Roadster: SLK, Z4, TTS, Boxster S im Vergleichstest

01.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die derzeit stärkste Variante des neuen Mercedes SLK stellt sich den Gegnern von Audi, BMW und Porsche. Kann der in allen Belangen nachgeschärfte Roadster die etablierte Konkurrenz bezwingen?

Es war das Jahr der neuen Roadster. 1995 zeigte uns Audi in Tokio die offene Studie des TT, BMW schickte erste offizielle Bilder des Z3 um die Welt, Mercedes ließ mit dem ersten SLK das Stahlklappdach wieder auferstehen. 1996 startet dann auch Porsche mit dem Boxster in den Markt. Heute, 15 Jahre später, stehen Audi TTS, BMW Z4 sDrive35i und Porsche Boxster S der neuesten Mercedes SLK-Generation gegenüber. Mit Design-Anleihen vom Flügeltürer SLS ausgestattet,soll er das eher softe Roadsterimage des alten SLK auflockern.

Der neue 3,5-Liter-V6-Direkteinspritzer mit 306 PS plus Start-Stopp- Automatik soll den Verbrauch senken, neue Assistenzsysteme machen den Alltag sicherer. Die Gegner auf und rund um den Nürburgring sind ebenfalls gut aufgestellt: Der Audi TTS kommt mit Allradantrieb und 272 PS, der BMW Z4 bringt den kraftvollen Turbo-Reihensechser mit 306 PS an den Start, und der Porsche Boxster S vertraut auf eine ganze Reihe von Fahrdynamik-Komponenten sowie seinen 310 PS starken 3,4-Liter-Boxer. Alle Fahrzeuge treten zum Vergleichstest mit Doppelkupplungs- oder Automatikgetriebe (Mercedes) an.

 

Karosserie

Vor dem ersten Ausflug unter freiem Himmel müssen die Kontrahenten Alltagstauglichkeit beweisen. Zwei Stoffdach-Roadster, Audi und Porsche, treten hier gegen zwei mit Stahlklappdach an. Die Nachteile letzterer Konstruktion ist das Schrumpfen der Gepäckräume bei offenem Dach. Besonders im BMW-Kofferabteil bleibt dann nur noch ein schmaler Schlitz zum Beladen übrig. Auch sonst ist sein Kofferraum wegen der Verdeckmechanik zerklüftet und schlechter nutzbar als der des SLK.

Porsche setzt auf zwei Gepäckräume, Audi auf einen einzigen, der nur über eine hohe Ladekante zu erreichen ist. Audi und BMW bieten optionale Durchlademöglichkeiten an. Große Kopf- und Ellenbogenfreiheit genießen die Audi-Insassen, im schmaleren Mercedes stoßen Großgewachsene leicht mit dem Kopf an die seitlichen Dacheinzüge. Geringe Punktabzüge gibt es auch für die Alu-farbene Schalterleiste in der Mittelkonsole. Die eingelassenen Symbole und die kleinen LEDs sind bei Sonnenlichteinfall schwer zu erkennen.

Auch das Comand-System (3.070 Euro) mit integrierter Navigation und Geschwindigkeitslimit-Assistent verlangt eine kurze Phase der Eingewöhnung. Den besten Eindruck hinterlassen beim SLK die tadellose Verarbeitung, die hohe Materialqualität und Verwindungssteifi gkeit. Auch der kompletten Sicherheitsausstattung haben die drei Konkurrenten wenig entgegenzusetzen. Nur der BMW kommt auf eine ähnlich hohe Punktzahl.

KarosserieMax. PunkteMercedes SLK 350 BlueEFFICIENCYAudi TTS RoadsterPorsche Boxster SBMW Z4 sDrive35i
Raumangebot vorn10071726870
Raumangebot hinten100000
Übersichtlichkeit7044434045
Bedienung/ Funktion10078797982
Kofferraumvolumen10022121519
Variabilität1000303
Zuladung/ Anhängelast8011756
Sicherheit15090777587
Qualität/ Verarbeitung200184180182178
Kapitelbewertung1000500473464490

 

Fahrkomfort

Um es vorwegzunehmen: Im Kapitel Komfort spielt der neue Mercedes SLK 250 BlueEFFICIENCYin einer eigenen Liga. Keiner der Konkurrenten verdaut Unebenheiten so gekonnt wie er, erst bei tiefen Schlaglöchern neigt sein Fahrwerk zum Verhärten. Ähnlich groß ist der Vorsprung beim Geräuschkomfort, da Windgeräusche nur sehr gedämpft zu den Insassen vordringen, was die niedrigen Phonwerte zumindest bei geschlossenem Dach belegen. Die sehr bequemen Sportsitze runden den Kapitelsieg des SLK ab.

