VW und Mercedes: Neuheiten bis 2020 Champions League

31.07.2015
Inhalt
  1. Mercedes vs. VW: Phaeton ab 2017 gegen S-Klasse
  2. Mercedes S-Klasse: Große Modellvielfalt
  3. Mercedes und VW: Facelift für A-Klasse und Golf
  4. Mercedes vs. VW: Neuheiten bei den Kleinwagen

Der Marktführer aus Wolfsburg gegen die Luxus-Elite aus Stuttgart: VW greift mit dem neuen Phaeton die S-Klasse an. Mercedes kontert: Die bis zu 381 PS starke A-Klasse jagt den Golf

Beim Fußball ist die Sache klar. Der VfL Wolfsburg spielt in der nächsten Saison in der Champions League, während der VfB Stuttgart um Haaresbreite dem Abstieg entgangen ist. Beim Kampf um die Champions-League-Plätze im Automobilbau sieht die Sache anders aus. Auch wenn Mercedes in den vergangenen Jahren manches Eigentor geschossen hat, spielen die Schwaben seit Jahrzehnten in der automobilen Königsklasse und rangieren beim Image immer noch einige Plätze höher in der Tabelle als Volkswagen. Doch je nach Segment haben die Wolfsburger in den vergangenen Jahren stark aufgeholt.

 

Mercedes vs. VW: Phaeton ab 2017 gegen S-Klasse

Ein Golf ist beispielsweise derzeit auch von Mercedes nicht zu schlagen. Und der Wettstreit geht munter weiter. Zu welcher Meisterschaft man es inzwischen in Wolfsburg nicht nur im Fußball gebracht hat, soll der neue VW Phaeton unter Beweis stellen. Bislang erntete der Luxusliner durch sein hohes Gewicht und die Ähnlichkeit zum Passat Kritik. Das alles wird sich in Zukunft garantiert ändern. Der neue, zirka 5,15 Meter lange Phaeton wird durchschnittlich um 200 Kilo leichter.

Der Radstand beträgt knapp 2,90 Meter. Die Einstiegsvarianten sollen weniger als zwei Tonnen auf die Waage bringen. Technische Basis des Ganzen ist der MLB (Modularer Längsbaukasten). Wie der Audi A8 erhält der künftige Phaeton eine Aluminium-Karosserie. Als Basismotorisierung dient ein Sechszylinder-Benziner, der wie der schwächste Diesel  zirka 272 PS leisten soll. Im Angebot ist außerdem ein V8 und darüber hinaus noch ein Plug-in-Hybrid, kombiniert mit einem Sechszylinder-Verbrenner. Der Phaeton startet im Juni 2017.

Der neue W12 soll nur noch als Mild-Hybrid angeboten werden und dank Rekuperation eine Verbrauchsersparnis bis zu acht Prozent realisieren. Entwicklungsziel ist ein Konsum von weniger als zehn Liter auf 100 Kilometer. Der W12 als das Hightech-Aggregat im Phaeton soll ein Drehmoment von bis zu 1.000 Newtonmeter mobilisieren und eine Leistung von zirka 660 PS auf die Straße bringen. Erstmals kommt hier die doppelte Twin-Scroll-Technik  zum Einsatz. Der ausschließlich als Allradler erhältliche große Volkswagen wird über eine ZF-Achtgang-Automatik verfügen.

In diesem Segment ganz groß geschrieben werden Raumangebot und Komfort. Der neue Phaeton soll daher im Fond mit geradezu fürstlichen Platzverhältnissen verwöhnen. Aber auch die vorderen Insassen werden wohl kaum über Platzängste klagen. Im Unterschied zur nächsten Generation des Audi A8 soll das VW-Flaggschiff weniger fahrdynamisch, sondern  betont komfortorientiert ausgelegt sein.

Phaeton: Technik auf höchstem Niveau

Hier ist der erklärte Gegner die Mercedes S-Klasse, die bislang in diesem Segment als Benchmark gilt. Federung und elektronische Wankstabilisierung sollen die Grundlage für herausragenden Fahrkomfort sein. Der Phaeton, der erstmals über ein zentrales Fahrerassistenzsystem-Management verfügt, wird alle nur erdenklichen Innovationen an Bord haben. Automatisches Einparken ist Pflicht, und auch automatisiertes Fahren soll weitgehend möglich sein.

Ebenfalls erhältlich ist eine Magic-Ride-Funktion, die in Verbindung mit der Luftfederung für hervorragenden Reisekomfort bürgen soll. Der Hammer aber ist zweifellos der Innenraum, mit dem der neue Phaeton 2016 für eine Revolution im Automobilbau sorgen soll. Das Wolfsburger Flaggschiff wird das erste gebogene Display in einem Automobil erhalten. Ein riesiger, etwa 16 Zoll großer Bildschirm wird die breite Schalttafel prägen, die erstmals ohne Knöpfe auskommt. Das leicht zum Fahrer geneigte Armaturenbrett verfügt über ein Head-up-Display und eine digitale Zentralanzeige mit den Instrumenten, die selbstverständlich personalisierbar ist. Die Bedienung erfolgt auch über Gestensteuerung.

