Mercedes SLS AMG gegen Jaguar XKR-S im Test Mercedes SLS AMG | Jaguar XKR-S 5.0

05.12.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Als XKR-S ist das elegante Jaguar-Coupé nun Mitglied im elitären Club 300. Der Mercedes SLS AMG ist schon da. Treffen der monumentalen V8

Böse grummelnd und daneben nahezu unhörbar blubbernd massieren sich Mercedes SLS AMG und XKR-S im Leerlauf an diesem kühlen Herbst-Nachmittag die Kälte aus dem Motoröl. Dass der XK einmal neben dem flachen und extrabreiten SLS in der Boxengasse des Nürburgrings stehen würde, war ihm bei seiner Vorstellung 2006 nicht gesungen worden. Doch jetzt spendierte ihm Jaguar noch einmal 50 Extra-PS, regelt erst bei 300 statt 250 km/h ab und positioniert das elegante Reise-Coupé als Jaguar XKR-S in der ersten Startreihe der straßenzugelassenen Sportwagen.

550 Kompressor-PS (Jaguar) treffen auf 571 klassische Sauger-PS (Mercedes). Das wird lustig, denken wir – und werden nicht enttäuscht. Aber der Reihe nach.

 

Karosserie

Bei der Weiterentwicklung zum Jaguar XKR-S blieb dem Jaguar viel von seinem 2+2-Charakter erhalten. Auf den hinteren Sitzen ist zwar nicht gut leben, doch als zusätzliche Ablage sind die Schalen perfekt. 330 zu 176 Liter Stauraum – erreichbar durch eine große Heckklappe – sind ebenfalls ein gutes Argument, für Reisen den Jaguar und nicht den SLS zu nehmen.

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Der Mercedes SLS AMG bietet Fahrer und Beifahrer zwar mehr Raum dank größerer Innenbreite und minimal mehr Innenhöhe, ist gefühlt aber eher der auf Taille geschneiderte Sportler. Ein Nachteil ist das aber wohl nicht, denn genauso wünscht man sich ein Coupé, das auch für die Rennstrecke taugt und die Erinnerung an den ersten Mercedes-Flügeltürer aus den 50er-Jahren wach hält.

Bei der Sicherheitsausstattung ist der Mercedes dank serienmäßiger Knie-Airbags und optionalem Toter-Winkel-Assistent leicht im Vorteil, beim Bedienkomfort auch – hier patzt der Jaguar unter anderem mit der etwas wirren Menüführung des Multimedia-Navigationssystems und dem Fehlen so grundlegender Dinge wie Kühlwasser- oder Motoröltemperaturanzeige. Auch bei der Verarbeitungsgüte sehen wir den Mercedes vorn. Unbestritten ist jedoch, dass auch der großzügig mit Leder eingekleidete Jaguar ein Qualitätsniveau bietet, das selbst kritischen Kunden keinen Grund zum Mäkeln gibt.

KarosserieMax. PunkteMercedes SLS AMGJaguar XKR-S 5.0
Raumangebot vorn1007975
Raumangebot hinten100010
Übersichtlichkeit703537
Bedienung/ Funktion1008576
Kofferraumvolumen100321
Variabilität10000
Zuladung/ Anhängelast80811
Sicherheit1508684
Qualität/ Verarbeitung200190180
Kapitelbewertung1000486494

 

Fahrkomfort

Pausen bräuchte dagegen viel eher die Besatzung des SLS. Denn nach zwei Stunden Autobahn haben sich die Abrollgeräusche und das selbst bei konstantem Tempo dominant ins Cockpit dringende Hämmern, Wummern und Bollern des Motors so nachdrücklich in den Gehörgängen eingenistet, dass es nicht mehr lustig ist.

Zu dieser Sportwagen-Atmosphäre bietet der Jaguar XKR-S das perfekte Kontrastprogramm: klassischer, ab 5000 Touren noch mal heftigerer V8-Sound beim Beschleunigen, weiches Wummern dann bei konstantem Tempo.

