Mercedes-Neuheiten 2012: E-Klasse Facelift, CLC, GLC und A-Klasse Sterndeutung

10.05.2012

Die 125-Jahre-Party ist vorbei – aber keine Spur von Katerstimmung. Mercedes wird jung und bleibt gediegen. Ausblick auf die A-Familie, die E-Klasse und den SL

Aus und vorbei. Maybach, die vornehmste der drei Daimler-Automarken, soll eingestellt werden. Die Welt muss ab 2013 ohne die Giganten mit dem Doppel-M auskommen. Vorzügliche Luxusgefährte allesamt, aber eben auch schwer einzuordnen für saudische Prinzen, indische Selfmade-Millionäre oder hypersolvente Hongkong-Chinesen. Wilhelm wer? Gut möglich, dass die Welt den alten Maybach vergessen hat. Gut möglich aber auch, dass sie ihn gar nicht richtig kannte. Eine verdammt harte Bedingung, wenn man zu Preisen ab 405 671 Euro ins Geschäft kommen will.

 

Mercedes-Zukunft ab 2012: Neuheiten in allen Klassen

Die gute Nachricht: Statt wenigen Superreichen handgemachte alte S-Klassen samt der fraglos bequemsten Rücksitzanlage aller Zeiten anzudienen, schalten die Daimler-Strategen jetzt auf Angriff. Hoch attraktive Modelle vom edlen Kompakt-Benz bis zum neuen SL sind im Werden, und auch dem Versiegen der Maybäche dürfte keine Durststrecke folgen, denn die ab 2013 startbereite neue S-Klasse wird peu à peu mit gleich sechs Varianten so breit aufgestellt, dass die Konkurrenz den Überblick verlieren könnte. Die „Sonderklasse“ gibt es künftig als Standard-Limousine, in lang, superlang (Pullman), als Coupé (vormals CL), Cabriolet und wahrscheinlich als viertüriges Coupé. Über fünf Milliarden Euro darf Ressortchef Thomas Weber allein im nächsten Jahr für die Forschung und Entwicklung neuer Modelle ausgeben.

Für eine völlig neue Wahrnehmung der Marke Mercedes soll die neue A-Klasse sorgen, die im Juni 2012 vorgestellt und ab September verkauft wird. Als technische Basis dient die neue Mercedes-Frontantriebs-Architektur, auf der auch die bereits präsentierte B-Klasse fußt. Alles ist neu am kleinen Baby-Benz. Vom Fahrwerks-Layout – eine Mehrfachlenkerachse hinten ersetzt die frühere Torsionslenkerachse – über die Motoren bis hin zu den Karosserie-Proportionen bricht die dritte Generation mit ihren hoch bauenden Vorgängern. Das Cockpit mit seinen fünf turbinenartig gestalteten Lüftungsdüsen, dem großen, feststehenden Navi-Monitor (Option) und den von feinen, silberfarbenen Ringen eingefassten Armaturen orientiert sich stark an der B-Klasse. Insgesamt wirkt der knackig proportionierte Audi A3-Konkurrent wesentlich hochwertiger als seine beiden Vorläufer.

Die Motorenpalette setzt sich aus Vierzylinder-Turbos zusammen, die auf Wunsch mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt werden können. Benziner: 1,6-Liter mit 122 und 156 PS, Diesel: 1,8-Liter mit 109 und 136 PS. Stärkere Varianten sind in Vorbereitung. Als Topmodell ist ein 345 PS kräftiger 2,0-Liter-Biturbo geplant, der den Standardsprint in weniger als 4,8 Sekunden erledigen dürfte. Diese AMG-Version bringt ihre Kraft serienmäßig via Allradantrieb auf die Straße, der auch für andere Motorvarianten gegen Aufpreis angeboten werden soll. Gegenüber dem im April in Shanghai gezeigten Studienmodell „Concept A“ fallen die im Serientrimm ungeteilten Rückleuchten etwas gedrungener aus. Interessant: Kein noch so kleiner Antennenstummel verunziert den Baby-Benz. Alle Sende- und Empfangseinheiten sind unsichtbar im Dachspoiler untergebracht.

Mit identischer Technik, aber weitaus höheren Zielen geht Mitte 2013 der CLC an den Start, eine Art Kleinausgabe des E-Klasse-basierten CLS. Mit einer Länge von 4,60 Metern erreicht der im Coupé-Stil gezeichnete Viertürer glattes Mittelklasseniveau und zieht mit der höher positionierten C-Klasse gleich, die es aktuell auf 4,59 Meter bringt. Schlachtplan der Stuttgarter: Die nächste, auf 2014 terminierte C-Klasse wird ihrerseits wachsen und repräsentativer ausfallen als heute. Mit Hilfe des von unten vorstoßenden CLC sollen Konkurrenten wie die BMW 3er-Reihe dann von zwei Sternenwagen in die Zange genommen werden. Zugleich wollen die Produktplaner der für 2014 erwarteten Audi A3 Limousine (Schrägheck neu ab Juli 2012) zuvorkommen.