Die Materialauswahl ist bei alldem vom Feinsten. Edles Holz, dickes Leder, vor allem aber auch Chrom, insbesondere an den Spiegeln und dem Kühlergrill, unterstreichen die hohe Wertigkeit des VW Phaeton 2016. Im Innenraum gibt es Annehmlichkeiten wie beheizte  Armlehnen oder gegen Aufpreis ein zweigeteiltes großes Glasdach. Eines ist offensichtlich: Mit diesem Phaeton spielt Volkswagen endgültig in der Champions League. Ob der neue Top-Spieler aber die S-Klasse schlägt? Das große Spiel um den Champions-League-Sieg steht noch aus.

 

Mercedes S-Klasse: Große Modellvielfalt

Mercedes sieht dem Wolfsburger Angriff gelassen entgegen, haben die Auto-Erfinder mit der S-Klasse doch den ewigen Segment-Weltmeister in ihren Reihen. Und der bietet heute schon eine ungeheure Fülle des Machbaren. So können S-Klasse-Insassen per Knopfdruck eine Sitzmassage nach dem Hot-Stone-Prinzip abrufen und sich von 14 Luftkissen sowie Wärme-Nestern verwöhnen lassen.

Zudem können sie zwischen sechs Benzin-, einer Diesel-, drei Hybrid- und fünf Allradvarianten wählen, deren Vier-, Sechs-, Acht- oder Zwölfzylinder eine Leistungsspanne von 231 bis 630 PS abdecken. Interessant: Der Diesel-Hybrid S 300h begnügt sich im EU-Mix mit nur 4,3 Liter auf 100 Kilometer. Die Plug-in-Version S 500e kommt gemäß dem gültigen Messverfahren sogar mit 2,8 Liter Super aus.

Die Mercedes S-Klasse gibt es in verschiedenen Aufbaulängen bis hin zum 6,50 Meter langen Maybach S 600 Pullman. Dazu als Super-Luxus-Coupé und demnächst sogar als Cabriolet, das auf der IAA im September vorgestellt wird. Auch die „Mercedes-Abwehr“ ist auf dem Posten, denn der Super-Benz erfüllt höchste Sicherheitsstandards. So erkennt die S-Klasse etwa einen drohenden Heckaufprall. Im Ernstfall werden die Insassen dann durch Anpassung von Sitz und Rückhaltesystemen sowie das „Festbremsen“ des Fahrzeugs geschützt.

Ein weiteres Highlight ist die Magic Body Control, deren Feder-/Dämpfungssystem sich auf das Fahrbahnprofil einstellt. Dazu tastet eine Stereokamera hinter der Frontscheibe permanent die Straße ab (Road Surface Scan). Das elektronisch geregelte Fahrwerk reagiert in Sekundenbruchteilen auf die jeweilige Situation. Künftig soll die Technik aber noch aufgerüstet werden.

Mercedes: Überarbeitete A-Klasse ab September

Analog zur neuen Mercedes E-Klasse (Start: März 2016) wird die S-Klasse autonome Ausweichmanöver fahren können und den Querverkehr nicht nur kamerabasiert im Auge behalten, sondern auch darauf reagieren. Sollte etwa ein Fußgänger unvermittelt auf die Straße treten, kann der Mercedes um ihn herumsteuern. Zudem kooperiert die Verkehrszeichenerkennung künftig mit dem Tempomaten und hält die Limits ganz ohne Zutun des Fahrers vollautomatisch ein.

Erst mit der aktuellen dritten Generation der A-Klasse tritt der Baby-Benz direkt gegen einen wahrhaften Jahrhundert-Spieler an: den VW Golf. Der ist aktuell in der siebten Generation unterwegs und wird zum Pariser Autosalon im Oktober nächsten Jahres auf Vordermann gebracht. Neben der gerade anlaufenden Einführung des 115 PS kräftigen Dreizylinder-Turbobenziners mit nur einem Liter Hubraum gehören ein kon gurierbares Cockpit und die bereits aus dem Passat bekannten Assistenzsysteme sowie neue Farben und Polsterstoffe zu den wichtigsten inneren Verbesserungen.

Und weil der Golf in buchstäblich jeder seiner zahlreichen Varianten Maßstäbe setzen soll, arbeiten die Techniker im Verborgenen an ganz ausgeklügelten Assistenz-Extras. So kann der rein elektrisch betriebene e-Golf (85 kw/ 115 PS, ab 34.900 Euro) künftig – via Smartphone-App aktiviert – ganz von selbst zu einer Ladestation fahren, an der die 12,7 kWh fassenden Batterien induktiv, also mit drahtlosem Kontakt, wieder aufgeladen werden. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Realität ab Herbst nächsten Jahres ist hingegen das behutsam modifizierte Design mit geänderten Stoßfängern, größeren Kühllufteinlässen, neuen LED-Scheinwerfern und Auspuffenden, die sich unsichtbar hinter Diffusoren verbergen.

