Mercedes SL 65 AMG Black Series

03.06.2009

Dicke Kotflügelverbreiterungen, ein Dach aus Kohlefaser und 670 PS unter der Motorhaube – die limitierte Topversion des Mercedes SL von AMG ist ein wildes Tier. Wer es bändigen will, muss hochkonzentriert ans Werk gehen

Eckdaten
PS-kW670 PS (493 kW)
AntriebHinterrad, 5 Gang Automatik
0-100 km/h3.8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit320 km/h
Preis327.250,00€

Kann denn Power Sünde sein? In den heutigen Zeiten, in denen man eher auf Emissionswerte und Sparsamkeit achtet, bedarf es sicherlich einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und Mut, ein Fahrzeug wie den SL 65 AMG Black Series auf den Markt zu bringen. Aber der Verkaufserfolg bescheinigt den AMG-Verantwortlichen, dass sie alles richtig gemacht haben.

Der auf eine Stückzahl von 320 Einheiten limitierte Power-SL, zum gepfefferten Stückpreis von 327 250 Euro, ist ausverkauft! Es gibt also noch immer reichlich Auto-Enthusiasten, die genügend Geld besitzen und sich nicht von Umweltdiskussionen und Finanzkrise aus der Bahn werfen lassen – 50 davon sogar in Deutschland.

Trockene Pisten sind ein absolutes Muss für diesen Über-Mercedes. Bei Nässe genügt fast schon der Blick auf das Gaspedal, um die Hinterräder durchdrehen zu lassen. Selbst Piloten mit nachgewiesenem Samtfuß legen mit diesem Auto schon mal unabsichtlich einen Kavalierstart hin. Bei Nässe sollte dieser Bolide wirklich lieber in der Garage parken – zum Schutz für Mensch und Material. Aber es gibt ja auch bessere Momente – die, in denen die Sonne scheint und die Straßen trocken sind. Dann kann das Monster zeigen, was in ihm steckt.

Momentaufnahmen für den Fahrer

Unser Weg führt uns nach Hockenheim. Nirgendwo anders als auf einer abgesperrten Rundstrecke lässt sich das gesamte Potenzial dieses Muskelprotzes wirklich erfahren. 1000 Newtonmeter Drehmoment (elektronisch abgeregelt) und 670 PS in Verbindung mit Heckantrieb verlangen ihren Meister, soll die Fahrt nicht abrupt jenseits der Straße enden.

Wir sind allein, niemand stört uns bei den Test- und Fahrversuchen. Für den Sprint von null auf 100 km/h gibt es ein spezielles Startprogramm im Black Series. Aber wir schaffen es trotzdem nicht, die Werksangabe von 3,8 Sekunden zu erreichen. Also ein neuer Versuch mit eingeschaltetem ESP. Halbgas, und wie an der Schnur gezogen prescht der SL nach vorn. Uns drückt es mit aller Gewalt in die ausgeprägten Schalensitze, die aus Gewichtsgründen nur über wenig Polsterung verfügen. Es strengt an, die Hände am Lenkrad zu halten, aber zum Glück ist der SL mit einer Automatik ausgestattet, und wir müssen keine Gänge manuell
wechseln.

Völlig unangestrengt schiebt der AMG unter heftigem Geboller und Getöse aus der Auspuffanlage los. Die Tachonadel scheint schneller zu wandern als der Anzeiger des Drehzahlmessers. Das alles sind für den Fahrer nur Momentaufnahmen, denn nach 3,8 Sekunden liegen diesmal tatsächlich 100 km/h an – und der schiere Vortrieb scheint einfach nicht enden zu wollen. 10,5 Sekunden, und wir sind 200 km/h schnell.

Ähnlich geht die Tempozunahme bis zur elektronisch abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h weiter. Jetzt fliegt die Landschaft im Zeitraffer an uns vorbei. Die nächste Kurve taucht schneller auf als vermutet. Also treten wir mit aller Kraft auf das Bremspedal. Der Vorderwagen knickt ein wenig ein, wir werden mit Macht in die Gurte gepresst. Die Bremsen packen energisch zu, und wir bauen schnell und sicher Tempo ab. Aus 100 km/h benötigt der trotz Leichtbau noch 1790 Kilogramm schwere Bolide nur 33,3 Meter bis zum Stillstand. Ein Spitzenwert.

Der Black Series ermöglicht viele Spielarten

Die Lenkung des Black Series arbeitet überaus präzise und direkt. Die elektronischen Geister helfen dabei, in den Kurven ein hohes Tempo zu erzielen, ohne dass das Heck ausbricht. Wer die Helfer allerdings abschaltet, steht in Bruchteilen von Sekunden quer, wenn er das Gaspedal nur einen Millimeter zu weit drückt. Hat man jedoch einmal Vertrauen gefasst, kann man quasi alle Spielarten des Querfahrens mit dem Mercedes betreiben, die einem in den Sinn kommen.

Aber es gibt ja nicht nur die Rennstrecke. Im normalen Straßenbetrieb fällt der Black Series-Fahrer immer auf. Optik und Sound verheimlichen nichts – im Gegenteil. Doch trotz straffer Fahrwerksabstimmung fühlt man sich nicht unkomfortabel untergebracht. Nur an der Tankstelle tut es weh: 17,4 Liter Super Plus je 100 Kilometer sind eine Hausnummer.

Der Mercedes SL 65 AMG Black Series ist zwar ein absolut unvernünftiges Auto, aber gerade die unvernünftigen Dinge machen das Leben oft einfach schöner. Und mit diesem Extremisten in der Garage freut man sich vielleicht noch mehr als jeder andere auf sonniges Wetter und trockene Straßen.
Jürgen Schramek

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderV12 / 3, Biturbo
Hubraum5980
Leistung
kW/PS
1/Min

493/670
5400 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
1000
2200 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang Automatik
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. und gelochte Scheiben
h: innenbel. und gelochte Scheiben
Bereifungv: 265/35 ZR 19
h: 325/30 ZR 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1790
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.8
Höchstgeschwindigkeit (km/h)320
Verbrauch 
Testverbrauch17.4l/100km (Super Plus)
EU-Verbrauch14.4l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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