Mit seiner gestreckten Motorhaube, dem fließenden Dachverlauf und der als „Dropping Line“ bezeichneten Schulterpartie folgt auch der neue CLC der von Kreativchef Gorden Wagener formulierten Design-Doktrin. Wie beim großen CLS sind die Seitenscheiben der Kompaktausgabe rahmenlos ausgeführt. Durch die schmalen Seitenfenster und die hochgezogene Schulter wirkt das Dach deutlich flacher, als es in Wirklichkeit ist. Schließlich muss es hoch genug sein, damit im Fond zwei Erwachsene genügend Kopfraum vorfinden. Die Kotflügel, die Motorhaube und der Kofferraumdeckel bestehen aus leichtem Aluminium.

Für sehr niedrige Verbrauchswerte dürfte indes eine andere technische Besonderheit sorgen. Mercedes mausert sich zunehmend zum Strömungs-Primus. Ducken sich schon das E- Klasse Coupé und die neue B-Klasse ziemlich schnittig im Wind, so wird der neue CLC aller Voraussicht nach einen Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,22 cW erreichen. Das wäre nichts weniger als ein neuer Weltrekord unter den Großserienautomobilen. Auch vom CLC wird es, wie bei allen anderen A-Klasse-Derivaten, eine AMG-Version geben. Das gilt auch für einen weiteren Ableger: ein für Anfang 2014 geplantes Kompakt-SUV mit dem Arbeitstitel GLC, das zur Abgrenzung vom zackigen, auf der C-Klasse basierenden GLK stärkere Coupé-Anleihen nimmt.

Dass man Designvorgaben auch bei Mercedes nicht in Stein meißelt, beweist die E-Klasse, die ab Anfang 2013 deutlich geschärft aus der Modellpflege hervorgehen wird. Die typischen Doppelscheinwerfer fallen künftig schmaler aus – damit sind die hoch gezogenen Augenbrauen passé. Der in Wagenfarbe lackierte Steg zwischen den Lampen schrumpft auf Kugelschreiberdicke. Die Sicke auf der Motorhaube kommt stärker zur Geltung, und der Grill ist deutlich dreidimensionaler ausgeprägt.

Auf der Seite gehen die Designer sogar „ins Blech“. So verschwindet der für die Baureihe bislang typische, als Reminiszenz an den berühmten Ponton-Mercedes (W120) aus den 50er-Jahren gedachte Hüftschwung über den hinteren Radhäusern. Der Beschluss zu den leicht barock wirkenden Blechwülsten stammte noch aus einer früheren Design-Epoche.

Auch die bislang schon sportlich gestylten Modelle E-Coupé und E-Cabriolet werden nachgeschärft. Modifizierte Rückleuchten und ein leicht verfeinerter Innenraum runden das Facelift ab. Die wichtigste technische Neuerung hält aber bereits im kommenden Juni Einzug, wenn der E 300 BlueHybrid startklar ist. Die Kombination aus dem bekannten 204 PS starken 2,1-Liter-Vierzylinder-Biturbodiesel (OM651) und einem 20 Kilowatt leistenden Elektromotor soll einen Verbrauch von weniger als 4,5 Liter auf 100 km ermöglichen (CO2-Ausstoß unter 120 g/km). Für ein Business-Modell vom Kaliber der E-Klasse ein ausgezeichneter Wert. Dabei kann der Diesel-Stromer sogar ein kurzes Wegstück rein elektrisch zurücklegen.

Den Anfang der Mercedes-Offensive aber macht der neue SL, der Sehnsuchts-Roadster, der im März nächsten Jahres zum Einsatz kommt und bei einer allerersten Sitzprobe überzeugte. Sehr hochwertige Materialien und saubere Verarbeitungsqualität im Detail machen Lust auf echte Testfahrten.

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Durch den Einsatz besonders leichter Materialien (Alu-Karosserie, Magnesium-Rückwand) sank das Gewicht der Karosserie – der erste Leichtmetall-Rohbau, der bei Mercedes in Serie gefertigt wird – um volle 110 Kilogramm. Dem ausgeklügelten Grundgerüst des neuen SL attestieren die Techniker höchste Stabilität. So soll die Torsionssteifigkeit 19400 Newtonmeter pro Grad erreichen, was einem Spitzenwert in dieser Fahrzeugkategorie entspräche. Wie schon der aktuelle SLK wird auch der mit 306 bis 630 PS starken Benzinern geplante SL mit der selbsttönenden Dachverglasung „Magic Sky Control“ zu haben sein. Ebenfalls von aktuellen Mercedes-Modellen übernommen werden die zahlreichen Sicherheits- und Assistenzsysteme, wie etwa der aktive Spurhalteassistent.
Stefan Miete

AUTO ZEITUNG

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