Porsche in Shanghaiund BMW liegen gleichauf. Trotz seiner straffen Grundabstimmung punktet der Boxster aber mit dem besseren Federungskomfort, da er zu weniger Aufbaubewegungen neigt und zudem Querfugen besser absorbiert als der Z4, der unter seiner großen 19-Zoll-Mischbereifung leidet. Kurze Stöße lassen die Karosserie erzittern und dringen trotz adaptiver Dämpfer, die alle vier Testkandidaten an Bord hatten (nur beim TTS Serie), zu deutlich zu den Insassen durch. Obwohl der Münchner ebenso wie der SLK über ein Klappdach verfügt, produziert er deutlich lautere Windgeräusche.

Die beiden Stoffdach-Cabrios sind hier prinzipbedingt im Nachteil und belästigen die Insassen mit einem höheren Lärmpegel. Der Audi TTS kann mit seiner serienmäßigen Klimaautomatik zusätzliche Punkte sammeln, die ihn aber nicht vor dem letzten Platz retten. Dafür bietet er im Innenraum zu wenig Ablagen. Negativer fällt aber der schlecht beladbare und mit einer sehr hohen Ladekante versehene, flache Gepäckraum ins Gewicht. BMW und Porsche verwöhnen den Fahrer gegen Aufpreis mit beheizbaren Lenkrädern, wohingegen der Mercedes dank seines optionalen Airscarf-Systems einen angenehm warmen Luftschleier um die Hälse der Passagiere legt.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes SLK 350 BlueEFFICIENCYAudi TTS RoadsterPorsche Boxster SBMW Z4 sDrive35i
Sitzkomfort vorn150110106103106
Sitzkomfort hinten1000000
Ergonomie150122118120120
Innengeräusche5030201723
Geräuscheindruck10084767879
Klimatisierung5035373335
Federung leer200115100108102
Federung beladen200115100108102
Kapitelbewertung1000611557567567

 

Motor und Getriebe

Unterschiedlicher könnten die Antriebskonzepte nicht sein: Während Audi (quer, Vierzylinder) und BMW (längs, Sechszylinder) auf aufgeladene Reihenmotoren setzen, kommen bei Mercedes und Porsche freisaugende Triebwerke als V- und Boxer-Motor zum Einsatz. Einigkeit herrscht lediglich in puncto Direkteinspritzung. Entsprechend groß fallen die Charakteristika der Aggregate aus. Geradezu spielerisch durchquert der 3,4 Liter große Motor im 911 GT3 RS 4.0das Drehzahlband und betört dabei mit seinem sägenden Boxer-Sound und dem vibrationsarmen Lauf. Er münzt die höchste Leistung (310 PS) in die mit Abstand besten Fahrleistungen um (null auf 100 km/h in 4,7 Sekunden), zudem verzichtet der Boxster auf elektronische Fesseln und rennt 272 km/h.

Verwaltet wird die Kraft vom aufmerksamen Doppelkupplungsgetriebe (PDK), dessen siebte Fahrstufe extrem lang übersetzt ist. Das senkt zwar Verbrauch und Geräusche, zwingt das PDK aber auf der Autobahn häufig dazu, eine oder zwei Stufen zurückzuschalten. Das hat der BMW nicht nötig. Er surft bereits ab Landstraßentempo auf seiner gewaltigen Drehmomentwelle (400 Nm von 1300 bis 5000 /min) und erledigt alles im siebten Gang des überragenden Doppelkupplungsgetriebes. Es reagiert spontan auf Schalteingriffe, beantwortet manuelles Herunterschalten mit herrlichen Zwischengasstößen und kuppelt geschmeidig ein. Beim Standardsprint hat der 306 PS starke Münchner mit 5,3 Sekunden die Nase vor dem nominell gleich starken Mercedes, der eine halbe Sekunde länger braucht. Dessen 3,5-Liter-Sauger tritt im mittleren Drehzahlbereich sehr energisch an, obenherum geht ihm aber die Puste aus.