 

Mercedes und VW: Facelift für A-Klasse und Golf

Logisch, dass auch Mercedes seine erfolgreiche Kompaktfamilie (A- und B-Klasse, CLA, GLA) auf dem neuesten Stand halten will, die beim weltweiten Absatz inzwischen an der 500.000er-Marke kratzt. Mitte September kommt der erfrischte Baby-Benz in den Handel. Äußere Erkennungszeichen des neuen Jahrgangs sind der dann serienmäßige, je nach Ausstattung silberne oder schwarzglänzende „Diamantgrill“ und neue Scheinwerfer, bei denen ein durchgehendes LED-Leuchtenband als Tagfahrlicht und Blinker fungiert, sowie neue LED-Rückleuchten.

Wichtigste technische Neuerung ist das gegen Aufpreis erhältliche adaptive Fahrwerk, das dem Fahrer die Wahl zwischen Komfort- und Sportmodus lässt. Via „Agility Select“ können zudem vier Fahrprogramme (Komfort, Sport, Eco und Individual) aufgerufen werden, mit denen Parameter wie die Charakteristik von Motor, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung beeinflusst werden.

Alle Diesel erfüllen künftig die EU 6-Norm. Der sparsamste Selbstzünder (1,5-Liter-Vierzylinder im A 180d BlueEFFICIENCY) soll mit nur 3,5 Liter auskommen und rückt damit dem Superspar-Golf 1.6 Bluemotion (3,2 Liter) dicht auf den Pelz. Auf und davon fahren dürfte auch weiterhin die Hyper-A-Klasse in der sportlichen Gestalt des A 45 AMG. Mit künftig 381 statt bislang 360 PS soll der intern „M133“ genannte 2,0-Liter-Turbo den Titel des stärksten Serien-Vierzylinders der Welt verteidigen (Literleistung: 191 PS) und eine knappe halbe Sekunde schneller auf Tempo 100 stürmen (bislang 4,6 s).

Dabei wächst das maximale Drehmoment um 25 auf 475 Newtonmeter. Voraussichtlich ab März 2017 betritt der neue VW Polo das Spielfeld. Der Polo wird größer, leichter, sportlicher und natürlich sparsamer. Aufbauend auf dem MQB (Modularer Querbaukasten, A0), wächst der Radstand um satte 80 auf 2560 Millimeter. Das Auto wird insgesamt 15 Millimeter länger und geringfügig breiter. Durch den Einsatz von hochfesten und warm geformten Stählen und je nach Modellvariante auch leichteren Motoren wird der Polo 60 bis 80 Kilogramm weniger Gewicht auf die Waage bringen.

Da das Motorenregal von Volkswagen prall gefüllt ist, hat auch der kleine Wolfsburger eine große Auswahl an Antriebsaggregaten zur Verfügung. Vom Dreizylinder-Diesel über den starken Vierzylinder, den es zudem als GTI mit zirka 200 PS geben wird, steht auch eine Plug-in-Variante zur Verfügung. Bei Volkswagen glaubt man weiter an eine positive Entwicklung der Elektromobilität, sodass der Polo auch als reines E-Fahrzeug kommen soll.

Im Design soll der Polo emotionaler werden, ohne an Funktionalität zu verlieren. Große Scheinwerfer und ein markanter Grill verleihen der Front deutlich mehr Präsenz. Die A-Säule dürfte etwas flacher sein als bisher, um die Stirnfläche zu reduzieren und gleichzeitig den cW-Wert zu verbessern. Ziel auch hier: die Senkung der Emission durch einem geringeren Verbrauch. Prägnant ist eine scharfe, ansteigende Sicke an der Seite, die dem Auto eine deutliche Wiedererkennbarkeit gibt.

 

Mercedes vs. VW: Neuheiten bei den Kleinwagen

Der Innenraum glänzt mit mehr Platz für die Passagiere. Insbesondere die Beinfreiheit im Fond nimmt deutlich zu. Auch bei den Instrumenten kehren neue Zeiten ein. So wird auch der VW Polo über voll digitale Instrumente verfügen und ein zehn Zoll großes Display erhalten. Ähnlich wie heute schon beim Audi TT dürfte hier ein weitgehend frei programmierbarer Touchscreen verfügbar sein. Eine Reihe von Assistenzsystemen, die bislang dem Golf vorbehalten sind, werden künftig ebenfalls erhältlich sein.

Auf einen Gegenspieler von Mercedes wartet der kleine VW indes vergebens. Überlegungen, etwa mit dem Kooperationspartner Renault/Nissan einen Micro-Mercedes unterhalb der A-Klasse auf die Räder zu stellen, hat man in Stuttgart wohl eine Absage erteilt. Für kleinere Aufgaben gibt es im Hause Daimler den Smart. Dafür sollen auf der Polo-Plattform weitere Derivate entstehen. Eine Stufenhecklimousine ist in Planung, ebenso ein SUV. Und auch der immer wieder diskutierte und von Fans heiß ersehnte Microbus könnte auf der MQB-A0-Plattform Realität werden.

Computerdesign: Patrick Bücker; Reichel CarDesign; KoNi; Jean-François Hubert

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