Einmal mit dem Jag ohne Übernachtung von Köln nach Südfrankreich? Gern, denn auch der restliche Komfort stimmt. Die vielfach einstellbaren Sitze haben zwar im oberen Schulterbereich eine störende Ausformung und geben im Schenkelbereich weniger Halt als die enger geschnittenen Schalen des SLS. Doch der Brite schluckt Bodenunebenheiten trotz aller gebotenen Straffheit so gut, dass selbst das mit adaptiven Dämpfern (2321 Euro) aufgerüstete Fahrwerk des Mercedes SLS AMG unkomfortabel und stößig erscheint. Vor allem bei Langsamfahrt, aber auch auf welligen Autobahnen wirkt der SLS fast so ungefiltert wie ein Rennwagen.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes SLS AMGJaguar XKR-S 5.0
Sitzkomfort vorn150134119
Sitzkomfort hinten10005
Ergonomie150119125
Innengeräusche501520
Geräuscheindruck1006067
Klimatisierung504041
Federung leer200124138
Federung beladen200120136
Kapitelbewertung1000612651

 

Motor und Getriebe

Der 6,2-Liter-V8 von AMG gibt im SLS eine eindrucksvolle Vorstellung seines Könnens. Sehr dominant ansaugend und bedrohlich donnernd ausatmend mit fehlzündendem Auspuff-Bratzeln im Schiebebetrieb, gibt er akustisch den Bad Guy. Und er belässt es nicht bei großen Worten: Jeder Millimeter mehr Gas ist sofort im Rücken zu fühlen – egal, ob der erste oder der siebte Gang des hellwach schaltenden Doppelkupplungsgetriebes eingespannt ist. 3,7 Sekunden auf 100 und 11,0 auf 200 km/h– diese Zahlen geben nur unvollkommen wieder, mit welcher Brutalität die 571 PS den SLS voranpeitschen können. Andererseits ist auch braves City-Bummeln mit kaum mehr als 1000 Umdrehungen im sechsten Gang möglich.

Das Schleichen beherrscht der Jaguar ebenfalls, dessen per Kompressor aufgeladener Fünfliter leiser, geschmeidiger und unaufgeregter ans Werk geht. Bei Bedarf liefert er natürlich auch mehr Temperament als vielen Beifahrern lieb ist. Denn 4,2 Sekunden auf 100 und 12,8 Sekunden bis 200 km/h können schon beängstigend wirken. Und wie der SLS legt der XKR-S mit zornig hämmerndem V8-Stakkato selbst jenseits der 250 km/h so druckvoll zu, dass Autobahnen schmal wie Radwege werden.

Dass Jaguar den XKR-S bei 300 km/h abregelt, während Mercedes den SLS bis zu seiner natürlichen Spitze von 317 km/h laufen lässt, spielt im echten Leben keine Rolle. Auch die lange Schaltpause vom ausgedrehten fünften in den sechsten Gang, die im Jaguar den Flow stört, ist allenfalls ein Schönheitsfehler. Ansonsten glänzt der Antriebsstrang der englischen Katze mit geschliffenen Manieren. Beide sind also aberwitzig schnell – und auch aberwitzig durstig. 16,8 (Mercedes) zu 15,6 Liter Testverbrauch und 13,0 Liter beim Bummeln sind nur die halbe Wahrheit. Bei engagierter Fahrt dürfen es hier wie da gern mal 20 Liter plus x sein, was beim Jaguar angesichts seines kleinen Tanks zu häufigen Zwangspausen führt.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes SLS AMGJaguar XKR-S 5.0
Beschleunigung150149145
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit150140128
Getriebeabstufung1009793
Kraftentfaltung504846
Laufkultur1008490
Verbrauch3256285
Reichweite2586
Kapitelbewertung1000588593

 