Seine Automatik agiert nicht so spontan und aufmerksam wie die Getriebe der Konkurrenz, verwöhnt aber bei ruhiger Fahrweise mit gutem Schaltkomfort. Nur der Mercedes verfügt zudem über ein sehr gut funktionierendes Start-Stopp-System, das zum niedrigsten Verbrauchswert von 10,5 l/100 km im Feld beiträgt. Im Audi arbeitet der mit 272 PS und lediglich 2,0 Liter Hubraum schwächste und zugleich kleinste Motor. Während der TTS bei den Fahrleistungen gut mithalten kann, muss er sich hinsichtlich Laufkultur und Leistungsentfaltung hinten einreihen, da sein Turbo recht verzögert anspricht und erst ab rund 2500 Touren richtig Druck macht. Das Getriebe im Audi e-tron quattrokommt mit nur sechs Gängen aus, entsprechend hoch ist das Drehzahlniveau bei höheren Geschwindigkeiten.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes SLK 350 BlueEFFICIENCYAudi TTS RoadsterPorsche Boxster SBMW Z4 sDrive35i
Beschleunigung150133137141137
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150909010790
Getriebeabstufung10087858890
Kraftentfaltung5042404648
Laufkultur10087819288
Verbrauch325182169163165
Reichweite259897
Kapitelbewertung1000630610646625

 

Fahrdynamik

Mittelmotorprinzip, niedriges Gewicht, sehr straffe Fahrwerksabstimmung dank adaptiver Dämpfer (PASM, 1.666 Euro), schnell schaltendes Getriebe mit Race-Modus und nicht zuletzt das 310 PS starke Boxertriebwerk lassen die Gegner des Panamera: V6-Diesel erblassen. Im Slalom hilft ihm die präzise Lenkung mit bester Rückmeldung. Allein auf Unebenheiten wirkt sie auffallend stößig. Auf der Rundstrecke profitiert der Porsche von seiner Rennsport-DNA und setzt sich locker an die Spitze des Feldes. Kaum spürbare Karosseriebewegungen, starke Traktion und eine sehr gute Bremsbalance auch bei hoher Beanspruchung zeichnen ihn aus.

Der Allrad-Audi bringt serienmäßig adaptive Dämpfer mit und ordnet sich gleich dahinter ein. Obwohl mit 272 PS schwächster Wagen im Feld, setzt er seine Traktionsvorteile, das beinahe narrensichere, leicht untersteuernde Fahrverhalten und die gute Bremsleistung in schnelle Rundenzeiten um. Den http://www.autozeitung.de/videos/bmw-z4 drückt buchstäblich der kräftige Turbomotor nach vorn. Sein Fahrverhalten überrascht mit ständigen Rollbewegungen der Karosserie. Die ausgeprägte Neigung zum Untersteuern – selbst mit den montierten 19-Zoll-Rädern für 1.440 Euro – und die unter Stressbedingungen auf dem Handlingkurs zappelige Hinterachse verhindern aber mehr.

Der neue Mercedes SLK zeigt sich bei schnellen Runden von seiner besten Seite. Die spurstabile Vorderachse und das sensibel regelnde ABS garantieren eine beachtliche Bremsbalance – auch auf der letzten Rille. Die gemessene Standardbremsleistung aus 100 km/h lässt zudem keine Wünsche offen. Nur die Presafe-Funktion (393 Euro) fesselt bei zu heftigen Bremsmanövern den Fahrer unvermittelt an seinen Sitz. Zügiges Einlenken, frühes Herausbeschleunigen mit sanftem ESP-Eingriff – so macht der SLK richtig Spaß, ohne nervenaufreibend zu sein.

