Mercedes V-Klasse im Fahrbericht: V 250 BlueTEC Vantastisch

02.05.2014

Bis dato hat der „VW Bus“ ein nahezu alternativloses Abonnement auf die Träume der Familienmenschen, Dauer-Verreiser und Großraum-Fans. Mit der neuen Mercedes V-Klasse könnte sich das ändern. Fahrbericht

Es muss die Mercedes-Truppe bis ins Mark gewurmt haben: Während sich „der VW Bus“ nach jahrzehntelanger Evolution zum Traum einer kinder- und lebensfreundlichen Nonkonformisten-Kundschaft entwickelt hat, die verblüffend herzhafte Preise für den Multivan und seine Derivate bezahlt, gilt die Mercedes V-Klasse (alias Viano) immer noch als höchstens zweite Wahl im Segment.

Das Image-Problem gründet tief: VW kommt aus der Bürgerklasse, der Multivan hat also ganz authentisch den sozialen Aufstieg seiner Fahrer mitgemacht – und eben dieser Sympathiebonus bleibt der V-Klasse eindeutig verwehrt. Viel schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass sich frühe Generationen des Mercedes-Transporters durch erschütternd schlechte Anfass- und vor allem Langzeit-Qualität hervortaten, ein Umstand, den man in dieser langstreckenaffinen Ecke des Automobilmarkts gerade einem Mercedes kaum verzeiht. Und nur schlecht vergisst.

2014 ist allerdings das Jahr, in dem sich hier so einiges ändern könnte: Während der aktuelle Multivan etwas angejahrt auf einen Nachfolger wartet, schiebt die Mercedes-Transportersparte eine neue V-Klasse auf den Markt, die zumindest technisch Schluss machen soll mit dem Schicksal des ewig uncharmanten Transporter-Quasimodos. Bereits wenn die neue V-Klasse mit ihrer wuchtigen Front und den scharf gepfeilten LED-Augen auf einen zurollt, bleibt der Mund offen stehen.

 

Mercedes V-Klasse: DESIGN IM MARKEN-LOOK

Plastische Sicken, konvex-konkave Verläufe, eine Seitenlinie, die in die vorderen Radhäuser sickert, um dann unterhalb der Scheinwerfer wieder aufzutauchen – das ist die Schule von Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener, die nicht nur knackig ausschaut, sondern auch den Produktions-Leuten ob ihrer Fertigungs-Komplexität heftige Albträume bescheren dürfte. Die neue V-Klasse lässt ihren Viano-Vorgänger grob und einfach geschnitzt dastehen – und ja, auch der VW Multivan sieht hier blass aus.

Zumal sich die Glamour-Show nicht nur in einer schicken Tapete niederschlägt, sondern obendrein in Sachen Verarbeitungsqualität zu bemerken ist: Spaltmaße auf Premium-Pkw-Niveau und ein exquisites Interieur machen die neue V-Klasse, die wieder in drei Karosserielängen zu haben sein wird, auf Anhieb zum Mercedes unter den Großraumtransportern.

Dazu passt ein bunter Strauß an Sicherheits-, Komfort- und Multimedia-Systemen aus der Auto-Sparte ebenso wie die nun herausragend komfortablen Sitze auf Pkw-Niveau oder auch die vielen pfiffigen und alltagstauglichen Funktionalitäts-Lösungen: separat öffnende Heckscheibe mit praktischer Kofferraum-Untertrennung, leicht einstell- und klappbare Sitze, gut zugängliche Isofix-Aufnahmen und mehr. Auf der ersten Ausfahrt mit dem 190 PS starken V 250 BlueTEC samt Sportfahrwerk ist dann zu bemerken, wie tiefgreifend hier angepackt wurde:

Samtig geht es mit tollem Abroll- und Federungskomfort, leise arbeitendem Diesel-Antrieb und gut gedämmten Windgeräuschen dahin. Kein Wummern, kein Rumpeln, kein Poltern. Das ebenfalls kurz von uns gefahrene, serienmäßige Komfort-Fahrwerk kann das nicht besser, allerdings wirkt das optionale „Sport“-Fahrwerk etwas definierter und präziser. Dank der elektrischen Lenkung wandelt sich das stabile Fahrverhalten der V-Klasse innerstädtisch in ein federleichtes Handling. Wer jetzt immer noch vor der Größe des umbauten Raums und seiner Sperrigkeit zurückschreckt, soll von Mercedes mit dem optionalen Einpark-Assistenten gewonnen werden.

Automatisches Ein- und Ausparken sowohl in Längs- als auch in Querrichtung, das dürfte die letzten Zweifler(innen) überzeugen. Der Clou ist aber, dass Mercedes ausstattungsbereinigt mit der V 200 CDI-Basis preislich sogar noch unter dem entsprechenden VW Multivan bleibt. Der muss nun in seiner nächsten Generation (ab 2015) entweder besser oder billiger werden. Wie man so schön sagt: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Unser Fazit

Edel, komfortabel, wertig – die neue V-Klasse ist ein Paukenschlag für das Segment der Großraumlimousinen.

Johannes Riegsinger

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