während der 205 GTi 1.9 mit 120 PS noch bis Herbst 1995 im Programm blieb. Insgesamt wurde der 205 von Anfang 1983 bis Ende 1998 und so über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren in rund fünf Millionen Einheiten produziert, davon knapp 333.000 GTi.

Kann schon der Peugeot 205 auf eine lange Bauzeit zurückblicken, schlägt ihn der Mini diesbezüglich dennoch um Längen. Nimmt man sämtliche Herstellerfirmen inklusive Lizenznehmern wie Innocenti zusammen, wurde der rasende Giftzwerg von 1959 bis 2000 gebaut, also kaum vorstellbare 41 Jahre, und das ohne wirklich grundlegende technische Veränderungen. Mit fast 5,4 Millionen gefertigten Exemplaren avancierte der Mini schließlich zum meistverkauften britischen Automobil und hat längst Kultstatus erlangt. Das gilt umso mehr für sportliche Versionen wie den hier vorgestellten Cooper S.

Mini Cooper S (Bj.1967-69): Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder, vorn quer; 2-Ventiler; unten liegende Nockenwelle; Gemischbildung: zwei SU-Vergaser; Bohrung x Hub: 70,6 x 81,28 mm;
Hubraum: 1275 cm3; Verdichtung: 9,5:1; Leistung: 57 kW/77 PS bei 5800/min; max. Drehmoment: 109 Nm bei 3000/min; Viergang-Getriebe;
Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit Hilfsrahmen v. u. h., zwei Türen; Radaufhg. vorn: doppelte Dreieckslenker; hinten: Längslenker; v./h. Stoßdämpfer, Federung über Gummiblöcke (Hydrolastik); Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: v./h. 145 R 10; Räder: v./h. 4,5 x 10
Eckdaten
L/B/H: 3054/1410/1350mm; Radstand: 2030 mm; Spur-weite v./h.: 1233/1210 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 670/910 kg; Tankinhalt: 2 x 20 l;  Bauzeit Mk.II: 1967 bis 1969; Stückzahl: Morris 2.687, Austin 3.642; Preis (1969): 10.525 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11,5 s; Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h; Verbrauch: ca. 10 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2: 27.800 Euro
Zustand 3: 15.400 Euro
Zustand 4:    4900 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

Peugeot 205 GTi (Bj.1986-92): Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder, vorn quer; 2-Ventiler; eine obenliegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: elektronische
Kraftstoffeinspritzung; Bohrung x Hub: 83 x 88 mm; Hubraum: 1905 cm3; Verdichtung: 9,6:1; Leistung: 94 kW/128 PS bei 6000/min; max. Drehmoment: 161 Nm bei 4750/min; Fünfgang-Getriebe; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: McPherson-Federbeine, Dreiecksquerlenker; hinten: Längslenker, Drehstabfedern; v./h. Stoßdämpfer, Stabi.; Zahnstangenlenk.; Bremsen: v./h. Scheiben; Reifen: v./h. 185/55 R 15; Leichtmet.-Räder: v./h. 6 x 15
Eckdaten
L/B/H: 3705/1589/1355 mm; Radstand: 2420 mm; Spurw. v./h.: 1383/1344 mm; Leer-/Gesamtgew.: 875/1300 kg; Tankinhalt: 50 l; Bauzeit: 1986 bis 1992; Stückzahl (alle GTi): 332.942; Preis (1988): 25.425 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 7,6 s; Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h; Verbrauch: ca. 10 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2: 6000 Euro
Zustand 3: 3300 Euro
Zustand 4: 1600 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

Unser Fazit

Mal ehrlich, könnten Sie sich zwischen diesen beiden kleinen Sportskanonen entscheiden? Ich kann es beim besten Willen nicht, und deshalb steht im Ergebnis ein klares Unentschieden. Wenn’s um das ultimative Kurvensuchgerät geht, ist der Cooper S ohne Frage allererste Wahl, erst recht, wenn er so herrlich scharf gemacht ist wie der Rauno-Aaltonen-Mini in unserem Vergleich. Nur ein Gokart geht besser um die Ecken! Aber wollten Sie mit dem harten und lauten, dazu mäßig beheizbaren Engländer wirklich im Winter von Rosenheim nach Wanne-Eickel fahren? Eben! Mit dem voll alltagstauglichen Peugeot 205 GTi geht das völlig beschwerdefrei, zumal er auch auf der Autobahn alles andere als langsam ist

Jürgen Gassebner

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