Das Fahrdynamikpaket (1.416 Euro) samt adaptiven Dämpfern, Tieferlegung (10 mm), Direktlenkung und Torque-Vectoring-Bremsfunktion erweist sich als empfehlenswerte Anschaffung. Nur der im oberen Drehzahlbereich wenig drehfreudige V6 und das Automatikgetriebe bremsen den Mercedes SLK ein. Im Vergleich zu den Doppelkupplungsgetrieben der Konkurrenten fällt es in puncto Schaltgeschwindigkeit etwas zurück. Und nur bei den sehr schnellen Richtungswechseln im Slalom missfällt die optionale Direktlenkung (321 Euro), weil sie um die Mittellage wenig präzise arbeitet.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes SLK 350 BlueEFFICIENCYAudi TTS RoadsterPorsche Boxster SBMW Z4 sDrive35i
Handling150100105110102
Slalom10068838582
Lenkung10083859285
Geradeauslauf5043424038
Bremsdosierung3021222523
Bremsweg kalt150102101102100
Bremsweg warm150113107118113
Traktion10052796046
Fahrsicherheit150128134125120
Wendekreis2019131415
Kapitelbewertung1000729771771724

 

Umwelt und Kosten

Im Rennen um die Gunst der Kunden stattet BMW den 306 PS starken Z4 mit dem günstigsten Einstiegspreis aus. Zwischen ihm und dem Porsche Boxster S liegen über 9.000 Euro. Fairerweise werden alle vier Roadster-Preise inklusive der Kosten für die optionalen Doppelkupplungsgetriebe bewertet. Lediglich der Mercedes kommt serienmäßig und ausschließlich mit einem Automatikgetriebe auf den Markt. Nahezu komplett ausstaffiert, zählen bei der AUTO ZEITUNG-Normausstattung in diesem Fall nur die Aufpreise für die Metalliclackierungen.

Auch hier langt Porsche (904 Euro) kräftiger zu als alle anderen. Traditionell gering ist dagegen der Wertverlust bei dem Zuffenhausener, allerdings nur prozentual. Sein hoher Grundpreis als Berechnungsbasis lässt ihn hier auf ein Niveau mit Audi A3 Hybridund Mercedes zurückfallen. Top bei den Versicherungskosten ist der niedrig eingestufte TTS. Die SLK- und Boxster S-Kunden müssen hier die höchsten Vollkaskoeinstufungen verkraften. Unterm Strich können Audi und Mercedes mit den besten Garantieleistungen Punkte gewinnen und schieben sich auf Rang eins und zwei in dieser Kapitelwertung.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes SLK 350 BlueEFFICIENCYAudi TTS RoadsterPorsche Boxster SBMW Z4 sDrive35i
Bewerteter Preis67511011194114
Wertverlust5011111112
Ausstattung2518191618
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5027281720
Werkstattkosten2014161315
Steuer108878
Versicherung4026322230
Kraftstoff5530272628
Emissionswerte2589858583
Kapitelbewertung1000333337291328

 

Fazit

Der Mercedes SLK 350 gewinnt verdient diesen Vergleichstest gegen namhafte Mitstreiter. Das alltagstaugliche Konzept überzeugt auf Anhieb. Hohe Qualität ist hier gepaart mit einer komfortablen Gesamtabstimmung, die selbst eine härtere Gangart gut verträgt. Der neue V6 punktet zwar mit dem geringsten Testverbrauch, muss sich allerdings in puncto Drehfreudigkeit und Leistungsentfaltung hinten anstellen. Audi rangiert mit dem straff abgestimmten TTS dahinter. Das großzügige Raumangebot, die hohe Fahrdynamik und -sicherheit sind seine Vorzüge. Porsche und BMW folgen knapp dahinter auf den Rängen drei und vier. Teuer in Anschaffung und Unterhalt, aber mit bester Dynamik sowie einem feinem Antrieb ausgestattet, kann sich der Boxster S knapp vor dem Z4 sDrive35i behaupten. Der kraftvolle Porsche-Motor ermöglicht gute Fahrleistungen, die Roadster-typische Sitzposition gefällt ebenfalls. Die Fahrwerksabstimmung bedarf dagegen einer Überarbeitung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes SLK 350 BlueEFFICIENCYAudi TTS RoadsterPorsche Boxster SBMW Z4 sDrive35i
Summe50002803274827392734
Platzierung1234

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