Fahrdynamik

Wer das als Versprechen versteht, den enttäuscht der SLS nicht. Sind die breiten Reifen einmal warm gefahren, hat der Flügeltürer enorm viel Grip und lässt sich mit der schwergängigen, aber ungemein gefühlsechten Lenkung sehr präzise dirigieren. Dazu verblüfft er immer wieder mit der brachialen Verzögerung seiner Karbon-Keramik-Bremsen. Wer öfter über abgesperrte Strecken glüht, kommt an diesem 11.424 Euro teuren Extra nicht vorbei, zumal die enorme Verzögerung (30,8 Meter von 100 km/h auf null) einher geht mit perfekter Dosierbarkeit.

Dem Jaguar bleibt auf der Piste nur eine hochklassige Nebenrolle. Mangels mechanischen Grips an der Hinterachse wirkt er in Kurven und beim Herausbeschleunigen viel nervöser als der SLS. Das Drehmoment des Kompressormotors lässt sich auch nicht so fein dosieren wie die Kraft des SLS, sodass bei abgeschalteten Assistenzsystemen die Grenze zum Übersteuern sehr schmal ist. Beim scharfen Anbremsen aus hohem Tempo liegt er weniger stabil, weil die entlastete Hinterachse weiter ausfedert als die des SLS. Und die bei normaler Fahrt angenehm leichtgängige Lenkung offenbart auf der letzten Rille Unschärfen im Feedback: Was genau sich zwischen Vorderachse und Piste abspielt, spürt der Fahrer im Jaguar sehr viel später als im SLS. Um mit dem XKR-S schnell zu fahren, ist mehr fahrerisches Geschick erforderlich, ohne einem gekonnt pilotierten Mercedes folgen zu können. Auf dem kurzen GP-Kurs des Nürburgrings – damit zurück zum Anfang – trennen den Jaguar 3,5 Sekunden vom SLS. Auf öffentlichen Straßen werden die Unterschiede kleiner, tritt Gemeinsames stärker zutage. So reagieren beide mit wippender Hinterachse und nachlassender Richtungsstabilität auf Bodenwellen in schnellen Autobahnkurven. Und: Die Fahrdynamikregelungen nehmen ihren Job ernst. Ist das Limit in Sicht, greifen sie hart ein.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes SLS AMGJaguar XKR-S 5.0
Handling15011097
Slalom1008985
Lenkung1009282
Geradeauslauf503840
Bremsdosierung302420
Bremsweg kalt150113102
Bremsweg warm150142112
Traktion1006040
Fahrsicherheit150125110
Wendekreis20712
Kapitelbewertung1000800700

 

Umwelt und Kosten

Bittere Wahrheit für alle, die auf den Hunderter achten müssen: Der Jaguar kostet zwar 57.000 Euro weniger als der Mercedes, ist auch billiger zu tanken und zu versichern. Dennoch fordert auch der XKR-S eine finanzielle Grundausstattung, die nur wenigen gegeben ist. Für den SLS AMG gilt diese Feststellung in nochmals verschärfter Form.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes SLS AMGJaguar XKR-S 5.0
Bewerteter Preis675021
Wertverlust5035
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502822
Werkstattkosten20109
Steuer1056
Versicherung40020
Kraftstoff551013
Emissionswerte258078
Kapitelbewertung1000161199

 

Fazit

Zwei grundverschiedene Charaktere haben sich gemessen, nach Punkten gewinnt der SLS AMG. Seinen höheren Preis und die Komfort-Defizite macht er mit Performance mehr als wett. Er ist ein Highend-Coupé mit Clubsport- Eignung, das auch auf der Straße funktioniert. Der XKR-S hat trotz seiner Power eher den Charakter eines komfortablen, sportlich angehauchten Coupés für die genussvolle Reise. Auf der Piste schlägt er sich trotzdem sehr beachtlich.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes SLS AMGJaguar XKR-S 5.0
Summe500026472637
Platzierung12

Tags:
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