Mercedes SL 65 AMG Black Series Prinzip Maxi-Mumm

10.03.2009

Brutale Leistung, beste Fahrdynamik und  aerodynamische Effizienz standen im Lastenheft des  670 PS starken Coupés mit dem langen Namen Mercedes SL 65 AMG Black Series

Eckdaten
PS-kW670 PS (493 kW)
AntriebHinterrad, 5-Stufen Automatik
0-100 km/h3.9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit320 km/h
Preis327.250,00€

Spektakulär ist für diesen Mercedes SL der passende Ausdruck, und selbst das ist noch untertrieben. Der SL 65 AMG Black Series aus dem AMG Performance Studio – hier werden übrigens auch das Safety Car und das Medical Car für die Formel1 gebaut – entsteht zudem in einer limitierten Auflage von nur 350 Exemplaren.

Bereits auf den ersten Blick ist der Transfer von der Formel1 zum Straßenauto zu erkennen. Breit, bullig und tief geduckt macht der SL 65 AMG Black Series schon im Stand Lust auf eine intensive Ausfahrt, die durch die limitierte Auflage nur wenigen Auserwählten vorbehalten bleibt. Wir konnten den zweisitzigen Boliden in Kalifornien ausgiebig auf Highways, Landstraßen und der Rennstrecke in Laguna Seca Probe fahren und verstehen nun, was einen Menschen mit entsprechend gefüllter Geldtasche dazu bewegt, sich diesen SL zuzulegen. Immerhin kostet er mit exakt 327250 Euro so viel wie ein schmuckes Einfamilienhaus.

Bereits die Karosserie des Black Series lässt so einige technische Highlights vermuten. Sie besteht bis auf wenige Ausnahmen aus Karbonfaser-Kunststoff. Die gewaltigen Kühlöffnungen in der tief nach unten gezogenen und dicht über dem Asphalt kauernden Frontschürze geben einen Hinweis darauf, was unter der ebenfalls mit Kühlöffnungen versehenen Motorhaube steckt – und zwar Kraft ohne Ende in Form eines 6,0-Liter-V12-Biturbomotors mit 670 PS und elektronisch begrenzten 1000 Newtonmeter Drehmoment. Dazu aber später. Ergänzt wird der dynamische Auftritt durch die markanten, weit herausgezogenen Kotflügel (14 Zentimeter), unter denen Reifen der Dimension 265/35 ZR 19 an der Vorder- und gar 325/30 ZR 20 an der Hinterachse von Dunlop montiert sind. Dazu kommen ein ab 120 km/h automatisch ausfahrbarer Heckflügel und die Heckschürze mit auffälligen Diffusor-Finnen.

Die Power des Motors ist noch nicht ausgereizt

Im Vergleich zum Basistriebwerk des Mercedes SL 65 AMG mit 612 PS nahmen die Techniker beim SL Black Series einige Veränderungen vor, um die gewaltige Power von 670 PS zu erzielen. Neu entwickelte Turbolader mit einem um zwölf Prozent vergrößerten Spiralquerschnitt der Lader sowie optimierte Wastegate-Kanäle ermöglichen einen höheren Luftdurchsatz. Ein spontaneres Ansprechverhalten des Triebwerks wird durch die geänderte Ansaugluftführung erzielt, und die neu konstruierten Endschalldämpfer reduzieren den Abgasgegendruck. Trotz der vorhandenen Leistung ist die Standfestigkeit des Zwölfzylinders kein Thema bei AMG. Neue Ladeluftkühler, die um 30 Prozent leistungsfähiger sein sollen, sind dafür ebenso verantwortlich wie eine optimierte Wasserkühlung und ein stärkerer Sauglüfter. Das maximale Drehmoment von 1000 Newtonmetern liegt zwischen 2200 und 4200 Umdrehungen an. Ohne elektronische Begrenzung würde der Zwölfzylinder 1200 Newtonmeter realisieren. Die elektronische Begrenzung kommt auch bei der Höchstgeschwindigkeit zum Einsatz. 320 km/h erreicht der Black Series – ohne dieses Limit soll er laut AMG deutlich über 340 km/h rennen. Der normale SL 65 AMG ist auf 250 km/h begrenzt.

