Mercedes SLK 320/Porsche Boxster S: Classic Cars Zwei Roadster im Markenduell

14.06.2016

Roadster wie Mercedes SLK 320 und Porsche Boxter S stehen für Freiheit und Purismus auf vier Rädern. Aber welcher Stuttgarter bietet den besten Platz an der Sonne? Die Antwort im Vergleich.

In den 50er- und 60er-Jahren erlebten Roadster einen großen Boom, ausgelöst durch traumhafte Zweisitzer aus Großbritannien und Italien. Aber auch in Deutschland entstanden unter anderem mit Porsche 356 Speedster und Mercedes 300 SL Roadster wunderbare und bis heute sehr begehrte Open-Air-Ikonen. In den frühen 90ern belebte Mazda mit dem MX-5 das damals stark schwächelnde Segment erfolgreich neu. Ausgelöst durch diesen erneuten Boom sprangen Porsche 1993 und Mercedes 1994 mit Aufsehen erregenden Studien auf den rollenden Zug auf. 1996 feierten SLK (Sportlich, Leicht, Kurz) und Boxster (eine Zusammensetzung aus Boxer und Roadster) ihr Debüt. Sowohl Mercedes als auch Porsche betraten mit den beiden Modellreihen technisches Neuland. Der SLK (intern R170) bot anders als der größere SL (R129) ein festes, klappbares Stahldach. Porsche präsentierte mit dem Boxster (Typ 986) neben dem 911 (Typ 993) eine zweite Baureihe, die neben den Scheinwerfern viele Bauteile mit der später folgenden 911-Generation (Typ 996) gemeinsam hatte. Der Einstiegs-Porsche sollte den angeschlagenen Sportwagenbauer wieder auf Erfolgskurs bringen. Zu Beginn der 90er-Jahre steckte Porsche tief in der Absatzkrise. 1991/92 wurden nur 23.000 Fahrzeuge verkauft.

 

Mercedes SLK 320 und Porsche Boxster S im Vergleich

Im Jahr darauf fuhr die Firma einen Rekordverlust von 240 Millionen Mark ein. Boxster und SLK sollen den beiden schwäbischen Unternehmen neue Kunden in einer jüngeren Zielgruppe erschließen. Auch wenn das anders funktioniert hat, als sich die Marketingstrategen das vielleicht vorgestellt haben, erfreuten sich die beiden Roadster schnell großer Beliebtheit. Im direkten Duell vergleichen wir exemplarisch den im Herbst 1999 aufgelegten Boxster S mit 252 PS und den ab 2000 modellgepfl egten und 218 PS starken SLK 320. Von den Abmessungen sind sich der in Bremen gefertigte SLK und der sowohl in Finnland als auch Stuttgart hergestellte Boxster mit Ausnahme der 6,5 Zentimeter breiteren Karosserie des Porsche sehr ähnlich. Sowohl von außen als auch von innen geben sich die beiden Roadster als vollwertige Vertreter ihrer Marken zu erkennen. Ein deutlicher Qualitätsvorsprung ist auf Seiten des Mercedes zu verzeichnen. Die Cockpit-Gestaltung der ersten Boxster- Generation wirkt außerdem zu verspielt.

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Der Sechszylinder-Boxster beschleunigt etwas schneller

Auch beim Platzangebot kann der SLK punkten. Geschlossen bietet er reisetaugliche 350 Liter Gepäckraum. Bei geöffnetem Dach schmilzt der Platz auf 145 Liter. Der Boxster bietet 260 Liter in zwei Gepäckablagen. Bis das Vario-Dach des SLK geschlossen respektive geöffnet ist, vergehen 25 Sekunden. Die Stoffkapuze des Boxster gibt in weniger als der Hälfte der Zeit den Blick auf den Himmel frei. Das kann mdurchaus als Hinweis auf die sportlichen Ambitionen des Porsche gewertet werden. Den Spurt auf Landstraßentempo absolviert der als Mittelmotor eingebaute Sechszylinder-Boxer eine Sekunde schneller als der über der Vorderachse sitzende V6-Zylinder des SLK. Der souveräne Kurzhuber des Mercedes passt besser zum eleganten Charakter des SLK als beispielsweise der schwache Einstiegs-Vierzylinder mit 136 PS. Die Kombination von seidenweichem Antrieb, großzügigen Platzverhältnissen und einer komfortablen Fahrwerksabstimmung macht den SLK zum alltagstauglichen Ganzjahreswagen. Zu kritisieren sind lediglich das zu groß geratene Lenkrad und die gewöhnungsbedürftige Schaltung. Mehr zum Thema: Vier Traumcoupés im Check

Der Mercedes ist eher ein Langstrecken-Cabrio als ein sportlicher Roadster, mit dem man über die Landstraße fegen möchte. Mehr Emotionen weckt der Boxster S. Mit dem Dreh des Zündschlüssels – natürlich auf der linken Seite – erwacht der 3,2-Liter-Boxer mit heiserem Bellen zum Leben. Er legt einen ganz anderen Charakter an den Tag als die kultivierte Mercedes-Maschine. Der Boxster fordert seinen Piloten und belohnt ihn dafür mit einer perfekten Abstimmung von Lenkung, Gas und Bremse. Auch bei fehlendem, weil aufpreispflichtigem PSM (ESP) gibt sich der Mittelmotor-Sportler sehr kurvenstabil. Er vermittelt einen direkten Fahrbahnkontakt, ohne an Reisetauglichkeit einzubüßen. Das stimmige Konzept hatte natürlich seinen Preis. Knapp 100.000 Mark waren im Jahr 2000 für den leistungstechnisch am 911 kratzenden Boxster S fällig. Dagegen war der besser verarbeitete SLK 320 knapp 20.000 Mark günstiger.Wie steht es heute um die beiden Roadster? Der Boxster ist nach wie vor teuer, der SLK hat laut Classic Data im Vergleich zu 2015 rund 3000 Euro (Note 2) an Wert verloren. Den Boxster plagen die dünne Polsterung, Qualitätsschwankungen im finnischen Werk und Ölverlust bei hohen Laufl eistungen. Der SLK leidet wegen seiner Ganzjahrestauglichkeit häufig an Lack- und Rostproblemen. Wer einen der beiden Roadster sucht, sollte jetzt zuschlagen. Günstiger werden sie nicht.

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Technische Daten Mercedes SLK 320 Porsche Boxster S
Motor V6-Zylinder B6-Zylinder
Hubraum 3199 cm³ 3179 cm³
Leistung
bei
160 kW/218 PS
bei 5700/min
185 kW/252 PS
bei 6250/min
Max. Drehmoment
bei
310 Nm
bei 3000/min
305 Nm
bei 4500/mi
Getriebe Sechsgang-
Getriebe, Mittelschaltung
Sechsgang-
Getriebe, Mittelschaltung
Antrieb Hinterrad Hinterrad
0 - 100 km/h 7,3 s 6,4 s
Höchstgeschw. 245 km/h 260 km/h
Verbrauch 11,6 l/100 km 12,5 l/100 km
Marktlage 4900 bis 11.400 Euro 7000 bis 17.000 Euro

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