All diese Versprechungen wollen wir nun endlich auch live erleben. Also den Innenraum entern und erst einmal völlig unspektakulär mit dem Zündschlüssel das Triebwerk starten. Fauchend erwacht der Zwölfzylinder zum Leben. Mittels Fünfgangautomatik, der so genannten AMG Speedshift Plus, wird die Kraft auf die angetriebenen Hinterräder übertragen.

„One man, one engine“ – jeder V12 trägt den Namen seines Erbauers

Vier Fahrprogramme stehen bei der Getriebecharakteristik zur Verfügung: C, S, M1, M2. Bei letzterem werden die Schaltzeiten nochmals um 20 Prozent verkürzt. Wir müssen uns zunächst mit normalen amerikanischen Straßen abgeben und auf das Ausreizen der 670 PS noch warten. Aber eines können wir schon nach kurzer Zeit bestätigen: Den angegebenen Beschleunigungswert von null auf 100 km/h von 3,9 Sekunden glauben wir aufs Wort. So schnell wie der 1870 Kilogramm schwere Black Series (250 kg weniger als beim SL 65 AMG) nach vorn sprintet, ist fast nicht zu glauben. Wir werden mit aller Gewalt in die Sportsitze gepresst, und der Vortrieb scheint schier nicht enden zu wollen.

Das straffe Fahrwerk lässt auf den schlechten amerikanischen Pisten keine Zweifel darüber aufkommen, dass der Black Series ein echter Sporttyp ist. Trocken und knackig dringen die Unebenheiten bis in den Innenraum durch. Die sportliche Härte ist zwar ein Nachteil des neu konstruierten und einstellbaren Gewindefahrwerks, in Verbindung mit der neuen Vorderachs-Kinematik spricht die Lenkung aber spürbar direkter an – kurviges Geläuf wird sogar mit dem SL zu einem echten Vergnügen. Nach zwei Stunden haben wir endlich die Rennstrecke von Laguna Seca erreicht und dürfen jetzt ausprobieren, was der Black Series wirklich kann. Wie schon erwähnt: Die Beschleunigung findet quasi ohne Unterbrechung der Geschwindigkeitszunahme bis zur Höchstgeschwindigkeit statt. Das Getriebe schaltet dabei schnell, sauber, ruckfrei und gibt beim Verzögern selbstständig Zwischengas zum Herunterschalten.

Das dreistufige ESP ermöglicht alle Spielvarianten der Fahrdynamik – bis hin zum ausgeschalteten ESP, das nur noch beim Betätigen der Bremse kurz aktiviert wird. Mit ausgeschalteter Stabilitätshilfe geht es mit dem Black Series in nahezu allen Lebenslagen quer daher. Ob beim kräftigen Beschleunigen auf der Geraden oder bei zu viel Gaseinsatz in der Kurve – es ist einfach zu viel Kraft an der Hinterachse. Diese Power richtig zu dosieren, bedarf es einer langjährigen Erfahrung und viel Übung. Für Sicherheit auch im Extrembereich sorgen die kräftig zupackenden Stahlverbundscheiben, die auch bei mehrmaliger Betätigung aus hohen Geschwindigkeiten keinerlei Nachlassen zeigen. Karbon-Keramik-Scheiben sind im Gespräch und werden derzeit getestet. Da wird man zum echten Racer, zumal der komplett in Schwarz gehaltene Innenraum mit Karbon, Alu und Leder das perfekte Ambiente für einen Sportwagen bildet.

Der Black Series ist ein Prachtstück, von dem es leider nur wenige geben wird, die Stückzahl wird definitiv nicht erhöht. AMG zeigt mit diesem Modell wieder einmal, was technisch möglich ist.
Jürgen Schramek

Fazit


Technische Daten
Motor 
ZylinderV12 / 3
Hubraum5980
Leistung
kW/PS
1/Min

493/670
5400 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
1000
2200 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5-Stufen Automatik
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. und gelochte Scheiben
h: innenbel. und gelochte Scheiben
Bereifungv: 265/35 ZR 19
h: 335/30 ZR 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1795
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)320
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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